Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-05 · 45 (5.11.1897) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
45 (5.11.1897)
Date
1897-11-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021214--07266-3031586
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 914 Dr. Vwrh'« feit in der jüdischen Bevölkerung auch Heuer wieder durch Betheilung der Armen mit Holz und Wohnungsbeiträgen entgegengewirkt werden. Holleschau. (Gemeinde-Bibliothek.) Der Munificenz des Herrn Albert L ö w aus Budapest ist es zu verdanken, daß am 1. September l. I. hierorts die neugegründete Bibliothek der israelitischen Cultusgemeinde Holleschau eröffnet werden konnte. Diese Bibliothek soll nach den Intentionen ihres bereits genannten großherzigen Förderers und des Ausschusses, der es unternommen hat, für dieses gemeinnützige Unternehmen aus allen Kräften zu wirken, „die Heranwachsende Jugend mit der Geschichte der Väter näher vertraut machen, das weibliche Geschlecht mit Begeisterung für die unvergänglichen Schätze der jüdischen Literatur erfüllen, und den Männern geistige Waffen zum Kampfe für Glauben und Wahrheit in die Hand geben." Das lebhafte Verständniß, welches diese prosperirende Schöpfung in unserer Gemeinde gefunden — es kann den Anforderungen, der sich um Bücher Meldenden nicht vollends entsprochen werden — legt davon das Zeugniß ab, daß dieselbe einem wahrhaften Bedürfnisse entsprungen ist. Die Leitung der Gemeindebibliothek ist den besten Händen anvertraut. Zum Protector wurde als Gründer der Bibliothek Herr Albert L ö w ernannt. Obmann ist Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jacob Freimann, Bibliothekar Herr I. B a u m g a r t e n, Cassier Herr Abr. G r ä tz e r, Schriftführer Herr Leopold Z w i l l i n g e r und Mitglied des Ausschusses Herr Emanuel L a m p e l. Es ist den Bemühungen des Herrn A. L ö w wie auch der Herren Mitglieder der Bibliotheksleitung gelungen, die Unterstützung weiterer Kreise für dieses Unternehmen zu erlangen. Indem die Namen der Spender hier veröffentlicht werden, sei allen diesen Herren der wärmste Dank hiefür ausgesprochen. Möge ihr leuchtendes Beispiel vielfache Nachahmung finden! Bücherspenden haben gewidmet: Herr Albert L ö w in Budapest im Werthe von 96 fl. 85 kr.; Herr Julius P o l l a k in Jägerndorf im Werthe von 16 fl.; Herr L. B i r m a n n in Waag-Neustadtl im Werthe von 12 fl. 20 kr.; die Herren Singer und Reichsfeld in Budapest im Werthe von 12 fl.; Herr Wilhelm Mandler, ebendaselbst, im Werthe von 12 fl.; Se. Ehrwürden Herr Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r, Rabbiner in Pisek, Böhmen, im Werthe von 12 fl.; Herr Julius Feldmann in Budapest im Werthe von 50 fl. 20 kr.; Herr Adolf Adler in Kaschau im Werthe von 31 fl.; Se. Ehrwürden Herr Dr. A. F r e i m a n n, Rabbiner, im Werthe von 2 fl.; Herr Moses Kapp in Holleschau im Werthe von 2 fl. — Geldspenden haben gewidmet: Herr Josef Berger in Wisch au 20 fl.; Herr Joses Hauser, Cultusvorsteher in Mieslitz 5 fl.; Herr Siegmund Markus, Cultusvorsteher in Wagstadt, 5 fl.; Herr Jacob Schimmer! in Kremsier 2 fl.; Herr Marcus Schrötter in Sluschowitz 2 fl.; Herr Aron Redlich, ebendaselbst 1 fl. Weitere Ausweise werden folgen. Holleschau. Dieser Tage hat in Wien ein Ehepaar, gleich hervorragend durch Lebensstellung wie hochherzige Gesinnung, das Fest der silbernen Hochzeit gefeiert. Es ist das der Wiener Gemeinderath Herr Donat Z i s f e r e r und Frau, eine geborne Schiller aus Berlin. Anläßlich dieser Inbiläumsfeier hat Herr Gemeinderath Z i f,f e r e r unserem hochverehrten Rabbiner Herrn Dr. I. F r e i m a n n den Betrag von 50 fl. zur Vertheilung an die jüdischen Armen der Cultusgemeinde Holleschau übersandt. Begleitet war diese hochherzige Spende von einem überaus herzlichen Schreiben des Herrn Gemeinderathes, welches ,von seiner edlen Denkungsweise ein beredtes Zeugniß ablegt, wofür Herrn Zifferer öffentlich der tiefempfundene Dank der Cultusgemeinde Holleschau ausgesprochen wird. Köuigswart. Eine arme jüdische Lehrerfamilie hat das große Unglück getroffen, daß sie ihr Oberhaupt, den Vater, Ernährer und Erzieher von acht unversorgten Kindern durch einen plötzlichen Schlag des grausamen Geschickes verloren hat. Am 27. October l. I. starb nach kurzer Krankheit Herr Josef Freudenfeld, Lehrer und Cantor in Königswart. Eine Witwe mit acht Kindern ist in tiefe Trauer versetzt; neben dem Schmerze um den Verlust des Gatten und Vaters gehen die Pein, die Qual und die Sorge des Witwen- und Waisenstandes in unmittelbarer Folge einher, denn der Verstorbene hinterließ den Zurückgebliebenen nichts