Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 45 Vr. Vlrntz'» MochrnschrM Sette 905 ganzen Verhandlung erblicken. Nach längerer Debatte, an der sich auch drei Landwirthe, die Herren Dr. S. Papi l s k i - Gablo 'z, Rittergutsbesitzer Aren st ein - Düren und Oberamtmann Cohn- Berlin rege betheiligten, erhält Nummer 5) in folgender Form die Genehmigung der Versammlung : „Um in zweckmäßiger Weise in der Gegenwart bereits die Vermehrung der Seßhaftigkeit auf dem Lande einzuleiten, die erforderlichen Ermittelungen anzustellen, insbesondere über die Erfahrungen jüdischer Landwirthe und die Möglichkeit, jüdische Arbeitskräfte bei ihnen einzustellen." Punkt 6), welcher die Herbeiführung von Niederlassungen in Einzel- und Gemeindewirthschaften betraf, wird vom Vorsitzenden zurückgezogen. Zu Punkt III. endlich beschließt die Versammlung zur Durchführung der von ihr bekundeten Absichten die Errichtung eines „Vereines zur Beförderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands" und überträgt die provisorische Leitung desselben mit dem Rechte der Cooptatiou den Herren Gustav Tuch, Rechtsanwalt H e i n e m a n n, Alfons Jacobson, A. M. Simon, Oberamtmann Cohn, Rabbiner Dr. Plaut-Frankfurt a. M., Eugen Rosenstiel und Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz. Nach Erledigung der Tagesordnung spricht Dr. Karpeles Herrn Tuch den Dank der Versammlung dafür, daß er diese Frage mit so hingebungsvvollem Eifer in Angriff genommen habe, und den Wunsch aus, daß es ihm gelingen möge, das begonnene Werk zu einem gedeihlichen Ziele zu führen. „Reichthum" der luden England s. London, 20. October. „Sind die Juden, als Volk betrachtet, reich? (Are Jews as a people rieh?)", ist die interessante Frage, deren Lösung das angesehene Londoner volkswirthschaftliche Wochenblatt „The Statist" in seiner letzten Aufgabe unternommen hat. Es wollte die Richtigkeit der seit längerer Zeit zur allgemeinen Annahme gelangten Behauptung erproben, daß der jüdische Reichthum zwei-, drei-, ja sogar fünfmal so groß sei, als der irgend eines anderen Volkes, mit anderen Worten, daß die Juden, als Volk betrachtet, mit irdischen Gütern viel reichlicher gesegnet sind als andere Völker. Eine umfassende Enquete wurde eingeleitet, Informationen wurden in allen Kreisen der Bevölkerung eingezogen und ein geradezu enprmes statistisches Materiale gesammelt und gesichtet, mit dem Resultate, daß der „Statist" zur Ueberzeugung gekommen ist, daß die Juden, als Volk betrachtet, nicht reich sind, daß sich in ihren Reihen eine größere Anzahl armer Personen befinde, als unter den Bekennern irgend eines anderen Glaubens, so daß der Percentsatz des durchschnittlichen Reichthums des jüdischen Volkes weit geringfügiger ist als bei anderen Völkern. Selbst in England, wo es ohne Zweifel eine Menge reicher Juden gibt, deren Reichthum im Gegensätze zu den continentalen Vermögen auffallend in die Augen springt, ist die durchschnittliche Höhe dieser jüdischen Millionenvermögen weit niedriger als bei den andersgläubigen Millionären. Reichthum ist eben ein relativer Begriff, welcher ein gegenüber den eigenen Bedürfnissen und dem Besitz Anderer verhältnißmäßig großes Vermögen bezeichnet. Die jüdische Geld-Aristokratie Englands besitzt einen enormen Reichthum, der nichtsdestoweniger recht bescheiden aussieht, wenn verglichen mit dem Reichthum der englischen Geburts-Aristokratie. Es