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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr 46 Dr. Vlmtz's Vvchrnfttzrkfl Seite 935 1129 für M. Alfred Neymark, so daß für den 14. November eine neue Wahl, bei der freilich das Resultat nicht zweifelhaft sein kann, da kein Gegencandidat nominirt ist. ausgeschrieben wurde. — Mr. Danon, der frühere Director der Alliance-Schulen in Salonichi und Galata ist nach Paris berufen, um die Leitung der ec»le normale in Paris zu übernehmen. — Die vereinigten Hilfscomites für die durch die Gasexplosionen verunglückten Grubenarbeiter in Saint Etienne sind zur Prüfung' der Kassenübernehmnng des Schatzmeisters Jsaia Levaillant znsammengekommen, gegen den die „Libre Parole" einen großen Verlenmdungsfeldzug bei dieser Gelegenheit eröffnet hat. Die drei Comitäs haben aber einstimmig die Kaffenführnng gut geheißen, Decharge ertheilt und Herrn Levaillant ihr vollstes Vertrauen und ihren wärmsten Dank ausgesprochen. Damit fällt abermals eine der Verleumdungen der. „Libre Parole". Die Jude« in Rußland. Man schreibt der „Pol. Corr." aus St. Petersburg, 3. d. M.: Die russische Regierung scheint in nächster Zeit verschiedene gegen die Juden gerichtete Verbote gänzlich aufheben oder wenigstens erheblich abändern zu wollen. So soll das seit vierzig Jahren bestehende Verbot, welches allen Israeliten den Aufenthalt in Sibirien untersagt, gemildert werden. Der Senat hat nämlich den Vorschlag gemacht, jenen Israeliten, welche eine Universität oder eine höhere Specialschule absolvirt haben, die Ansiedlung in Sibirien zu gestatten. Dieser Vorschlag wird gegenwärtig in den competenten Regierungskreisen studirt. Sicheren Vernehmen nach wird es ferner den ausländischen jüdischen Handlungsreisenden gestattet werden, sich in allen Orten Rußlands aufzuhalten, falls sie den Ankauf von Hopfen und anderen l a n dwirthschaftlichen Producten betreiben, da das diesbezügliche bisher geltende Verbot den russischen Hopfenhandel in hohem Grade geschädigt hat. Endlich wäre noch zu erwähnen, daß die Regierung den Beschluß gefaßt hat, den für die Aufnahme von Israeliten in zahnärztliche und chirurgische Institute bestimmten Percentsatz zu erhöhen; auch werden Israeliten von nun an in größerer Anzahl als Lehrlinge in Apotheken ausgenommen werden können. Wladiwostok. Aus Rußland, respective Sibirien werden die Juden verbannt und vertrieben, dafür finden sie aber im chinesischen Reiche Aufnahme und Unterkunft. Biele Juden von hier und anderen Städten Sibiriens, denen der weitere Aufenthalt in diesem Lande untersagt wurde, haben fick nach der benachbarten Mandschurei, die schon zum chinesischen Reiche gehört, gewendet und wurde ihnen von den Behörden daselbst die Ansiedelung gestattet Die Mandschurei ist eigentlich nicht von Chinesen, sondern von Mongolen (oder wie man in Europa sagt, von Tataren) bewohnt, die zwar noch Heiden, dabei aber sehr gastfreundlich sind. Diese chinesische Provinz wird aber bald eine große Rolle im Weltverkehre svielen, denn die sibirische Weltbahn, die zum stillen Ocean führen und 1903 vollendet wird, wird die Mandschurei von West nach Ost durchschneiden und hier in Wladiwostok ihren Endpunkt haben. Der Betrieb dieser Bahn wird zwar in den Händen der Russen ruhen, doch wird China als Souverän der Mandschurei die Oberaufsicht über dieselbe führen. Die chinesischen Behörden in der Mandschurei zeigen sich äußerst zuvorkommend gegen diese jüdischen Einwanderer, da sie von ihnen hoffen, daß sie dem Handel dieser Provinz — der Mongole ist nur für den Ackerbau und die Viehzucht geeignet — einen gehörigen Aufschwung geben werden. London: Am 29. October fand eine Sitzung des Eomites für den Religionsunterricht statt, bei welcher Gelegenheit außer geschäftlichen Dingen ein wichtiger Punkt zur Sprache kam. Herr Elkan Adler constatirte, daß eine' Menge von Schulen existirten, deren jüdische Schüler aus Mangel eines geeigneten Religionsunterrichtes an den Unterricht in der christlichen Religion theilnehmen. Biele jüdische Eltern befinden sich in dem Glauben, sie seien gar nicht berechtigt, ihre Kinder vom christlichen Religionsunterricht zu dispensiren. Der Oberrabbiner theilte mit, daß ihm eme ganze Reihe von Fällen bekannt ist, in denen jüdische Kinder Preise für ihre ausgezeichneten Leistungen in der christlichen Religion erhalten haben. Mit Recht bezeichnet der Oberrabbiner einen solchen Zustand der großen Londoner jüdischen Gemeinde unwürdig. Das Executivcomite wird beauftragt, Schritte in dieser Angelegenheit zu thuu, insbesondere wird ein Circular versandt werden, in dem die jüdischen Eltern daraufaufmerksam gemacht werden, daß sie