Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021214--07270-3031590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 918 Vr. Vlmtz's Wochrntchrist Rr. 45 dem gestaltete sich dieses Familienfest zu einem wahren Ehren- und Freudentag für Herrn Lehrer Weiß in des Wortes schönster Bedeutung. Schon am frühen Morgen brachten Schüler und Schülerinnen dem Jubelpaare herrliche Blumenspenden. Im Laufe des Tages trafen zahlreiche Gratulations- Depeschen und Schreiben, wie auch sehr werthvolle Ehrengeschenke von den vielen Freunden und College» ein. Am Abend fand zu Ehren der erschienenen Gäste ein improvisirtes Festmahl statt, welches mit vielen schönen Toasten auf das Jubelpaar gewürzt wurde. H—r. Wien. (Be re in zur Hebung der Gewerbe in Wien.) In Folge einer Einladung der k. k. General-Direction der Tabak-Regie in Wien, findet am Montag den 8. d. M. eine Excursion unseres Vereines nach der Tabakfabrik R o s s a u statt. Die P. . T. Mitglieder erhalten, nachdem noch einige Formen zu erfüllen sind, separate Einladungen zu dieser Excursion. Hochachtend der Schriftführer: der Präsident: Alfred Kisch. S. Brod. Wien. (Spende an den Synagogen verein „Beth-Jsrael" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien, II., Leopoldsgasse 29.) Am Laubhütten-Festtage, dem 17. October d. I., hat um 5 Uhr Nachmittags in der Synagoge des Vereines „Beth-Jsrael" eine erhebende Feier stattgefunden. Die Eheleute Herr und Frau Wilhelm Mingelgrün haben in hochherziger Opferwilligkeit obigem Vereine ein neu angefertigtes Sefer Thora sammt sehr werthvollem Kle Kodesch geschenkt und ins Eigenthum übergeben. Herr W. Mingelgrün trug das neue Sefer Thora in die Synagoge und wurde dasselbe von dem gefammten Vorstand unter Führung des Präses, Herrn S. Weisels, die die anderen Sifre Thora bis zum Eingänge der Synagoge entgegentrugen, feierlich empfangen. Der Obercantor Herr Meyer Scharr intonirte in seiner meisterhaften Weise mehrere Psalmen, und so gestaltete sich diese Feier zu einem Ereignisse, an das sich die Eheleute Mingelgrün noch lange freudig erinnern werden. E. B. Protznitz. Unserem allverehrten Cultusvorstande Herrn Josef Singer wurde das Glück zu Theil, von seiner Gattin mit einem Sohne beschenkt zu werden. Diesen erfreulichen Anlaß benützte Herr Singer, die Armen und die rituellen Vereine unserer Gemeinde mit reichen Gaben zu bedenken. Hora^diowitz. (Diamantene Hochzeit.) Herr Samuä Fürth, ein Bruder des Begründers der Strohpapierfabrikation in Oesterreich, Herrn Heinrich Fürth in Pilsen, feierte heute mit seiner Gattin Rosalia, geb. Stern, das Fest der diamantenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich seltener körperlicher und geistiger Frische und war Gegenstand zahlreicher Ovationen. Eine dreigliedrige Deputation der Cultusgemeinde, clls deren Sprecher der Präses Herr Advocat 7- U. Dr. D. Popper fungirte, überreichte ein prachtvolles Blumenbouquet und überbrachte die Glückwünsche der hiesigen Cultusgemeinde; der Lehrkörper der israelitischen, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Volksschule, sowie das Rabbinat, zahlreiche andere Corporationen und Private übermittelten herzliche Gratulationen; auch liefen viele sinnige Geschenke, von der Ferne Telegramme und Glückwunschschreiben ein. Friedeck, 2. November. (Gegen den Bicebürgerm e i st e r Dr. N e u m a y e r.) Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Friedek-Mistek hat in seiner gestrigen Sitzung stimmeneinhellig beschlossen, dem Vorstande der Wiener Cultusgemeinde für sein Eintreten zur Wahrung der Ehre der jüdischen Religion aus Anlaß der schweren, gegen das Judeuthüm, seine religiöse Grundlage und das moralische Verhalten seiner Bekenner gerichteten Anschuldigungen absichtlicher Verunglimpfung und Unterstellung seitens des Wiener Vicebürgermeisters Dr. Neumayer aus vollem Herzen zu danken, und sich der von chm in der öffentlichen Sitzung vom 10. October ausgesprochenen Protestkundgebung und angenommenen Resolution vollinhaltlich anzuschließen. Die Aushebung. Erzählung von Jda Oppenheim. (Schluß.) Eine Ohnmacht überkam ihn und er wäre zu Boden gesunken, wenn nicht Jona ihn in seine Arme genommen. — Alle, die das Gotteshaus verließen, sammelten sich um die Beiden, da kam die schöne ehrwürdige Gestalt des beliebten Dr. Mendeß, rieb ihm die Stirne und gab