Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 864 Vr. Vloch's Wochrnschrift Rr. 43 Alleickhalben zeigen sich schon solche kleine Anfänge bei uns, aber sie sind eben vereinzelte Fälle und nicht genug freudig begrüßt kamt es werden, wenn jüdische wohlhabende Leute zur Einsicht gelangen, daß es zweckmäßiger und nützlicher ist, einen Meierhof zu besitzen und zu bewirthschäften, als mit einem pruickvollen Landhause den Neid der großen Menge herauszufordern. Hunderte und Hunderte Joch Land werden nicht bei gewissen Leuten so viel Neid erregen, als eine kleine elegante Villa, die einem Juden gehört. Die gedankenlose Menge geht eben auf das Aeußerliche und auf den Effect. Wenn wir also in der Weise zu immobllisiren anfangen, bekämpfen wir systematisch in ruhiger und sachlicher Form unseren Feind, gewähren ihm nicht die Freude, daß nach jeder Handels- oder Finanzkrise die Zahl der Opfer mcker uns numerisch stärker ist, als in seinem Lager. Dazu gehört aber auch mehr S p a r s a m k e i t, sowie eine Läensführung, die dem Erwerb angepaßt sein muß. Allerdings sind die Anforderungen, welche das moderne Leben stellt, sehr groß und überdies im stetigen Steigen begriffen; die fortwährenden Preissteigerungen auf allen Gebieten der Wirtschaft machen es einer Hausfrau sehr sauer, das Auslangen zu finden; namentlich hart betroffen sind Leute mit fixem Einkommen. Unrso gebieterischer tritt an Jeden die Aufgabe heran, im Rahmen seiner Bezüge zu leben mrd nicht das Budget zu überschreiten. Leider leben die meisten von uns über ihre Verhältnisse, wird dann der Ernährer einer solchen Familie invalid oder geht mit Tod ab, dann bleibt die Familie gewöhrckich in großer Noth zurück mrd erstaunt fragt man, wie war das möglich, die Leute haben immer so „anständig" gelebt. Anständig gelebt wohl, aber nicht gewirthschaftet; unser Armendepartement weiß davon Geschichten zu erzählen. Sparsamkeit war von jeher eine jüdische Tugend, denn anspruchsloser als unsere Vorfahren braucht man nicht zu sein. Der Dorfgeher von'ehemals war der Typus der Anspruchslosigkeit, die Woche über lebte der Mann in strenger Observanz der Speisegesetze, in puritanischer Weise, erst am Freitag Abend zu seiner Familie zurückgekehrt, genoß er die Freuden des Sabbaths. Dank dem Fortschritte sind solche Entbehrungen heute nicht mehr rröthig, aber man darf nicht von einem Extrem ins andere verfallen. Vernünftige Sparsamkeit blldet die Größe eines Volkes und kann es zu ungeahnter Höhe emporbringen. Was hat Frankreich groß gemacht? Der ungemein hoch entwickelte Spürsinn seiner Bevölkerung. Dort werden die meisten Anlehen coickrahirt und wieder bewahrheitet sich das Sprichwort „Geld regiert die Welt". Was wir aber unter Sparsamkeit verstehen, ist nicht die von uns verpönte klenlliche Art derselben, der Franzose nennt sie „eeonomie des bouts de chaudellers", nein, diese Sparsamkeit hat keinen Werth, sondern jene vernünftige und zum Ziel führende Oekonomie, dann wird es möglich, m ob i l und immobil zu sein. S. W. Uebelstsnde des israelitischen Religionsunterrichtes an den Wiener Mittelschulen. In Nummer 42 dieser geschätzten Zeitschrift wurde der bekannten Interpellation des Abgeordneten Mayr und Genossen wegen „Confeffionslosigkeits-Erklärung jüdischer Mittelschüler", wie es ausdrücklich heißt, „insbesondere an Wiener Mittelschulen", ein großer Artikel gewidmet — wie mir doch scheint, ohne eine Conelusion aus dieser sehr betrübenden Thatsache zu ziehen und ohne die Mittel anzugeben, durch welche dieser unheilvolle Vorgang zum mindestens eingeschränkt werden könnte. Dies veranlaßt mich, offen die Uebelstände anzugebeu und einen Appell sowohl an den Cultnsvorstand als an die israelitischen Religionslehrer zu richten; — eine Beschönigung ist hier nicht am Platze — soll die Wunde geheilt werden, so muß diese mit dem Scalpell bloßgelegt werden. Es liegt mir ferne, die israelitischen Religionslehrer zu verletzen — haben doch diese gebildeten Männer einen