geht dies besonders deutlich daraus hervor, wenn man die gerichtlich registrirten Verlassenschaften von Verstorbenen in den vereinigten drei Königreichen in Betracht zieht und mit einander vergleicht. Die Statistik dieser gerichtlich registrirten Verlassenschaften zeigt, daß von den 70 bis 80 „gewöhnlichen" und Erz-Millionären, die jahraus jahrein in England die Reise nach dem unbekannten Jenseits antreten, kaum ein Fünftel dem jüdischen Glauben angehört. Der „Statist" hat sich der Mühe unterzogen, eine Statistik der verstorbenen jüdischen Millionäre Englands anzufertigen, nebst Höhe des hinterlassenen Vermögens, auf welches die probate duty (Verlassenschaftssteuer) gerichtlich eingehoben wurde: * ' Pfd. St. 1879. Baron L. N. de Rothschild .... 2,700.000 1887—88. Baron Herman de Stern .... 3,544.000 Josef Moses Levy. 475.000 Linoel Louis Cohen ...... 423.447 Baroneß Betty de Rothschild . . 377.000 Samuel Jsaac ....... 283.065 Morris Josephs . 126.000 1889—90. Hanna, Lady Roseberry. 719.875 Julius Behrens .... 420.318 Sir Benjamin Fandet Phillips. . 291 282 Philipp Lucas Leon. 255.000 David de Paß. 139.722 1891—92. Charles Keyser. 957.566 Henry Solomons. . 261.320 Samson Wertheimer. 377.789 Samuel Hy am. 118.049 Moß Joshua. 108.000 1893—94. Simeon Marburg ....... 230 834 David Benjamin .... 250.136 Hermann Ludwig Eckstein . . . 146.000 Henry Louis Cohen . 127.000 Jonas Levy ...... 133.021 George Samuel . 470 723 Samuel Salomon ..... 377.858 1895—96. Baron Maurice Hirsch . . 1,372.163 Sir Julian Goldsmid ...... 974.453 Meyer Salaman ..... 280.120 Sir Albert David Sassoon . . . 259.890 Edwin Levy . .... 261.518 Arthur Sebag Montefiore.... 109356 Henry Nathan ...... 153.404 1897. Barnett Jsaacs Barnato . . 960 119 In den letzten zehn Jahren 1887—1897 sind nach dieser authentischen Zusammenstellung in England 31 jüdische Erz-Millionenvermögen gerichtlich registrirt worden, nämlich Hinterlassenschaften von 100.000 Pfund Sterling und darüber, gleich zehn Millionen Gulden in Gold nach österreichischem Gelde. Die Zahl der nichtjüdischen Verlassenschaften von über 100.000 Pfund Sterling übersteigt jedoch in einem einzigen Jahre regelmäßig um das Doppelte die jüdischen Hinterlassenschaften eines ganzen Jahrzehntes. Und während die jüdischen Mittelclassen nur sehr mäßige Summen hinterlassen und die unteren Classen sogar im tiefsten Elend ihren Geist aufgeben, weisen die gerichtlich publicirten Testamente der andersgläubigen Bevölkerungsclassen Englands eine Unzahl von Hinterlassenschaften auf, die die ganze Stufenleiter von 5000 bis 100.000 Pfund Sterlings ausfüllen. Daraus ergibt sich von selbst der Schluß, daß, während das englische Volk als solches sehr reich ist, die jüdische Bevölkerung Englands nicht reich ist, sondern blos eine kleine Anzahl reicher Juden zählt, die im Verhältnisse zu den Andersgläubigen eine quantite n£gligeable sind. In der obigen Liste der im letzten Decennium in England verstorbenen jüdischen Millionäre befinden sich ihrer Beschäftigung nach, Panquiers: Baron Hermann de Stern, Lionel Louis Cohen, Samuel Jsaac, David Benjamin und Henry Louis Cohen; Mitglieder der Stock- Exchange: Philipp Lucas Leon, Charles Keyser, George Samuel, Meyer Salaman und Edwin Levy; Mitglieder der Lloyd-Börse: Henry Solomon, Henry Nathan und Samuel Solomon; Großgrundbesitzer: Sir- Julian Goldsmid und Arthur Sebag Montefiore; F a b r i-