Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 872 Dr. Vloch's WochrnkchrM Nr. 43 zirkes wiederholt gehaltenen Gastpredigten noch immer in bester Erinnerung. Herr Dr. Pollak darf mit diesem Erfolge und mit dem in unserer Mitte zurückgelassenen Eindruck, vollauf zufrieden sein. M. Wien. (HumanitärerGeselligkeitsverr e i n „F i d e s".) Den Zeitverhältnissen Rechnung tragend, hat .sich heuer im Bezirke Landstraße ein Verein gebildet, der es sich zur Aufgabe macht, arme jüdische Schulkinder zur Winterszeit zu bekleiden. Dieser Verein veranstaltet anr 30. d. M. im großen Thiergartensaale einen interessanten Vortragsabend, verbunden mit einem Tanzkränzchen, dessen Reinerträgniß ausschließlich dem ermähnten Zwecke gewidmet ist. Der Sitz des Vereines ist III., Pragerstraße 12 (Restaurant Slatky), wo auch Spenden für den Verein entgegengenommen werden. Wie». (Anden löblichen V o r st a n d des Vereines „Ferienheim".) Wohllöblicher Vorstand! Vor Beginn der letzten Ferien hat sich der gehorsamst Unterzeichnete erlaubt, um gütige Aufnahme der bedürftigsten seiner Schüler in die „Feriencolonie" anzusuchcn. Der hochgeehrte Vereinsvorstand „hat mein Flehen gehört, meine Bitte freundlich st entgegengenommen" — und neun arme, erholungsbedürftige Kinder sind der Wohlthat des Landaufenthalts theilhaftig geworden, sind neu gestärkt und gekräftigt zu ihren beglückten Eltern zurückgekehrt und heute noch strahlen ihre Augen vor Freude und Entzücken, so sie sich der glücklich verlebten Tage erinnern, die sie in der „Feriencolonie" unter der Obhut und Fürsorge guter und edler Menschen verlebt haben. Alle haben an Körpergewicht zugenommen; so ein dreizehnjähriger Knabe bei seiner Rückkehr aus Hall um vier Kilogramm und ein zehnjähriger Knabe, der fast aufgegeben und kaum noch transportfähig war, wurde auf dem Lande von schwerein Leid und Siechthunl befreit und freut sich des wieder gewonnenen Lebens, dem er nun hoffentlich erhalten bleiben wird. Im Namen dieser Kinder und deren Eltern erlaube ich mir nun herzlichen, tiefgefühlten Dank auszusprechen dem wohllöblichen Vorstande, den Leitern und Begleitern der „Ferien- Colonie", wie allen geehrten Mitgliedern, Freunden und Gönnern dieser wahrhaft Humanitären Vereinigung. Gott lohne und vergelte Euch, Ihr edlen Wohlthäter! „Möge der Herr hinzufügen zu Euch tausendmal soviel als Ihr seid und Euch seinen himmlichen Segen zutheil werden lassen!" Wien, 2. October 1897. Ad. St'ernfeld Lehrer der Bibelschule des XVIII Bezirkes. In Mährisch-Ostrau verstarb nach längerem schweren Leiden in seinem 62. Lebensjahre Stadtphysikns Doctor Philipp Weinreb. Dieser Todesfall hat in allen Kreisen der Bevölkerung die aufrichtigste Theilnahme hervorgernfen, die ganz besonders in der überaus zahlreichen Betheiligung an dem Leichenbegräbniffe ihren Ausdruck fand. Außer den Mitgliedern der Familie folgten dem Sarge die Gemeindevertretung mit dem Bürgermeister Dr. I o h a n n y, sämmtliche Gemeindebeamte, eine Abordnung der städtischen Sicherheitswache, ferner fast sämmtliche Aerzte der Stadt und ihrer Nachbarschaft mit dem k. k. Bezirksarzte Dr. Kaan, eine Deputation der freiwilligen Feuerwehr und eine große Zahl anderer Leidtragender. Am offenen Grabe hielt Rabbiner Dr. Jacob Spira . dem Verstorbenen einen ergreifenden Nachruf. — Philipp Weinreb kam, nachdem er nach erlangtem Doctor-Grade durch 2l/2 Jahre in einem der größten Krankenhäuser Wiens als Secundararzt thätig gewesen, im Jahre 1867 nach Mähr.-Ostrau, wo er sich als Doctor der Medicin und Chirurgie und als praktischer Geburtshelfer niederließ. Im Jahre 1876 wurde er mit der Verwaltung des städtischen Krankenhauses betraut, doch war er hier im Spital anch als ordinireuder Arzt, resp. als Vertreter des damaligen Stadtphysikus Dr. Eduard K r e m e r thätig. Als dieser starb, verlieh die Gemeindevertretung, u. zw. im März 1883 diese erledigte Stelle dem bisherigen Vertreter. Dr. Philipp Weinreb hat sich als humaner Arzt, insbesondere aber um die öffentliche Gesundheitspflege vielfach verdient gemacht, er war von seltenem Pflichteifer. Die Erde sei ihm leicht! Prag. Die Talmud-Thora-Schule zählte im Schuljahre 1896—97 in der Knaben- und Mädchenabtheilung 601 Schülerinnen und Schüler, und zwar 336 Knaben und 205 Mädchen, erstere in 8, letztere in 5 Classen. Der Unterricht wird von tüchtigen pädagogisch gebildeten Lehrern nach einem rationellen Lehrplane unter Einhaltung aller methodischen und didaktischen Vorschriften ertheilt und fachmännisch beaufsichtigt. Letzteres geschieht durch die