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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-22 · 43 (22.10.1897) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 43 Vr. VLoch's Vochenkchrist Seite 865 entspricht, wegen des Gegenstandes „Religion" niemals fallen läßt, um wie viel mehr sollte der israelitische Religionslehrer ebenso handeln, wenn sich in unserer Mitte Dinge ereignen, die bei sorgsamer Aufsicht der competenten Factoren nie so crasse Formen hätten annehmen dürfen. Religion ist überhaupt mehr Sache des Gemüthes als des Verstandes; wenn daher der Knabe aus einem praktischen Gegenstände, etwa Arithmetik, Latein, Physik, nichts leistet, so muß er die Classe repetiren, weil ihm die Vorbereitung fehlt, in der höheren Classe den Gegenstand zu verfolgen. Ich will hier dies nicht näher ausführen, Religion aber ist kein solcher Gegenstand, das kann nachgeholt werden und daher müssen die israelitischen Religionslehrer, wenn sie ihrer Mission gerecht werden wollen, hier sehr vorsichtig und liebevoll zu Werke gehen, wenn sie nicht eine große Verantwortung vor Gott und der Welt tragen wollen; es ist doch nicht ihre Absicht, die „Confessionslosigkei't" geradezu fördern zu wollen. Wie treffend sind da die Worte eines jüdischen Lehrers: „Derjenige Jude, der nur das Eine Wort „A m e n" sagen kann, dem werden die Thore des Paradieses geöffnet." Die Nutzanwendung versteht sich von selbst in unserem Falle. Wenn es jedoch wahr sein sollte, daß manche der Herren ihre eigenen Wege gehen und sich vom Vorstande unserer Gemeinde' nicht belehren lassen wollen, dann würde diesem Vorstande als competentem Factor nichts übrig bleiben, als den hebräischen Unterricht ans dem Lehrplane für Mittelschulen g a n z zu eliminiren und den Status quo ante herzustellen, es wäre dies sehr traurig, aber jedenfalls das kleinere Uebel. Möge der löbliche Vorstand bald das Geeignete veranlassen, denn es ist der Anfang des Schuljahres, ich bin zu diesem Aussatze von vielen Eltern geradezu gedrängt worden — derlei Interpellationen im Reichsrathe dürfen sich nicht wiederholen — der Vorstand ist in dieser Frage autonom und daher muß ihm zugernfen werden: »caveant consules, nequid Judaismus detrimenti capiat.« Wien, 17. October 18<i7. Sal. Löwi n. Bas Iudenthum als Runstobjrrt. Was Inden ans den Gebieten der Literatur, Kunst und Wissenschaft geleistet haben und wie erstaunlich bedeutend ihre Leistungen im Verhältniß zu ihrer Kopfzahl im Vergleich mit anderen Nationen sind, das ist schon oft hervorgehoben worden, obwohl es noch an einem zusammensassenden, den Gegenstand vollständig erschöpfenden Werke darüber fehlt. Dieses nothwendige, wünschenswerthe Werk zu schaffen, reichen weder meine Kräfte ans, noch ließe es sich in den Spalten einer Zeitschrift unterbringen. Ich will auch hier keinen Beitrag dazu liefern, vielmehr die Sache von einer anderen Seite betrachten, deiln die Inden haben nicht blos selbst wissenschaftliche und belletristische Werke geschrieben und besonders in neuerer Zeit die Künste gepflegt, gemalt, geformt und componirt, sondern ihre mehrtansendjährige so überaus interessante, an Wechselfällen reiche Geschichte hat auch andersgläubigen Dichtern und Künstlern schier unerschöpflichen Stoff zur Bearbeitung geliefert. Es gibt vielleicht keine Episode der jüdischen Geschichte, von der Vertreibung ans dem Paradiese bis zum letzten Freiheitskampfe unter Barkochba, die nicht von Dichtern oder Künstlern behandelt worden ist, und manche Vorgänge, wie die Geschichten Sauls und Esthers, der Kämpfe der Makkabäer und andere haben mehr als einen Dichter oder Künstler zn bedeutenden Werken Anlaß gegeben. Also auch hier unermeßliche Schätze, an denen sich Fremde bereicherten, wie ja auch die besten moralischen Lehren des Christenthums auf denen des Judenthums, des Alten Testaments beruhen. Deshalb muß ich mich aus dieses abgegrenzte Feld noch weiter beschränken und hier nur das Judenthum als Object der bildenden Künste betrachten. Streng genommen sind auch alle Darstellungen nach dem Neuen Testament Illustrationen der jüdischen Geschichte, und ein echt arischer nationaler Antisemit würde wahrscheinlich beim Anblick von Leonardo da Vincis berühmtem „Abendmahl", zu dem Kunstfreunde ans allen Welttheilen pilgern, ausrufen: „Lauter Juden!" Aber ich will aus Gründen, die der Leser leicht errathen wird, hier darauf nicht eingehen und mich auf die Geschichten aus dem Alten Testament beschränken und auch von