Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 860 Vr. VLvch's WortzrnschrM- Nr. 43 „Die Vordringliche der Czechen beginnt nachgerade die Grenzen zu überschreiten, welche auch von der weitestgehenden Gastfreundschaft gezogen werden müssen." „Die eingewanderten Czechen drängen sich überall in der anmaßendsten Weise vor mit) beginnen sogar schon, die deutsche Bevölkerung zu tyrannisiren." „Die Czechen fordern die deutsche Bevölkerung Wiens durch Arckündigung czechischer Besedas, czechische Wahlaufrufe und czechische Maueranschläge heraus. In den Aemtern, in den Gasthäusern, in den Verkaufsläden deutscher Geschäftsleute bedienen sich die Czechen absichtlich ihrer Muttersprache." „In den Ausflugsorten um Wien und in den Straßen der Stadt hört man czechische Hetzlieder singen, in denen die Deutschen auf das Ünstäthigste beschimpft werden. — Ausdrücke wie: „Deutsche Hunde" gehören noch zu den zahmen." „Die Czechen verstehen es meisterhaft, die durch ihre nationale Zähigkeit gewonnenen Vorth eile wirthschaftlich auszubeuten. Wo sie einmal Fuß gefaßt haben, sind sie nicht mehr wegzubringen, sondern bemühen sich, noch möglichst viele Landsleute heranzuziehen, und auf diese Art wird nach und nach die einheimische Bevölkerung verdrängt. Ist es doch schon so weit gekommen, daß Söhne altansässiger Bürgerfamilien in andere Kronländer oder in's Ausland wandern müssen, weil in ihrer Vaterstadt die Aemter, die Gewerbe, das Handwerk u. s. w. mit Czechen überfüllt find." Der ungeschriebene czechische Talmud übt also dieselben verheerenden Wirkungen wie der geschriebene jüdische Talmud, und Herr Fochler ist nur durchaus consequent, wemr er gegen die „Verczechung Wiens" dieselben Maßregeln fordert wie gegen die „Verjudung". Man muß die Czechen ebenso wie die Juden hiuaushungern, man muß ihnen die Gurgel zuschnüren, bis sie ihr Bündel schnüren und freiwillig wieder zur Taborlinie hinausziehen. Haben die Juden ihren idealen Judenstaat, so haben die Czechen ihr ideales Weuzelsreich; haben die Juden ihr heiliges Jerusalem, so haben die Czechen ihr goldenes Prag. Dorthin mögen sie gehen und Wien dem Deutschthum und dem Antisemitismus überlassen. Tie Parallele ist eine vollständige, sie geht bis ins letzte Detall, und selbst die Begründung des Antrages Fochler könnte mutatis uiutaudis von der Begründung des i Antrages Neumayer abgeschrieben worden sein. Trotzdem murrten die Christlich-Socialen, als der Antrag verlesen wurde, und selbst Dr. Lueger, aus dessen Schule er ja hervorgegangen ist, suchte die Unterzeichner desselben lächerlich zu machen. Sie ahnten, daß diese neueste Blüthe deutscher Cultur und Toleranz, eine sehr gefährliche Spitze enthafte; sie hatten das instinctive Gefühl, daß da der Antisemitismus, der ja auch einen Hawranek, einen Jedliczka, einen Kubik in seinen Rechen zählt, mit feinen eigenen Waffen geschlagen werde. Denn wenn man die Richtigkeit der Behauptung zugäbe, daß auch andere, moderne Völker sich national und wirthschaftlich nach denselben Grundsätzen entwickeln, die man in den jüdischen Talmud hineingefälscht hat, dann sind ja die Juden kein Ausnahmsvolk mehr, dann hat man kein Recht, sie allein zu Haffen und zu verfolgen, dann find die.angeblichen Raceneigenthümlichleiten der Juden weder auf die Race, noch auf rUigiös-natiouale Satzungen, sondern einfach aus die Vorurteile und Mängel unseres modernen Gesellschafts- und Wirtschaftslebens zurückzuführen. Und in der That, es gibt Leute in der Welt, die über die „Vordringlichkeit" und „Anmaßung" der Deutschen genau dieselben Ansichten hegen, wie Herr