Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 44 (29.10.1897)
- Date
- 1897-10-29
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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^eitc 892 Dr. VUntz s Wochenfchrifl. Nr 44 Correspondenzen. Wien. (B r i s 8 m i l o h i m Hausedes Grafen Victor di Corrobio.) Freitag den 22. October, Mittags 12 Uhr, fand im Palais des Herrn David Ritter von Gutmann ein erhebendes Familienfest statt, indem das erste Kind seines Schwiegersohnes, des Herrn Grafen Victor und seiner Tochter, der Frau Gräfin Helene di Corrobio in den Bund Abrahams ausgenommen wurde. Die Operation wurde von dem für diese Specialität als Meister bekannten Dr. Herzfeld mit sicherer Hand vollzogen, bei welcher dem Knäblein vom Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann der Name Mosche Elieser Mair Jehuda und zu italienisch der Name Mario Umberto Alfredo Graf von Corrobio ertheilt wurde, worauf ein Dejeuner die geladenen Gäste zu heiterer Gemeinschaft vereinigte. Beim Credenzen des Champagners ergriff der Großvater Herr David Ritter von Gutmann das Wort und dankte zuvörderst in trefflicher Ausführung der gütigen Vorsehung, die ihn und die Seinigen so liebevoll geleitet und knüpfte hieran den Wunsch, daß der Neugeborene den Traditionen seiner Stammhäuser väterlicher- und mütterlicherseits treu bleiben werde, worauf Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in humorvoller und geistreicher Weise nachwies, daß es im Hinblicke auf eben diese elterlichen Traditionen, dem neuen Sprößlinge des Hauses von Gutmann im Leben gar nicht schlecht ergehen könne. Herr Dr. Schmiedl suchte in ernster Rede die bemerkenswerthen Vorzüge des Hauses von Gutmann zu zeichnen, woraus Herr Lector Friedmann über die verschiedenen Familiennamen mit specieller Berücksichtigung des Namens der Festesmutter, seiner einstigen Schülerin nunmehrigen Gräfin Helene von Corrobio in launiger Weise toastirte. Nach mehreren hierauf folgenden Toasten verrichtete Herr Obercantor Singer in gewohnt feierlicher Weise das Tischgebet, mit welchem das Fest beendigt erschien. Wie«. (Religionslehrer - Conferenz.) Am 24. d. M. fand unter Vorsitz des Schulinspectors Herrn M. Kauitz die erste diesjährige Religionslehrer-Conferenz statt. Eingangs derselben hielt der Vorsitzende dem verstorbenen Oberlehrer Herrn M. Sträußler einen warmen Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört wurde. Hierauf folgten seitens des Vorsitzenden Mittheilungen im Allgemeinen, dann Mittheilungen über die Jahresberichte, hierauf Mittheilungen über das Schulgebet, schließlich Mittheilungen über Classenbücher. worauf die Conferenz geschlossen wurde. Mit dieser kurzen Notiz hätten wir unserer publicistischen Pflicht genügt und könnten daher auch unsere» Bericht schließen. Allein uns steht das Interesse für einen gedeihlichen Unterricht der heiligen Gotteslehre höher als Alles. Wir wissen, welch' große Opfer unsere Gemeinde dem Religionsunterrichte bringt, wir kennen das intensive Interesse, das der Vorstand dieser Disciplin eutgegenbringt, wir sind uns voll und sehr wohl bewußt des hohen ethischen Werthes, den ein guter Religionsunterricht auf die jüdische Jugend auszuüben vermag und sind vollstens überzeugt von dem hohen Ernst und dem Feuereifer, den unsere Lehrerschaft dem Gegenstand entgegenbringt. Weil wir nun dies alles wissen, andererseits aber auch des hohen Werthes der Conferenzen uns bewußt sind, glauben wir dararf Hinweisen zu müssen, daß es nicht der Zweck der Lehrer-Conferenzen sein kann, wenn man der Lehrerschaft Gelegenheit bietet, seitens des Vorsitzenden Mittheilungen entgegenzunehmen. Diese sollen wohl einleitend erstattet werden; der wichtigere Theil aber besteht in der Berathung pädagogischer und didactischer Fragen, in der Discussion über innere Schulfragen; Besprechung, Beurtheilung und Beschlußfassung über Schulbücher, Lern- und Lehrmitteln. Die Conferenzen sollen das einigende Band der einzelnen Lehrpersonen werden, sie sollen der freien Meinungsäußerung über Lehrstoff, Methodik und Schuldisciplin ermöglichen. Schließlich soll die Lehrer-Conferenz jedem Mitgliede die Möglichkeit bieten, Anträge zu stellen, die im Interesse der Schule, des Unterrichtes und der Schuljugend zur Discussion und freien Meinungsäußerung gebracht werden sollen. Das sind Aufgaben der Lehrer-Conferenzen und wir glaubten dies gerade anläßlich der ersten bereits stattgefundenen Conferenz ausdrücklich erwähnen zu müssen, weil wir leider constatiren müssen, daß schon seit Jahren die Lehrer-Conferenzen nicht auf der Höhe der Zeit stehen. Wir sind überzeugt, daß sich die gesammte Lehrerschaft unserer Ansicht anschließen und uns zustimmen werde, wenn wir behaupten, daß der Religionsunterricht sicher