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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-11-05 · 45 (5.11.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
45 (5.11.1897)
Date
1897-11-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Pleite 912 Vr. VUntz's Wochrnlchrift. mx 45 Geldern in öffentlichen Localen und auf offener Straße laut werden. Der Vorstand hat wohl in früheren Jahren des Oefteren bereits in Kundmachungen und Zuschriften an die verschiedenen Bethausvereine gegen diesen Unffig Stellung genommen, nunmehr aber sei er genöthigt, die strengsten Vorkehrungen zu treffen, damit sich die gerügten Vorkommnisse nicht mehr wiederholen. Der Präsident bringt weiters zur Kenntniß, daß eine Beschwerde anher gelangt sei, wonach der an den hohen Feiertagen im Allgemeinen Krankenhause für die israelitischen Patienten veranstaltete Gottesdienst in einem durchaus nicht entsprechenden Raum stattgefunden habe. Diesfalls könne er erklären, daß der Vorstand interveniren wird, um für die Zukunft die Beistellung eines entsprechenden Locales zu erlangen. Seitens des Herrn Leopold Pollak, Obmann des Steuer- Bezirkscollegiums für den ersten Bezirk ist ein Schreiben eingelaufen, iu welchem derselbe erklärt, seine Stelle als Obmann des Steuer-Bezirkscollegiums aus Zeitmangel niederlegen zu müssen. Demselben wird für seine hingebungsvolle Thätigkeit der Dank votirt. Die Vertrauensmänner des I. Bezirkes werden zur Neuwahl eines Obmannes einberufen. Herr Baurath von Goldschmidt berichtet, daß mit dem pro 1897 budgetirten Betrage per 600 fl. zu Gunsten der israelitischen Wöchnerinnen in der Landesgebär- und Findelanstalt laut Zuschrift der Direction das Auslangen für das heurige Jahr nicht gesunden werde. Auf seinen Antrag wird ein Zuschuß von 100 fl. zur sofortigen Auszahlung und weitere 100 fl. für den ferneren Bedarfsfall pro 1897 bewilligt. Seitens des am 4. April 1896 verstorbenen Med. Dr. Em. Bunzl wurde ein Stiftungscapital von 16.000 Kronen unter der Bedingung testirt, daß alljährlich die Zinsen dieses Capitales am 10. April unter 20 erwachsene mittellose Blinde, wovon 10 in Wien und 10 in Prag ansäßig sind, und die Hälfte der jüdischen Religion anzugehören hat, zur Vertheilung gelangen. Die Auswahl der zu Bethellenden christlicher Consession soll den Bürgermeistern in Wien und Prag, und der jüdischer Confeffion den jeweiligen Cultusvorstehern in Wien und Prag zustehen. Behufs Vereinfachung der Stiftungsverwaltung wird beantragt, dahin zu wirken, daß die Stiftung derart getheilt werde, daß aus dem Capitale per 4000 Kronen, welches den für die israelitischen Blinden der Wiener Cultusgemeinde entfallenden Zinsen entspricht eine vom Vorstande der Wiener Cultusgemeinde selbstständig zu verwaltende Stiftung creirt werde. Der Antrag wird angenommen. Die Adam Herzfeld'sche Hcirats-Ausstattungs-Stiftung im Betrage von 237 fl., wird über Vorschlag der betreffenden Familie einer würdigen Petentin verliehen. Die Stiftungszinsen der Moriz Goldberger'schen Rabbinats-Candidaten-Stiftung im Betrage von 296 fl. werden einem von der II. Section vorgeschlagenen Bewerber zugewendet. Herr Baurath Ritter von Goldschmidt referirt namens der HL Section über Subventionen für Vereine und Corporationen pro 1897. Es werden an 29 verschiedene Vereine und Corporationen Subventionen im Gesammtbetrage von 1445 fl. bewilligt, darunter zum Bau des israelitischen Hospitals in Franzensbad ein Betrag von 100 fl. Weiters wurden über Antrag des Herrn Baurath von Goldschmidt an 23 Personen periodische Monatsunterstützungen im Gesammtbetrage von 786 fl. für das II. Semester 1897 bewilligt. Ueber die an den Vorstand gelangte Aufforderung des Herrn Statthalters von Niederösterreich bezüglich der Ernennung eines Vertreters des israelitischen Glaubens in den k. k. niederösterreichischen Landesschulrath für die nächste 6jährige Functionsperiode einen Vorschlag zu unterbreiten, wird über Antrag der n. Section und des Vertreter-Collegiums das bisherige Mitglied des Landesschulrathes Herr Dr. Gustav Kohn einhellig in Vorschlag gebracht. Ueber denAntrag des Herrn Präsidenten kais. Rath Klinger, welcher auch seitens des Herrn Dr. Steiner in wärmster Weise unterstützt wird, wird Herrn Dr. Gustav Kohn für sein bisheriges sehr erfolgreiches Wirken im Landesschulrath der Dank der Versammlung durch Erheben von den Sitzen ausgesprochen. Ueber Referat des Herrn Vicepräsidenteu Dr. Gustav Kohn wird der provisorische Religionslehrer Emil Fraenkl definitiv zum Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde bestellt. Für das Armeuamt der israelitischen Cultusgemeinde wird in Anbetracht der gesteigerten Thätigkeit desselben der Präsident eine Hilfskraft bestellen. Dem Wiener Schutzvereine zur Rettung verwahrloster Kinder in Unter St.