Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021212--07219-3031537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 43 Glogau. (Jubiläum.) Am 30. October d. I. feiern wir die 25jährige ununterbrochene Amtsthätigkeit des Rabbiners Dr. Rippner in der Glogauer jüdischen Gemeinde. Die hervorragende Bedeutung des Jubilars, der zu den geistvollsten Kanzelrednern der gesammten Judenheit behört- und die umfassendste literarische Bildung mit profunder jüdischer Wissenschaft vereint, ist zu allgemein anerkannt, als daß wir sie noch des Näheren begründen müßten. Dr. R i p p n e r trat als junger Mann in Glogau seine erste Stellung an und wirkt nun hier, getragen von der Liebe und Verehrung seiner Gemeinde, seit einenk Vierteljahrhundert als Rabbiner, Prediger und Religionslehrer unendlich segensreich. Wiederholt ist von großen jüdischen Gemeinden der ehrenvolle Ruf an ihn ergangen, er hat es jedoch vorgezogen, an der ihm liebgewordenen Stätte auszuharren. Zu den hohen geistigen Vorzügen des Jubilars gesellen sich noch ausgezeichnete persönliche Eigenschaften. Er ist ein trefflicher Gesellschafter, ein liebenswürdiger Causeur, ein treuer Freund, ein herzensguter Mensch. Der 30. October wird ein Ehrentag nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die ganze Gemeinde sein. Paris. Der neueste Bericht der »Alliance Israelite Universelle« enthält eine Fülle voll Material zur Beurtheilnug der Lage der Inden in Rußland, Rumänien, der Türkei, Marokko und Persien, während die „Statistik der Schulen und des Lehrlingswerks" eine gute Vorstellung von der segensreichen Thätigkeit gewährt, welche die Allianz auf diesem Gebiete im Orient entwickelt. Sehr ungünstig lauten noch immer die Berichte aus Rußland, denn in der Lage der dortigen Israeliten hat sich im Verlaufe des Jahres 1896 keine wesentliche Veränderung zugetragen. „Sie ist", wie es in dem Berichte heißt, „geblieben, was sie seit nahezu 16 Jahren gewesen ist, schrecklich, elend und beklagenswerth". Das Unglück der russischen Juden ist. wie bekannt, ihr erzwungenes enges Zusamnienleben iit einzelnen Provinzen und in dieser Beziehung hat allerdings die neue Regierung noch nicht die geringste Milderung herbeigeführt. Die Zahl der obdachlosen Juden nimmt jährlich zu. In Wilna betteln 8000 Juden und im Winter 1895 sind dort 2000 jüdische Familien auf Kosten der öffentlichen Wohlthätigkeit beköstigt und mit Heizung versehen worden; in Grodno zählt man 1 Bettler auf 10 Juden, in Berditschew leben 10.000 Familien von Almosen. Das sind allerdings erschreckende Ziffern und die Regierung Nicolaus II. sollte sich beeilen, wenigstens das am 3. Mai 1882 erlassene „temporäre" Gesetz (seitdem sind 15 Jahre vergangen!), welches den Juden den Aufenthalt in den Dörfern, den Ankauf von ländlichen Grund und Boden sowie dessen Pachtung und Verwaltung untersagt, wieder aufzuheben. Seit dem erwähnten Jahre sind freilich noch manche andere Beschränkungen für die Inden in Rußland eingeführt worden, allein jenes Gesetz ist doch die schlimmste aller Ausnahmeregeln. — Auf die Willküracte, welche in Rumänien, besonders ans dem Gebiete der Schule, gegen die Juden verübt worden sind, haben wir wiederholt hingewiesen, und auch der Bericht der Allianz ist nicht in der Lage, eine Besserung in jenen Verhältnissen anzukündigen. Daß die Wirren, welche im vorigen Jahre in verschiedenen Theilen der Türkei, insbesondere in Kleinasien, ansgebrochen sind, auch auf die Lage der Israeliten daselbst eingewirkt haben, ist leicht zu erklären, doch hat die Allianz den Nothleidenden vielfach Hilfe leisten können. Die Ausgaben der Allianz haben im vorigen Jahre 802.043 Frcs. 40 Cent, betragen, von denen 119.952 Frcs. 47 Cent, ungedeckt blieben bei einem Vermögen von 719-944 Frcs. 45 Cent, und einer Reserve von 302.494 Frcs. 35 Cent. Paris. „Figaro" theilt mit, daß Baron Rothschild in London drei Bilder von Cuyp, Ban Ter Borch und Gerard Dou für eine Million Gulden käuflich erworben hat. Bombay. Unter den neuernannten Friedensrichtern (Justices of the Peace) befindet sich auch Mr. Joseph Jsaac. — Mr. Abraham und Mr. David I. Samson, der ein glänzendes Universitätsstudium hinter sich hat, sind zu Straßen- Jnfpectoren ernannt worden. London. Eine merkwürdige Petition ist bei der