um so gedeihlicher werden dürfte, je iittensiver alle oben angeführten j Arbeiten der Conferenzen von den maßgebenden Factoren ins Auge gefaßt werden sollten. Bei dem hohen Interesse, das unser Vorstand dem Religionsunterrichte entgegenbringt, ist sicherlich zu hoffen, daß diese in aller Bescheidenheit vorgebrachte Anregung Beachtung finden dürfte. Schließlich müssen wir, um unserer publicistischen Pflicht zu genügen, erwähnen, daß Herr Dr. Maximilian Steiner, der verdienstvolle zweite Obmann der Schulsection jeder Conferenz vom Anfang bis zu Ende beiwohnt, wofür ihm die Lehrerschaft zu größtem Danke verpflichtet ist, umsomehr, als er wiederholt durch Eingreifen in die Debatte Klarheit in so manche Frage brachte, die sonst nie genügend zur Aufklärung gelangt wäre. Es dürfte wohl auch diesmal von höchstem Interesse sein, zu wissen, wie Herr Dr. Steiner über die letzte Conferenz denkt. Wir unsererseits sind der unmaßgeblichen Meinung, daß selbst Herr Abrahamowicz die Redner nicht in solch — wie sollen wir nur sagen? wir wollen uns doch höflich ausdrückeu — strenger Weise unterbricht und zum Schweigen bringt, wie der Herr Vorsitzende in der letzten Lehrer- Conferenz. dl. Wien. (Ein P r o t e st m e e t i n g der Hausire r.) Aus Anlaß des Gesetzentwurfes, betreffend die Regelung des Hausirwesens, der am 6. d. M. seitens der Regierung dem Abgeordnetenhause vorgelegt wurde, hat Montag der österreichische Rechtsschutzverein für Hausirer im Saale „zum goldenen Widder" in der Taborstraße eine allgemeine Hausirerversammlnng einberufen, auf deren Tagesordnung die Stellungnahme zu diesem Gesetzentwürfe stand. Zn dieser Versammlung, welche sehr zahlreich besucht war, waren auch die Reichsrathsabgeordneten Dr. K r o n a w e t t e r und H y b e s ch, Gemeinderath Brunner und Arbeiterführer R e u m a n n erschienen. Der Vorsitzende, Herr Freu n d, erklärte, daß die Hausirer freiwillig ihr Hausirbnch zurücklegen müßten, wenn die in diesem Entwürfe enthaltenen Verschärfungen Gesetzeskraft erhalten sollten. (Zustimmung.) Besonders hart sei die Verfügung, daß nach Abschluß des Ausgleiches mit Ungarn ungarische Staatsbürger in Oesterreich nicht mehr hausiren dürfen. Es seien hier ungarische Staatsbürger, die bereits seit Decennien den Hausirberuf ausüben, und diesen würde bei Annahme einer solchen Bestimmung die Existenz unmöglich gemacht. Nicht minder drückend und gänzlich ungerechtfertigt sei die Bestimmung, daß die Familienmitglied e r, welchemit dem Hausirer in gemeinschaftlichen Haushalte leben, kein stabiles Geschäft betreiben, sowie die Anordnung, bei Eintritt der Dunkelheit den Beruf nicht ausüben zu dürfen. Geradezu unmöglich werde der Hausirhandel gemacht durch die Bestimmung, daß die Landeshauptstädte, die Städte mit eigenem Statut und Städte mit mehr als 10.600 Einwohnern durch Gemeinderathsbeschluß mit Bewilligung des Handelsministeriums das Hausir verbot für ihr Gebiet aussprechen können. Ungemein drakonisch seien auch die Strafbestimmungen, welche der Gesetzentwurf gegen die Uebertretungen des Hansirgesetzes anordnet. Redner erklärte schließlich, daß der Verein dem Abgeordnetenhause eine Petition gegen diese Regierungsvorlage überreichen werde. (Beifall.) Mit lebhaftem Beifalle wurden die Zuschriften der Reichsrathsabgeordneten N o s k e, Dr. K o p p, W r a b e tz, Professor H a b e r m a n n und K o z a k i e w i c z, des Herrenhausmitgliedes Baron Leitenberger und des Landtagsabgeordneten Professors K i ck ausgenommen, worin dieselben den um ihre bedrohte Existenz ringenden Hausirern ihre Sympathien aussprechen und erklären, in den gesetzgebenden Körperschaften gegen den Entwurf nachdrücklichst Stellung nehmen zu wollen. Sodann wurde die umfangreiche, eingehend mottvirte Petition durch den Rechtsanwalt des Vereines, Dr. Scharfmesser, verlesen. An der darauf folgenden Debatte betheiligten sich Commercialrath Zucker, R e u m a n n, Abgeordneter Hybesch. Reichsrathsabgeordneter Dr. Kronawetter führte aus: Ein I n t e r e s s e n k a m p f der k l ä g l i ch st e n Art sei der, welcher gegen die Hausirer geführt werde. „Ich werde," sagte Redner, „gegen das ganze Gesetz sprechen, aber nützen wird Ihnen das gar nichts! (Rufe: Leider!) Wenn auch das Recht auf Ihrer Seite steht, die Strömung ist gegen Sie! Die Leute sind nun einmal darauf gedrillt, daran zu glauben, daß in der Beseitigung des Hausirhandels ihre Rettung liege, und sie sehen in Jedem ihren Feind, der gegen btejeit Gesetzentwurf stimmt. (Beifall.) Gemeinderath B r u n n e r forderte die Hausirer auf zu einer energischen Agitation gegen die ihnen . drohende Gefahr, worauf die Petition einstimmig zum Beschlüsse erhoben wurde. Mit der Ueberreichnng der Petition wurde Reichsrathsabgeordueter Dr. Kronawetter betraut.