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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-12 · 46 (12.11.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 932 ycr. ^6 Vr. BwSr s Wortzenkchrtfr. Gäste im Schulzimmer und in dem geräumigen Vestibüle des Hauses. Im Schulzimmer hielt der Obmann des Ortsschulrathes, Herr Dr. W. Bloch, eine wohldurchdachte Rede, in welcher er die Verdienste des k. k. Statthaltereirathes und des Bürgermeisters um das Zustandekommen dieses Baues hervorhob, dem Schulleiter die Schule übergab, ihn zu weiterer erfolgreicher Thätigkeit ermunternd. Herr Statthaltereirath Graf Coudenhove sprach von der Wichtigkeit und der Bedeutung eines eigenen Gebäudes für eine Schule, gedachte wiederum der Verdienste der Gemeindevertretung und sprach den Wunsch aus, es möge wie bisher auch im neuen Schulgebäude die Jugend zur Gottesfurcht, zur Vaterlandsliebe und zu guten, gebildeten Menschen herangezogen werden. Die vom Schulleiter Herrn B. Thorz gehaltene Festrede wurde lebhaft acclamirt. Herr Bezirksschulinspector Alois Jung sprach ebenfalls warme Worte der Anerkennung über das Gelingen des schönen Werkes aus, worauf ein Schüler ein schönes Schlußgedicht vortrug. Mit der Absinguug der Volkshymne schloß diese würdige Feier. Hierauf begaben sich die Festgäste in den I. Stock, um die Gemeindekanzlei und die Schulleiterwohnung zu besichtigen. In der Gemeindekanzlei prangt das lebensgroße Bild des verdienstvollen Förderers der Schule, des Bürgermeisters S. Schlesinger, welches vom Ausschußmitgliede Herrn Ferdinand Rindl der Gemeinde zur bleibenden Erinnerung gewidmet wurde. Am Abend versammelten sich die Gemeindemitglieder mit ihren Frauen im Saale des Vereinshotels, wo bei ftöhlichem Mahle der Förderer des Baues gedacht wurde. Nikolsburg. Die Stelle des Schulleiters der hiesigen israelitischen Volksschule wurde nun endlich verflossenen Samstag definitiv besetzt mld zwar auf Grund der Bestimmungen der Schulgesetznovelle vom Jahre 1883 mit einer katholischen Lehrkraft. Der von der Gemeinde und dem Ortsschulrathe der Jsraelitengemeinde primo loco vorgeschlagene Lehrer an der Volksschule der hiesigen Stadtgemeinde Paul G r y b e k erhielt die Präsentation des Bezirksschulrathes und wird demselben zweifelsohne bald die Bestätigung des Landesschulrathes ertheilt werden. Der neue Oberlehrer wird dem bestmöglichsten Entgegenkommen der Gemeindemitglieder begegnen, so wie es sich für vorurtheilsfteie Bürger geziemt, dagegen wird auch von demselben erwartet, daß er unbeeinflußt von den Tagesströmungen Jedermann mit gleicher Liebe und Freundlichkeit entgegenkomme und jedem Anlasse zur Unzufriedenheit aus dem Wege gehen werde. Kolin. (Israelitische Volkss chule, Gottesdien st.) Das Organ der OeskoÄdovskä iednota in Prag, die „Ceskozidovske listy", eine Zeitschrift, welche sich auch die Vertretung jüdischer Interessen zur Aufgabe macht, veröffentlichte zu wiederholtenmalen Correspondenzen aus Kolin, in welchen die Verhältnisse der Koliner Cultusgemeinde erörtert wurden. Diese anonymen Correspondenzen verfolgten offenbar den Zweck, den Anhang der hiesigen Oeskozidov'ska beseda, welche die Einführung eines czechischen Gottesdienstes und die Auflösung der hiesigen israelitischen deutschen Volksschule auf ihre Fahne geschrieben hat, zu stärken. Die Koliner israelitische Cultusgemeinde trat diesen Publikationen gegenüber nur ein einziges Mal aus ihrer Reserve heraus, als nämlich die jungen Herren mit den Worten des Dichters: „Und gehst Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt" die überwiegende Mehrheit der Koliner Juden als Feinde der czechischen Nation hinstellten und deren Namen in den hiesigen Localblättern anführten, um dieselben geschäftlich zu schädigen. Dieses unwürdige Beginnen wies der berufenste in der Gemeinde, der Vorsteher Julius Kraus, mit der größten Energie zurück. In ihrer Nummer vom 1. November bringen nun die „Ceskozidowskd listy" wiederum einen längeren Artikel mit der Ueberschrist „Opomerech kolinskych pise Dr. Otto Bondy. Nach einer gleich in der Einleitung abgegebenen Erklärung, daß er nicht die Ansicht der ftüheren Berichterstatter theilt (wird neberrbei quittirt), gibt Herr Dr. Bondy zu, daß die Bestrebungen seiner Partei dahin gehen, daß in erster Reihe die israelitische deutsche Volksschule aufgelöst, daß ferner czechischer Gottesdienst, czechische Matriken und endlich czechische Amtirung in der Gemeinde und in allen jüdischen Vereinen eingeführt werden soll; die intelligenten Männer, die im Cultusrathe sitzen, meint Herr Dr. Bondy, müssen einsehen, daß die confessionelle Schule