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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-29 · 44 (29.10.1897) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
44 (29.10.1897)
Date
1897-10-29
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 44 Vr. Vloch's Zvochrnfchrifi Sette 897 Was immer für Beweggründe und Umstände geschichtlicher und subjectiver Natur hierbei Mitwirken, so läßt sich nicht verkennen, daß die Beschränkung der Mehrzahl der Israeliten auf bestimmte Berufs- und Erwerbszweige, ihre viele Jahrhunderte hindurch gewaltsam herbeigefiihrte Entfremdung ■ von den wichtigsten Beschäftigungen zum wesentlichen Theile die Veranlassung dazu ist. Vor allen Dingen bleibt die Kluft unausgefüllt, die dadurch vorhanden ist, daß in der wirthschaftlichen Hauptthätigkeit, der Bodencnltur, der israelitische Volkstheil nur wenig auftritt. Die Uebersührung einer größeren Anzahl geeigneter jüdischer Elemente zum Ackerbau, der Obstcultur, Gärtnerei u. s. w. erscheint von recht vielen Gesichtspunkten aus als patriotische Pflicht der Beseitigung ethischer, socialer, wirthschaftlicher Gegensätze zwischen Nichtjuden und Juden. In allen diesen Beziehungen wird sie sich als vortheilhaft erweisen. Die Angelegenheit ist in mehreren Drucksachen behandelt worden, so unter Anderem von Alphonse Levy (Die Erziehung der jüdischen Jugend zum Handwerk und zur Bodencnltur), Gustav Tuch (Innere Colonisation). Mehrere große jüdische Bereinigungen und eine Anzahl mit der Sache vertrauter Personen haben sich nun in dem Bestreben der Förderung der Land-Seßhaftmachung deutscher Israeliten auf vaterländischem Boden derartig zusammengefnuden, daß sich die Zusammenkunft hervorragender Männer, die für die Sache ihrer Stammesgenossen im Allgemeinen, für ihre sociale Stellung, sowie ihr Berhältniß zur Laudwirthschaft im Besonderen Herz und Sinn haben, als dringendes Bedürfniß ergibt. Die Conferenz findet am 24. d. M., Morgens 10 Uhr, in den Räumen der Berliner Logen U. O. B. B., Wilhelmstraße 118, statt. Die Tagesordnung ist zunächst wie folgt festgesetzt: Die Betheiligung der deutschen Juden an der heimischen Laudwirthschaft von statistischen, wirthschaftlichen, socialen, ethischen Gesichtspunkten betrachtet; Zweckmäßigkeit und Mittel der Vermehrung von Siedelungen; Art und Form der Siedelungeu; Erziehung der Jugend zur Bodenbewirthschaftung; Organisation einer Bewegung für innere Colonisation. Das Comite besteht aus folg-nden Herren: Dr. Max C o h e n, Rechtsanwalt, Hamburg. Chs. L. H a l l g a r t e n, Frankfurt a. M. G. H e i n e m a n n, Rechtsanwalt, Hannover. Alphons Jacobson, Leipzig. Dr. Julius K a h n, Rechtsanwalt, München. Eug. R o s e n st i e l, Berlin. A. M. S i m o n, Hannover. Gustav T u ch, Hamburg. Jos. W i s l o ch, Frankfurt a. M. Frankreich. In einem Briefe an den Erzbischof von Paris hat der in Frankreich als Schriftsteller über moralische und religiöse Fragen sehr bekannte Abbe Victor Charbounel seinen Austritt aus der katholischen Kirche angemeldet. In seinem Absagebriefe an den Erzbischof von Paris gibt Charbounel seinen Enttäuschungen folgenden Ausdruck: „Lange traurige Erfahrungen haben mich zu der Ueberzeugung gebracht, daß man nicht Gott dient, wenn man der Kirche oder den Männern dient, die sie unter uns regieren. Ich kann von nun an nicht mehr ohne schmerzlichen inneren Vorwurf den Schein der Solidarität mit einer Kirchenordnnng aufrechterhalten, welche aus der Religion eine geschickte Verwaltung und ein Mittel der geistigen und gesellschaftlichen Unterdrückung macht. Die Religion ist auf diese Weise nicht mehr eine Erhebung des Herzens, ein Streben nach dem göttlichen Ideal, eine sittliche Spitze und ein Princip der Liebe und der Brüderlichkeit, sondern eine menschliche Politik. In voller Freiheit meines Gewissens und zum Frieden meiner Seele glaube ich Ihnen, Eminenz, erklären zu sollen, daß ich nicht mehr dem Clerus und nicht mehr der Kirche angehöre." Algier. Die Veranstalter der letzten Unruhen vom 3. October sind bereits vom Correctionsgericht abgeurtheilt worden. Von den 14 Verhafteten ist nur einer freigesprochen worden, während die anderen 13 Strafen von 6 Tagen bis 3 Monaten erhielten. Es ist sehr erfreulich, daß in diesem Fall die Justiz so schnell eingegriffen hat, und kann dies fiir die Ruhe in unserer Colonie nur förderlich sein. Wie weit die Verhetzung hier gediehen ist, beweist die Anzeige einer Anzahl Friseure aus Oran, welche mittheilen, daß sie in Zukunft Juden nicht mehr rasiren würden. Es haben sich allerdings auch schon immense Concurrenten gemeldet, welche