Jnspection durch den Oberrabbiner Dr. N. E h r e n f e l d. Zur Hebung der Lernlust und des Schulbesuches bestehen an der Anstalt Stiftungen und am Schluffe des Schuljahres werden an brave und fleißige Schüler Prämien und Schulzeugnisse vertheilt. An der Anstalt wirken außer dem Schulleiter und öffentlichen Religionslehrer Siegmnnd Springer noch fünf Lehrkräfte, und zwar die öffentlichen Religionslehrer Herr Dr. N. G r ü n, als Lehrer für Talmud und Mischna, die Herren David L ö w y, M. W a n t o ch, Dr. A. Deutsch und G. L e i p e n für die anderen Disciplinem Da der Unterricht au der Talmud-Thora-Schule außerhalb der Schulzeit täglich eine Stunde in jeder Clasfe ertheilt wird, so ist es jedem Schüler der Volks-, Bürger- und Mittelschule möglich, dem Unterrichte ohne Beeinträchtigung und Störung anzuwohnen. Der Unterricht ist unentgeltlich. Mit dem heurigen Schuljahre tritt die Anstalt in das 41. ihres Bestandes. Prag. (S t e r b e f a l l.) In Radnitz ist die 107 Jahre alte Frau Amalie Treulich, die Stammutter einer weitverzweigten Familie, gestorben. Um die uralte Frau, an der Generationen vorbeigezogen waren, hatte sich längst ein Nimbus gebildet; sie war verehrt von Alt und Jung in ihrem Heimatstädtchen, und gerne lauschte man ihren Erzählungen, in denen sie mit großer Lebendigkeit von Begebenheiten ans dem Anfang des Jahrhunderts berichtete. Ihr gütiges Herz, ihr Wohlthätigkeitssinn und ihre fürsorgliche Art erwarben ihr unzählige Freunde; ihre Geistesfrische blieb ihr bis zum Tode erhalten, und bis in die letzten Tage hinein sorgte sie um all ihre Lieben. Drei ihrer Söhne haben sich mit Erfolg dem ärztlichen Stande gewidmet, der k. und k. Oberstabsarzt Dr. Jacob Treulich in Wien, der auch als Schriftsteller vortheilhaft bekannte Krankenhausdirector Dr. Samuel Treulich in Melnik und der vor einigen Jahren dahingeschiedene Aussiger Bezirksarzt Dr. Ignaz Treulich. Karlsbad. (H u m anitärer A c t.) Die Repräsentanz der hiesigen Cnltusgemeinde hat in ihrer unter dem Vorsitze des Cultnsvorstehers Ludwig Moser stattgrhabten Sitzung beschlossen, aus Ap>laß des 50jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers einen Peusionsfoud für die Beamten der Cnltusgemeinde zu gründen, denselben mit 4000 Kronen zu dotiren und diesen Fond mit Allerhöchster Bewilligung, um welche bereits ersucht wurde, Kaiser Franz Josef-Regierungs-Jubiläums-Pensionsfond zu benennen. In derselben Sitzung wurde auch beschlossen, dem für Böhmen gleichfalls zur Feier des Regierungsjubiläums in Prag zu gründenden Siechenhause 1000 Kronen zu widmen. Lemberg, im September. Auf Veranlassung der Tempelverwaltung wurde am vergangenen Sabbath während des allgemeinen Gottesdienstes ein Gebet für den lebensgefährlich erkrankten Cardinal S e m b r a t o w i c z verrichtet. Heute erschien ein Mitglied des Domcapitels in vollem Ornat in der Wohnung des Herrn Rabbiners Dr. Caro, um den Dank des Consistoriums für diesen Beweis der Theilnahme anszudrücken. Lemberg. Die Munificenz des Herrn Dr. Simon Schaff, welcher unlängst werthvolle Seitenvorhänge zur Bundeslade und fl. 400 zur Orgel des Tempels spendete, zeigte sich auch jetzt, indem er anläßlich des auf den 4. d. M. fallenden Sterbetages seiner im vorigen Jahre verschiedenen Tochter, an den hiesigen israelitischen Cultusvorstand fl. 6000 4"/,.ige Hypothekenpfandbriefe für das israelitische Waisenhaus übergeben hat. Dux. Am 12. d. M. verschied hier in seinem 76. Lebensjahre Herr Religionslehrer Lazar S t e r n f e l d. Der Verstorbene war nicht nur ein tüchtiger Talmudist, gründlicher Kenner antiker und moderner Sprachen, sondern auch ein durch tiefes Studium und langjährige Erfahrung bewährter Schulmann von makellosem Charakter. Die große Beliebtheit dieses Ehrenmannes bekundete sich in der zahlreichen Betheiligung seiner Glaubensgenossen, aber auch der christlichen Bevölkerung an seinem Leichenbegängnisse. Und der warme innige Nachruf des Herrn Rabbiners Dr. K n r r e i n ans Teplitz war allen ergriffen und andächtig Lauschenden, ob Jude oder Christ, wahrhaft aus der Seele gesprochen. Ehre dem Andenken des wackeren Mannes. Prestburg. Am 10. d. M. waren es fünfundzwanzig Jahre, daß Herr Bernhard Schwarz sein Amt als Verwalter des hiesigen israelitischen Spitales angetreten hat. Es ist wohl auch in weiteren Kreisen bekannt, welche Wohlthaten das Preßburger israelitische Spital, das sozusagen die Durchzugsstation armer Kranker bildet, ausübt, und gerade der umsichtigen, wirklich väterlichen Leitung seitens des Spitalverwalters verdankt