als das unaussprechlichste Elend, Kummer. Mangel, Noth und Jammer. Die Gemeinde, in der er bis an sein Lebensende Wochenschrift. Nr. 45 wirkte, ist klein und mittellos und kaum im Stande, die Auslagen für ihre Cultusangelegenheiten zu bestreiten. Für diesen trostlosen Zustand gibt es kein anderes Mittel, als an das Erbarmen unserer Glaubensgenossen zu appelliren, damit der allezeit bewährte Sinn für Wohlthun und Menschenliebe auch in diesem Trauerfalle zur Geltung komme. Möge der Allerbarmer, der himmlische Vater der Witwen und Waisen, die Boten seines Heiles aussenden und mildlhätige Herzen der Theilnahme erwecken, daß den armen Verlassenen Hilfe in banger Noth, in dem Unglücke werde, welches so schwer auf ihnen lastet. Spenden für diese hart geprüfte Familie nach dem verstorbenen Lehrer Josef Freudenfeld nimmt der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Königswart dankend entgegen. Königswart, am 1. November 1897. Hermann Horowitz, Vorsteher. Stratznitz. Unter großer Theilnahme der Bevölkerung unserer Stadt und Gemeinde wurde vorige Woche der fromme und biedere Herr Marcus Siebenschein zu Grabe getragen. Der Verblichene, einer angesehenen Familie entstammend, der einst bessere Tage gesehen, hat sich in all seinen wandelbaren Geschicken als Muster eines rechtschaffenen, selbstlosen und überaus friedliebenden Menschen standhaft bewährt. Er gehörte zu jenen seltenen Menschen, der auch unter seinen Geschäftsconcurrenten nie einen Gegner oder gar einen Feind hatte; vielmehr erfreute er sich nur allgemeiner Achtung und Werthfchätzung. An der Bahre widmete ihm unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Dr. Friedmann einen ehrenden und für seine trauernden Hinterbliebenen tröstenden und erhebenden Nachruf, welcher das Leben und Wirken und die Vorzüge des Dahingeschiedenen treffend schilderte. Ehre seinem Andenken! S. Grotz - Enzersdorf. (Recrutenbeeidigung.) Montag den 1. November fand in unserem neuerbauten Tempel zum erstenmale die Ceremonie der Recrutenbeeidigung in besonders feierlicher Weise statt. Nach 9 Uhr Vormittags erschienen die Soldaten unter Führung des k. und k. Lieutenants Herrn Ritter von Adamowitsch im Tempel, woselbst sich ein zahlreiches Publicum, auch viele Christen, mittlerweile eingefunden hatte. Nach dem vom Cantor Eigner vorgetragenem Ma Tauwn wurde die Bundeslade durch das Vorstandsmitglied Herrn Leopold Rosenbaum geöffnet und die Vorstandsmitglieder Josef Winkler und Heinrich Reichsfeld entnahmen derselben zwei reichgeschmückte Thorarollen und stellten sich damit zu beiden Seiten der Kanzel auf. Se. Ehrwürden Herr Dr. M. Rosemann, Bezirksrabbiner in Floridsdorf, bestieg die Kanzel und hielt an die Soldaten eine sehr gehaltvolle Ansprache, in welcher er an sie eindringlich die Ermahnung richtete, ihrer Pflichten stets eingedenk zu sein und treu dieselben zu erfüllen. Nachdem er ihnen auch die Wichtigkeit des Eides erklärte und sie zur gewissenhaften Erfüllung . desselben aufforderte, sprach er die Eidesformel vor, welche die Soldaten laut wiederholten. Sr.. Ehrwürden verrichtete sodann vor offener Bundeslade das Gebet für den Landesvater, worauf die Volkshymne gesungen wurde und die schöne Ceremonie, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht hatte, war beendet. Bei der am 31. October vorgenommenen Ausschußwahl für den Minjanverein in Groß-Enzersdorf wurden wiedergewählt : Herr Josef Winkler als Obmann, Herr Heinrich Reichsfeld als Cassier und Herr Leopold Rosenbaum als Beirath. E. E. B. Protznitz. Am 24. October hat die Installation unseres neuen Rabbiners Herrn Dr. Goldschmidt stattgefunden. Eine Abordnung des Cultusrathes fuhr dem neuen Seelsorger bis Rezamislitz entgegen, während die Cultusvertretung in corpore, Vorstandsmitglieder sämmtlicher Vereine und viele Gemeindemitglieder am Bahnhofe zum Empfange erschienen waren. Am Freitag den 29. v. M. wurde Rabbiner Dr. Goldschmidt in feierlicher Weise in den Tempel geleitet, vom Cultusvorsteher Herrn Josef Singer begrüßt, der demselben in symbolischer Weise die Predigerkanzel als Symbol seiner neuen Wirksamkeit übergab. Dr. Goldschmidt gelobte vor geöffneter Bundeslade, den Pflichten als Seelsorger in jeder Richtung zu entsprechen. Zum Vorwurf seiner Antrittsrede wählte Dr. Goldschmidt das Thema: „Die Pflichten des Cultusvorstandes, des Rabbiners und der Gemeindemitglieder", wobei er einen durchschlagenden Erfolg erzielte und sich als das erwies, wofür er von der Gemeinde berufen worden war: als ein Mann von reichem talmudischen und modernen Wissen, er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.