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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Vr. Vlortz'» VortzrnNtzrM Sette 933 den Hochschulen die frühzeitig erlernte deutsche Sprache, bei den ans unserer Schule hervorgegangenen Jüngern der Wissenschaft, denn zum großen Theile erlangten sie in denkbar kürzester Zeit ihre Doctorwürde. Daß es also da keine Schwierigkeiten gibt, wäre haarscharf nach gewiesen. Herr Dr. Bondy will die jüdischen Kinder schon im zartesten Alter mit den christlichen Kindern beisammen haben und hält dies aus erziehlichen Gründen für nothwendig. Ich möchte mir erlauben, den Herrn Doctor zu fragen, ob das erziehlich ans ein Kind wirken kann, wenn es schon im Alter von 6 Jahren, anstatt mit seinem Namen mit der Bezeichnung „smyade!" angesprochen wird; ich bezweifle dies und möchte denn doch schon unsere Kinder wenigstens bis zum 11. Jahre vor solcher Bebandlung geschützt wissen. Wenn die Partei der „ceskozidovske listy", kühn gemacht durch ihre Erfolge in Zbraslavic und Janovie oder in Czaslau und in Brandeis, auch in unserer Gemeinde den Hebel zur Zerstörung ansetzen wollen, so wird ihr dies nicht gelingen, denn wir behalten unsere Schule und bleiben, so wie es Henryk Schmied empfiehlt, Herren unserer Anstalt, des Unterrichtes und — der Jugend. Ebenso ausgeschlossen erscheint die Möglichkeit, in unserer Jahrhunderte alten Gemeinde czechischen Gottesdienst einführen zu wollen. Wir bleiben bei dem alten Brauche unserer Väter bei der hebräischen Liturgie und wollen diese weder deutsch noch czechisch haben, sondern hebräisch. In einem, aber auch nur in diesem einzigen Punkte, hat Herr Dr. Bondy recht — ja, wir haben nur aus dem Grunde das Drei-Wahlkörpersystem cassirt und das allgemeine, gleiche Wahlrecht an dessen Stelle gesetzt, weil wir es für schädlich halten, wenn künstlich zusammengesetzte Majoritäten über die Geschicke unserer Gemeinde entscheiden sollen, weil wir es als gerecht und ganz besonders im Sinne des Jndenthums vereinbar finden, uns nicht selbst noch zu classiren, und endlich, weil wir uns auf den gesunden Sinn der großen Mehrheit in unserer Gemeinde verlassen können. „I n d i e s e m Sinne werden w i r m i t gerechtem Stolze uns selbst a n g e h ö r e n, nicht mehr von kämpfenden Nationalitäten e inrang i r t oder a u s g e s ch i e d e n werden;" diesen herrlichen, uns aus der Seele gesprochenen Satz des Präsidenten des „Politischen Bolksvereines" empfehle ich zum Schlüsse unfern hiesigen Glaubensbrüdern zur Beherzigung. Heinrich P o l a c e k. H. Beraun, 8. November. Ueber Anregung des Herrn Kalman, technischer Chemiker in Königshof, tritt mit 1. Jänner 1898 innerhalb der Cultusgemeinde Beraun ein Israelitischer Frauenverein ins Leben unter dem Namen: „Israelitischer Franenverein in Beraun, Wohlthätigkeitsverein, gegründet aus Anlaß des Regieruugsjubiläums Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I." Frau Friederike Weinstein, Gattin des hiesigen Cultusvorstehers Herrn Dr. Weinstein, berief für den 7. November eine Versammlung der Damen ein, die im Sitzungssaale der Cultnsgemeinde stattfand, und an der sich fast sämmtliche israelitische Frauen Berauns und Frau Abeles aus Tetin einfanden. Biele Frauen aus der Umgebung sandten schriftliche Beitritts- und Zustimmungserklärungen ein. Frau Dr. Weinstein eröffnete die Sitzung. Sie begrüßte die Versarumlung, dankte, daß die Frauen so zahlreich ihrem Rufe Folge leisteten. Die allgemeine Betheiligung gelte ihr als sprechendster Beweis, daß die Damen von der Wichtigkeit dieses Wohlthätigkeitsvereines durchdrungen sind. Hierauf erhielt Herr Lehrer und Rabbiner M. Zinner das Wort. In wohldurchdachter Rede beleuchtete er Zweck und Ziel des Vereines. Die trefflichen Ausführungen des Redners endeten mit einem Appell an das patriotische Gefühl der Anwesenden, in der Hervorhebung, daß Oesterreich dem Jubeljahre nahe, und daß Wohlthun im Sinne unseres erhabenen Monarchen sei, somit der Frauenverein den Namen unseres Regenten erhalten solle. Hierauf wurde die Wahl des provisorischen Vorstandes vorgenommen. Frau Dr. Weinstein bat, da sie sich Physisch nicht kräftig genug fühle, von ihrer Wahl in den Vorstand abzusehen. Somit wurde Frau Zdenka R o u b i t s ch e k, Witwe des verewigten uns unvergeßlichen Vorstehers, zur Präsidentin gewählt. Außerdem erschienen gewählt: Frau Paula Hecht, Vicepräsidentin, Frau Paula Hirschler, Schriftführerin, Frau Attgnste Großmann, Cassierin, und die Frauen Doctor Fischer, Rosa Stein, Malvine Pollak, Amalie Stransky als Ansi'chußmitglieder. Als