diesen vorläufig nur die in Italien befindlichen Kunstwerke berücksichtigen. Manche dieser Darstellungen aus älterer Zeit haben freilich den Zweck als Seitenstücke zu solchen aus dem Neuen Testament oder als Symbole für christliche Glaubenslehren zu dienen, aber auch diese zeigen stets eilt liebevolles Interesse für das biblische Judenthum, eine allgemein menschliche Theilnahme an den Schicksalen der Juden. Sie bilden so einen wohlthuenden Gegensatz zn manchen modernen, sogenannten religiösen Bildern, die man gemalten Judenhaß neunen könnte. Nebenbei bemerkt: Der freche Kerl im Vordergrund von Munkaczy's „Christus vor Pilatus" hat eine ausfallende Aehnlichkeit mit dem besessenen Knaben in Raffael's „Transfiguration" in der Gemäldegalerie des Batican. Mit den aus älterer Zeit erhaltenen Werken beginnend, finden wir im. christliche n Museum des Laterans in Rom mehrere Sarkophage mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament: Abraham's Opfer, Geschichte des Propheten Jonas, Handwaschung des Pilatus, Durchgang durch das Rothe Meer, Sündensall, Anserwecknng des Lazarus, Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, die Propheten Daniel, Habakuk, dann Jesus mit Petrus n. s. w. in bunter Mischung. Jünger als diese plastischen Darstellungen sind die ans dem VI. Jahrhundert stammenden Mosaikgemälde in der Kirche San Vitale zu Ravenna, die, wie die Josnarolle im Vatican wahrscheinlich von byzantinischen Künstlern herrühren. Hier sehen wir neben den vier Evangelisten, Aposteln und christlichen Heiligen, Abel mit einem Lamm, Abraham die drei Engel bewirthend, Abraham im Begriff Isaak zn opfern, Moses als Hirt, Moses vor dem brennenden Dornbusch und endlich Moses vom Sinai herabsteigend und unter ihm eine unruhige Volksmenge. Es soll dies wohl eine Darstellung des in Exodus XXXII., 15—10 Erzählten sein. Aut einem, freilich wohl um ein Jahrtausend jüngeren Wandgemälde im Bibliotheksaale des Togenpalastes zu Venedig, welches dieselbe Scene darstellt, sieht man auch das goldene Kalb und die am Boden liegenden Bnndestaseln mit der' zehn Geboten in hebr ä i i cf) e r Sprache und Schrift. Bibelverse in hebräischer Sprache unter den Statuen von Moses, David, Jesaia« und Ezechiel finden sich auch an dem 1857 in Rom auf der Piazza di Spagna errichteten Monument der Immaculata. Aelter als die Mosaiken in Ravenna, aber größtentbeils im XVI. Jahrhundert restaurirt, sind die in der Kirche S. Maria Maggiore zu Rom. Sie stellen neben Scenen aus dem Neuen Testament die Geschichte der Patriarchen Moses und Josua dar. Dagegen finden wir in den meistens aus dem XIII. Jahrhundert stammenden Mosaikgemäldeu in der Marknskirche zu Venedig, durchwegs Darstellungen ans dem Alten Testament: Schöpfung, Sündensall, Noah's Arche, der Thnrmbau von Babel, die ganze Lebensgeschichte Joseph's in mehreren Bildern und die des Propheten Moses, besonders schön die Tochter Pharao's mit dem gefundenen Knäblein. Im Innern der Markuskirche finden sich an einem Altar vier gewundene Säulen ans Alabaster, welche ans dem Tempel zn Jerusalem stammen sollen. Unweit davon sehen wir an der Faqade des Togenpalastes die Statuen von Adam und Eva und an einem Pfeiler eine plastische Gruppe von einem unbekannten Meister, das Urtheil Salomon's darstellend. Der vor Kurzem verstorbene Kunsthistoriker Burckhardt, sagt von diesem Kunstwerke: „Schöner gedacht und empfunden ist wohl dieser Gegenstand zu keiner Zeit, selbst vor Raffael's bekannter Composition'), verdient es in dieser Beziehung entschieden den Vorzug." Unbedeutend ist das denselben Gegenstand darstellende Gemälde des jüngeren Bonisacio laus der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts) in der Akademie der schönen Künste zu Venedig. Die schönsten S c u l p t n r e n aus der biblischen Geschichte stammen ans dem XV. Jahrhundert; so die von Jacopo della Quercia (1371—1438) am Portal der Petroniuskirche in Bologna, welche Scenen aus dem ersten Buche Moses und Propheten darstellen und die Statue des jugendlichen David von Andrea del Verrochio (1476) im Nationalmuseum zu Florenz. Ebenda finden sich auch zwei, das Opfer Abrahams darstellende Reliefs aus dem Jahre 1401 von Lorenzo Ghiberti und Filippo Brunelleschi. Die Gemeinde von Florenz wollte damals, wie der Kunsthistoriker und Maler Vasari erzählt, Erzthore für das Baptisterium mir Reliefdarstellungen aus der ’) In der Stanza della Segnatura int Vatican.

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