Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 46 (12.11.1897)
- Date
- 1897-11-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021215--07284-3031605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 46 Vr. Vwch's Wochrnptzrtst Seite 931 Der Rathhaussaal ist gereinigt, und nachdem der UI. und II. Wahlkörper schon gewählt haben und das Wahlergebniß des I. Wahlkörpers zweifellos ist, so kann schon heute festgestellt werden, daß die neugewählte Badener Vertretung aus 19 Liberalen, 10 gemäßigten Deutschnationalen und einem gemäßigt Christlichsocialen bestehen wird, daß aber alle 30 Vertreter sich bewußt sein werden, daß sie im Gegensätze zu den Hetzern, zu ernster, ersprießlicher Arbeit ensendet wurden, damit unser Curort! aufblühe und durch reichert Ertrag auch das Gemeindevermögen! sich reicher gestalte, kurzum daß es besser werde. in jeder Beziehung vor Allem friedlicher im gegenseitigen Verkehre. P. : Brünn. (C a n t o r e n t a g.) Am 1. November l. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde Brünn die constituirende Versammlung des vom Herrn Obercantor Heller ins Leben gerufenen Vereines der Cantoren Mährens statt, welche folgenden Verlauf nahm. Herr Obercantor Heller begrüßt die Versammlung in herzlichster Weise. Er gibt seiner Freude und aufrichtigen Befriedigung Ausdruck über die zahlreiche Betheiligung an der heutigen Versammlung, insbesondere aber auch darüber, daß schon bis jetzt die ansehnliche Zahl von 40 Mitgliedern — darunter College» aus, den hervorragendsten Gemeinden Mährens — schriftlich ihren Beitritt zu diesem Vereine angemeldet haben, welcher Umstand mit Recht erwarten läßt, es werden noch weitere Mitglieder im eigenen Interesse diesem von wohlwollenden und humanen Tendenzen getragenen Vereine sich anschließen. Weiters eröffnet Herr Obercantor Heller, daß das Bereinsstatnt mit der hochbehördlich versehenen Genehmigungsclausel bereits herabgelangt und eS demnach Zweck und Ausgabe der heutigen Versammlung sei, zur Constituirung des Vereines zu schreiten. Der hieraus unter Vorsitz des zum Alterspräsidenten gewählten College» Bermann-Pohrlitz, und unter Mitwirkung von zwei Scrntatoren shriftlich vorgenommene Wahlact ergab folgendes Resultat: Herr Obercantor Josef Heller Brünn, Präses. „ „ Leopold Stößler Nen-Raußnitz, Stellvertreter. Ausschnßmitglieder: Herr Obercantor D. Kohn, Lnndenburg. „ „ Josef Steiner, Gr.-Meseritsch. Herr Cantvr Ignatz Schulz, Bisenz. * „ „ Adolf Kornitzer, Brünn. „ „ Leopold R -gner, Prerau. Sämmtliche Wahlen erfolgten mit Stimmeneinhelligkeit. Herr Obercantor Heller ergreift das Wort. Er dankt für seine per Acclamation erfolgte, ihn ehrende Wahl zum Vereinspräses und erblickt hierin einen eclatanten Beweis des ihm allseits entgegengebrachten Vertrauens, das er wohl zu'würdigen wisse. Ec mache keine voreiligen oder illusorischen Versprechungen, versichere aber, er werde für den Verein nach besten Kräften zu wirken aufrichtig bestrebt sein. Er dankt ferner allen Denjenigen, welche durch ihr Hinzuthun das Jnslebentreteu des Vereines ermöglicht haben; erwünscht und hofft zuversichtlich, daß dieser Verein unter Mithilfe bereits bewährter Kräfte zum allseitigen Wähle gedeihe und prosperire. Herr Stößler, Nen-Raußnitz, dankt für seine Wahl zum Präses-Stellvertreter; er hoffe, Pch des in ihn gesetzten Vertrauens würdig zu erweisen, und will seine schwachen Kräfte zum Wohle des Vereines verwenden. Sodann ergreift Obercantor Steiner, Gr.-Meseritsch, das Wort zu folgenden Ausführungen. Wir stehen vor der erfreulichen, vollendeten Thatsache, der erfolgten Constituirung des Vereines. Das Streben nach einem Verbände behufs gemeinsamer Förderung unserer Interessen lebt in jedem Einzelnen von uns. Daß dieser Wunsch zur Thatfache geworden, ist das Verdienst des Herrn Obercantor Heller, dem hiefür inniger und aufrichtiger Dank votirt sei. Wenn im Laufe der heutigen Brrathung verschiedene Wünsche sich geltend machten, so wolle berücksichtigt werden, daß die Erreichung gemeinsamer Ziele nicht auf einmal, sondern nur allmählig und mit Bedacht erfolgen könne. Er bitte daher um Geduld, da der Verein erst am Beginne seiner Thätigkeit stehe und es Sache der Bereinsleitung sein werde, gerechten Wünschen nach Thunlichkeit Rechnung zu tragen. Auch er dankt für seine Wahl und verspricht seine Kräfte dem Vereine gerne zu widmen. Ueber Anregung des Vereinspräses schloß die Versammlung mit einen dreifachen Hoch auf Se. Majestät des Kaisers und Absendung eines Huldigungstelegrammes an die Cabinetskanzlei. Am Abend fand im Restaurant Libesny eine gesellige Zusammenkunft statt. Es wurden verschiedene Gesangsvorträge gehalten und betheiligten sich auch Herr Religionsprofeffor Dr. Grünfeld, dann Herr Stud. Jur. Feiwel durch gediegene wissenschaftliche und religiöse Vorträge an dieser Versammlung, an welcher noch viele andere Honoratioren theilnahmen. In animirtester Stimmung schieden die Theilnehmer spät Abends mit dem aufrichtigen Wunsche auf ein baldiges Wiedersehen. I. St. Mähr.