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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 934 Vr. Vlorh's VvchrnschrM. Nr. 46 rühmten Magistern der Gottesgelahrtheit hinauszogen. Das Auftreten eines jüdischen Minnesängers, Süßkind von Trimberg, und einer Mischen Dichterin, Litte von Rrgensburg, ferner das Erscheinen jüdischer Ausgaben der Sagen vom Schmied, Wieland, Tristan und Isolde, Eulenspiegel u. a. beweist die Vertrautheit der jüdischen Bevölkerung mit deutscher Sprache vnd Sitte. — Am 15. d. M. wurde im Anschlüsse an einen Vortrag ein Festmahl zu Ehren des nach Berlin übersiedelnden Rabbiners em. Dr. Tobias Cohn, der seit fast vierzig Jahren der Gesellschaft und auch deren Vorstande angehörte und namentlich durch vielfache geistvolle Vorträge sich hochverdient um sie gemacht hat, veranstaltet. .Eine dem Gefeierten überreichte, kunstvoll hergestellte Adresse sprach sogleich seine Ernennung zum Ehrenmitglied der Gesellschaft aus. Es ist dies der erste Fall dieser Art seit dem sechsundsechzigjährigcn Bestehen der „Gesellschaft". Glogau, 30.October. Zur Feier des 25jährigen Amtsjubiläums des Rabbiners der hiesigen Synagogengemeinde Dr. B. Rippner wurde heute Vormittag in der hiesigen Synagoge während des Hauptgottesdienstes von dem ersten Cantor Fränkel ein stimmungsvolles Gebet vorgetragen. Von einer größeren Feier in der Synagoge in Anwesenheit des Jubilars mußte vorderhand abgesehen werden, da Rabbiner Dr. Rippner in Folge ärztlicher Anordnung wegen seilles gegenwärtigen Augenleidens am Ausgehen verhindert ist. Mit Rücksicht auf dies Leiden war auch die Feier in der Wohnung des Jubilars auf die Gratulation durch eine Deputation der Gemeindekörperschaften und kleinere Deputationen ftüherer Schüler und Schülerinnen rc. beschränkt. Um 11'/, Uhr erschienen die Mitglieder des Vorstandes der Synagogengemeinde und der Gemeindevertretung in der Wohnung des Jubilars uild überreichten ihm eine Glückwunschadresse, in der in innigen und tiefempfundenen Worten dem Jubilar die Glückwünsche des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Syuagogengemeinde ausgesprochen werden und mit besonderer Anerkennung der unvergänglichen Verdienste desselben als Prediger,. Lehrer, Gottesgelehrter und Seelsorger gedacht wird. Die Adresse, welche von der Firma Carl Flemming hergestellt ist, zeigt ein von Maler Beerenstecher Hierselbst mit wahrhaft künstlerischer Vollendung ausgesührtes Titelbild, dessen allegorische Figuren die Bedeutung des Jubilars als Prediger, Lehrer und Gelehrter versinnbildlichen. Die Adresse ruht in einem mit gediegener Einfachheit und Vornehmheit ausgestatteten Einbande aus blauem Saffianleder, der auf der Vorderseite die. Initialen 6. R. trägt. Der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Bankier Landsberger, übergab Rabbiner Dr. Rippner die Adresse mit einer Ansprache, in der er besonders die Verdienste des Jubilars um die religiöse und . culturelle Ausbildung der Gemeinde feierte. Zugleich überreichte er demselben eine soeben im Druck erschienene Auswahl von Predigten des Herrn Dr. Rippner, die bei Gelegenheit dieser Feier gesammelt und im Aufträge der Glogauer Synagoge herausgegeben worden sind. Die Sammlung umfaßt namentlich Predigten und Reden, die der Jubilar bei verschiedenen hervorragenden Anlässen im letzten Vierteljahrhundert gehalten hatte, und hat den Zweck, wie Herr Landsberger bei der Uebergabe ausführte, darzulegen, in welchem Geiste der Jubilar sein Predigtamt während seiner Wirksamkeit in Glogau ausgeübt hat. Dem Vorsitzenden des Vorstandes schloß sich der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung an mit dem Wunsche, daß der Jubilar noch lange in bald wieder erlangter gekräftigter Gesundheit zum Wohle der Gemeinde und ihrer einzelnen Mitglieder wirken möge. Hierauf überbrachte eine Deputation der früheren Schüler und Schülerinnen eine prächtig aus gestattete und kunstvoll ausgeführte Glückwunschadreffe namens einer großen Anzahl von Schülern und Schülerinnen aus allen Orten. Dieselbe überreichte ferner die Bronze-Statue des Moses von Michel Angelo sowie ein von den früheren Schülern und Schülerinnen gesammeltes Capital zur Begründung einer „Rabbiner Dr. Rippner-Stiftung", deren nähere Zwecke zu bestimmen dem Jubilar überlaffen werden soll. Sodann brachte eine Deputation des heiligen Stifts dem Jubilar ihre Glückwünsche dar; der israelitische Frauenverein überreichte eine Glückwunschadresse, ebenso wurde dem Jubilar von den Cantoreu und Religionslehrern der Gemeinde eine Glückwunschadreffe überreicht. Seitens des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung war ein längeres Glückwunschschreiben eingegangen, in welchem denk Jubilar besonders der Dank für den von ihm in den städtischen