Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 870 Br. Bloch'» Wochen, chrM. Vielen Juden wurden gewaltsam die Köpfe nach mohammedanischem Brauche rasirt und sie mußten ein weithin sichtbares Kennzeichen tragen. * Ich habe sofort durch Oberst Picot auf Seyid Abdullah, der einer der einflußreichsten Mollahs in Teheran ist, einwirkeu lassen und ihn besonders um Schutz für die jüdischen Unterthanen Britanniens gebeten, welche in panischem Schrecken die Hilfe der Gesandtschaft erbaten. Fast unmittelbar darauf hörte die Verfolgung auf, was mir der Brief eines Mitglieds der jüdisch-englifchen Gemeinde bestätigte. An den Marquis von Salisbury. Charles Hardingen. Der Marquis von Salisbury sendet folgenden auf die jüngsten Verfolgungen in Jspahan Bezug habenden Brief an das Secretariat: Geehrter Herr! Ministerium des Aeußern 24. September 1897. Der Marquis von Salisbury beauftragt mich, Ihnen mitzutheilen, daß der Gesandte Ihrer Majestät in Teheran ein Telegramm erhalten hat, das sich auf die Lage der Juden in Jspahan bezieht. j Mr. Hardingen berichtet, daß laut der Mittheilung des Consnls in Jspahan die dortigen Inden auf offener Straße mißhandelt und ihre Waaren mit Beschlag belegt worden sind. Dieselbe Behandlung erfuhren die Juden in den benachbarten Dörfern. Mr. Hardingen hat davon sofort dem persischen Minister des Aeußern Mittheilung gemacht und ihn gebteen, sofort dringende Schritte zu thnn, um der Verfolgung ein Ende zu bereiten. Ebenso hat Mr. Hardingen Sheikh Abdullah, einen sehr einflußreichen Mollah, um seine Fürsprache bei dem Anstifter Agha Nedjefy gebeten. Der Großvezier gab Mr. Hardingen die Versicherung, daß infolge seiner Bemühungen an den Gouverneur von Jspahan der ausdrückliche Befehl ergangen ist, der Verfolgung sofort ein Ende zu bereiten. In gleichem Sinne hat der Großvezier selbst auch an Agha Nedjefy geschrieben. Hochachtungsvoll T. H. Sanderson. London. Ein intereffantes Factum aus dem hiesigen Feiertagsgottesdienst verdient die weiteste Verbreitung. Bei dem großen Jom Kippur-Gottesdienst in der Great Affembly Hall, bei dem mehr als 5000 Andächtige, größtentheils aus den ärmsten Kreisen des Ostend, anwesend waren, las Lord Rothschild zu Mincha die Hastorah. Man kann sich denken, welch' außerordentlichen Eindruck diese TheilnahmeLord Rothschild's am Gottesdienste auf die armen Juden des Ostend machte. New-Hork. Mr. David Hays in Pleasantville, das seit dem Jahre 1785 im Besitze seiner Familie ist und nun seinem Sohne gehört, ist kurz vor Erreichung des 78. Lebensjahres gestorben. Seine Vorfahren — er gehörte zu den ältesten jüdischen Familien hier — waren aus Holland eingewandert und hatten sich als Bauern in New-Rochelle niedergelassen. Sein Großvater kämpfte im Revolutionskriege mit. Der Vater des Verstorbenen, Mr. Benjamin Etting Hays, war unter den Namen „Onkel Ben, der Jude und beste Christin W estch ester Land" bekannt. Sein Bruder Jacob Hays war der berühmte Polizeichef von New-Iork. David Hays hatte Pharmaceutik studiert und war einer der Gründer der New-Aorker Universität für Pharmaceutik und Präses des Ortsschulrathes. Seine Frau war die Tochter des Professors Daniel Maduro in Peixotto. Der Verstorbene, der jahrelang kränkelte, war ein frommer Jude, ein Gentleman vom Scheitel bis zur Zehe, ein herzensguter, wohlthätiger Mensch. New-Hork. Zum ersten Male ist auch in unserem Lande eine jüdische Colonie an einer Ausstellung betheiligt. Es ist dies die Ansiedlnng des Baron Hirsch Fonds Woodbine, welche sich an der Ausstellung der Cape May Grafschaft betheiligt hat. Es sind zur Vorführung gekommen die verschiedensten Producte des Feld- und Gartenbaues und die jüdischen Bauern habe eine große Anzahl von Preisen erhalten, besonders die Ackerbauschnle hat sehr große Erfolge erreicht, und ist es allerdings richtig, daß es sich in diesem Fall nur um eine Grafschafts-Ausstellung gehandelt hat, jedoch wird Woodbine sich in Zukunft auch an größeren Ausstellungen betheiligen und unzweifelhaft mit Erfolg. Nr. 43 Allerlei aus Südafrika. In