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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-22 · 43 (22.10.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Br Bloch » MvchrnkchrM Seite 863 steiermark, die Schneiderei in Proßnitz und Wien. Also eine ganze Reihe verschiedenartiger und in verschiedenen Gebieten des Kaiserstaates gelegener Handwerke! Hören wir eiuzelue Ausführungen. Ueber die Schneiderei in Proßnitz, einem Hauptorte derselben, heißt es : „Den Zweck des Befähigungsnachweises, nur tüchtige Arbeiter zur Selbständigkeit kommen zu lassen, konnte er nie erreichen und auch die Minderung der Concnrrenz hat er nicht erreicht. Noch immer gibt es Schneider, die ihre Lehr- und Gesellenjahre zurückgelegt haben, und dennoch keine ordentliche Arbeit znsannnenbringen können. ... Tie Mehrzahl hat schon in drei Jahren das Gewerbe vollkommen inne und ist dennoch gezwungen, die restliche Lehrzeit und die Gesellenjahre durchzumachen,.und doch hat sich schon vor Einführung des Befähigungsnachweises hier ein starker Stock von Schneidern gebildet, die in Schulung und Geschmack jede Concnrrenz auch mit dem Auslände aufnehmen konnten. -Eine eigenthümliche Auffrischung dieses Nachweises liegt in dem Beschlüsse der Genossenschaft (Innung), daß statt der sonst vier Jahre betragenden Lehrzeit schon zwei Jahre zur Ausbildung genügen sollen, wenn der Lehrling dem Meister ein Lehrgeld von 25 bis BO fl. bezahlen kann! Diese Geldsack-Auffassung der „beruflichen Idee" zeigt recht deutlich, daß es in der Praxis des Befähigungsnachweises sich viel weniger darum handelt, die Tüchtigen ins Gewerbe einzulassen, als vielmehr darum, die Untüchtigen i n ihrem w armen Besitzstände zu erhalten.... Das Meisterstück besteht in einem Rock, einer Hose oder einer Weste, je nachdem, was er eben bei seinem Meister gelernt hat, der ja meist auch nichts Anderes ordentlich kann, ihn aber jedenfalls nur dieses lehrt, da er meist nur dazu in seiner Arbeit Gelegenheit hat; dadurch wird nicht nur ein Zerrbild eines Schneiders geschaffen, der nicht im Stande ist, einen ganzen Anzug herzustellen, sondern es wird dadurch seine Freizügigkeit beschränkt. Auch wurde die Concnrrenz durch den Befähigungsnachweis nicht beschränkt." Und in der Abhandlung über das Kleingewerbe in Obersteiermark heißt es in einer scharfen, aber nur zu berechtigten Kritik der rückständischen Productionsweise der dortigen Handwerker. „Die thatsächlichen Verhältnisse geben uns darüber Aufschluß, daß eine Reorganisation des Handwerkes durch die E i n f ii h r u n g des Befähigungsnachweises und durch die bisherige Wirksamkeit der gesetzlichen Zwangsgenossenschaft keineswegs angebahnt wurde. Und dies ist auch ganz erklärlich, wenn man bedenkt, daß die genannten Institutionen in ihrer gegenwärtigen Form niemals das zu bewirken vermögen, »vorauf es einzig und allein ankommt. Was bedeutet der nackte Ausweis über eine mehrjährige Verwendung bei einem Meister, der in der Mehrzahl der Fälle nichts weniger ist als ein Meister seines Faches? Auch das Meisterstück und die Meisterprüfung, . . sind unwirksame Maßregeln; denn was hier verlangt werden miißte, ist für die Mehrzahl der Candidaten unerreichbar, und was thatsächlich verlangt werden kann, hält die Mittelmäßigkeit vom selbstständigen Geschäftsbetriebe nicht zurück. Daher hat auch der Befähigungsnachweis die gegenseitige Concnrrenz der Kleingewerbetreibenden nicht vermindert. . . . Die Socialpolitik des. 20. Jahrhunderts muß ohne Zweifel andere Bahnen wandeln, als die des Mittelalters oder der merkantilistischen Periode. Es gibt heute wieder eine Wirthschaftspolitik, die darauf verzichten kann, auf veraltete Recepte zurückzugreifen. . . . ." Diese Auslassungen, die beliebig vermehrt werden könnten, und denen kein einziges Zeugniß zu Gunsten des Befähigungsnachweises gcgenüber'steht, sind am Ende wohl genügend, Jeden, der Gründe der praktischen Erfahrung kennen lernen will, zu überzeugen. Vom jüdischen Grlde. Zinn Kriegführen gehört Geld, Geld und abermals Geld, davon wußten jüngst die Griechen ein Liedchen zu singen; wer wollte beispielsweise dem rollenden Rubel seine Macht absprechen; Macht ist das richtige Wort, denn „Geld regiert die