Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 44 (29.10.1897)
- Date
- 1897-10-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021213--07246-3031565- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Vr Vloch's WvchrnschrM Seite 895 Ar. 44 stattete Cassabericht weist ein vinculirtes Vermögen von 11.350 fl. und ein disponibles Vermögen von 7415 fl. 69 kr. aus, was gegen das Vorjahr ein Plus von 669 fl. bedeutet. Der Geschäfts- und der Cassabericht wurden unter Beifall einhellig genehmigt, worauf die Vorstände der Handwerker-, der Krankenpflege- und der Studeuteu-Abtheilnng, Herr L i e b e r l s, Fr. Julie L e i p e n und Dr. Schnürdreher, ihre respectiven Berichte erstatteten. Zum Schlüsse wurden die Wahlen vorgenommen, die folgendes Resultat ergaben. Es wurden gewählt die Herren: Black Ludwig (Komotau); F i s ch l S. (Prag); G ö tz Eduard (Prag); Heller Karl (Tetscheu); Heller Wilhelm (Prag); K o h n Ludwig (Pkibram); L i e b e r l s Siegfried (Prag); Mautner Isidor (Trautenau); Schütz Hermann (Prag); T a u s s i g Ed. MUDr. (Prag); Weißberger Moritz (Libochowitz); W e l t s ch Gottfried (Prag); Wertheimer Wilhelm (Prag) und als Ersatzmänner die Herren K o h n e r Leopold Nathan, JUDr. (Prag) und Schleim Victor (Teplitz). Prag, am 20. October. Die eben' abgelaufenen Festtage haben sich von ihren Vorgängern in den verflossenen Jahren nicht wesentlich unterschieden, nur daß im Tempel und in der Neusynagoge die Kanzeln, in erfterem durch den Abgang des früheren Predigers Dr. K a m i n k a, in letzterer durch das vor einem Jahre erfolgte Ableben Dr. T a u b e r's verwaist standen. Der Tempelvorstand, von der knapp vor den Feiertagen erfolgten Abreise des Dr. Kaminka überrascht, war wegen Kürze der Zeit nicht in der Lage, für den Neujahrstag einen geeigneten Ersatz zu finden. Erst für den Versöhnuugstag wurde der Rabbinatscandidat M. P r o ß n i tz berufen. Derselbe bewies sich als ein Redner, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt, aber, da er noch seine Studien nicht beendet hat, noch nicht Anspruch erheben kann, in der größten Synagoge Prags als Prediger angestellt zu werden. Der Vorstand der Neusyuagoge, welche im Assauiruugsrayon liegt und leider schon in den nächsten Wochen demolirt werden soll, hat zuni Theil aus diesem Grunde, zuni Theil aus Pietät für seinen verewigten Prediger in dessen Todesjahr seine Stelle nicht besetzt und wird voraussichtlich mit der Berufung eines Nachfolgers bis zu dem Zeitpunkte warten, wo die neue Synagoge, deren Erbauung er plant, hergestellt sein wird. Mähr.-Weistkirchen. Einer erhebenden Feier wohnten wir Donnerstag den 14. October in Wsetin bei. Vor kaum einem Jahre hatte der dortige Cultusverein den Entschluß gefaßt, in dieser Stadt ein Gotteshaus zu errichten und unter der Leitung seines hochverdienten Vorstehers, Herrn Glasfabriksdirectors A. Schönbek, erstand der schöne Bau in kurzer Zeit. Der Einladung zur Einweihung Folge leistend, füllte eine zahlreiche Festversammlung das hell erleuchtete Gotteshaus. Auf den wunderschönen, mit Brandmalerei verzierten Sitzen nahmen nicht nur die jüdischen Gemeindemitglieder Wsetins Platz, sondern auch die Spitzen sämmtlicher Behörden, die Gemeindevertretung, die Schulbehörde und auch das Oberhaupt der dortigen evangelischen Geistlichkeit, Herr Senior Opucenski fehlte nicht. Außerdem nahmen Gäste aus der benachbarten Muttergemeinde Wallachisch-Meseritsch und der Gemeinde Mährisch-Weißkirchen an der Feier theil. Erstere war durch den Herrn Vorsteher Ignatz Löw und dessen Stellvertreter Herrn Dr. Heller, letztere durch den Cultusvorsteher Herrn B. Silbinger und Herrn Rudolf Haus vertreten. Die politische israelitische Gemeinde war durch den Herrn Bürgermeister Salo Schlesinger und Herrn Ferdinand Rindl vertreten. Auch die naheliegenden Ortschaften G.-Karlowitz, Hallunka, Hrosiekau und Lipthal waren vertreten. Gegen 2 Uhr Nachmittags war das neue Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und in andächtiger Stille lauschte die Versammlung dem Harmoniums-Präludium und dem herrlichen Mahtauwu mit dem gleich darauf von dem Wall.-Meseritscher Damenchor eingeleiteten Gesang. Als das Lied verklungen war, übergab die Enkelin des Herrn Vorstandes Schönbek, ein reizendes Töchterchen d'es Herrn Ehrenhaft aus Wsetin mit wohlgesetzten, laut und deutlich gesprochenen Worten, die Schlüssel der Bundeslade Seiner Ehrwürden Herrn Doctor Rabbinowicz, Rabbiner von M.-Weißkirchen und Wall.