den jüdischen Bärten besonders liebevolle Behandlung versprechen. In unserer Nachbarcolonie Tunis haben die jüdischen Weinbauer auf der Brüsseler Ausstellung große Erfolge mit ihrem Wein, sowie mit Oliven und Olivenöl davongetragen. Nicht weniger als 4 silberne Medaillen haben dieselben erhalten. In Algier hat der Proceß eines jüdischen Schlächters Namens Mantout gegen das Journal „L'antijnis" abermals am 15. October Veranlassung zu großen Demonstrationen gegeben. Die Truppen wurden consignirt und die berittenen Geudarmen besetzten die Straße vor dem Gerichtsgebäude. Diese Massenentwicklung von Polizei und Militär schüchterte doch die Tumultuanten ein, so daß der Tag ohne wesentliche Excesse verlief. Man erwartet hier mit Sehnsucht die Ankunft des neuenD<.neralgouvernenrs Lspiue.rou dessen Eingreifen nran sich eine Besserung der fast unhaltbaren Zustände verspricht. Vermischtes. Wien. (T raun n g.) Sonntag den 31. d. M., 2 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, II., Tempelgasse, die Trauung von Fräulein Rosa Engel, Tochter des Herrn Victor Engel, mit Herrn Josef Desider Steiner statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 7. November, 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel I, Seitenstettengasfe die Trauung von Fräulein Gisela Beck, Tochter des r. k. Hoflieferanten Herrn Hermann Beck, Chef der Firma Wilhelm Beck & Söhne, mit Herrn I. U. Dr. Heinrich G r i m m statt. Wien-Mariahilf. Freitag den 29. October d. I., 5 Uhr- Abends, findet im Tempel VI., Schmalzhofgasse 3, eine Exhorte Sr. Ehrwürden Herrn Dr. I. T a g l i ch t statt. Wien. Bei der letzten Anwesenheit des Königs Alexander von Serbien tvurde dem Generalconsule Hofrath Ritter von Hahn die hohe Ehre zu Theil, vom König in 1'/,stündiger Audienz empfangen zu werden. Wien. Dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Adolph B a ch r a ch in Wien ist vom Kaiser taxfrei der Titel eines Regierungsrathes verliehen worden. Herr Dr. Bachrach, Mitglied des Discipliuarrathes der uiederösterreichischen Advocatenkammer, gehört zu den angesehensten Vertretern des Wiener Barreaus. Wien. Der bekannte hervorragende Schachspieler Herr Berthold Englisch ist am 19. d. M. nach mehrwöchentlicher Krankheit gestorben. Herr Englisch war einer der eminentesten Vertreter der Wiener Schule und hat erste Preise in London, Hanibnrg und Wiesbaden gewonnen. Wien. (Zweifaches Jubiläum.) Der verdienstvolle Schulmann Herr Alexander Neubauer, städtischer Lehrer an der Knabenschule, II., Sperlgasse 2, und israelitischer Religivnslehrer am städtischen Lehrer-Pädagogium, feiert am 2. November d. I. das Jubiläum seiner dreißigjährigen Lehramtsthätigkeit und gleichzeitig das Fest der silbernen Hochzeit. Dem Jubilar werden seitens zahlreicher Freunde, wie auch vieler seiner einstigen Schüler, die bereits den verschiedenartigsten Berufsständen angehöreu, Ueberraschuugeu und Ovationeu vorbereitet. Wien.(B e r e i n j ü d i s ch e rM ä d ch e n „H a d a s s a".) Am 17. d. M. fand in dem prächtigen Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde der 2. Vortrag dieses Vereines statt. Fräulein Caroline Lederer brachte in dankenswerther und wirkungsvoller Weise Gedichte u. A. von dem leider zu früh verstorbenen Dichter S. A. Weiß zum Bortrag und erntete den reichsten und wohlverdientesten Beifall des intelligenten Publicums. Der nächste Borttagsnachmittag des jungen Vereines wird Sonntag den 31. d. M. stattfinden und sind Gäste herzlich willkommen. Sitzungssaal der israelitischen Cultusgemeinde, Seitenstettengasse, präcise 4 Uhr. Wie». Der humanitäre Geselligkeitsverein „Societas" veranstaltet Samstag den 6. November 1897 in dem neuerbauten Concertsaale des Meissel'schen Stiftungshauses (neben Hotel „Bayrischer Hof", Ecke Augarten- und Taborstraße) unter Mitwirknng hervorragender Kunst- und Theaterkräfte ein Gründungsfest (Wohlthätigkeitsakademie mit allschließendem Tanzkrän',chen). Concert- und Ballmusik: k. u. k. Infanterie-Regiment Freiherr von Galgöczy Nr. 71. In Anbetracht des h u m a n itären Zweckes wäre ein reger Besuch dieses Festes zu wünschen. Anfang präcise 8'/, Uhr. Soiree-Toilette. Brünn. (Trauung.) Am 31. d. M. um 5 Uhr- Nachmittags findet im Tempel die Trauung des Fräuleins Emma P l a c z e k, Tochter des Landes-Rabbiners Dr. B. P l a c z e k, mit dem hiesigen Kaufmanne Moriz Eisei - mann statt. (P r ä m i i r t.) Herr Edmund Back, Großweinhändler in Königsfeld, wurde voll der Jury der Weltausstellung in Brüssel 1897 mit dem Diplome der silbernen

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