Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 902 Nr. 45 Vr. Vloch's Wochrnfchrist Führers, und dort seien schon Wunderdinge geschehen. In Wien aber verweist man unausgesetzt auf die Opfer, welche die reichen englischen Juden zu bringen bereit seien. Wien schwört auf London und London auf Wien. Das ist ein hübsches Spiel, und ich bin gläubig genug, anzunehmen, daß es dabei nicht auf eine Täuschung abgesehen ist, sondern daß die leitenden Persönlichkeiten in einer Selbsttäuschung befangen sürd. Aber im Hinblick auf die armen Juden im Osten ist es auch ein gefährliches Spiel. Man muß den Muth haben, diesen unseren vertrauensseligen Brüdern offen zu sagen, daß gerade die reichen Juden in Mittel- und Westeuropa die hartgesotteilften Gegner der judenstaatlichen Propaganda sind und daß von chuen kein Geld zu erhoffen ist. Was aber dann aus der Herzlichen National-Subscription würde, läßt sich leicht ermessen. Das sind Wahrheiten, die ausgesprochen werden müssen, und je früher man sie ausspricht, desto besser für die Sache! Es gilt vor Allem, die Armen und Unglücklichen vor Enttäuschungen und überellten Schritten zu warnen. Genehmigen Sie dm Ausdruck u. s. w. Vr. Theodor Herzl und die „Neue Freie Preste". Von einem hervorragenden Mitgliede der Wiener israelitischen Cultusgemeinde werden wir um Publication nachstehender Zuschrift ersucht: „Geehrter Herr Redacteur! Ueber unsere Judenschaft gestattet sich Herr Theodor H e r z l in seinem Blatte Nr. 22 eine kostbare Satyre —eine schmerzhafte Züchttgung jener „Deutschen jüdischer Confession", welche noch immer in der Tretmühle der liberalen Partei „in deutscher Treue" sclavisch verharren zu müssen glauben. Mir scheint indeß dieser meisterlich geführte Geißelhieb wegen einiger bettoffener Unschuldigen eine kleine Abwehr, eine Richtigstellung im Interesse der historischen Wahrheit zu fordern. Herr Dr. Herzl schreibt: „Die Judenschast aber benimmt sich, wie eine verabschiedete Geliebte sich gewöhnlich benimmt, ungeschickt und zudringlich. Eine verabschiedete Geliebte versucht es noch hundertmal mit der alten zärtlichen Liebe, alle die Kosewotte, die einst in glücklicheren Stunden gewechsett wurden, bringt sie wieder und wieder in Erinnerung, alle die gemeinsamen süßen Erlebniffe, und wundert sich, wenn das alles nicht nur nichts Hilst, sondern die Verstimmung nur erhöht. Sie begreift eben nicht, daß die Geschichte zu Ende ist. Und die Juden machen es genau so verkehrt. Sie verdoppeln ihre Liebenswürdigkeiten, ste sind aufmerksam, zuvorkommend, ste gedenken mit sentimentalen Gefühlen der vergangenen Zeiten des guten Einvernehmens, statt sich einen würdigen Abgang zu suchen." „Eine verlaffene Geliebte hat immer noch ein letztes Mittel in Bereitschaft. Wenn gar nichts verfängt, dann probitt sie den Ungetteuen dadurch zu gewinnen, daß sie seine neuen Neigungen anerkennt. So laufen die Juden jetzt immer mit zu den nationalen Rendezvous, obwohl man es ihnen deutlich zu hören gibt und sie selber es doch spüren müßten, daß sie dieses junge Liebesglück nur stören. O! über diese Nachgiebigkett, die nichts nützt und die nur den Abschied erschwett. Man will es gar nicht, daß die Juden nachgiebig sind. Man verläßt sie, man beschimpft sie, man verzichtet auf die Treue. Kein Mensch erwatttt von ihnen, nach der Art, wie sie behandelt werden, daß sie noch nachgiebig, zättlich und tteu seien, und keiner verlangt das von ihnen. Es ist ja ein schöner Satz, daß man die andere Wange hinhatten soll, wenn man auf die eine geschlagen wird, aber bei allen .Anpassungsbestrebungen — gar so christlich brauchten die Juden sich doch nicht zu geberden." „Freilich, jetzt haben sich schon Me daran gewöhnt, daß der Jude sich duckt, daß er sich Alles gefallen läßt und glückselig lächelt, wenn irgendwo ein flüchttges Wort von Zugehörigkeit gesprochen wird. Wahrlich aber ich sage euch, man wird eher czechische Schusterbuben für gute Deutsche gelten lassen, als aufhören, uns Fremdlinge zu nennen." Das Bild, welches dieser Artikel mit hoher stylistischer Kunst von der „Judenschaft" zeichnet, wäre für uns beschämend, ja geradezu