Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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«eite 852 Vr. Vlmtz's WortzenkchrM Nr. 42 hatte. Es wird nur Wenigen bekannt sein, daß Lord Tennyson die Bibel im Urtexte lesen konnte. Er hat auch ein psalmähnliches Gedicht geschrieben „Hugher Pantheism". Interessant ist es. seine Ansicht über Spinoza zu hören. „Spinoza ist oft. mißverstanden worden. Man hat ihn einen Atheisten genannt, und er ist doch so von Gott erfüllt, daß er ihn überall sieht, so sehr, daß für den Menschen kein Platz bleibt. Er ist gotttrunken." Wir können es uns nicht versagen, eine Stelle aus dem Briefe zu veröffentlichen, den er gelegentlich der russisch-jüdischen Verfolgungen (1891) schrieb. „Wenn es wahr ist, was ich darüber gelesen habe, so hat Rußland seine Kirche, seine Nationalität entehrt. Ich habe einmal den Czar gesprochen; er schien mir ein gutherziger Mensch zu sein. Ich kann kaum glauben, daß er sich der barbarischen Handlungen, die mit seiner Bewilligung vollzogen werden, bewußt ist." T e n n y s o n's Freundschaft mit E. T. P a l g r a v e, der von jüdischer Herkunft war, ist bekannt. Mit Lady Roseberry stand er in regem Verkehr. London. Das Testament des verstorbenen B a r n e y B a r n a t o, sowie die eben vollendete Schätzung seines nachgelassenen Vermögens haben ergeben, daß dasselbe eine Million Pfund beträgt (etwa 12 Millionen Gulden). Seine Frau, feine Tochter, seine beiden Söhne und andere Verwandten sind als Erben-eingesetzt, und zwar erhielten die drei Kinder je 250.000 Pfund, die von der Vormundschaft zu verwalten sind, seine Tochter Leah P r i m r o s e erhielt außerdem 25.000 Pfund. Seine Frau erbt 5000 Pfund und erhält ein Jahresgeld von 10.000 Pfund. Sie erfyält ferner alle Lebensversicherungspolizzen, alle Einrichtungsgegenstände, Wagen, Pferde, Bilder, Silber, Porcellan rc. Die Tochter erhält die 250.000 Pfund an ihrem Hochzeitstage, die 25.000 Pfund am Tage ihrer Volljährigkeit. An die Auszahlung des Heiratsgutes ist die Bedingung geknüpft, daß seine Tochter die Einwilligung ihrer Mutter besitze. Heiratet sie ohne dieselbe, so fällt das Geld den übrigen zu. Nelv-Aork, 16. September. Am 27. August starb Bankier David I. S e l i g m a n n, Chef des Bankhauses I. u. W. Seligmann u. Co. Nr. 21 Broadstraße im Hollywood Hotel in L o n a Brauch. Der Tod trat ein in Folge einer Operation. Der Verstorbene hat ein Atter von 47 Jahren erreicht. Herr Seligmann war der älteste Sohn des bekannten Bankiers Joseph S e l i g m a n n und seit dem Tode desselben Chef des berühmten Bankhauses. Herr Seligmann gehörte dem Directorium des Am. Museum of Natural History, dem Metropolitan Art Museum und vielen Wohlthätigkeitsanstalten an. Das Leichenbegängniß fand streng privatim von der Stadtwohnung des Dahingeschiedenen, Nr. 74 East 55ste Str. aus statt. Dr. Felix Adler leitete die Trauerceremonien, welchen nur die Witwe nebst ihren drei Kindern sowie die nächsten Verwandten anwohnten. Emanuel B. Hart, einer der betagtesten Regier u n g s b e a m t e n, starb am Sonntag Abend in feiner Wohnung Nr. 2111 Madison Avenue an allgemeiner Körperschwäche. Er hatte ein Alter von 88 Jahren erreicht. Im Jahre 1845 wurde er Aldermann, wurde wiedergewählt, lehnte aber eine dritte Nomination ab. 1851 kam er in den Congreß, wurdet später Surveyor des New-Iorker Hafens und verweilte dann im Regierungsauftrag drei Jahre in Europa. Sein Bericht hatte wichtige Aenderungen im Zollwesen zur Folge. Seitdenc hatte er mehrere Aemter inne, bis Präsident Cleveland in seinem zweiten Termin eine besondere Stelle im Binnensteuerdepartement für ihn schuf, die er bis zu seinem Tode bekleidete. Hart war lange Jahre Präsident des Mount Sinai- Hospitals und Schatzmeister der Society for the Relief of P o o r H e b r e w s. In der Greenwich Straße, nahe der Battery, erblickte er im Jahre 1809 das Licht der Welt. Sein Vater war Bernard Hart, Chef der damals bekannten Firma Hart und Lispenhard. Der greise Morgenthau ist nun auch im Alter von 82 Jahren von der Weltbühne abgetreten, auf der er so gern und Jahre lang bestrebt war, eine prominente Rolle vor einem großen Publicum zu spielen. Vor ungefähr dreißig Jahren kam Herr Morgenthau und Gatttn mit einer zahlreichen Familie hier an, und wußte sich der hochgebildete Kaufmann hier sofort eine Stellung in der Gesellschaft zu geben. Er führte das sogenannte „Goldene B u ch" in den verschiedenen Wohlthätigkettsanstalten ein, welches wirklich segensreiche Früchte getragen, indem bei öffentlichen Veranstaltungen die Gönner dieser Gesellschaften, veranlaßt wurden, namhafte Zeichnungen