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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-29 · 44 (29.10.1897) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
44 (29.10.1897)
Date
1897-10-29
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 898 Vr. Vloch's WochrnkrtzrM Nr. 44 Medaille ausgezeichnet. Auch wurde ihm anläßlich der landwirthschaftlichen Ausstellung in S ch l a n die Anerkennungsmedaille des böhmischen Landesculturrathes zuerkannt. Olmütz, 27. October. Die hiesige Cultusgemeinde beschloß gestern, sich dem Proteste der Wiener Cultusgemeinde gegen die Kundgebung des Wiener Gemeinderaches in Angelegenheit der Ernennung jüdischer Richter anzuschließen. Peterswald bei Orlau. Der in weiten Kreisen bekannte Hotelier und Realitätenbesitzer Markus Stern in Orlau, der zugleich bei der hiesigen jüdischen Gemeinde seit 18 Jabren Bethaus-Vorsteher ist, feiert am 31. October l. I. mit seiner Gattin Henriette das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Aden. Am 1. Juli wurde hier ein jüdisches Hospital er. öffnet, ein Geschenk, welches Mr. B. Menahem Messa der hiesigen Gemeinde zur Erinnerung an das Diamant-Jubiläum der Königin Victoria gemacht hat. Das Grundstück für das Hospital hat die Regierung dem Spender gratis überlassen und auch bereitwilligst die Ueberwachung durch die Sanitätsbehörde der Regierung zugesagt. Das Hospital hat 10 Betten und dürfte für die hiesige jüdische Bevölkerung von 2826 Seelen vollkommen genügen. Holland. Die Wahl eines neuen Abgeordneten sollte in Enkhuizen gerade am Simchat-Thora stattfinden, da aber die jüdischen Wähler erklärten an diesem Tage von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch machen zu können, so wurde aus Rücksicht für sie der Wahltag um 24 Stunden verschoben. Odessa. Mehrere Studenten an der hiesigen Ackerbauschule, Zöglinge des jüdischen Waisenhauses von Odessa, sind, nachdem sie ihre Examina glänzend bestanden haben, von deutschen Grundbesitzern in Südrußland als Jnspectoren engagirt worden. London. Die unter den Auspicien des Herzogs von Cambridge eröffnete Sammlung, aus deren Ertrag das jüdische Waisenhaus in West-Norwood vergrößert werden sollte, ist jetzt geschloffen worden. Dieselbe ergab die recht respectable Summe von 301.685 Francs. London. Binnen Kurzem wird hier ein großes jüdisches Theater entstehe», in welchem im Jargon gespielt werden wird. Der Director wird Mr. M. Rosenthal sein, der mit seinen jüdischen Opern im Ostend Londons eine so gute Aufnahme gefunden hat. Rom. Der Graf Herschel de Minerbi, gegenwärtig Kanzler der italienischen Botschaft in London, ist zum bevollmächtigten Minister Italiens in Mexiko ernannt worden. Philadelphia. Dieser Tage erschien der Bericht der United Hebrew Charaties, der ein interessantes Bild von der Thätigkeit dieser großen Gesellschaft entwickelt. Die Gesammteinnahmen beliefen sich auf rund 130.000 Mark, die Ausgaben fogar noch höher, auf beinahe 140.000 Mark. Das ärztliche Departement behandelte 16.236 Fälle. Neu ist die Einrichtung, daß in dem Bureau der Gesellschaft keine Unterstützungen verabfolgt werden, sondern dieselben durch Beamte der Gesellschaft den Hilfsbedürftigen ins Haus gebracht werden. Dadurch ist die Zuverlässigkeit der Recherchen wesentlich erhöht. Teheran. In Persien gibt es bisher keine officiellen Vertreter der Juden, die den Behörden gegenüber nur durch die Pächter der jüdischen Steuern repräsentirt werden. Man bemüht sich daher gegenwärttg, die Regierung zu veranlassen, die Stelle eines Chacham Baschi zu schaffen, der als oberster Rabbiner auch oberster Vertreter der Juden der Regierung gegenüber sein soll. Chicago. Zu den gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen gehört auch die Anklage, daß sie bandenmäßig Brandstiftungen ausüben, um die Versicherungen zu schädigen. Dieser Tage war wiederum ein russischer Jude der Brandstiftung angeklagt. Er wurde aber vom Richter freigesprochen und dieser nahm die Gelegenheit wahr, um sich sehr scharf gegen die Polizei auszusprechen, welche in jedem Falle, wenn ein jüdisches Haus abbrennt, Anklage wegen Brandstiftung erhebt. Die Aushebung. Erzählung