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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-29 · 44 (29.10.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
44 (29.10.1897)
Date
1897-10-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Vr. VUntz » MmtzrnsrtzrM. Seite 883 Nr. 44 Miuisterial-Entscheidung bezüglich der religiösen Trauung ungarischer Staatsbürger und die Jmmatrikulirung derselben in Oesterreich. Am 19. December 1895 ist Herr A. K. mit Fräulein A. L. durch den Standesbeamten in Preßburg getraut worden. Die religiöse Trauung erfolgte dann einige Tage darauf vor dem Seelsorger in Olmütz, welcher den Trauungsact - mit fortlaufender Nummer in die Trauungsmatrik eintrug. Nach weitläufigen behördlichen Erhebungen und Verhandlungen hat das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Ministerium für Cultus und Unterricht mit dem Erlasse vom 18. August 1897, Zahl 3831 Nachstehendes eröffnet. „Nachdem nachgewiesenermaßen A. K. und A L. am 19. December 1895 in Preßburg für den staatlichen Bereich bereits getraut worden waren, konnte es sich bei dem am 25. December desselben Jahres in Olmütz vorgenommenen Trauungsacte lediglich um eineu religiösen Act handeln, welcher in der österreichischen Traunngsmatrik mit fortlaufender Nummer nicht eingetragen werden darf, wie denn auch der für den staatlichen Bereich giltige Trauungsscheiu nicht vom Matnkenführer in Olmütz, sondern allein von dem königlich-ungarischen Matrikenführer in Preßburg ausgestellt werden kann. Demnach ist in der Trauungsmatrik in Olmütz bei der Eintragung der in Rede stehenden Ehe die fortlaufende Reihenzahl unter ausdrücklicher Berufung auf diesen Erlaß zu löschen. Im Uebrigen obwaltet gegen die Vornahme der religiösen Trauung nach bereits in Ungarn erfolgter standesamtlicher Trauung keinerlei Anstand. In den Bestätigungen, welche über derartige religiöse Trauungsacte ausgestellt werden, ist jedoch ausdrücklich zu bemerken, wo und wann die standesamtliche Trauung in Ungarn bereits stattgefunden hat." Ein jüdisches Sprichwort im Reichsrath. Wien, am 25. October 1897. Sehr geehrter Herr Redacteur! In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 21. d. M. antwortete der Abgeordnete Dr. Stransky (bekanntlich jüdischer Abstammung) auf eilten Zwischenruf des deutschnationalen Abgeoroneten der Schönerergruppe Türk: „Gehen sie an die Börse mit Ihren Witzen!" mit einem jüdischen Sprichwort, welches in den Zeitungen eine Verwirrung angerichtet hat, wie ich unten auseinandersetzen werde. Er sagte: „Herr College Türk, ich versichere Sie, Sie haben gestern ganz andere Sachen vorgebracht, d i e n i ch t g e f l o g e n und nicht g e st o g e n s i n d, und rvir haben sie ruhig hingenommen?" (Sehr gut! Bei den Jungczechen.) Dieses Sprichwort, von mir in einem längeren Aufsatz über jüdische Sprichwörter im letzten Hefte des „Urquells" mitgetheilt, entstammt einer jüdischen Anekdote über ein religiöses Gespräch zwischen einem freidenkenden Rabbi und einen ebensolchen Geistlichen, welche sich schließlich darüber einigen, daß weder Jesus geflogen nochMoses auf denBergSinai chinaufgestiegen,' und 40 Tage ohne Nahrung geblieben. (Nischt gefloigenun nischt gestoigen!) Nur die „Neue Freie Presse" gab dieses Sprichwort in ihrem Berichte correct wieder. Drei Zeitungen („Jllustrirtes Wiener Extrablatt". „Neues Wiener Tagblatt" und die „Deutsche Zeitung") berichteten : „Nicht gelogen und nicht gestogen!" Drei Zeitungen („Wiener Allgemeine Zeitung", „Politik" und „Grazer Tagespost") hatten: „Nicht gelogen und nicht geflogen!" Das „Vaterland" schrieb: „Nicht gelogen und nicht gestochen." Zehn Zeitungen, die mit diesem Satze nichts anzufangen wußten, ließen ihn fort, nämlich 1. „Neues Wiener Journal", 2. „Fremdenblatt", 3. „Wiener Taglatt" (Szeps), 4. „Oesterreichische Bolkszeitung", 5. „Arbeiter-Zeitung", 6. „Wiener Zeitung", 7. „Reichswehr", 8. „Ostdeutsche Rundschau", 9. „Deutsches Volksblatt" und 10. „Bohemia". Correct und sinngemäß übersetzt das Jungczechen-Organ „ Narodui Listy“: nu es lau 6 a nemas t n 6U, das heißt nicht gesalzen und nicht geschmalzen. Mit vorzüglicher Hochachtung A. Mittelmann. Die Sammelbüchsen des „Ferienheim". . Einer der edelsten Frauen, die im Stillen ihr Wohlthun auszuüben pflegt, danken die humanitären Vereine eine Idee, durch welche den oft recht spärlichen Einnahmsquellen wirksam nachgeholfen werden kann. Frau Cäcilie Adler, die langjährige Curatorin des israelitischen Blindeninstitutes in Wien, Hohewarte, Schwester von Frau Lina Morgenstern, der bekannten Berliner Schriftstellerin und Kämpferin für die Erwerbsfähigkeit und