neben ihren Namen in dies Buch einzutragen, das jedem Besuchenden geöffnet war, und so die „stillen" Wohlthäter genügend bekannt machte. Immer neue Ideen hielten den alternden Mann in Athem. Erst vor Jahresfrist gründete er eine Gesellschaft für Ausstattung armer Waisenmädchen, deren jede bei ihrer Verheiratung 100 Dollars erhalten sollte; und wurde die Berheirathung drei solcher Aspirantinnen unter ziemlichem Aufsehen vollzogen. Herr Morgenthau war eine stadtbekannte Figur und konnte man ihn noch vor wenigen Wochen, adrett gekleidet, mit weißer Halsbinde, welche er stets zu tragen pflegte und welche ihm ein clericales Aussehen gab, im Terrace Garden mit einer lustigen Gesellschaft sehen, in welcher er sich behaglich zu fühlen schien. Lazarus Morgenthau hinterläßt fünf Söhne und zwei Töchter. Das Leichenbegängniß fand von der Wohnung seines Sohnes C. Morgenthau, 9 W. 90. Straße, aus statt. Rev. Dr. Julius W a s s e r m a n, selbst ein hoher Achtziger, hielt die Leichenrede. Im Alter von 68 Jahren starb am Samstag in seiner Wohnung Nr. 239 Ost 78. Straße Herr August Mayer, ein bekannter Rechtsanwalt. Derselbe wurde in Frankfurt am Main geboren, kam aber schon als junger Bursche nach Amerika. Er hinterläßt acht Kinder. Wien. (Auszeichnungen und E r n e n n u n g e n.) Der Kaiser hat in Anerkennung hervorragend verdienstlicher Wirksamkeit dem Universitätsprofessor Dr. Max G r u b e r den Orden der Eisernen Krone dritter Classe, ferner denr Bezirksarzte in Spital Dr. Salomon P o r g e s das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Wien. Am Versöhnungstage spendete im Stadt-Tempel Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Heinrich Bloch zwei auf Pergament hergestellte künstlerisch ausgestattete Gebetbücher, das eine enthaltend sämmtliche Gebete für die Wochentage und Sabbathe, das zweite enthält die Gebete für die Feiertage. Die beiden Werke sind bereits in Ausfertigung begriffen und kosten 400 fl. und wurden von dem bekannten Sofer Mayer Brunner hergestellt. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „U nita s".) Am 7. October fanden die Neuwahlen für das Wintersemester statt, die nachstehendes Resultat ergaben; es wurden gewählt zum Präses: Cand. Med. Martin E n gl ä n d e r; zum Bicepräses: Cand. Jur. Dezsö F e h e r, zum Schriftführer: Cand. Phil. Alois Fischer. Wien. (Wiener m e d i c o - m e ch a n i s ch e s Zander- I n st i t u t.) Die im Jahre 1889 von Dr. Maximilian Roth in Wien begründete mechano-therapeutische Anstalt, in welcher die im Anslande schon längst bekannten und berühmten Zander'scheu Gymnastik-Apparate in Oesterreich zum erstenmale zur Aufstellung kanien, erfuhr jetzt eine bedeutende Erweiterung, indem bei der soeben erfolgten Uebersiedlnng der Anstalt nach der Weihburggasse 4, dieselbe sowohl räumlich als mit Bezug auf ihre Heilbchelse bedeutend bereichert wurde. In vier riesigen Sälen stehen fast hundert Zander'sche heilgymnastische und orthopädische Apparate. Es ist nicht Jedermann möglich, dem Reit- oder Radfahrsport zu huldigen, auch der Besuch einer Turnanstalt wird Vielen in Folge mangels jeder Vorübung oder wegen vorgeschrittenen Alters ungelegen sein. Für alle diese bewegungsbedürftigen Menschen wird das Zander-Institut ein willkommener Behelf sein. Mit dem Zander-Institut ist seit dessen Gründung eine orthopädische Abtheilung verbunden, welcher seit zwei Jahren Herr Dr. H a u d e k, ein Schüler Prof. Hoffa's in Würzburg, vorsteht. Unter der Führung Dr. Haudek's wurden die mannigfachen, in einem riesigen Saal ausgestellten Apparate und Behelfe demonstrirt, welche alle dazu dienen, der modernen, leider viel zn viel verbreiteten Schulkrankheit unserer Jugend, dem runden Rücken, der schlechten Haltung und den Rückgratsverkrümmungen zu begegnen. An diese Abtheilung reiht sich das Operationszimmer an, auf welches dann das Atelier für die Herstellung der nach dem Hessin g'schen System gearbeiteten orthopädischen Stützapparate folgt. Es ist selbstverständlich, daß außer den geschilderten noch zahlreiche Empfangs-, Ruhe-, Lese- und Ankleideräume vorhanden sind, welche, mit auserlesenem Geschmacke ausgestattet, gewiß auch den weitesten Ansprüchen genügen werden. Mähr.-Budwitz. Der hiesige Frauenhilfsverein, welcher trotz seines verhättnißmäßig kurzen Bestandes, sowohl in moralischer, als auch in finanzieller Hinsicht schöne Erfolge anfzuweisen hat, spendete unserem Betvereine ein prachtvolles Porauches, welches im Zusammenhänge mit der reconstruirten Bundeslade unserem so einfachen Gotteshause ein höchst würdiges, stylvolles und prächtiges Aussehen verleiht. Aus diesem Anlässe