ihm einige Tropfen. Er athmete auf und sah traumverloren um sich. „Stützet Euch auf mich, es ist nicht weit zu meiner Wohnung." Und so ging Juda geführt von seinem Freunde und dem Arzte in dessen Haus. Der Arzt führte sie 'in sein Sprechzimmer, sie erzählten ihm ihre traurige Geschichte, wie sie seit Wochen herumirren und noch nirgends etwas -gefunden, womit sie ihr Leben fristen könnten, ihr Geld geht auch zu Ende. „Wie ihr jetzt", sagte der Arzt, „so bin auch ich aus Portugal vertrieben worden. Nun habe ich und die Meinen, wenn ihrer auch Viele fehlen, eine Heimat gefunden. Kommt jetzt zum „Seder"-Abend, über die Feiertage seid Ihr meine Gäste, und dann will ich überlegen, wie Euch zu helfen." Ein Diener erschien und bat den Herrn Doctor zur Tafel. Die Flügelthüren öffneten sich zu einem großen, hellerleuchteten Saal, große Kronen von Krystall mit vielen Kerzen strahlten ihr Licht aus, große Spiegel zierten die Wände und herrliche Kunstgegenstände in den Nischen von Blattpflanzen umgeben. In der Mitte ein langer Tisch mit einer weißen Damastdecke bedeckt, darauf ein großer silberner Tafelaufsatz. Er stellte den Berg Sinai dar, auf dessen Spitze Moses mit den Gesetzestafeln stand. In feinem, getriebenem Silber sah man herum Gestalten aus dem Volke Israel, auf der anderen Seite mit Edelsteinen die Worte eingelegt: „Wir wollen hören und gehorchen"; auf jeder Seite des Berges konnte man irgend einen Theil abgebildet sehen der wunderbaren Rettung der Israeliten. Das Ganze war magisch beleuchtet und strahlte in herrlicher Pracht. Silberne Trinkbecher standen um den Tisch, einer der größten mit Wein gefüllt für den Propheten Elia. Die große silberne Sederschüssel stand auf Kugeln und darauf lagen die Mazzes, mit einer weißseidenen Decke bedeckt und mit Sprüchen versehen. Von der Schüssel aus ragten kleine Tellerchen hervor, die die bitteren Kräuter enthielten, das Ei, das gebratene Fleisch. Einige Exemplare der Hagada — des Buches, das an den beiden Peßach-Abenden gelesen wird, lagen auf dem Tisch, an dessen oberem Ende der Sessel des Hausherrn, förmlich einem Thronfessel gleich, mit reich gestickten Kissen versehen; daran reihten sich zu beiden Seiten die Sitze aus rothem Sammt für die Familie und ihre Gäste, neben dem großen Sessel stand ein Waschbecken aus Silber. Wunderbare Vorhänge fielen in der schönsten Drapirung von den Fenstern, die Spiegel vervielfältigten noch mehr den herrlich trauten Raum. Zwei Frauengestalten gingen dem Hausherrn entgegen, um ihn zu begrüßen. Ihnen folgte eine ganze Reihe von Gästen, Verwandte, die zu dem Abend geladen waren, sie waren auch einst unter dev Flüchtlingen. Zuerst reichte der Dr. Mendeß der alten Frau, seiner Mutter, die Hand und begrüßte sie mit echt spanischer Grandezza; dann wandte er sich der Jüngeren zu, seiner Frau. Beide beugten ihr Haupt und die alte Frau legte segnend ihre Hände auf die geliebten Kinder. Nun stellte der Doctor die beiden Fremden vor und man begab sich zu Tische. Der Hausherr saß an dem oberen Ende, ihm zur Seite die ehrwürdige Mutter und die theure Gattin, daran reihten sich die Gäste und die Vorlesung begann. Die beiden Jünglinge waren ganz berauscht, fühlten sich heimisch und glücklich für den Augenblick. Sie sangen mit frischer Stimme die Loblieder, interpretirten viele Sätze und gaben Zeugniß von ihrem gediegenen Wissen. Nach dem köstlichen Mahle mußte Juda den Gästen nochmals seine traurige Geschichte erzählen — Alle waren tief gerührt. „Hoffet!" sagte die Greisin. „Gottes Hilfe war uns stets nah' in der größten Noth." Ihre rechte Hand erhebend, an der nur der Zeigefinger sichtbar war, sagte sie: „Die Finger sind mir, als ich in Haft war, gelähmt worden und mußten mir, als ich frei wurde, abgenommen werden; mein Kind" — auf ihre Tochter zeigend — „ist die Einzige, die mir geblieben von acht Kindern; mein Gatte hatte nur kurz die Freiheit genossen, die lange Kerkerhaft untergrub seine Gesundheit. Seht, fast Alle, die wir hier versammelt, theilten Euer trauriges Los — dennoch hielten wir fest an dem einigen Gotte und seinen Satzungen und ertrugen die schweren Prüfungen. Ihr seid unter Brüdern und werdet Ihm auch einst danken und Ihn loben, als den Wunderthäter. Er wird es Licht werden lassen." Aller Augen waren auf die edle Frau gerichtet. Niemals sah man eine edlere Er-