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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-29 · 44 (29.10.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
44 (29.10.1897)
Date
1897-10-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 894 Vr. Vlortz» Wochrnfchrtfl Nr 44 Von hier wandten stch die Herren Goodman und Bloom über Preloue nach Wien, hoffentlich wird ihnen anderwärts ebenso wie bei uns die Lust benommen werden, ihre Thätigkeit erfolgreich zu entfalten, so daß ich erwarten kann, daß sie bald in die Lage kommen werden, das halbe Dutzend Guinecs, welche man ihnen in London zum Taufgeschenke machte, der Gesellschaft zurückzuerstatten. No — my dear ü^nts!. solche seichte Wurzel, wie sie vermuthen, hat unsere Glaubenstreue nicht, aber auch so trübe und düster, wie sie sich das vorstellen, ist es trotz Neumayer und tutti quauti lange bei uns noch nicht. Heinrich P. Israelitische CnltnSgemeinde Kremsier. In der am 24. d. M. unter dem Vorsitze des Cultusvorstehers Herrn Carl Liebmann abgehaltenen außerordentlichen Sitzung des verstärkten Ausschusses wurde einstimmig beschlossen, anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Seiner k. u. k. apost. Majestät des Kaisers Franz Josef I. eine Jubiläumsstiftung von 2000 Kronen zu gründen, von welcher die jährlichen Zinsen per 80 Kronen, an jedem 2. December an zwei arme kranke Militärinvaliden israelitischer Confession, eventuell an andere zwei jüdische arme Kranke der Cultusgemeinde per je 40 Kronen vertheilt werden. Diese Stiftung trage den Namen: „Kaiser Franz Josef I. 50jährige Regierungs-Jubiläums-Stiftung der israelitischen Cultusgemeinde in Kremsier, zum ewigen Andenken an die glorreiche Regierungsepoche (1848—1898 > Seiner k. u. k. apost. Majestät des Kaisers Franz Josef I., gestiftet im 50. Jubeljahr." Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß die Cultusgemeinde sich an der Wohlfahrts- Ausstellung, Wien 1896, mit einem Beitrage betheiligt. Äusschußmitglied Herr I. N. Dr. Heinrich F r i e ß, Großgrundbesitzer in Zborowitz, hat anläßlich dieses Beschlusses in munificenter Weise einen Beitrag von 400 Kronen zu dieser Stiftung gespendet und der restliche Betrag vvn 1600 Kronen wurde im Wege der freiwilligen Spenden von den Mitgliedern der Cultusgemeinde anfgebracht. Prag—Smichow, October 1897. Im Festmonate Tischri haben sich in der hiesigen Gemeinde zwei Begebenheiten zugetragen, die in weiteren Kreise bekannt zu werden verdienen. Bor dem Neujahrsfeste übersandte Herr Eduard Ritter von Portheim in Smichow aus dem Nachlasse seines hier unvergeßlichen Schwiegervaters Salomon Jerusalem unserer Gemeinde, kostbare Paramente für das Gotteshaus, die eine interessante Geschichte haben: eine schwere Silbertasse, von hohem Kunstwerthe. Wie uns drei gravirte Tafeln von dieser Arbeit erzählen, wurde sie im Jahre 1824 von Mose I e r us a l e m bestellt, der aber noch vor ihrer Vollendung starb. Sein oben genannter Sohn Salomon ließ sie im Jahre 1839 zu Ehren seiner verstorbenen Eltern Mose und Frommet vollenden. Besonders interessant ist eine zweite Spende, eine goldgestickte, mit Edelsteinen geschmückte Schulchandecke, auf deren Rückseite man folgende hebräische Inschrift liest: „Dies spende ich als meine eigene Arbeit und Herzensgabe, ich, Malka, Tochter des Salomon, Edlen von Parente, Gott erhalte ihn, Gattin des Meyer Dormitzer, zum Andenken an meinen verklärten Schwiegervater Leb Dormitzer. Am Jom Hasikoraun gedachte Herr Rabbiner Dr. Back in seiner weihevollen Feftpredigt der edlen, frommen Spender, deren Andenken in unserer wie in der Prager Gemeinde seit langen Jahren in hohen Ehren steht. Einige Tage später, am 1. October, trat laut hoher Ministerialverordnung der freiwillig gewählte Anschluß der alten Nachbargemeinde K o § i r an die hiesige Cultusgemeinde in Kraft. Kosir war über 120 Jahre eine selbstständige Cultnsgemeinde, mit eigenem, schönem Gotteshause, mehreren Wohlthätigkeitsvereinen, eigener Matrike und hatte auch seine eigenen Rabbiner; nur den Friedhof hatte es gemeinschaftlich mit Smichow. Es war auch nach einer dortigen Besitzung unter dem Namen Popalka im jüdischen Gemeindeleben bekannt. Am Sabbath Schuwa fand im Tempel zu Kosi:- zur Vereinigung beider Gemeinden ein feierlicher Gottesdienst statt, dem beide Gemeindevorstände in corpore beiwohnten. In der hierbei gehaltenen Festpredigt dankte Herr Dr. Back in ergreifenden Worten dem bisherigen Vorstande dieser alten Gemeinde für deren gewissenhafte Verwaltung und Erhaltung bis zum heutigen Tage und versprach deren weitere gedeihliche Entwicklung unter der Leitung des Vorstandes der Gesammtgemeinde Smichow, was allseitig tiefen Eindruck machte. Nachdem der Redner noch der verdientesten Verstorbenen in Kosir namentlich gedacht hatte, beglückwünschte er zum Schluffe beide Vorstände zu diesem schönen