-Meseritsch. Es folgte nun der Einzug der Gesetzesrollen, begleitet von dem wunderbaren „En Komaucha" des Chores. Mächtig erklang dann unser herrlicher Glaubenssatz, das „Schema Jsroel", von Herrn Cantor Schwarz aus W. -Meseritsch gesungen. Seine schöne Stimme, wie der Gesang des von ihm herangebildeten Chores trugen wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. Bon den anderen Nummern des Festgottesdienstes seien nur noch das Wochengebet wie das Gebet für seine Majestät, unseren erlauchten Kaiser und die ergreifende Festrede hervorgehoben. Die beiden ersten sprach Herr Doctor Rabbinowicz czechisch, in der letzteren behandelte er in deutscher Sprache den Tempel, das Haus des Gebetes, der Lehre und Eintracht. Ganz besonders rührend war das sich anschließende Gebet um Erhörung aller Bitten, die im Hause des Herrn ausgesprochen werden. Herr Dr. Rabbinowicz segnete alsdann den Tempel, die Gemeinde und der herrliche Psalm Adaun Aulom bildete den Schluß der erhebenden Feier. Dann ging es zum fröhlichen Bankett ins deutsche Casino, zum Herrn Glesinger, welches die anmuthigeu und liebenswürdigen Damen aus Wsetin zu Ehren der Gäste veranstalteten und von Festreden verschönt wurde, von denen die erste, vom Director Schönbek gesprochen, mit einem dreifachen Hoch auf unfern erlauchten Kaiser und Landesherrn endete. Gehoben und befriedigt kehrten wir von dem schönen Einweihungsfeste au lenem Tage heim, wünschend, der liebe Gott möge unfern Glaubensbrüdern in Wsetin stets so viel Sonnenschein und gutes Gelingen aller ihrer Unternehmungen schenken. Pohrlitz. Montag den 18. d. M. wurde hier die ueuhergestellte Reichsstraßenbrücke — nebenbei bemerkt, ein Kunstwerk und eine Zierde unserer Stadt — durch Se. Excellenz den Statthalter von Mähren, Alois Freiherru von Spens- Boden, der öffentlichen Benützung übergeben. Zu seinem Empfange wurdell die umfassendsten Vorbereitungen, und zwar — was bei den gegenwärtigen Zeitläuften ganz besonders zu unserer Freude hervorgehoben werden muß — von beiden Gemeinde- Vertretungen gemeinschaftlich getroffen. Sämmtliche Vereine und Körperschaften der hiesigen Gemeinden vereinigten sich, um den Vertreter Sr. Majestät in würdiger Weise zu empfangen, ein Verdienst, das in erster Linie der um unsere Stadtgemeinde hochverdiente, durch seine liberale Gesinnung bekannte Bürgermeister und Landtagsabgeordnete Franz Rund für sich in Anspruch zu nehmen berechtigt ist. Nachdem der Herr Statthalter vor seinem Eintritte in die Stadt zuerst durch den Bürgernleister der Stadtgemeinde, dann von dem Bürgermeister der israelitischen Gemeinde Herrn Wilhelm Schnabl in ehrfurchtsvoller Weise begrüßt worden, dann unter begeisterten Hochrufen der Spalier bildenden Menge, darunter auch der israelitischen Schuljugend mit dem Lehrkörper, in die reich beflaggte Stadt geleitet worden war, fanden im Sitzungssaale der hiesigen Stadtgemeinde die Vorstellungen der verschiedenen Körperschaften und Deputationen statt. In überaus leutseliger Weise wurde die Vertretung der hiesigen politischen sowie Cultusgemeinde und der Lehrkörper der israelitischen Volksschule, sämmtlich geführt vom Bürgermeister und Cultusvorsteher Herrn Wilhelm Schnabl, empfangen und jedes der anwesenden Mitglieder durch eine Ansprache ausgezeichnet. Se. Excellenz erkundigte sich sodann um Größe, Alter, Schulverhältnisse rc. der Gemeinde, welche Fragen vom Bürgermeister Herrn Wilhelm Schnabl, respective vom Obmanue des Ortsschulrathes Herrn Heinrich Ellinger beantwortet wurden. Ueber ehrfurchtsvoll gestelltes Ersuchen erschien der Herr Statthalter um die Mittagsstunde in Begleituirg mehrerer k. k. Staatsbeamten, des Herrn Dr. P r o m b e r, des Herrn Reichsrathsabgeordneten Dr. Leopold G ö tz, des Herrn Baron K ü b e k, des hochwürdigen Herrn Caplans der hiesigen Pfarrgenleinde u. A. m. in unserem schönen Gotteshause, woselbst er vom Gesammtvorstande erwartet und vom Cultusvorsteher ehrfurchtsvoll begrüßt wurde. Nachdem er über Bitte des Cultusobmannes seinen Namen in ein bereit liegendes Gedenkbuch eingetragen und die heilige Lade besichtigt hatte, verließ er unter Worten der Anerkennung für das schöne Gebäude den Tempel. Dem Nachmittags zu Ehren der Anwesenheit des k. k. Statthalters von der hiesigen Stadtvertretung veranstalteten Festbankette wohnte auch Herr Bürgermeister Wilhelm Schnabl bei, bei welcher Gelegenheit derselbe von Sr. Excellenz aufgefordert wurde, seinen israelitischen Mitbürgern sowie sämmtlichen Corporationen den Dank für den glänzenden und festlichen Empfang auszusprechen.r. Karlsburg. (Eine königliche Auszeichnung.) Angesichts der in Oesterreich herrschenden betrübenden, Bürger und Classen entzweienden Strömungen blickt man mit Neid und Stolz zugleich nach der jenseitigen Reichshälfte, auf Ungarn hin, als das echte Palladium des Liberalismus, von welchem wir abermals einen vollgiltigen Beweis aus der königlichen freien Stadt Karls bürg (Siebenbürgen) empfangen. Dortselbst