schweren Beruf und müssen für geringes Entgeld und ohne daß ihre Zukunft gesichert wäre, einen Acker Pflügen, der so wenig Früchte trägt — aber es ist allgemein die Ansicht verbreitet, daß Vieles hier nicht am Besten bestellt ist. Bekanntlich war vor noch nicht langer Zeit der Unterricht in der hebräischen Sprache an den Mittelschulen in Wien ganz eliminirt; als vor einigen Jahren vom Vorstande der Cultusgemeinde ein neuer Lehrplan festgestellt worden ist, wurde die hebräische Sprache in verschiedenen Abstufungen ausgenommen. Damals machte sich unter den Gemeindemitgliedern große Opposition wegen Belastung der Jugend bemerkbar — ja sogar bedeutende Gelehrte in der hebräischen Sprache wandten sich gegen deren Aufnahme in den Lehrplan — wohl nur aus dem didaktischen Grunde, weil nichts oder nicht viel geleistet werden kann. Ich schließe mich nicht der Ansicht an und stimme der Ansicht des Vorstandes bei, daß hebräisch gelehrt werden soll, weil denn doch sehr viel junge Leute das Ziel erreichen und nicht alle Mittelschüler, weil sie eben zu Hause etwas hebräisch gelernt haben, eine Aversion gegen diesen Gegenstand hegen — allein — 68t modus in rebus — man kann es nicht billigen, wenn, wie ich mich s e l b st ü b e r z e u g t e, zwölfjährigen Knaben nota bene Wiener Provenienz die schweren Regeln der hebräischen Grammatik vorgetragen und die correcte Abwandlung der Zeitwörter von ihnen verlangt wird — es waren dies Realschüler der II. Classe. Da fühlt der Wiener Knabe eine Abneigung, er begreift es nicht, schade um die Zeit; einige leichte Sätze aus dem Pentateuch, einige wichtige Gebetstücke in der hebräischen Sprache wird er begreifen und gerne lernen. Was hat er von der Grammatik? Glaubt man denn, daß ans den Wiener Mittelschulen „Redak's" hervorgehen werden? Ich muß leider ferner ans eigener Wahrnehmung die Thatsache bestätigen, daß b l o s wegen der Furcht des D u r chfallens aus der „hebräischen Sprache" nicht, wie die Interpellation meint, die Knaben „confessionslos" sich erklären. Das geht ja nach österreichischen Gesetzen nicht, sondern die Eltern besorgen dies und mit deren Z u st i m m n n g erklären sich diese „confessionslos" und fallen vom Jndentbmne ab, weil die Eltern wegen des Gegenstandes „Religion" ihre Kinder nicht die Classe repetiren lassen wollen, um ihre Carriöre nicht zu schädigen. Es ist traurig, aber wahr; hier nur zwei Beispiele. Ich begegnete vor längerer Zeit einem Landsmanne, den ich seit Jahren nicht gesehen, dieser Mann ist Doctor der Philosophie, entstammt einer sehr frommen jüdischen Familie in Mähren, derselbe stellte mir seinen Sohn vor, der die 5. Gymnasialclasse besuchte und theilte mir mit, daß er denselben confessionslos habe erklären lassen. Als ich entsetzt fragte, warum? erwiderte er, weil der israelitische Religionslehrer den Knaben wegen dessen mangelnder Kenntniß in der hebräischen Sprache nicht dnrchlassen wollte; gewiß gab ich dem Vater Unrecht, aber es war vorbei. Im heurigen Jahre wollte eine Witwe ihren Knaben, der die 6. Gymnasialclasse besucht, confessionslos erklären lassen, weil der betreffende israelitische Religionslehrer denselben bei der „Nachprüfung" werfen wollte. Derlei Fälle gibt es unzählige — man braucht nur die Stimmen der Eltern zu hören, und in dieser Richtung soll von competenter Seite ein ernstes Wort den Lehrern gesagt werden; ich will es hiemit offen aussprechen: Derjenige israelitische Religionslehrer, der einen sonst gut gearteten jüdischen Schüler, welcher in den anderen Gegenständen gut classificirt wurde, fallen läßt, weil derselbe aus dem „Hebräischen" nicht viel leistet, begeht eine unverantwortliche Sünde, und wenn ein solcher Knabe, wie es vorkommt, „konfessionslos" erklärt wird, so ist der israelitische Religionslehrer der Attentäter. Es sei vor Allem hier constatirt, daß mir ein Director eines hiesigen ersten Gymnasiums mittheilte, daß der Katechet einen sittsamen Studirenden, wenn er in anderen Gegenständen