durchaus berechtigt sind, jederzeit ihre Kinder von dem christlichen Religionsunterricht dispensiren zu lassen. Ferner wurde beschlossen, denjenigen Kindern, die am jüdischen Religionsunterricht regelmäßig theilnehmen, Medaillen zu verleihen, und zwar für regelmäßigen Schulbesuch während zweier Jahre weiße Medaillen, für desgleichen während vier Jahren broncene Medaillen und für regelmäßigen Schulbesuch während voller sechs Jahren silberne Medaillen. Ein Abänderungsantrag, Bücher zu verleihen, wurde abgelehnt. Die ungenügende Versorgung mit Religionsunterricht kam auch in der Versammlung der lluitoä Synagognea zur Sprache und auch hier wurde beschlossen, geeignete Schritte zu thun, um diesem Mangel abzuhelfen. Freilich bleibt abzuwarten, mit welchem Erfolg? In derselben Versammlung wurde Rev. Sußmann Cohen zum Dajan der Vmteä Synagogne» mit einen Gehalt von 4600 Mark erwählt. Wir haben hier immer noch die lebhafteste Discuffion der Judenftage in den Tagesblättern, in der „Pall Mall Gazette" und in der „Centemporary Review" setzt Arnold White seinen judenfeindlichen Feldzug fort, jedoch jetzt mit der Modifikation, daß er in erster Linie die reichen Juden angreift, die zur Befferung der Lage ihrer Brüder im Osten gar nichts oder nicht genug thun. Eigentlich greift er bei dieser Gelegenheit alle Reichen heftig an. denn alle diese leisten nach ihm auch nicht annähernd das, wozu sie verpflichtet wären. Dagegen weist im „Daily Chronicle" Früher Ignatius, der bekannte zionistische Mönch, wieder auf die Judenstaatsidee als die einzige Hilfe hin. Als Kuriosum verdient noch erwähnt zu werden, daß die „Pall Mall Gazette" aus einer Zeitung in Manchester die. Tatarennachricht übernimmt, die Juden in Amerika sammelten bereits Baumaterial kostbarster Art für die Neuerrichtung des Tempels. Allerlei auA Nordamerika. Aus Chicago kommt die Mittheilung, daß der bekannte Philantrop Abraham Slimmer dem jüdischen Waisenhaus in Chicago abermals ein Geschenk von 100.000 Mark gemacht hat unter der Bedingung, daß von anderer Seite die gleiche Summe dem Waisenhause zu einer entsprechenden Vergrößerung zur Verfügung gestellt werde. Den eifrigen Bemühungen des Vorstandes ist es auch bald gelungen, diesen Betrag aufzutreiben und nach dem neuen Erweiterungsbau wird das Waisenhaus in der Lage sein allen Anforderungen zu genügen. Rabbi David Blaustein in Providenz R. I. ist zum Professor der semitischen Sprache an der Brown-Universität ernannt worden. Bernhard Bettmann in Cincinnatti wurde einstimmig zum Vorsitzenden des Executivcomitäs für das nationale Sängerfest im Jahre 1899 erwählt. Es ist nicht uninteressant. daß der erste Kaufmann auf den neuentdeckten Goldfeldern in Klondyke ein Jude war, Namens Ripiroky, welcher ftüher in Chilkate ansässig war und jetzt nach Dawson, dem Hauptort des Goldfelderdistricts, ausgewandert ist. In Halberton hat die jüdische Ansiedlung einen unerwarteten Aufschwung genommen. 150 Häuser sind errichtet und bereits von jüdischen Familien bewohnt. Freilich befassen sich die Ansiedler nicht mehr mit der Landwirthschaft, sondern haben eine Reihe von Industrien eingeführt, z. B. Baumwollwaarenfabrikation. Es sind mehrere Fabriken entstanden, in denen jüdische Ansiedler Beschäftigung finden. In der letzten Zeit sind neue Gemeinden in Bath Meine, Butte Montana entstanden, während eine neue Synagoge in Bagnon N. I. am 12. September eingeweiht wurde. Buenos-Ayres. Eines der interessantesten Capitel in dem Bericht des argentinischen Einwanderungsdepartements ist dasjenige, welches sich mit den jüdischen Colonien beschäftigt. Der Report bestätigt im Wesentlichen den letzten officiellen Bericht, ergänzt denselben aber in manchen Punkten, da er ein halbes Jahr später erschienen ist. Die außerordentliche schlechte Ernte läßt sich an der Thatsache constatiren, daß 25.553 Hektar 3,257.617 Kilo Weizen ergeben haben, das heißt pro Hektar 120 Kilo. Selbst Mauricio, diejenige Colonie in der der Ertrag am besten war, ergab nur 500 Kilo pro Hektar. Bon den in Besitz der jüdischen Colonien befindlichen 126,862 Hektar sind nur 25.553 bebaut worden. Die schlechte Ernte hat ihre Wirkung insofern geübt als 45 Familien nach Rußland zurückgegangen sind, während 230 Colonisten nach den Städten Argentiniens über- . siedelt find. Die Seelenzahl auf den Colonien ist daher von 7569 auf 7097 zurückgegangen. Da die Leitung, der Colonien in Zukunft mit dem Ackerbau auch Viehzucht zu verbünden gedenkt, so sind die Chancen nach Ansicht des Einwauderungsdepartements für die künftige Entwicklung der jüdischer» Colonien erheblich besser als bisher.

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