Welt". Wenn Wissen Macht bedeutet, so kann man das in noch erhöhterem Maße vom Capitalsbesitz behaupten, und ist man einmal zu diesem nicht schwer zu begreifenden Raisonnement gelangt, so folgt logischerweise daraus, daß man so viel als möglich erwerben soll. Nun wird unserem Stamme vorgeworfen, daß er das goldene Kalb anbetet und dem schnöden Mammon nachjagt; wenn dies bei uns Allen zntreffen würde, man könnte unserer Intelligenz kein größeres Compliment machen. Ganz abgesehen davon, daß die Tendenz unserer modernen Gesetzgebung darauf hinausläuft, die Erwerbsfähigkeit zu heben, um jedes Mitglied des Staates zu den immer beträchtlicheren Steuerleistungen heranzuziehen, ist es der S t a a t, der gerade zu denErwerbslustigen encouragirt, wir befinden uns mithin, was den Erwerb betrifft, unter staatlicher Protection. Verdiene, dann bist Du steuerkräftig, sagt der Staat; das Geld wegnehmen, jeden Erwerb unmöglich machen, sagt der Antisemit. Allerdings erkennt der Jude nur zu frühzeitig die Macht des Geldes, er weiß, daß er ein todter Mann wäre, wenn er nicht soviel erwerben könnte, um halbwegs unabhängig zu fein. Wo bei Anderen der Taufschein genügt, muß er einen anderen S chein prodnciren, der a, vi"ta ausgestellt und a vista zahlbar ist. Die Erkenntniß vom Werthe des Geldes ist rtns k e i n e s w e g s a n g e b o r e n. Bon Gift und Galle speiender Seite wird uns das wohl, wie vieles Andere, angedichtet, sie ist uns vielmehr durch unsere Leidensgeschichte eingeimpft worden. Ititb daraus erklärt sich so Manches, was man leichthin als Auswilchs ilnseres Stammes bezeichnen will. Fortwährend bedrängt mld gehetzt, mußten wir stets darauf bedacht sein, so mobil als möglich zu sein. Um ein modernes Beispiel anzuführen, möchten wir diese Situation mit der eines Creditiustitutes vergleichen, welches einen R u u auszuhalten hat und daher Alles mobil macht, damit es nicht zusammenbricht. Logisch folgt daraus, daß die meisten Elemente unter ims sich dem Handel zuwenden mußten; daraus erklärt sich die bei uns vorherrschende Tendenz zum Geld- und Wechselverkehr, m a n hat uns eben diese Rolle s y st e m a t i s ch durch I a h r h u n d e r t e a n g ewiesen und wundert sich mit einem Male, daß wir da tüchtig und nicht über Nacht Landwirthe, Handwerker, Gelehrte geworden sind, lauter Gebiete, die uns lange, lange Zeit verschlossen blieben. Es blieb uns also der Handel. — Da ist es mm nicht zum Verwundern, wenn in uns noch immer das Bestreben nach möglichst großer Mobllität des Erworbenen vorherrscht, hingegen die Idee des Jmmobilisireics von Vermögen in Grund und Boden nicht so recht Wurzel gefaßt hat. Aber gerade diese Sucht, immer mobil zu feilt, bildete den Ruin so mancher jüdischen Familie. Große angesehene Häuser, die eine hervorragende Rolle in unserer Gemeinde spielten, sind zu Grunde gegangen, und nur deshalb, weil sie zu mobil waren. Unsere Weisen geben uns auch da einen Fingerzeig, der Begüterte soll sein Vermögen in drei Theile Heilen; einen Th eil immobilisiren, also in Grund und Boden anlegen, einen Theil liquid erhalten und das dritte Drittel für sein Unternehmen verwenden, daun wird er nicht so leicht um Hab und Gut kommen. Man kann sagen, daß in der Idee der Fideicommisse eigentlich ein j ü d i s ch e r Gedanke verwerthet wird. Ein großer Aristokrat kann demnach nie zu Grunde gehen, das Gesetz schützt ihn und die Seinen vor völligem Ruin. In früheren Zeiten war es einfach nicht möglich, diese weise Lehre unserer Väter zu befolgen, weil der Jude Grund und Boden nicht erwerben konnte. Heutzutage ist es in vielen Ländern in dieser Beziehung besser geworden und ist es daher nur erfreulich, wenn unsere Glaubensgenossen, die m der glücklichen Lage sind, Ersparnisse anzulegen, diese in Immobilien investiren. Diese Anlagen sollen aber nicht in palastühnlichen Stadthäusern und prunkvollen Villen bestehen, sondern im Ankäufe von Wirthschaften und solchen der Landwirthschaft gewidmeten Objecten. Dadurch würde als nächste Consequenz Lust und Liebe zum Ackerbau und zur Landwirthschaft erweckt und Viele von uns in jene Bahnen gelenkt werden, die ihnen heute nicht leicht zugänglich sind.

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