Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 45 Vr. Bwch's WvchenschrM Sette 917 London. Der verstorbene Barney Barmato, der afrikanische Millionär, hat zwar in seinem Testament keinerlei Verfügung für wohlthätige Zwecke bestimmt, aber seine Erben glauben doch in seinem Sinne zu handeln, wenn sie eine größere Anzahl von wohlthätigen Stiftungen im Gesammtbetrage von circa 330.000 Mark ins Leben rufen. Darunter sind bedacht worden folgende jüdische Institute: Das Taubstunimenl.eim mit 20.000 Mark, die jüdische Freischule mit 60.000 Mark, die jüdische Altersversorgung mit 10.000 Mark, die Armencommission mit 10.000 Mark, das Reconvalescentenheim mit 1000 Mark, in Summa 110.000 Mark. London. Der Verwaltungsrath der „Jewish Colonisation Association" hat in seiner Sitzung am 24. October folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Einigen nord'amerikanischen Colonien, sowie der Erweiterung der landwirthschaftlichen Schule der Colonie sein Interesse zuzuwenden. 2. Die Entwicklung der Baron Hirsch'schen Colonie in Canada zu unterstützen. 3. Die bereits früher zu Gunsten mehrerer Colonien in Palästina gewährten Credite zu erhöhen. 4. Herrn Walter I. Cohen nach der Insel Cypern mit der Mission zu entsenden, daselbst einen Grundbesitz auszusuchen, auf welchem mehrere israelitische Colonien zu errichten wären. 5. Zur Errichtung einer Ackerbauschule in Galizien beizutragen. 6. Der Schulfrage in Rumänien sein Interesse zuznwenden. Marseille. Hier existirt ein Verein, der in weiteren Kreisen gekannt zu werden verdient, die „Gesellschaft zum Schutze der israelitischen Jugend und zu ihrer Ermuthigung bei der Erlernung von Handwerken". Die Gesellschaft nimmt sich der Kinder armer jüdischer Eltern im Alter von 7 Jahren au, versammelt sie zweimal wöchentlich in einem geeigneten Local, wo sie körperliche Erfrischungen, aber auch Unterricht, besonders den sonst so arg vernachlässigten Religionsunterricht erhalten, versieht sie zweimal im Jabre mit Kleidung und Schuhwerk und bringt sie im Alter von 13 Jahren zu geeigneten Lehrmeistern. In solcher Weise sind schon mehr als 300 Kinder guten Handwerkern zugeführt worden. Melbourne. Unsere Gemeinde befindet sich durch den Bau einer prachtvollen Synagoge in ernsten Schwierigkeiten. Die finanzielle Lage ist so ungünstig, daß eine Katastrophe bevorsteht, obwohl die Gehälter rc. auf das Aeußerste gekürzt sind. Infolgedessen ist ein Vertreter der Gemeinde nach London gereist, um dort Geld zu sammeln. Von den im Ganzen nöthigen 150.000 Mark hat er bisher erst 30.000 aufgebracht, doch besteht Hoffnung, auch den Rest noch zu decken. Am 12. September wurde hier das große neue Schulhaus eiugeweiht, welches an die Synagoge in St. Kilda Street angebaut ist. Die Einweihung fand unter großen Feierlichkeiten statt. Auch in Sidney befand sich die Gemeinde in großer finanzieller Roth, so daß der Obercantor selbst eine Reduction seines Gehaltes anbot, die denn auch angenommen werden mußte. Mit Hilfe äußerster Sparsamkeit, sowie auch Sammlungen in der Gemeinde gelang es, die dringendsten Ausgabe zu decken. Immerhin bleibt das Schreckgespenst eines Deficits von 22.000 Mark, während die Jahreseiunahmen circa 74.000, die Ausgaben circa 95.000 Mark, betragen. Erfreulich ist dagegen die Thatsache, daß die Mitgliederzahl der Gemeinde besonders durch den Eintritt vieler junger Leute wächst. Philadelphia. Die mit so viel Reclame ins Werk gesetzte Unternehmung von Ephraim Deinard, der bekanntlich eine größere Zahl von eingewanderten russischen Juden in Kalifornien colonisiren wollte, ist jetzt völlig gescheitert, wie Kundige dies vorhergesagt haben. Die Meisten der von Deinard verlockten Colonisten sind zurückgekehrt, nachdem sie ihr bischen Hab und Gut eingebüßt haben. — Jüdische Einwanderer sind im Laufe des September in unserem Hafen 259 gelandet gegenüber 192, welche im September des Vorjahres ankamen. Von dieser Zahl waren 136 männlichen, 123 weiblichen Geschlechtes, 110 von ihnen kamen auf Billets, welche ihnen in Amerika lebende Verwandte zugeschickt hatten. Die Einwanderer sind aus den verschiedensten Ländern: 162 Rußland, 22 Oesterreich, außer 18 aus Galizien und 15 von Ungarn, 15 aus Russisch- Polen, 10 aus Deutschland, 8 aus England, 6 aus Rumänien, 2 aus Schweden und 1 aus der Türkei. Die Einwanderer vertreten nicht weniger als 36 verschiedene Handwerke. Am 5. October kamen wieder neue Emigranten, 65 an der Zahl, und da sie gerade Erew Jom-Kippur anlangten, so wünschten sie über den Feiertag in Philadelphia zu bleiben, bis auf 2 Familien, die trotz des Festes die Reise nach Chicago fortsetzten. Den Bemühungen der jüdischen Einwanderungs-Gesellschaft gelang es, für