Ersatz erschienen Frau Bertha Arnstein und Frau Mathilde Engel gewählt. Frau Präsidentin Zdenka Roubitschek erklärte, daß sie dem Frauenvereine als Gründerin mit dem Betrage von 200 Kronen beitrete, und schloß mit dem Wunsche: der Verein möge gedeihen und blühen, die Sitzung. Berlin, 2. November. Professor Dr. H. S t e i n t h a l, der gestern das goldene D o c t o r j u b i l ä n m feierte, empfing aus diesem Anlaß ehrende Kundgebungen. Im Namen der Berliner Universität, der Prof. Steinthal 47 Jahre hindurch seine Lehrkraft gewidmet hat, erschien der Rector Prof. Gustav Schmoller; er beglückwünschte den Jubilar mit einer Ansprache, in die er den „vollen Accent persönlicher Wärme und sympathischer Hochachtung" hineinlegte. Er, der Redner, habe immer an Steinthal die Universalität seiner Gelehrsamkeit und die Reinheit seines Charakters bewundert; glücklich sei die Zeit und die Universität, die einen Mann von so vornehmer Gesinnung als Lehrer begrüßen könne. Die philosophische Facultät hatte eine große Abordnung entsandt, bestehend aus dem Decan Geh. Rath Kekule von Strakonitz und den Professoren Wein hold, Dilthey, Tobler, Albrecht Weber und Johannes S ch m i d t. Der Decan tvies in seiner Rede darauf hin, daß Steinthal der Erste gewesen sei, der Wilhelm v. Humboldt verstanden habe, und dem es gelungen sei, die Sprachauffassnng aus den Fesseln einer kleinlichen Logik zu befreien und zu den Höhen der Psychologie zu erheben. Als „alter Freund" nahm dann Prof. Albrecht Weber, der Sanskrit-Forscher, voll Herzlichkeit das Wort: Wie der Jubilar bei seiner wissenschaftlichen Thätigkeit immer das Gemeinsame und Einheitliche in der Entwicklung des menschlichen Geistes tierausgesnnden habe, so zeichne sein ganzes Wesen eine innere Harmonie ans, die ihnl auch fernerhin verbleiben möge. Prof. Steinthal dankte in schlichter Bescheidenheit für die ihm bezeugte Gesinnung. Die einzelnen Gelehrten gratulirten dann persönlich, insbesondere auch Geh. Rath Weinhold, der als Herausgeber der -.Zeitschrift des Vereins für Volkskunde" die einst von Steintheil und Lazarus geleitete „Zeitschrift für vergleichende Sprachwiffenschaft und Völkerpsychologie" fortgesetzt hat. Im Namen der Humboldt-Akademie, zu der Prof. Steinthal mit den Grundstein gelegt hat, sprach Dr. Max Hirsch. Sodann kam noch ein Vertreter der Hochschule für die Wissenschaft des Jndenthums zu Worte. Abends erschienen die Hörer dieser Lehranstalt sowie die Vertreter der Anstalten der jüdischen Gemeinde. Wie die „Corr. für Kunst und Wissenschaft" meldet, hat der Kaiser dem Jubilar den Kronenorden 3. Classe mit der Zahl 50 verliehen. Berlin. Erfreuliche Resultate hat die Thätigkeit des „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, in der letzten Zeit gehabt. Durch seine Initiative gelang es, gemeinsam mit einigen anderen Vereinen für die schwer geprüfte Colonie Mischmar-Hajarden endlich die Kaufbriefe über das Land zu schaffen. Damit war für das Gedeihen dieser Colonie die schwierigste Frage gelöst, da die Bauern endlich auf eigenem Grund und Boden sitzen und nicht mehr in der Gefahr schweben, von ihrem Gläubiger, dem sie noch den Kaufpreis für Grund und Boden zum größten Theile schuldeten, von Haus und Hof vertrieben zu werden. Alsdann gelang es denk „Esra", der seinerseits noch die Ordnung der bisherigen Schulden der Colonie übernahm, eine kapitalkräftigere Gesellschaft zu finden, welche die Reorganisation von Mischmar im großen Style unternehmen wird. Die Erfolge des „Esra" zeigen, was auch mit kleinen Mitteln erreicht werden kann, und in welcher Weise die Colonisation Palästinas praktisch gefördert werden kann, ohne daß man sich dabei auf das Gebiet der hohen Politik einzulassen braucht, denn der „Esra" ist bekanntlich nur ein Unterstützungsverein, der keinerlei Politik treibt, also weder zionistisch noch antizionistisch ist, sondern sich darauf beschränkt, nach seinen bescheidenen Kräften Gutes zu thun. Wie es heißt, beabsichtigt der „Esra" eine kräftige Propaganda in diesem Winter zu veranstalten, um seine Mitgliederzahl zu vergrößern. Wir wünschen dem segensreich wirkenden Verein den besten Erfolg. Potsdam, 28.October. Die hiesige „LiterarischeGesellschaft" eröffnete am 1. d. M. ihre Versammlungen mit einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Ri eger über „D i e Cu ltur g e s ch i ch te der deutschen Juden im Mittelalter". Es war die Zeit der Verinnerlichung des Judenthums in Deutschland, wo seine Scholaren weit nach Spaniel: und Italien zu den be-

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