Schulen, ertheilten Religionsunterricht ausgesprochen und das Bestreben desselben, den Frieden unter den verschiedenen Confessionen unserer Stadt aufrechtzuerhalten, rühmend hervorgehoben wird. Seitens der Lehrer-Cvllegien des. evangelischen und des katholischen Gymnasiums sowie der höheren Töchterschule waren ebenfalls Glückwunschschreiben eingegangen. Eine Deputation der jetzigen Schüler und Schülerinnen überreichte eine schöne Fächerpalme. Von allen Seiten waren zahllose Briefe, Depeschen und Blumenspenden eingegangen. Rabbiner Dr. Rippner dankte für alle diese Ehrungen in einer längeren Rede, in der er hervorhob, daß es immer sein Streben gewesen sei, Religion mit freier Auffassung zu verbinden. Er führte aus, daß, als'er vor 25 Jahren das theologische Seminar in Breslau verließ, ihm sein Lehrer, Director Dr. Frankl, den Wahrspruch mit auf den Weg nach Glogau gegeben habe: „N u r nicht wandern!" Diesen Wahrspruch habe er treu befolgt und so fühle er sich glücklich, durch eine 25jährige fortdauernde Amtswirksamkeit mit der Gemeinde und allen deren Mitgliedern innig verknüpft zu sein, um dadurch seiner Aufgabe als Seelsorger und Lehrer gerecht werden zu können. Der Jubilar schloß mit innigen Dankesworten an alle diejenigen, die an seinem Ehrentage seiner gedachten. Namens des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung wurde an den Rabbiner Dr. Rippner folgendes Schreiben gerichtet. Sehr verehrter Herr Rabbiner! Der Tag, an welchem Sie vor einem Vierteljahrhundert die Bestätigung als Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde erhalten haben, gibt auch uns wie vielen anderen die freudige Veranlassung. Ihnen unsere aufrichtigen Glückwünsche im Namen der hiesigen Stadtgemeinde darzubringen. Ihre einfluß- und segensreiche Thätigkeit nicht nur in Ihrer engeren Gemeinde, sondern auch in weiteren Kreiser: der hiesigen Stadt, verbunden mit persönlicher Liebenswürdigkeit und stets bereitwilligem Entgegenkommen, hat überall und jederzeit die vollste Anerkennung gefunden, und wir sind Ihnen ganz besonders dankbar für die Mitrvirkung bei. den städtischen Schulen durch Uebernahme eines Theiles des jüdischen Religionsunterrichts für die dieselben besuchenden Kinder. Möchte es Ihnen auch ferner gelingen, zur Milderung der in der unglücklichen Zeitströmung liegenden schroffen religiösen Gegensätze mit beizutragen und dieselben möglichst bald beseitigen zu helfen! Leider sind Sie augenblicklich durch Ihren Gesundheitszustand verhindert, mit voller Kraft nach allen Richtungen hin zu wirken und zu fördern. Hoffentlich wird dies aber bald vorübergehen, und Sie werden dann von Neuem in Ihrem schönen Tempel das Gotteswort in gewohnter eindringlicher und herzcrwärmender Weise zum Frommen Ihrer Gemeinde und zur Förderung religiösen Sinnes in diesem Theil unserer Bevölkerung verkünden können. Das wünschen wir Ihnen vom Herzen, > verbunden mit der Hoffnung, daß Sie uns noch recht lange als tüchtiger Mitbürger und aufrichtiger Freund unserer Stadt erhalten bleiben werden. Mit der vorzüglichsten Hochachtung geehrter Herr Rabbiner Ihre ganz ergebensten Der Magistrat Die Stadtverordneten-Versammlung Martins. Hoffmeister. Rabbiner Dr. Rippner hat in folgenden! Antwortschreiben seinem Dank Ausdruck verliehen: Der Magistrat und die Stadtverordneten haben durch ein Glückwunschschreiben, das vom herzlichsten Wohlwollen und von einer wahrhaft liberalen Gesinnung beseelt ist, mich hocherfreut. So viele treffliche Bürger dieser Stadt haben' mir zu meinem Amtsjubiläum freundschaftliche Theilnahme bekundet. Dankbar freue ich mich der Anerkennung, daß ich stets treu dem Gemeinwohl und dem religiösen Frieden gedient habe. Die Israeliten erhielten schon in uralter Zeit, als sie aus ihrer einstigen Heimat zogen, die Mahnung des Propheten Jeremias: „Fördert das Wohl der Stadt, in welche ihr kommen werdet, und betet für sie zu Gott, denn in ihrem Wohle liegt auch das Euere." So werde ich auch fernerhin bestrebt sein, auf der Kanzel und in der Schule Ehrfurcht vor der Obrigkeit und dem Gesetze, Achtung vor den Heiligthümern Anderer, Duldsamkeit auch gegen das Vorurtheil, Toleranz selbst für die Intoleranz zu lehren und einzuprägen. Ich empfinde tief den Segen, in einer Stadt zu leben, deren Leiter das gleiche Recht aller Bekenntnisse mit so sympathischen Worten zum Ausdruck bringen. In Ergebenheit und Verehrung Dr. Rippner. Paris. Am 31. October fand hier die Wahl der Delegirten zum Consistorium statt, die aber resultatlos verlief, da die Zahl der Wähler, welche sich betheiligten, nicht einmal das vorschriftsmäßige Drittel aller eingeschriebenen Stimmberechtigten erreichte. Eingeschrieben sind 3911 Wähler, gestimmt haben aber

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