sociale Stellung der Frau, begann im Jahre 1887 mittelst kleiner Sparkörbchen, die in Familien abgegeben wurden, eine Sammelaction für das Blindeninstitut. Sie ging dabei von der richtigen Idee aus, daß ein Verein nur durch sichere und sich erhöhende Jahreseinnahmen, seinen Zielen gerecht werden könne; sie wußte eben aus Erfahrung, wie schwer ein sicheres und dazu erhöhtes Jahreseinkommen auf Mitgliedsbeiträge allein basirt, zu erzielen sei. Die reichen und edlen Menschen, welche zur Linderung von Elend nie eine Summe verweigern, werden von allen Hilfesuchenden angerufen, sind es doch immer dieselben bekannten Namen; an ihre Thüren daher ein zweites oder gar drittes Mal klopfen, dazu kann wohl nur die äußerste Notwendigkeit zwingen. Wenn es also gelänge, das Interesse für eine gute Sache so populär zu machen, daß es in die weitesten Kreise dringe und Jeder sein Schärflein beitrüge, so klein es auch sei, dann, ja dann, wäre die Zukunft eines Humanitären Unternehmens gesichert. Und so zogen die ersten Sparkörbchen mit ihren kleinen Ansprüchen hinaus in die Welt: „Ach, liebes kleines Mädchen, lege zu mir einige Kreuzer von denen, die Papa Dir geschenkt, für arme, kleine blinde Mädchen"! „Du fröhlicher Knabe, gib mir etwas von Deinem Taschengelde für meine traurigen Knaben"! Oh, liebes Fräulein, heute ist Geburtstag, bitte, bitte ein Silberstück für die Kinder, ^ie die goldige Sonne, den herrlichen Mond, die flimmernden Sterne, Baum und Blume nicht sehen können"! Und so schmeichelte das Sparkörbchen fort und fort, zugleich die Kinderherzen rührend. Die Hausfrau wirst gerne ein Geldstück hinein, besonders wenn die Börse durch das viele Kleingeld nicht schließen will; die Tarokpartie, die Caftgesellschaft, kurz Alles muß seinen Obnlns entrichten, denn das Nesthäckchen der Familie hat dem kleinen Körbchen, welches täglich schwerer wird, seine ganze Gunst zugewendet. Ein solches Sammelkörbchen enthält seinen Empfehlungsbrief von Haus zu Haus, es wandert sogar hinaus in die Provinzen, in ferne Lande, und zu Jedem, der es besieht, spricht es bescheiden: „Bitte, bitte"! Wie glücklich diese Idee, bewies der überraschende Erfolg. Das Erträgniß der Blinden-Sparkörbchen, die lange Jahre ohne Concurrenz blieben, wurde zur Existenzbedentung des Institutes, wie man an maßgebender Stelle vor einigen Jahren dem jungen „Ferienheim" bedeutete, weshalb dieses auch in \ loyaler Weise, von der allerdings damals gehegten Idee, ähnliche : Sammelkörbchen auszuschicken, Abstand nahm. Seitdem ist der Bestand des Blindeninstitntes durch munificente Legate gesichert und verschiedene Vereine haben schon dem Körbchen ihre Devisen umgehängt und es mit der neuen Firma in Verkehr gebracht; schöpfen wiu doch Alle aus der gleichen Quelle: Der Mildthätigkeit des Publicums! Die Jahresausgaben des „Ferienheim" steigern sich aber auch nach Maßgabe der jährlich wachsenden Aufnahmszahl der Kinder für die Feriencolonien; man denke nur von 45 Kindern im Jahre 1892 auf 380 im Jahre 1897. Und somit nimmt auch das „Ferienheim" seine Zuflucht zu den kleinen Sparbüchsen ans Blech, in Form hübscher Schultaschen, eine Zierde jedes Zimmers, und legt sie den kleinen und großen Kindern recht warm aus Herz! Ein hochherziges Ehepaar: Eine unserer Vorstandsdamen und deren Gatte unser Beirath, leiten seit dem Vorjahre die Sammelbüchsenaction selbstständig, indem sie aus Eigene m die Anschaffung der Schultäschchen bestreiten und dieselben an die Familien, die sich dafür melden, Lösenden. Gleichzeitig werden Posterlagscheine mit verabfolgt, so daß jede Familie den Inhalt; der Sparbüchse direct an der Postsparkasse erlegen kann, was einerseits keine Schwierigkeiten, andererseits keine Spesen ver- \ ursacht. Der übersendete Betrag der fleißigen Sammler wird im! Jahresberichte des „Ferienheim" in eigener Rubrik mit dem j Namen des Einsenders ausgewiesen. i Und nun Ihr lieben Kinder, die Ihr für die a r m e n ' Kinder sparen und sammeln wollt, denkt bei dem Anblicke eines blassen, traurigstillen, schlecht gekleideten Kindes, daß es durch Euch froh und glücklich, und was die Hauptsache ist g a n z gesund werden könnte, wenn es einige Wochen hindurch in Gottes freier Luft, gleich Euch, froh herumspringen dürfte! Daher rasch ein Spartäschchen des Vereines „Ferienheim" holen, und es recht gut füttern, ruft es doch so artig: „Bitte, bitte!" Antonie Graf Schriftführerin des „Ferienheim", Verein für israelitische Feriencolonien, I., Schottenring Nr. 23. Die Spartäschchen werden durch Herrn S. Heit, 1., Rudolfsplatz 10, in dessen Comptoir verabfolgt.

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