Port Elisabeth ist der neue Geistliche Rev. Philipps, früher Rabbiner in Sunderland in England, mit großen Ehren ausgenommen worden. Er findet dort ein großes Feld für seine Thätigkeit vor. In Johannisburg sollte das jüdische Hospital geschlossen werden, weil sich in einer Versammlung am 12. September anscheinend ein sehr großes Deficit zeigte. Es fanden sich aber thatkräftige Männer, welche in die Bresche sprangen, und schon am 19. September konnten dieselben in einer Versammlung in der Fox Street-Synagoge unter Vorsitz von Mr. M. I. Jndelson constatiren, daß die nothwendigen Fonds zur Weiterführung des Hospitals vorhanden sind. Ein hübscher Zwischenfall ereignete sich in dieser Stadt kürzlich vor Gericht. Ein Jude hatte einen anderen wegen Beleidigung verklagt und gerade am Neujahrsfest war Termin angesetzt worden. Da erschien an diesem Tage der Kläger vor Gericht und gab die Erklärung zu Protokoll, daß er wegen der jüdischen Feiertage seinem Beleidiger verzeihe, damit Gott auch ihm am Versöhnungstage verzeihe. Die feierliche Erklärung machte großen Eindruck auf die christlichen Richter — Oberst Harris von Kimberley ist ohne Widerspruch in das Abgeordnetenhaus der Kapcolonie gewählt worden Der jüdische Verein der Kapstadt ist mit einem großen Ball am 9. September eröffnet worden. Dieser Verein dient außer Wohlthätigkeitszwecken auch geselligen Aufgaben und ist der Mittelpunkt der Creme der jüdischen Gemeinde in Kapstadt geworden. Perth (Westaustralien). Vergangenen Mittwoch wurde die Synagoge, deren Grundstein vor einem Jahre von Lady Smith, der Gemahlin des Gouverneurs, gelegt wurde, feierlich eingeweiht. Unter den Gästen befanden sich Lord-Oberrichter Sir Alex Onslow, Präsident Sir George Shenton n. s. w. Der Präsident der Cultusgemeinde N. Harris öffnete das Thor der Synagoge mit einem massiven Silberschlüssel, einem Geschenk der Gemeinde. Rev. D. I. Freedmann unternahm die siebenmalige Runde mit den Sepher Thoras, worauf das ewige Licht angezündet wurde. Dann hielt Rev. Freedman die Festrede. Das Gebäude ist in maurischem Stile aufgeführt, besteht aus Ziegeln und Steinen und sieht sehr hübsch aus. Drei Stufen führen auf eine reizende Piazza mit einem maurischen Bogengang. Der Tempel faßt unten 300, die Galerie außerdem 90 Personen. Das Innere der Synagoge ist wunderschön geschmückt und verziert. Anstoßend ist die Wohnung des Rabbiners und das Schulhaus. Außerdem besitzt die Gemeinde vier Villen, die ihr jährlich etwa 375 Pfund (etwa 4500 Gulden) einbringen. Vermischtes. Wien. Der Politische Volksverein hält Samstag den 23. d. M., Abends halb 8 Uhr, in Khuner's Restauratiouslocalitäten, Schottenring 19, die erste Pleuarv e r s a m m l u n g der diesjährigen Wintersaison mit nachfolgender Tagesordnung ab: 1. Bericht über die politische Lage, erstattet durch den Vereinspräsid-mten Herrn Dr. F i a l l a; 2. Resolution zu dem die Richter jüdischer C o n f e s s i o n betreffenden Anträge des Vicebürgermeisters Dr. N e u m a y e r. Referent: Vorstandsmitglied Doctor M. H o f f m a n n; 3. Discussion. Wien. (V e r l o b u n g.) Fräulein Clara G a s s i n g e r, Tochter des Herrn E. G a s s i n g e r, Vorstandsmitglied der „Chewra-Kadischa" im XVIII. Bezirk, hat sich mit Herrn Samuel K a r l s b u r g e r verlobt. Wien. (V e r l o b u n g.) Fräulein Mathilde Klein aus Wien hat sich mit Herrn Hippolit Frommer aus Krakau verlobt. E. B. Wien. (Trauun g.) Sonntag, den 31. October, 3 Uhr Nachmittags, findet im Tempel, I., Seitenstettengaffe, die Trauung des Frl. Jenni T i r i n g, Tochter des Exporteurs Herrn Victor T i r i n g und Enkelin des bekannten Großindustriellen und Wohlthäters Herrn David S ch w a r z m a n n, mit dem Med. Dr. Max S ch e y e r statt. Wien. Souutag den 24. October, Nachmittags halb 4 Uhr, findet im israelitischen Ceremoniensaal, I., Seitenstettengasse, die Vermählung der Nichte des Bezirks-Ausschusses Herrn Ludwig Waldstein, Fräulein Bertha Weichsel, mit Herrn Isidor Unger, statt. Gratulation bei Herrn Dr. Moriz Passauer nach der Hochzeit.