Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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SBsa&uauBM&uiMini Nr. 43 Vr. Vloch's WmtzrnptzrM. d a s I u d e n t h u m besteht, es das erstemal ist, daß eine erschöpfende wissenschaftliche Darlegung des innersten ethischen Gehalts des Judenthums zur systematischen D a r st e l l u n g gelangt, welche ganz und gar und ausschließlich aus jüdischen Quellen geschöpft und dem specifisch jüdischen Geist entsprechend ist. Daß dies etwa bei Maimonides, der dem Aristoteles folgt oder gar F a s s e l, der sich an T. W. Krug anlehnt, nicht der Fall, wird gelegentlich im Werke selbst gezeigt. Lazarus hat, nachdem er auf den Universitäten Bern und Berlin allgemeine philosophische Ethik vorgetragen, danach getrachtet, sich ganz und gar in den eigenen Geist des Jndenthums zn vertiefen, - um denselben aus ihm heraus zur Darstellung zu bringen. Das ist der Hauptgrund, weshalb er auf die Vorarbeiten ü b e r 10 Jahre verwendet hat. Und wenn inzwischen die beiden Bücher Treu n n d F r e i" und „D e r P r o p h e t Jeremias" von ihm erschienen sind, wird der Sachkundige leicht erkennen, daß diese ebenfalls gleichsam Vorbereitungen auf das große Werk sind. Den dringend ausgesprochenen Wunsch des Herrn Zadoc K a h n, daß das Werk auch gleichzeitig in französischer Sprache erscheinen möge, darf L a z a r u s (und wir mit ihm!) als den ersten glücklichen Erfolg seiner zwölfjährigen Arbeit an der Ethik -betrachten. Uebrigens wird die Vorrede die Entstehung des Buches charakterisiren und dem ersten Bande zugleich der Eatwnrf des Inhaltsverzeichnisses des zweiten beigefügt, so daß der Leser sofort über den Gehalt und Gedankengang des Ganzen orientirt ist. Jüdisches Museum. „Die Gesellschaft für Sammlung und C o ns er v i run g von K unst und h ist o ri s ch eit Denkmälern des Iudenthn m s hat seit der Generalversammlung eine außerordentliche Förderung durch den Beitritt zahlreicher Stifter und Mitglieder erfahren. Unter den Stiftern seien die Freiherren Albert und N a t h a u i e l v o n Rothschild hervorgehoben, welche in munifieenter Weise die Bestrebungen der Gesellschaft fördern; sodann der erste Bice-Präsident der israelitischenCnltusgemeindeWien, HerrDr. Alfr ed Stern, welcher eine Stiftung unter dem Titel der Brüder Julius und Alfred Stern errichtet hat; ferner die israelitische Cnltusgemeinde Lemberg. Die Wiener israelitische Cnltusgemeinde hat bereits seit 1895 der Gesellschaft eine größere Jahressubventton zukommen lassen. Unter den neu beigetretenen Mitgliedern heben wir die Cultus gemein d e n Brünn, C z a s l a u, K r a k a u, L i n z, T e f ch e n, T r o p P a u, Wiener-Neustadt hervor. Dem Museum der Gesellschaft sind abermals werthvolle Geschenke zugekommen. Porträts von historisch denkwürdigen und berühmten Persönlichkeiten des Jndenthums, ferner D arstel lun g en a u s d e r h e i li g e n S ch r i ft, A n s i ch t e n und Pläne von P a l ä st i n a von den Herren: Dr. Bru novo n Frankl H o chw art, Frau Regierungsrath Fanny Gintl, Hugo Jaeobsohn Breslau, Frau Henriette Kerpel, Bernhard Kohn, Siegfried Oppenheim, Commercialrath Alfred Pollak Ritter von Rudin, Moriz Waizner und Sohn. Bücher und Musikalien, Handschriften und Manuscripte von den Herren: Mathias Versöhn Warschau, Frau Witwe A. Berlin Amsterdam Mayer Brunner, Cultusgemeinde Wien, Moses Feßler, Dr. Bruno von Frankl Hochwart, Wilhelm Freiberg, Staatsrath Dr. A. Harkavy Petersburg. Direct orS. Heller, HugoJacobsohn Breslau, Emil Jelinek, R. Kanitz, Professor Dr. DavidKaufmann Bu d ap e st, Obercantor Philipp Kläger D. Kornfeld, Bezirksrabbiner, Dr. Moriz Lewiu M alaczka, Dr. Johann Lichstadt, M. M aison, Frau Sofie Mondolfo, Professor Dr. Adam Politzer, Dr. Jacob Zipfer Budapest. Gegenstände für rituelle Zwecke und zwar ArbeiteninMetall, Textilarbeiten, ferner Büste n, Münzen und Medaillen von den Herren: Wilhelm Gelle 861 Freyberg (silberne Gewürzbüchse), Carl Goldschmidt (silberner Becher mit plastische» Darstellungen), Adolf I. Grün, Maler D. Kohn, (Sabbath - Lampe), Julius Kopstein (Menorah), Hofmaler Josef Kott (siebenarmiger Leuchter), Gemeinde-Secretär M. A. Landau Wiener- Neustadt, Dr. I o h a n n L i ch te n st ad t, M. M a i s o n, Professor Dr. H. Müller, Moriz Waizner und Sohn. Das Curatorinm spricht allen Spendern den wärmsteu Dank aus. Die Juden als Soldaten. Die „Parole", Organ der deutschen Kriegervereine, schreibt in Nr. 38 vom 17. September 1897, unter„KleineEpisoden aus den Befreiungskriegen": In den mörderischen Gefechten bei Größ-Görschen am 2. Mai 1813 war auch das preußische Gardejägerbataillon engagirt und verlor viele Leute. Unter den ersten, welche als verwllndet vom Detachement zurückkamen, befand sich auch der freiwillige Jäger Hilsbach, ein Israelit. Er hatte in der Hitze des Gefechtes zwei Schüsse in den Arm erhalten, hatte jedoch nach Empfang des ersten Schusses das Gefecht noch nicht verlassen wollen und ging erst dann zurück als er durch den zweiten Schuß völlig kampfunfähig wurde. Beim Soutien angekommen, äußerten viele seiner Kameraden ihr Bedauern über seine Verwundung. Der Brave jedoch entgegnete lachenden Mundes: „Brüder, es schmerzt nicht, denn dort (nach dem Gefecht zeigend) geht's gut, unser Sieg wird mich schon heilen." Es ward dieser Hilsbach der erste freiwillige Jäger des Gardejägerbataillons, welchem das von Sr. Majestät Friedrich Wilhelm III. sür das Detachement verliehene eiserne Kreuz einstimmig von seinen Kameraden zuerkanut wurde. Qberamtmann <£of)n. Der conservative „Oberschlesische Anzeiger" vom 16. September schreibt: „Oberamtmann Cohn verläßt in der nächsten Woche den Kreis Ratibor, er siedelt nach Berlin über. Zu Ehren des Scheidenden fand gestern Abends im Eriksson'schen Saale ein vom landwirthschastlichen Verein veranstaltetes Abschiedsessen statt. Der Verlauf des Abends legte Zeugniß ab von der Beliebtheit des Scheidenden, von der hohen Achtung, die ihm in Stadt und Kreis gezollt wird. Der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Vereins, Major von Wrochem-Czerwentzütz, würdigte die Verdienste des Scheidenden um den Verein. „Mit größtem Bedauern", sagte Herr von Wrochem, „sehen wir Alle Herrn Oberamtmann Cohn aus dem Verein scheiden, dem er seit der Begründung angehört hat. Der Verein verliert in ihm ein außerordentlich thätiges Mitglied. Herr Cohn hat sich den Interessen des Vereins stets mit ganzer Hingebung gewidmet, wir werden ihn vermissen. Auch durch seine liebenswürdigen Charaktereigenschaften und gesellige Talente ist er uns lieb und werth geworden, er hat uns viele fröhliche Stunden bereitet und auch in dieser Hinsicht wird er uns fehlen. Im Namen des Vereins sage ich ihm nun Dank für Alles, was er im Interesse des Vereins gethan. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise volle Befriedigung finden." Major von Wrochem schloß mit einem Hoch auf den Scheidenden. Hierauf ergriff Geheimer Regierungs- und Landrath Pohl das Wort. Er nahm von Herrn Cohn Abschied im Namen des Kreises und rühmte dessen Verdienste um den Kreis Ratibor. „Seit 1873 hat er die mühevollen Geschäfte des Amtsvorstehers in einem schwierigen Bezirk mit Treue und Hingebung geführt. Besonders ist seiner Thätigkeit für die Nothleidenden im Jahre 1879 zu gedenken. Fünf Nothstandsküchen waren ihm unterstellt. Daß er in jener schweren Zeit dem Bedürfniß auf der einen Seite und den Interessen des Kreises auf der anderen Seite Rechnung zu tragen vermochte, zeugt für seine Herzensgüte und für seine Pflichttreue." Geheimrath Pohl gedachte ferner der Thätigkeit des Oberamtmauns Cohn im Kreistage, in den Geschäften der Generalcommission und beim Grunderwerb für die Bahn Ratibor-Troppau, knüpfte daran die wärmsten Dankesworte und schloß mit einem Hoch auf den Scheidenden und seine Familie. Oberamtmann Cohn gab seinem Danke Ausdruck. Das Scheiden aus dem Verein und aus dem Kreise, der ihm 27 Jahre Heimat gewesen, werde ihm schwer. Die Nothwendigkeit zwinge ihn fortzugehen. Was er in der Ferne finden werde, wisse er noch nicht, er wisse aber, was er zurücklasse. Gerade das Bewußtsein aber, daß er in der alten Heimat so viele Freunde zurücklasse, flöße chm Muth für die Zukunft ein. Oberamtmann