Bunde. Unter sichtlicher Rührung reichten sich beide Bertretungskörper zu frommem Zusammenwirken gegenseitig die Hände. Der Tag wird im hiesigen Gemeindeleben durch die würdige Feier unvergeßlich bleiben. Prag-Smichow. Am 6. November l. I. begeht die israelitische Cultusgemeinde den 25. Jahrestag der amtlichen Wirksamkeit ihres Rabbiners Herrn Dr. Samuel Back, welche Zeit der genannte Seelsorger ausschließlich in dieser Gemeinde in der segensreichsten Weise thätig war. Die zahlreichen wissenschaftlichen Werke des Jubilars haben seinen Namen in den weitesten Kreisen bekannt gemacht und ihm die Anerkennung von Seite der ersten Autoritäten auf fachwissenschaftlichem'Gebiete errungen. Dr. Back, der in Bezug auf wissenschaftliche Bedeutung unter den Rabbinern Böhmens zweifellos eine erste Stelle einnimmt, hat auch als Rabbiner seinen hohen Beruf stets treu erfüllt und die Ehre des Standes durch sein zielbewußtes, pflichttreues Streben immer gehoben. Dr. Back ist auch ein glänzender Kanzelredner und hat diese Eigenschaft in seiner Gemeinde sowie bei Gelegenheitsreden in Breslau und Pest, ferner in gelehrten Vorträgen in Prag (Derascha) bethätigt. Prag, 26. October 1897. (Oe st erreich: scher Rabbiner-Verband.) (Original-Telegramm der „Oesterreichischen Wochenschrift".j Heute hat hier unter Vorsitz unseres Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld eine Rabbinerconferenz stattgefunden, welche beschlossen hat, die nöthigen Schritte zur Gründung eines Oesterreichischen Rabbiner-Verbandes einzuleiten. An der Conferenz haben theilgenommen: der Ausschuß des „B ö h m i s ch e n Rabbiner-Verbandes", die provisorischen Aussckußmitglieder des im Entstehen begriffenen „Verbandes der Rabbiner Mährens", ferner Dr. Gnd emann aus Wien, Dr. Friedman n aus Linz. Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld aus Prag führte den Vorsitz, leitete die Verhandlungen. Er brachte zur Kenntniß, daß die Herren Oberrabbiner M e l l i aus Triest, Dr. Mühsam aus Graz, Dr. B l ü h aus T r o p p a u ihre Abwesenheit schriftlich entschuldigt haben. In längerer Ausführung zeichnete der Vorsitzende die Ziele und Aufgaben des zu creirenden Oesterreichischen Rabbiner-Verbandes in zweifacher Hinsicht durch corporaiives Auftreten nach Außen und durch einträchtiges Zusammenwirken aller Berufsgenossen nach I n n e n, unter Hintansetzung aller trennenden Momente. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt hierauf in gleichem Sinne eine Ansprache an die Conferenz-Theilnehmer, in welcher er darlegte, daß er auf Basis des von Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld klar gezeichneten Programmes der Einladung gerne Folge geleistet, er hegt die Zuversicht auf eine segensreiche Wirksamkeit des Rabbiner-Verbandes unter den dargelegten principiellen Voraussetzungen. Hierauf wurde der Antrag, den Oesterreichischen Rabbiner-Verband ins Leben zu rufen, zum principiellen Beschluß erhoben und Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld mit den weiteren einleitenden Schritten betraut. Eine lange Discussion entwickelte sich über die Frage, ob die einzelnen Landesverbände dem Gesammtverein korporativ oder durch Delegirte beitreten sollen. Es wurde beschlossen, die Entscheidung hierüber offen zu lassen. — Sämmtliche Theilnehmer der Conferenz sind über deren Resultat äußerst befriedigt. Prag. (Centralverein zur Pflege jüdischer An gelegen hei te n.) Die diesjährige ordentliche Generalversammlung eröffneteder ObmannDirector Falkowicz mit einer in die wärmsten Worte gekleideten Erinnerung an das verstorbene vielverdiente Vereinsmitglied' kais. Rath Bunzel, wobei sich die Anwesenden von den Sitzen erhoben. Bei Uebergang zur Tagesordnung wurde nach vorhergegangener eingehender Würdigung der unvergeßlichen Verdienste des letzten Obmannes, Siegmund M a u t h n e r, dem der Verein fein Entstehen und sein Ansblühen danke, unter lebhaftem Beifall derselbe einstimmig zum Ehrenmitglieds ernannt. Sodann erstattete der Geschäftsleiter des Vereines Dr. Friedrich Duschen es den Rechenschaftsbericht. Er erwähnt des betrübenden Umstandes, daß noch viele Cultusgemeinden Böhmens sich dem Vereine nicht angeschlossen hätten und gab ein Bild von dem Wirken des Vereins in Bezug auf die Abwehr des Antisemitismus. Der Bericht wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Anschließend an den Bericht gedachte der Vorsitzende des entehrenden Antrages des Wiener Vicebürgermeisters Dr. Neumayer, gegen den die Wiener, die Prager und Pilsener Cultusgemeinden bereits Stellung genommen haben und stellte den Antrag, der Centralverein möge sich diesen Protesterklärungen vollinhaltlich anschließen und seine Entrüstung über das Vorgehen Dr.. Neumayer's aussprechen. Dieser.Antrag wird einhellig angenommen. Der vom Cassier D e n h o f er-

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