von Jda Oppenheim. '(Fortsetzung.) Motto: Seid Eins nnd laßt Euch nicht zerspalten Durch Priesterzorn und Leugnerspott. Mag Jeder seiner Kirche walten, Wir glauben Me an einen Gott. Viele wurden in dieser furchtbaren Nacht ausgehoben!! Manche entrannen und ergriffen die Flucht. Niemand wußte, ahnte oder durfte auch nicht forschen, was geschehen, denn allenthalben waren ja Spione. In einer Schenke an der Mauth saßen die Militärbeamten und thaten sich gütlich nach der Arbeit. Ihre Gefangenen, gebunden an den Händen, standen indeß vor ihnen und warteten auf den Transport. „Wo sind unsere beiden Kameraden Wlozak, Myrzek?" fragten sie den Manthner. „Schon über die Grenze" antwortete er. „Das kann ja nicht sein, wir müssen Alle zusammen ankommen". Sie warteten vergebens, die Beiden kamen nicht. „Aufbrechen!" rief nun der Führer. Der Wirth leuchtete, da, sie wollten den Wagen besteigen, lagen die Beiden drinnen im festen Schlaf, nur mit einem Henrd bekleidet.Jn einer Kibitka *), mit zwei Postpferden bespannt, rasten zwei Männer in russischer Beamtentracht, nirgends an den Grenzen aufgehalten, nur neue Pferde wechselnd, Tag und Nacht, sie hatten Eile im Dienst, wie sie sagten. Eben hatten sie die französische Grenze passirt nach langer Zeit. Sie blieben im Walde stehen, schickten den Kutscher mit dem Wagen etwas abseits, gaben ihm ein Geldgeschenk und eilten fort. In einem Gebüsch kleideten sie sich um und warfen die Uniform in den Strom. Endlich! riefen die beiden Jünglinge, gerettet! Gelobt sei Gott, rief Juda aus, du bist mein treuester Freund und nun mein Retter Jona, mein Bruder! Gott gab mir Gelingen, damit habe ich ja nur eine Schuld abgezahlt Deinen Eltern und gerne gebe ich mein Leben für das Deine, ihnen habe ich, der von Kindheit an Verwaiste, Alles zu danken und Du und Ruth sind mir wie die treuesten Geschwister; ich wollte gerade zu deiner Trauung gehen, ich war Abgesandter von der ganzen Gemeinde und ihrer Geschenke, diesen ganzen Sack voll Goldmünzen sollte ich auf den Tisch streuen, der uns jetzt so glänzend die Flucht erleichterte, als ich eine ganze Menge Menschen zu Gottlober's Haus eilen sah, sie fluchten und schimpften über die Juden, wir müssen sie bringen sagte der Eine — ein heftiger Windstoß kam, Steine und Ziegeln flogen auf 'die Köpfe und der Eine fiel blutüberströmmt zu Boden, der Andere fluchte in allen Tonarten, wollte den Kameraden fortziehen, ausrichten, es gelang ihm nicht, ich nahm den Ohnmächtigen an beiden Füßen, ohne zu sprechen und half ihn fortbringen ins nächstgelegene Wirthshaus, da gab man ihm Schnaps und er kam etwas zu sich, der war auch berauscht, man wird uns auf den Posten nicht finden, uns erwartet eine große Strafe, jammerte er, Du hast zu viel getrunken, nein Du, sagte der Andere Jetzt werden uns noch die verfluchten Juden entrinnen. Ich will euch helfen, wenn ihr mir Eure Röcke und Mützen gebt, mach' schnell, die Juden werden uns ja doch nicht entrinnen, ists nicht heut', ists morgen — ich nahm die Kleider und lief voran, den Wagen des Militärarztes sammt Kutscher nahm ich in Beschlag, er meinte, ich bin sein Herr, das Andere, weißt Du. Eine neue Welt that sich den Beider: auf. Eine der schönsten Städte, die Hauptstadt Frankreichs, Paris, sollte die beiden Flüchtlinge aufnehmen. * * In R . . . z . brachte der Morgen die Fortsetzung des Elends. Der Wagen des Militärarztes sammt dem Kutscher war verschwunden. Die Menschenjagd war nicht so ergiebig, wie sie hätte sein sollen, es fehlten außer Juda der Bocher Jona und noch mehrere aus dem Ghetto und viele aus der Stadt. Es wurden Untersuchungen eingeleitet, die Leute in stete Angst versetzt, aber ohne wesentlichen Erfolg. Nach einigen Tagen kam der Gouverneur in Person mit seinem Proviantmeister und ging zuerst in das Kornblum'sche Haus. Dort fanden sie geschäftlich Alles in Ordnung und versagten auch heute, wie immer dem Juden, nicht die Anerkennung und wollten ihm neue Aufträge geben. Ich muß Euer Gnaden danken, sagte der tiefgebeugte Mann, ich bin leidend und die einzige Stütze, meinen Sohn *) Russischer Wagen.

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