Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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rVCJSEBTi Sir. 43 Vr. Blocht rvochrnfchrM Seite 859 das nach dem Strafgesetzbuch der Jurisdiction der Geschwornen überlassen bleibt. Hier sind die Christen von dein Schlage Vergani und Kuntschakdie allein Herrschenden. Mit schwerer Mühe, mit Anstrengung aller ihrer Kräfte, mit gierig ausgestreckten Händen vertheidigen sie dieses Gebiet und es ist ihnen gelungen. Der Schwurgerichtssaal ist die Domäne dieser Volksfreunde. Auf der Anklagebank halten sie das Banner dieses christliche!: Volkes hoch! Vergani und Kuntschak! Dem Herrn Lueger können auch die Leute nicht ausgehcn, die er halten muß. Da ist der wackere S z a j e r. Tie bösen Socialdemokraten behaupten, daß man nicht betrunken in Versammlungen kommen darf. Seine engeren Clubgenossen haben diesen costiimreichen Ehrenmann aus ihrer Mitte ausgeschlossen. Herr Lueger wird auch den Szajer nicht fallen lassen, denn er weiß, wozu man in politischen Versammlungen kommt. Daß Szajer in seinem Eifer so weit gegangen ist, das schon früher zu besorgen, was die übrigen Anhänger Lueger's in der Versammlung selbst thun, kann ihiu nicht schaden. Auch Herrn Szajer wird Lueger aufnehmen. An alle Christen ergeht der dringende Ruf, dem Verein für entlassene Sträflinge keine Subvention oder Spende zuzuwenden, denn am Cnde wird Herr Lueger sich entschließen, seine Schützlinge vereinsmäßig zu constituiren, und dann wird es eine Ehrenpflicht des christlichen Volkes sein, dem Verein entlassener Luegerianer beiznspringen. Dir „deutsche Treue" des Abgevrdneten Lvschmanu. Herr Schönerer ist auf Urlaub gegangen, aber sein Geist ist in voller Activität. Cr schwebte auch über dem Parteitag der Deutschen in Tirol, welcher am 17. d.M. in Innsbruck stattgefunden hat. Liberale und nationale Deutsche fanden sich da in rührender Eintracht auf — antisemitischer Grundlage. Es wurde eine gemeinsame Organisation beider Parteien, der Deutsch-fortschrittlichen und der Deutschvolklichen, beschlossen und in das Statut auch die Bestimmung ausgenommen, daß sämmtliche Mitglieder des Wahlausschusses „S t a m m e s d e u t s ch e" sein müssen. Ein liberaler Advocat wehrte sich einen Augenblick lang platonisch gegen diese Einschränkung. „Es wird Niemandem einfallen" rief er, „einen Ezechen in den Wahlausschuß zu wählen". Darauf antwortete ihm die Versammlung im Chorus : „S e mite n!" Damit war eine authentische Interpretation des Begriffes: „Stammesdeutsche" gegeben. Die Liberalen beugten ihren Nacken unter das Joch Schönerer's, sie duldeten es, daß zum leitenden Princip für die Organisation der Tiroler Deutschen der Antisemitismus erhoben wurde, obwohl ja Tirol fast judenrein ist und die Aufnahine jener Bestimmung praktisch vollkommen überflüssig erscheint. Abends gab es einen lustigen Commers. Die Herzen der biederen Tiroler erzitterten in inniger Freude über die wiedergewonnene Einigkeit. Der liberale Abgeordnete Grab m a y e r constatirte, es sei so wenig, was Beide Parteigruppen trenne, und so viel, was sie zusammendränge. Gleich darauf erhob sich der Abgeordnete Steinw ende r, um festzustellen, daß die geeinigten Deutschen nicht blos für den nationalen Gedanken, sondern auch „gegen die Heberm a ch t des I u d e n t h u m s" kämpfen. Jubelnder Beifall folgte diesen Worten. Wir wissen nicht, ob der Abgeordnete Tr. R o s ch m a n n, der nach Herrn Steinwender sprach, in diesen Beifall mit cingestimmt hat, aber sicher ist, daß er auf den antisemitischen Kern der Steinwender'schen Rede gar nicht, auch nicht mit einen! Worte reagirte. Er schwieg über den Jndenpunkt, und gai tauet couseutire videtur. Nun ist der Abgeordnete Tr. N o s ch m a n n ans dem Städtew ahlbezirke Radautz-Sereth-Suczawa Lewählt. Seine Wähler sind fast ausschließlich Juden, deren Verdienste um die Erhaltung des Teutschthums in der Bukowina Niemand besser zu würdigen weiß, als Herr Roschmann selbst. Er hätte in der Innsbrucker Versammlung aufspringen und seinen Genossen zurufen müssen: „Meine Herren, was Sie da beschließen, ist ein unerhörter Frevel, denn die Juden sind überall die Märtyrer des Deutschthums, und in der Bukowina insbesondere haben sie den Haß der Polen, Ruthenen und Rumänen willig auf sich genonnuen, um uns die Treue zu bewahren!" Das wäre ehrlich und mannhaft gewesen — Herr Ros ch mann aber hat dorr geschwiegen, ivo er nichts zu tadeln fand. Die Vorgänge auf dem Innsbrucker Parteitag sind überaus lehrreich für die Stellung unserer Glaubensgenossen im ganzen Reiche zu den gegenwärtigen nationalen Kämpfen. Man nützt sie aus, wo man sie braucht, und man stößt sie von sich wo man ihrer nicht bedarf. Wäre in den mährischen Städten und in jenen der Bukowina das jüdische Element so dünn gesäet tote in Tirol, es gäbe auch dort längst keine „Schonzeit" mehr. Es war am Beginne der Obftruction, da begegnete der deutschuational-antiseimtische Abgeordnete K. H. Wolf im Couloir des Abgeordnetenhauses dem deutschforrschrirtlichen Abgeordneten Tr. P e r g e l t. Er reichte ihm freudig die biedere Rechte und rief: „Wacker! Schmeißt jetzt nur noch die Juden hinaus und wir sind beisammen!" Die deutsche Fortschrittspartei hat sich sehr gelehrig gezeigt, sie ist auf dein besten Wege, den Rathschlag der Schönerianer zu befolgen. Unsere Glaubensgenossen aber, denen man soviel Scharfsinn zuschreibt, sind noch immer begriffstützig! Ein rzechischer Talmud? Gibt es einen solchen? — Warum nicht V lieber Rächt läßt sich nach Rohlingstchem Recepte auch ein rzechischer Talmud Herstellen, eine Sammlung religiös-nationaler Vorschriften, in welche man Alles hineininterpretirt, was nur dem Glaubens- und Rarenhaf; erwünscht sein mag. Und findet sich keine alte Scharteke mit solchen Satzungen, so existiren sie doch gewiß in dem lebendigen Erbtheil des Volkes, inseinen „mündlichen Ueberlieferungeu", seinen Sagen und Legenden. Laßt einmal sehen l Dieses rzechische Volk hat merkwürdige Eigenschaften, die es wesentlich von der erhabenen deutschen Nation unterscheiden, nt die es sich wie eilt Pfahl hiueingeschoben hat. Es hängt mit unerhörter Zähigkeit an seinen hnssitischen, antipapistischen Erinnerungen, es hat also eilten im innersten Herzen fortwuchernden Glauben, der dem römischelt Christenthum zmviderläuft. Für biefen Glauben hat -es gekämpft, geduldet, geblutet. Es ist eilt robustes Volk, es ist aber auch weich und schmiegsam, wie alle Slaven, und im Pauslavismus träumt es seinen Traum voll einer künftigen Weltherrschaft. Auch fruchtbar ist es ulid mehret sich und breitet sich aus. Matt spricht von der ezechischen Ueberprodurtion und sein Wandertrieb gemahnt an eine nomadische Vergangenheit. Wenn mau heute in Wien von der jüdischen Invasion aus Oftelt spricht, so hat man in gemächlicheren Zeitelt noch mit einigem Humor vvlt der ezechischen Invasion aus Norden gesprochen. Die Wiener Taborlinie ist das Einfallsthor dieser Rcasseneinwanderung. Hand in Hand mit der „Verjuduttg Wien'S" geht die „Verezechnng Wien's". Und was sind das für Gäste, die das christlich-deutsche Volk von Wien au seinem Busen nährt °? Sie singen Spottuud Hetzlieder auf die Deutschen — wer kennt nicht das berüchtigte „Hrom a peklo" — und sie nennen die Deutschen nur „Schweine" und „Hunde" — just wie nach Rohling's Versicherttng der Talmud die Gojim bezeichnet. Fragt nur Herrn F o ch l e r, er wird Euch dieses Volk noch in ganz anderen Farbelt schildern, in den gleichelt Farben, in denen Herr 91 e u m a y e r die Jltden geschildert hat. Nicht ohne Grund folgte im Gemeinderathe auf beit Antrag Neumayer der Antrag F o ch l e r. Die beiden Stationen gehören zu eiltander, wie das 'w auf das u folgt, wenn auch Herr Fochler mit seinem Anträge das antisemitische ABC gestört hat. Hören wir Herrn Fochler : „Die Czechen halten es für ihre erste nationale Pflicht, jenes Volk zurückzudrängen, welchem in Wirklichkeit die Herrschaft in Oesterreich zusteht — das deutsche Volk." „Die Czechen suchen überall Boden zu gewinnen und vor ihren Eroberungsgelüsten ist nicht einmal die urdeutfche Stadt Wien sicher."