-Veit, welchem für einen Zögling israelitischer Consession vor längerer Zeit ein Erziehungskostenbeitrag bewilligt wurde, wird mit Rücksicht auf das günstige Resultat der Besserungserfolge bei dem genannten Zögling ein weiterer monatlicher Erziehungskostenbeitrag für die Dauer eines Jahres bewilligt. Ueber Bericht der Rechtssection wird principiell beschlossen, daß die Jmmatriculationsgebühr von Witwen oder Kindern solcher Personen, die in Wien wohnten und in Wien Cultussteuer gezahlt haben von dieser Gebühr zu entheben seien. Ueber die erfolgte Fertigstellung der Einrichtung des HI. Stockwerkes des israelitischen Altersversorgungshauses versammeln sich die Vorstandsmitglieder Donnerstag den 4. d. M. zu einer Besichtigung des Hauses, wonach die neu aufgenommenen 50 Pfleglinge ihr neues Heim beziehen. Der^Vorsitzende berichtet, daß die HI. Section die Abhaltung einer Enquete, betreffend^ das Armenwesen, unter Zuziehung der Vorstände von israelitischen humanitären Anstalten und auch jener Herren, welche sich diesbezüglich^ an den Vorstand gewendet haben,U für Mitte dieses Monates in Aussicht genommen habe. Der Präsident bringt schließlich den Vorstandsmitgliedern sein vor einiger Zeit an dieselben in Hinsicht ans die Fertigstellung des nächstjährigen Budgets gerichtetes Ersuchsschreiben in Erinnerung unter nochmaliger Betonung des dringenden Wunsches, daß zur möglichsten Hintanhaltung von Nachtragsforderungen während des Jahres und um einen geordneten Haushalt der Gemeinde herbeizuführen, Anregungen und Anträge, den Gemeindevoranschlag betreffend, welcher binnen vier Wochen in öffentlicher Sitzung verhandelt werden soll, ihm so rasch wie möglich behufs der nöthigen Vorberathungen überreicht werden mögen. (Schluß der Sitzung 1 Uhr Mittags.) Wien. Anläßlich der neuerlichen Eidesleistung der zum Präsenzdienste eingerückten Recruten fand für die Mannschaft israelitischen Glaubens im Tempel der inneren Stadt Montag den 1. November 1897 ein feierlicher Gottesdienst statt. Zu demselben waren 345 Recruten unter Commando eines höheren Osficiers erschienen. Die Ansprache hielt Herr Oberrabbiner Dr. ©übemann, welcher den jungen Kriegern die Heiligkeit der Eidesleistung in begeisternden Worten vor Augen führte. Die besonders würdige Feier wurde mit dem Vortrage eines Psalms eröffnet und mit der Absingung der Volkshymne geschloffen. Vom Vorstande der Cultusgemeinde und vom Bethausvorstande wohnten mehrere Mitglieder der Feier bei. j Samstag den 30. October d. I. wurde der Jugendj gottesdienst für die Schüler der Volks-, Bürger- und Mittelschulen in den Bethäusern der Wiener Cultusgemeinde sowie in den verschiedenen Vereinssynagoqen unter zahlreicher Betheiligung der Schuljugend für das Schuljahr 1897/98 in feierlicher Weise wieder ausgenommen. Besonders erhebend gestaltete sich die Eröffnungsfeier bei dem Gottesdienste für die Schüler der Mittelschulen. Hiellei hatten über Veranlassung des Herrn Vorstandes Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herr Rabbiner Doctor Schmied! die Abhaltung der Exhorten im Tempel der inneren Stadt beziehungsweise der Leopoldstadt fteundlichst übernommen, welcher Umstand im Interesse der Hebung des Jugendgottesdienstes wärmstens zu begrüßen ist. Den Schluß der Feier bildete in allen Synagogen die Absingung der Volkshymne, welche von der Schuljugend begeistert mitgesungen wurde. Der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde, welcher bestrebt ist, die schöne Institution des Jugendgottesdienstes auf das Eifrigste zu fördern, war durch den Präsidenten Herrn kaiserl. Rath Klinger und mehrere Mitglieder vertreten.

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