den Juden bei weitem mehr Schaden als Nutzen bringt, daß die Kinder beim Auffteigen in czechische Mittelschulen mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, daß es ferner aus erziehlichen Rücksichten nicht gut ist, die jüdischen Kinder im zarten Alter von den christlichen getrennt zu halten nnd daß endlich die Erhaltung der Schule das Gemeindebudget belastet, ohne daß die Gemeindemitglieder statutengemäß zur Bedeckung einer solchen Budgetpost herangezogen werden könnten. Nachdem Herr Dr. Bondh uns noch manch' wohlgemeinten Rath ertheilt, gelangt er zum Schluffe und sagt: „Nur der Umstand, daß die jetzige Gemeindevertretung den Bestand der confessionellen Schule sichern will, veranlaßt sie, die Statuten dahin zu ändern, daß an Stelle des jetzigen drei-Wahlkörper-Systems das allgemeine gleiche Wahlrecht eingeführt werde, damit die Partei der Ceskozidovskä beseda, welche die Auflösung der Schule durchsetzen will, nicht ans Ruder gelangen soll." Die sachliche Art (nebenbei bemerkt von dieser Seite ein Novum), mit welcher Herr Dr. Bondy die Angelegenheit behandelt, veranlaßt mich, ihm unseren Standpunkt, und. das ist der der Majorität der Gemeinde, zu präcisiren. Vor Allem müssen alle jene Behauptungen, welche nicht den Thatsachen entsprechen, richtiggestellt werden. In den letzten 10 Jahren schwankte die Anzahl der Schüler und Schülerinnen an unserer Schule zwischen 135 und 140; im Jahre 1896 waren es 132, im Jahre 1897 sind es 114 Kinder, welche die Schule besuchen, daher ein Minus von 13, und nicht, wie der Herr Doctor behauptet, von 30 Kindern. Unrichtig ist es, daß das Schulgeld erhöht wurde; wahr ist vielmehr, daß dasselbe seit dem Jahre 1875 gleich geblieben ist. Ebensowenig entspricht es der Thatsache, wenn behauptet wird, daß die Erhaltung der Schule eine Last für die Gemeinde ist. Die Kosten der Erhaltung belaufen sich auf 2240 fl. pro Jahr; gedeckt wird diese Ausgabe: - a) mit dem Schulgelde, welches jährlich 1800 fl. beträgt; b) aus dem Genüsse der Talmud-Thora-Stiftungen 400 fl. jährlich; c) ans freiwilligen Spenden. Das der Schule durch zahlreiche Stiftungen zugewiesene Vermögen, beläuft sich auf rund 10.000 fl. und dürfte sich voraussichtlich noch vermehren, denn noch haben alte Koliner Familien, ob sie nun hier oder anderwärts domiciliren, ein lebhaftes Interesse für unsere Schule, für die Schöpfung unseres unvergeßlichen Rabbi Daniel Frank. Die angeführten Daten widerlegen wohl am drastischesten die Behauptung, daß die Erhaltung der Schule der Gemeinde eine Bürde wäre und den Gemeindesäckel zu viel in Anspruch nimmt; zieht man aber noch in Erwägung, daß durchschnittlich 40 Kinder, theils das halbe, theils gar kein Schulgeld bezahlen, so wäre es geradezu ein Verbrechen an diesen Armen, die Schule aufzulassen und ihnen die Wohlthat zu entziehen, ihre Kinder fürs praktische Leben so auszurüsten, daß sie auswärts, auch dort wo deutsch gesprochen wird, sich erhalten können. Es ist ja kein Geheimniß, und der Herr Dr. Bondy weiß es ebensogut wie ich, daß unsere nichtjüdischen Mitbürger ihren Kindern Unterricht im Deutschen ertheilen lassen; warum sollen denn die armen Juden, welche nicht in der glücklichen Lage sind, Privatlehrer bezahlen zu können, hievon ausgeschlossen sein? Die würden es ja doppelt schwer empfinden, nachdem für ihre Kinder gar keine Aussicht ist, daß sie hier eine Stellung finden könnten, denn für Juden gibt es einfach keine Anstellung hier; oder kann mir Herr Dr. Bondy einen Juden nennen, der in hiesigen nichtjüdischen Geschäften, Fabriken, Banken und Sparkassen, oder bei sonstigen Aemtern angestellt ist? Gewiß nicht — Und was folgt daraus? Daß unsere Kinder, um sich zu erhalten, hinaus müssen; nachdem man aber von Kolin aus nach jeder Richtung hin nach dreistündiger Eisenbahnfahrt in deutscher Gegend ist, müssen unsere Kinder deutsch lernen. Es wird genügen, wenn ich zur Widerlegung der Behauptung, daß die aus unserer jüdischen Volksschule in die Mittelschulen aufsteigenden Kinder mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben, folgende Daten anführe. Durchschnittlich treten aus unserer Schule 10—12 Schüler in das Gymnasium ein; bei der Aufnahmsprüfung ist, trotzdem der Uebertritt von einer deutschen in eine czechische Anstalt geschieht, in den letzten 8 Jahren kein Schüler dürchgefallen. Die Schwierigkeiten im weiteren Studium müssen wohl auch keine erheblichen sein, denn es wurde constatirt, daß '3U der zur Matura gelangenden jüdischen Studenten mW' Vorzugdiese Prüfung ablegten. Nicht ohne Einfluß bleibt aber auch an

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