englischen Regierung eingegangen. Wir wollen sie im Wortlaut wiedergeben, um ihren Eindruck nicht zu schwächen: An Ihre Majestät die Königin Victoria! Wir bitten, daß Eure Majestät freundlichst die Bitte solcher armer Arbeiter, wie es die Unterzeichneten sind, nicht zurückweise. Seite 863 Wir wagen, gewöhnt an harte Arbeit und Fleiß seit unserer Kindheit, jetzt aber im größten Elend, aus die erhabene Güte Euer Majestät, von der wir so viel gehört haben, die ergebene Bitte an Eure huldvolle Majestät, mit uns Mitleid zu haben und für uns eine Ackerbaucolonie auf der Insel Cyperir zu gründeil. Wir sind nicht wie Jene, welche sich dort vor einigen Jahren niederlasseu wollten, wir sind bekannt als kräftige, ruhige und maßvolle Arbeiter und würden uns glücklich fühlen, wenn wir nur unser tägliches Brod für unsere Familien hätten. O Gott! Gib der großen Königin von England den Willen ein, unserem Wunsche zu willfahren und mache uns glücklich durch ehrenhafte Arbeit. Mit größter Unterthänigkeit Jerusalem, 20. September 1897. (Folgen die Unterschriften.) London. (C o n f e r e n z der e u g l i s ch-j ü d i scheu A l l i a n z.) Die erste Herbstconferenz der englisch-jüdischen Allianz (Anglo Jewish Association) hat vergangenen Sonntag stattgefunden. Es waren anwesend die Herren: Claude G. Moritefiore, Dr. Löwy, Castello, Lewis Emauuel, Delissa Joseph, H. G. Lousada, F. D. Mocatta, Selim Samuel, A. E. Sydney, E. I. Kelley (ein Gründer des Vereines in Hong-Kong) _ rc. Es wird ein Brief von Mr. Oswald I. Simon verlesen, in welchem derselbe für die bewiesene Theilnahme gelegentlich des Todes seines Vaters dankt. Desgleichen ein Brief vom britischen Biceconsul in Mogador, Mr. R. N. L. Johnston, der sich erbietet, der Allianz und der jüdischen Gemeinde in Mogador jederzeit nach Kräften zu Diensten zu stehen. Der Bericht des Execntivcomites wird verlesen. Der Zweigverein in Mogador hat 7 Pfund, 12 Shilling, 4 Pence übersendet. In Shanghai ist durch die Werkthätigkeit des Mr. S. Salomon ein Zweigverein zu Stande gekommen, der bereits 30 Mitglieder zählt. Mr. R e n b e n E l m a l ch, der Präsident des Zweig- Vereines in Mogador, lenkt die Aufmerksamkeit auf das furchtbare Elend, das unter den ärmeren Juden dort herrscht. Die Gemeinde ist absolut außer Stande, etwas Wirksames zu thrm. Ein jüdischer Bursche ist von den Mohammedanern zu ihrem Glauben bekehrt werden. Der Beistand der Allianz zur Wiedererlangung des Bekehrten wird angerufen. Der Director der Schule in A i d i n (Kleinasien) theilt dem Berwaltnngsrath mit, daß in Folge der gewährten Unterstützung ein Lehrer angestellt wurde, der über 60 Kinder in Französisch. Geometrie, Arithmetik und Naturgeschichte unterrichte. Der öffentlichen Prüfung haben auch viele Christen und Mohammedaner beigewohnt, welche ihre unverhohlene Anerkennung des Geleisteten aus sprachen. In Alexandria hat die Alliance Israelite eine Schule eröffnet, die von 130 zahlenden Kindern besucht wird. Die Allianz wird nun um einen Beitrag zur Anschaffung englischer Bücher ersucht, 10 Pfund werden gewährt. Aus Teheran ist ein Brief eingelaufen, aus welchem hervorgeht, daß eine Alliance Israelite sich dort behufs Errichtung einer Schule constituirt habe. Der Verwaltungsrath der Allianz wird um seine Beihilfe gebeten. Es werden ferner vom Execntivcomits Berichte verlesen über das Rabbiner- und Lehrerseminar in Adria nopel, die Lionel und Evelina de Rothschildschülen in Jerusalem und die Schulen in Beiruth, Bombay, Bottuschani (Rumänien), C h i o (Türkei), Mogador und R u st s ch u k. Dr. Löwy theilt die gewiß interessante Thatsache mit, daß er die Bekanntschaft eines höchst toleranten geistlichen Herrn, des Consistorialrathes Dr. Schoff gemacht habe, der ein Mitglied des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus sei und wiederholt zu Gunsten der Juden gesprochen habe.^ Dr. Schoff hat Dr. Löwy ersucht, ihn als Mitglied der jüdisch-englischen Allianz anzumelden. Die Juden in Persien. Folgende Briefe wurden Sonntag in der Conferenz der jüdisch-englischen Allianz verlesen. Teheran, 26. Mai. Mylord! Ich habe die Ehre, Ihnen zu melden, daß vorige Woche neuerdings ein Aufruhr im jüdischen Viertel stattgefunden hat. Seyid Rehanullah war der Anstifter. Vr. Vloch's Wochenschrift