Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Vlvrh'« Wochen? chiM Seite 871 E. B Wien. Der Beamte der Staatsbahnen, Hermann H u ss e r l, wurde zum Gerichtsdolmetsch für die böhmische, polnische, russische, französische und italienische Sprache ernannt und beeidigt. Wien. Herr M. Wolf, in Firma Leopold Wols's Söhne in Eisenstadt, ging vor 2 Jahren mit einem Mädchen aus der ersten katholischen Familie eine Civilehe ein und jeder der beiden Gatten blieb bei der Mutterreligivn. Nun kam ein Knabe, der nach vielem Hin und Her am 13. d. M. mit Einwilligung der Mutter von dem bekannten Wiener Operateur Dr. Adolf Herzfeld, der zu dem Zwecke dorthin berufen, rituell beschnitten wurde, gleich einem anderen Proselyteu. Wien. In Folge des Inserates „Große Noth" über eine in den erbärmlichsten Verhältnissen lebende kränkliche blinde Witwe mit vier unmündigen Kindern, die dem Hungertode beinahe preisgegeben ist, sind uns von Herren August Fischl, Wien fl. 2.—, I. Seligmann, Baden fl. 3.—, Dr. Adolf Sternschuß, Krakau fl. 10.—, Salomon Schwarz, Wien fl. 3.— zugekommeu, welche wir ihrer Bestimmung zuführten. J Cantor Israel Singer. J Mittwoch den 13. October, am zweiten Tage Chol hammoed Sukkot h ist zu Hlinik in Ungarn der Vater des Wiener Obercantors Joses Singer, Herr Israel S i n g e r, in hohem Greisenalter gestorben. Mit ihm ist der Nestor der Hliniker Gemeinde, bereu Stolz und Zierde er war, und der älteste der jetzt lebenden Chasonim dahingeschieden. Wenn wir seinen langen, dem Dienste Gottes geweihten Lebensweg überblicken, nlüssen wir staunen über die Fülle von Lebenskraft und Berusssrendigkeit, die ihn mehr als sechzig Jahre in seinem Amte erhielten, das er, ausgestattet mit bedeutenden gesanglichen Fähigkeiten und reichem hebräischen Wissen, voll intb ganz bekleidete. In seinen Jngendjahren war Israel Singer Meschorer bei D o w id el Brod und Itz e g el K an ar i k, und als Chasen fungirte er im Geiste und Sinne seiner Lehrmeister. Er war auch genügend musikalisch, um einen der ersten Synagogenchöre Ungarns zu creiren, zu einer Zeit, da man in Ungarn an diese Einführung noch nicht dachte. Außerdem war er ein Schochet, der seines Gleichen suchte und in schwungvoller Sprache abgefaßte Diplome von den seinerzeit berühmten Rabbinen, wie Schmu! S o m m e r in Verbs, S i d o n in Tyrnau, W o l l n e r in Gr.-Bittfche und Neubauer in Hlinik, geben Zeuguiß von seiner seltenen Tüchtigkeit. Im Jahre 1835 kam Singer als Cantor nach Hlinik und als die Ortsgemeinde total niederbrannte, fungirte er vorübergehend in Verbs und Tyrnau, kehrte aber dann wieder nach Hlinik zurück, wo er bis zu seinem Lebensende wirkte. Noch am letzten Schewuvthfeste hat er mit selbst im hohen Alter noch immer angenehmer Stimme sungirt und die Gemeinde durch die Weihe seines Vortrages erbaut. Freitag den 15. d. M., Nachmittags, wurde er zu Grabe getragen. Außer seinen Söhnen Obercantor Josef Singer, Schuldirector Ignaz Singer, den Kaufleuten Simon und Bela Singer und seinem Enkel Hans Singer waren bei dem Leicheilbegängnisse fast alle männlichen itnb weiblichen Mitglieder der drei Gemeinden Gr.-Bittsche, Hlinik, Kottescho und auch sogar der Nachbargemeinde Sillein anwesend. Die Trauergäste zählten nach Hunderten, aber es wären zur letzten Ehrenbezeugung für den allgemein geschätzten und verehrten Mann noch mehr Leute gekommen, wenn der Freitag-Nachmittag die Entfernteren nicht verhindert hätte. Die Leiche wurde zuerst von den Söhnen in die Ortssynagoge getragen, allwo der Cantor Miliner aus Bittsche das Schochne bote chomer und Joschew besesser empfindungsvvll vortrug. Hieraus widmete Herr Rabbiner W e i n b e r g e r ans Bittsche, obzwar es, wie er erwähnte, nicht gestattet sei, am Chol hamoed einen Nachruf zu halten, dem verblichenen langjährige Freunde ehrenvolle und tiefempfundene Worte. Sodann wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und unter großer Betheiligung und Gesängen auf den Gemeindefriedhvf überführt. Nach den üblichen Eeremonien richtete hier der älteste Sohn, Herr Obercantor Singer, rührende Worte des Abschiedes an den verblichenen Vater, welche, da der Sprecher selbst tief erschüttert war, auch erschütternd wirkten. Da jeder Einzelne es als eine Herzenssache ansah, dem scheidenden Freunde seinen letzten Gruß zu entbieten, folgten nun noch unzählige El mole