-Weitzk»rchen. (S ch u l e i n w e i h u n g.) In der hiesigen Pol. israelitischen Gemeinde besteht seit vielen Jahren eine öffentliche Volksschule, ohne daß diese Schule ihr eigenes Heim gehabt hätte. Oft hatte sie ihr Domicil zu wechseln und kaum glaubte sie sich in dem neuen Locale sicher, verfiel sie wieder den Launen des jeweiligen Hausherrn. Alle behördlichen Aufträge, ein Schulhaus zu bauen, blieben erfolglos. Da trat an die Spitze dieser kleinen Gemeinde ein schlichter, rechtschaffener, gutherziger Mann in der Person des jetzigen Bürgermeisters Herr Salomon Schlesinger, der, die Nothwendigkeit des Schulbaues einsehend und dem Drange der Schulbehörden nachgebend daran ging, ein Schulgebäude zu errichten. Wahrlich, keine leichte, keine kleine Aufgabe war dies. Das Vermögen der Gemeinde ist sehr gering, die Stenerkraft der Gemeindemitglieder überdies schon sehr in Anspruch genommen, so daß es eine nicht geringe Aufgabe war, an dieses Werk zu gehen. Vertrauend auf die Opferwilligkeit der Stammesangehörigen und rechnend auf die Unterstützung der behördlich berufenen Organe wurde der Grundstein zu diesem ewigen Wahrzeichen gelegt. Am 1. Juli 1896 wurde mit dem Baue begonnen und im Juli des Jahres 1897 beendet und von der politischen Behörde als vollkommen dem Gesetze entsprechend übernommen. Am 2. November l. I. fand die feierliche Einweihung des Gebäudes statt. Ein so würdiges Fest sah man lange nicht in unserer Gemeinde. Alt und Jung wird diese Feier stets in angenehmer Erinnerung behalten. Das Schulhaus war herrlich geschmückt, das Schulzimmer würdig decorirt, welches Verdienst dem äußerst rührigen Gemeindeausschußmitgliede Herrn Ferdinand R i n d l zuzuschreiben ist. Am Festtage wurde die Schuljugend vom Schulleiter B. T h o r, vom Religionslehrer S. H es s i n g e r und von der Jndustrielehrerin Fräulein A. G o b e r in den prächtig beleuchteten Tempel geführt. Um 10 Uhr erschien die Gemeindevertretung und der Ortsschulrath, die Vertreter der Cultusgemeinde, der k. k. Statthaltereirath Graf C o u d e nh o v e, eine Abordnung des Officierscorps der k. u. k. Militäroberrealschule, die städtische Gemeindevertretung, die Beamten, die Professoren des k. k. Obergymnasinms und eine unübersehbare Schaar von Festgästen, welche die Räume des Tempels füllten. Der Damenchor unter der trefflichen Leitung des Obercantors I. M. Drachmann sang unter Harmoniumbegleitung das Ma towuh, worauf Se. Ehrwürden Herr Dr. R abbin o v i c z in zündenden Worten die Bedeutung der Schule, der Bildung erläuterte. Ein von ihm bei offener Buudeslade gesprochenes Kaisergebet beschloß seine meisterhafte Rede. Nach Absingung einiger Chöre begaben sich die Gäste, voran die Schuljugend, zum Schulhause. Hier hielt der Obmann des Baucomitäs Herr Dr. Josef R ei u eine formvollendete, vortreffliche Ansprache, indem er die Geschichte des Baues besprach, der hochherzigen Spenden, insbesondere der Munificenz des hohen k. k. mährischen Landesschulrathes, des Reichsraths- und Landtagsabgeordneten Dr. P r o m b e r, des Herrn Julius R. v. G o m p e r z, des Ehrenbürgers und Ausschußmitgliedes Herrn Samuel Kober gedachte, welche durch die Darbringung von nicht geringen Opfern die Herstellung des Baues ermöglichten und förderten. Hierauf übergab er die Schule der Obhut der Gemeinde und des Octsschulrathes und schloß mit einem dreimaligen Hoch aus Sr. Majestät den Kaiser, in welches die versammelten Festgäste begeistert einstimmten. Herr Bürgermeister Schlesinger versprach in schlichten, einfachen Worten, das Jntereffe der Schule auch ferner zu wahren. Ein von einer Schülerin vorgetragenes Festgedicht beschloß die Feier vor dem Hause. Nun begaben sich alle Gäste in das Schulzimmer. Auf der Estrade hatten die Spitzen der Behörden.Platz genommen, die anderen