Alle eine Verlängerung der Billetdauer zu erwirken und außerdem auch für diejenigen, welchen die Hafenbehörde nicht zu landen gestatten wollte, diese Erlaubnis zu erhalten. Aus Nordamerika. Die Baronin Hirsch hat wieder einmal große Spenden für hiesige Zwecke gemacht, so in erster Linie die Sunrnke von 850.000 Mark für ein confessionsloses Mädchenstift, ferner 420.000 Mark, um eine Hypothek auf dem Hebrew Institut abzulösen, welche demselben sehr unbequem war. Außerdem aber in großer Anzahl kleinere Beträge in der Höhe von 1000 bis 2000 Dollars für eine Menge von kleineren Vereinen und kleineren Instituten im ganzen Lande. Die hiesigen Zeitungen sind voll von Berichten über einen äußerst interessanten Versuch, der mit einer neuen Varietät der Baumwollenstaude unternommen wurde und glänzende Resultate gehabt haben soll. Diese neue Spezies ist eingesührt durch einen gewissen Adolf Hoylt, einen englischen Juden, der sie im innersten Afrika, tausend englische Meilen von ber Küste, fast unter dem Aequator, entdeckt hat. Interessant ist, wie weit der Jude herumkommt. In Washington ist der Grundstein zu einer neuen Synagoge mit ungeheurem Pomp gelegt worden. Die Ceremonie selbst hat der Großmeister der Freimaurerloge mit einem Hammer vollzogen, welchen der erste Präsident der Vereinigten Staaten, Georg Washington vor 100 Jahren gebraucht hat. Die Ceremonie erhielt besondere Feierlichkeit durch die Anwesenheit des Präsidenten Mac Kinley, des Staatssecretärs Sherman und anderer Notablen. Die Festrede hielt Mr. Simon Wolf und das Schlußgebet der Pastor der Baptistenkirche. Während des Baues hielt die jüdische Gemeinde ihren Festgottesdienst in den Räumen der Sacristei der Congregations- Kirche. Das ist doch Toleranz von allen Seiten!! — Auf den Goldfeldern in Alaska ist dieses Jahr bereits Festgottesdienst abgehalten worden. Auf die Bitte der dort ansässigen Juden hat der Rev. Lewy ein Sepher Thora nach Juneau in Alaska geschickt. Die letzte Publication der „Jewish Publication Society“ ist die Uebersetzung des bekannten Buches „der Talmud von Darmesteter", welches durch Mr. Szold iu's Englische übersetzt wurde. Vermischtes. (Humanitärer Geselligkeitsverein „ Fides".) Der in unserem Blatte angekündigte Vortragsabend verlief in geradezu glänzender Weise. Unter den Vortragenden Damen brillirte durch ihre Leistungen Fräulein Rosa G o t t l i e b, die als Schülerin des Conservatoriums bereits nach Leipzig ab 1898 engagirt ist, mit Arien aus „Tannhäuser" und »Cavalleria rusticana«, denen auf allgemeines Verlangen mehrere Zugaben folgten. Wahre Beifallsstürme entfesselte die Concertsängerin im Coloraturfache Fräulein A l b e r t i n e T i e tz mit ihrer prachtvollen Sopranstimme, die besonders in Trillern und in Staccatis zur Geltung kam. Das heitere Fach vertrat in glänzender Weise Fräulein P o l d i S a n g o r a vom k. k. priv. Carltheater durch den Vortrag von reizenden Gedichten, und es wäre nur zu wünschen, daß das Publicum bald Gelegenheit hätte, Fräulein S a n g o r a in größeren Rollen auf der Bühne zu sehen. Fräulein Mary Spieler ergötzte die Zuhörerschaft durch die Vorträge: „Ter Falschmünzer" und „Peter von Arbues", die einen Beweis für ihr großes dramatisches Talent boten. Ten Vorträgen folgte ein äußerst animirtes Tanzkränzchen, zu dem die bekannte Schützencapelle flott spielte. Der Erfolg des Abends ist auch in materieller Hinsicht ein schöner zu nennen, was um so höher anzuschlagen ist, als das Reinerträgniß zur Bekleidung jüdischer Schulkinder verwendet wird. E. B. Wien. Der humanitär-gesellige Verein „Z wangslos" hält am 20. November im Festsaale des Wiener Kaufmännischen Vereines sein alljährliches Bekleidungsfest ab, zu welchem Einladungen an die Mitglieder des Vereines und seine Gönner und Förderer seitens der Vereinsleitung ergehen. Im Vorjahre war der genannte Verein in der Lage, 130 arme Kinder mit Winterkleidern zu betheilen, es wäre dringend zu wünschen, daß es gelänge, auch heuer eine gleich humanitäre Wirksamkeit zu entfalten, wozu es der Zuwendung der erforderlichen Geldmittel bedarf. Der Appell an edle Menschenfreunde wird hoffentlich auch diesmal seine Wirksamkeit thun und sind hochherzige Spenden an den Vereinsobmann Herrn Max Zern er, 1., Rabenplatz, gütigst zu richten. Wien. Im engsten Familienkreise beabsichtigte verflossenen Sonntag der in den besten jüdischen und christlichen Kreisen eines vortrefflichen Rufes sich erfreuende, an der Volksschule Hernals, Leopold Ernstgasse 37, seit 22 Jahren wirkende Communal- und Religionslehrer Herr Simon Weiß das Doppelfest der silbernen Hochzeit, vereint mit seinem dreißigjährigen Lehrerjubiläum, in aller Stille zu feiern. Trotz