rachamim, worauf der Sarg unter allgemeiner Ergriffenheit in die Tiefe gesenkt wurde. Wien. Der hochverdiente Director des israelitischen Blinden-Jnstitutes aus der Hohen Warte. Herr S. Heller, ist durch den Tod seiner greisen Mutter Frau Rosalia Heller in schmerzliche Trauer versetzt worden. Die allgemeine Theilnahme für den tiefbetrübten Sohn und seine Familie zeigte sich bei der Begräbnißfeier am Sonntag den 17. d. M. Im Trauerhause waren um die Leidtragenden viele theilnehmende Freunde versammelt, darunter der Präsident des Euratoriums für das Blinden-Jnstitut Dr. G r ü n b a u m, die Damen des Curatoriums, Ortsschulrath S. Heit, die Schuldirectoren A. S. Fische r, Max Fischer und Ph. B r u n n e r, Prediger D. L ö w y, Gemeindearzt Dr. Karl K o h n und v. A. Cantor und Chor vom Währinger Tempel sangen die Trauerchöre. Darauf bewegte sich der Leichenzug nach dem neuen Döblinger Friedhofe, wo die entseelte Hülle der 85jährigen Greisin im eigenen Grabe bestattet wurde. In der Leichenhalle widmete ihr der Prediger der Mariahilfer Gemeinde Dr. I. Ta glicht einen tiefempfundenen, wirkungsvollen Nachruf. Er pries die Entschlafene als das Muster einer tugendreichen jüdischen Mutter, der nach einer Jugend voll Mühe und Sorgen ein frohes Alter beschieden war. Die zärtlichste Liebe ihres guten Sohnes und seiner wackeren Gattin mikgab sie bis an ihr Lebensende, eine Schaar blühender Enkel sah sie heranreifen und ihr eigenes Haus gründen. So wie sie unermüdlich geschäftig und um das Wohl der Ihren bis in ihre letzten Tage, bis zur Stunde, da Krankheit sie auf's Lager warst besorgt war, so nahm sie sich auch mit warmer Liebe der blinden Kinder an, welche sie verehrten und an ihr hingen. Sie war „des ganzen Hauses Großmutter". In seinen Trostesworten an die Familie hob der Prediger hervor, daß die tiefbetrauerte alte Frau mit einem reichen Leben bis an die äußerste Grenze der von der Natur gewährten Möglichkeit begnadet war, ihr Lebensziel in Freuden erreicht und ihr Ende in Ruhe hat kommen sehen. a. b. Wien. (Leichenbegä n g n i ß). Vorgestern Vormittags fand uilter ungemein zahlreicher Betheiligung der gesellschaftlichen Kreise das Leichenbegängniß der Frau Louise G e i r i n g e r, Gattin des Gesellschafters der Firma Sigmund G e i r i n g e r u n d Comp., Herrn Leo G e i r i n g e r, am Centralfriedhof statt. Nachdem Oberrabbiner Dr. Güdema n n in der Leichenhalle eine ergreifende Trauerrede gehalten hatte, wurde der Sarg der Verblichenen gehoben und unter Absingung der Gebete durch Obercantor G o l d st e i n und dessen Assistenz zu Grabe getragen. E. B. Wien. (A lfred G r ü n f e l d — Rft tter des Franz Josef-Orden s.) Wie die „Wiener-Zeitung" heute verlantbart, hat der Kaiser dem Kammervirtuosen Alfred G r ü n f e l d das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Die Anszeichnung, welche dem in allen Kreisen der Gesellschaft nicht allein um seiner Künstlerschaft, sondern euch um seiner Liebenswürdigkeit und trefflichen Charaktereigenschaften so beliebten Kammerpianisteu zu Theck geworden ist, wird gewiß in diesen Kreisen mit sympathischester Genngthuung begrüßt werden. Wien. Von Herrn Dr. S. R e i ch, Advocaten in Rzeszow, erhalten wir folgende Zuschrift: „Die in Nr. 41 dieser Wochenschrift aufgenonnnene Correspondenz, worin behauptet wird, daß ich der Financier des hiesigen antisemitischen Blattes „Glo? Rzeszowski" wäre, enthält unwahre Behauptungen, die nur aus Haß und Rache von meinen politischen Gegnern ausgestreut werden. Ich trage zu den Kosten der Herausgabe des „Glos Rzeszowski" mit gar keinem Betrage bei, stehe zu demselben in gar keinen Beziehungen und bin nicht einmal Abonnent dieses Blattes." Wien. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat den seit vielen Jahren an Mittelschulen mit bewährtem Erfolge wirkenden Religionsprofessor Herrn Dr. Heinrich P o l l a k. an Stelle des verewigten Rabbiners Dr. Deutsch für die verflossenen Feiertage mit den Prediger-Functionen im Ottakringer Gemeindetempel betraut. Herr Dr. Pollak erfreut sich als Lehrer wegen seiner mit Milde gepaarten Strenge und als Exhortator beim Jngeudgottesdienste für Mittelschüler, wegen seiner die Jugend immer anregenden und fesselnden Ansprachen allgemeiner Beliebtheit und Werthschätznng. Auch als Kauzelredner ist Herr Dr. Pollak durch seine im Tempel des IX. Be-