Neumayer über jene der Juden und Herr Fochler über jene der Czechen. In den Tagen vom 21. bis 23. October wird eine Anzahl westdeutscher Bürgermeister Antwerpen besuchen, um über den Bau des Rhein-Scheldecanales zu berathen. Die eingeborene Bevölkerung Antwerpens ist vlämisch, doch haben sich daselbst deutsche „Eindringlinge" in den letzten Jahren massenhaft angesiedelt. Das christlich-demokratische Blatt „Klokke Roeland", das irgend ein Antwerpener Vergani herausgibt, bezeichnet nun den Besuch deutscher Bürgermeister als einen „weiteren Schritt zur materiellen und moralischen Einverleibung Antwerpens in Deutschland", der auch .die politische Einverleibung sehr erleichtern werde. Das Blatt schildert das starke Uebergewicht des Deutschthums im Handel und in der Industrie, seine selbstständige gesellschaftliche Stellung und fährt fort: „Da die 20.600 Deutschen Antwerpens nur bei Landsleuten kaufen, so erleidet der A n t Werpe u e r Kleinhandel große Verluste. Dazu erringen die D e u t s ch e n alle E h r e n st e l l e n; sie sind in den Gemeinderath eingedrnngen, sind Vorsitzende in der Handelskammer und geben in den alten Antwerpener Gesellschaften den Ton am Und man muß nur hören, mit welcher Zuversicht alle diese Leute bei amtlichen Gelegenheiten von unserer Schelde, von unsere m schönen Hafen, von unserer Stadt sprechen. Sie glauben wirklich, daß das schon eingetrosfen ist. Alle klarsehenden Antwerpener kennen diese Lage, aber sie haben weder Patriotismus noch Mannhaftigkeit, gegen die p l a nmäßige und unversöhnliche Usurpation ihres nationalen Lebens durch d a s d e u t s ch e Element zurückzuwirken. Die Tausende Angestellter, die von d e n d e u t s ch e n F r eiwill i g e n verdrängt, alle ruinirten Kleinhändler, die in ihrem B r o d Verdi e n st e bedrohten Makler und Vermittler wollen gegen das deutsche Element Vorgehen, haben aber keine Macht. Und darum wird das Volk Antwerpens sich nicht vor den Wagen der deutschen Bürgermeister Vorspannen." Es ist also in Antwerpen just der von den Antisemiten so sehr bekämpfte Zwischenhandel, dessen sich die eingewanderten Deutschen bemächtigen und eine Berliner antisemitische Zeitung freut sich geradezu dieser „geschäftlichen Ueberlegenheit der Deutschen". Sollte es neben dem jüdischen und czechischen, vielleicht auch noch einen deutschen Talmud geben, der da vorschreibt, sich über die ganze - Welt auszubreiten und mit dem Handel die Herrschaft über alle Völker der Erde an sich zu reißen? Vom Jahrmarkt des Lebens. Ein neues Werk von Moriz Lazarus. Meran, 14. October. Zur Heilung asthmatischer Beschwerden ist Professor Dr. Moriz Lazarus mit seiner Gattin Frau Nahida Ruth Lazarus vor wenigen Tagen vollständig hieher übersiedelt, so daß wir den berühmten Gelehrten von nun ab mit Stolz den Unseren nennen dürfen. In unseren herrlichen Bergen, unserem milden Klima hofft Lazarus, der im klebrigen vollkommen wohl und außerordentlich rüstig ist, ungestörte Ruhe und Sammlung zu finden zu alll den großen und wichtigen Werken, die er noch zu schaffen gedenkt. Vor Allem die erfreuliche Kunde, daß der erste Band der „E t h i k d e s I u d e n t h u m s" bereits fertig und der Druckerei übergeben ist. Es werden gleichzeitig zwei Ausgaben gedruckt, eine theurere und eine billigere für Lehrer, Studenten, Cultusbeamte u. s. w. Auf den Wunsch des Pariser Großrabbiners Zadoc Kahn, der den ersten Band im Manuscript gelesen hat, erscheint das Werk gleichzeitig auch in französischer Sprache. Zadoc Kahn's Urtheil, das ein wahrhaft begeistertes ist, gipfelt in der Ueberzeugung, daß, seit