entehrend, wenn dem genialen Photographen bei der Ausnahme des Bildes nicht ein kleines Malheur passirt wäre. Wien hat einen einzigen jüdischen Abgeordneten im Reichsrathe, den Hofrath K a r e i s. Dieser steht abseits vom nationalen Kampfgetriebe und hat von czechischen Wählern Stimmen erhalten. Der jüdische Landtagsabgeordnete der Stadt Wien Dr. O f n e r, war seit je ein Gegner der deutsch-liberalen Pattei. Der Wiener Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n hat den Wahlaufruf der Socialpolitiker mit seinem Namen gefertigt. Die beiden leitenden politischen Vereine der Wiener Judenschaft, die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" undder„PolitischeVolksverein", haben in autoritativer Weise durch ihre Wortführer und durch eigene einstimmig beschlossene Resolutionen das „Verhältniß" zur deutsch-liberalen Partei für „endgilttg gelöst" erklärt, seitdem diese Partei intime Annäherungen zu den Deutschnationalen bei den mährischen Wahlen einleitete. Mit der vereinzelten Ausnahme des Herrn Dr. Mittler, in welchem ernstlich Niemand einen jüdischen Repräsentanten sehen wird — er wurde auch trotz hoher Begabung und unbestrittener Verdienste bei den politischen Wahlen von der jüdischen Wählermasse abgelehnt — haben alle jüdischen Kreise die wenig ehrbare Rolle einmüthig zurückgewiesen, die deutscherseits in der neuesten Epoche uns zugemuthet wurde. Nur die „Neue Freie Presse" und ihre hervorragenden Redacteure sind noch immer die einflußreichen Wortführer der deutschen Obsttuctions- Parteien, und Dr. Theodor Herzl scheint die „Neue Freie Presse" als berufenes Organ der „Judenschaft" oder wie die Antisemiten sich auszudrücken pflegen, der „Alliance israelite universelle" anzusehen. Wenn die schwere Anklage logischer Weise an jene Adresse zielte, nämlich an die Redaction der „Neuen Freien Presse" und ihr Gefolge, dann hätte Herr Dr. Theodor Herzl in einer intimen Redactionsconferenz Gelegenheit, das Zweck- und Würdelose der nationalen Auf- und Zudringlichkeit nachdrücklich zu brandmarken, und er hätte nicht nöthig, seine Anklagen zu verallgemeinern, auf die Gesammtheit der Judenschaft auszudehnen und uns für das Verschulden oder für die Kurzsichtigkeit der „Neuen Freien Presse" verantwortlich zu machen, auf deren Haltung Herr Dr. Theodor Herzl als Redakteur zweifellos in der Lage ist, einen größeren Einfluß auszuüben als die gesummte Judenschaft Wiens. Ich gestehe, daß auch mir die politische Haltung der „Neuen Freien Presse" vor Allem aus dem Grunde unsympathisch erscheint, weil sie uns dem unversöhnlichen Hasse der slavischen Nationalitäten Oesterreichs ausliefert; ich hatte in meinem Berufe vor Jahren wiederholt Gelegenheit, dieser Ueberzeugung Ausdruck zu geben, ich begrüße es mit Genugthuung, daß nunmehr auch ein Redactionsmitglied der „Neuen Freien Presse" zu derselben Anschauung sich bekennt. Wenn es aber seit je unser Geschick oder richtiger Mißgeschick war, für das Vergehen oder für die Thorheit eines Einzelnen in unserer Gesammtheit verantwortlich gemacht zu werden, so müssen wir uns denn doch hüten, die aller Gerechtigkeit hohnsprechende Methode der Gegner zu ratificiren. Indem ich um Aufnahme vorstehender Zeilen ersuche, zeichne ich, hochgeehrter Herr Redacteur, als Ihr ganz ergebenster. Dr. M." Deckert & Comp. n. In der Nummer vom Donnerstag den 28. October brachte das „Vaterland" nachstehende Erklärung: Jüdische Richter! Es ist wahr, daß „Rabbi" Bloch ein merkwürdiges Talent besitzt, den § 19 des Preßgesetzes zu „benützen". Jedenfalls ist es kühn, zu behaupten, die im „Vaterland" erwähnte jüdische Wochenschrift habe nicht behauptet, daß „die Juden als solche für den Justizdienst größere Talente mitbringen, als ihre christlichen Mitbürger". Ich bitte, damit die wortgetreue Stelle eines Arttkels besagter Zeitschrift zu vergleichen, wo es heißt: D i e , Juden werden zu Richtern ernannt, weil sie in ihrem Fache Tüchtiges leisten und jene gesteigerte Vorbildung, jene größeren | Talente besitzen, die bei vielen chttstlichen Mitbewerbern nicht . in allen Fällen vorhanden sind." Es ist noch sehr gnädig von „Rabbi"