Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 848 Dr. VLoch's WochrnptzrM Nr. 42 Abgeordneten Tr. B i) k und Tr. K r o n a w e t t e r abspielte. Von den Bewerbern um die ausgeschriebenen Stellen war der Nachweis des christlichen Bekenntnisses gefordert worden. Ta traf eines Tages der Abgeordnete Tr. Kronawetter den Abgeordneten Tr. Byk im Couloir des Hauses. „Na, Herr Collega", redete der demokratische Vertreter Herrn Tr. B y k an, „Sie werden doch gegen diese Ungesetzlichkeit eine scharfe Interpellation an den Finanzminister richten?" Tr. Byk wurde sehr verlegen und stammelte, daß er hiezu erst die Erlaubnitz seines Clubs einholen müßte, daß aber der Polenclub unter den obwaltenden Umständen diese Erlaubniß kaum ertheilen werde. „Seh'n S' Herr Collega", entgegnete darauf Tr. Krona Wetter lächelnd, „da is' halt wieder gut, daß i gar kan Club ang'hör' und a Wilder bin. Mir hat Niemand 'was zu schaffen, und wenn Sie 's net rhnn, so werd' i die Interpellation einbringen." Dieselbe ängstliche Bedachtnahme auf die Gunst und Gnade des Polcnclubs leitete die jüdischen Abgeordneten aus Galizien in allen späteren Fällen, wo die liechte, ja wo Leben und Cigenthum jüdischer Staatsbürger bedroht und verletzt wurden. So verweigerten sie die Mitfertigung von Interpellationen über die Excessc, deren Opfer die jüdische Bevölkerung in Chodorow wurde, und über die Präterirung jüdischer Rechtspraktikanten in der Bukowina wieder unter Berufung auf dcit Clnbzwang. Seither hat, gefördert durch die Mattherzigkeit der jüdischen Abgeordneten, der Antisemitismus in Galizien ungeheure Forschritte gemacht und ist in den Soldatenexcessen gegen die Juden in Tarnow und Przemyslany in blutige Erscheinung getreten. Sofort nach dem Wiederzufammcntritt des Reichsrathes entwarf der Czernowiver Abgeordnete Tr. S t r a u ch e r über diese Vorgänge eine Interpellation an den Landesvertheidigungsminister und legte dieselbe seinen Glaubensgenossen in Galizien zur Mitfertigung vor. Und was antworteten ihni die Herren Byk, T r a ch t e n b e r g und Genossen? Sie beriefen sich darauf, daß es sich da um eine — rein galizische Angelegenheit handle und sprachen dem aus der Bukowina gewählten Abgeordneten Dr. S t r a u ch e r das Recht der Initiative ab. Sie unterschrieben also dessen Interpellation nicht, es fiel ihnen aber auch gar nicht ein, selbst eine Interpellation einzubringen. Sie stammelten die lächerlichsten Ausflüchte, deitn diese Creaturen der poltiischen Schlachta, die ihre Mandate lediglich der Gnade der Regierung und des Grafen Dzieduszycki verdanken, zitterten bei dem Gedanken, sich durch die Vertheidigung der Rechte ihrer Glaubensgenossen den Zorn des Polenclubs zuzuziehcn. Sie sorgen nur für sich, für die armen g a l i z i s ch e n Juden soll G o t^t im Himmel sorge n. In gerechter Entrüstung hat Dr. S t r a u ch c r diesen Leuten Worte der tiefsten Eitttüstung in's Gesicht geschlendert, die freilich wirkungslos an ihren eisernen Stirnen abprallten. Ter gleichen Unempfindlichkeit begegnete übrigens der Czcrnowitzcr Abgeordnete bei den Socialdemokraten, welche gleichfalls die Unterfertigung der Interpellation unter den nichtigsten Vorwänden ablchnten, weil sie die Socialdemokratie nicht immerfort dem Vorwurfe aussetzen wollen, daß fie eine Judenschutztruppe fei. Das haben schließlich die Herren mit ihrem angeblich so freiheitlichen Gewissen auszumachen. Wir wissen ja längst, was wir von den Herren Daszynski und K o z a k i e w t c z zu halten haben, aber sie sind ja keine Inden, und wenn sie sich nur als Vertreter der ch r i st l i ch e n Proletarier fühlen wollen, so ist das ihre Sache und man wird sie künftighin eben mit einem anderen Maßstabe messen als bisher. Die Interpellation mußte schließlich unterbleiben, weil Tr. Straucher nur die Unterschriften der Abgeordneten Dr. Kronawetter, Kareis und T i t i i n g e r aufbrachte. Die jüdische Wählerschaft in Galizien hat leider noch nicht die Kraft, sich der systematisch gezüchteten Corruption zu entreißen. Aber der Tag wird kommen — und wir fürchten nur zu bald! — wo sie ihre derzettigen Vertreter nach ihrem wahren Werthe zu würdigen lernen wird! Wie«. Sehr geehrter Herr Redacteur! Das Feuilleton der „Neuen Freien Presse" von Sonntag den 10. d. M. erzählt uns, daß der ttalienische Dichter Gabriel d'Annunzio" von seinen engeren Landsleuten aufgefordert oder eingeladen wurde, für das Parlament zu candidiren. Als Annunzio den Saal betrat, wo er seine Wählerversammlung abhalten sollte, was traf er da?-- „Als einzige Zierde des Saales hatte' man an den Pfeilern die Titel seiner Werke angebracht, und zwar zur Rechten »Elegie romane«, denn er hatte gleich Goethe römische Elegien gedichtet: zur Linken »Intermezzo di rime«, denn er hat, wie Heine, ein lyrisches Intermezzo geschrieben. Im Hintergründe war »Poema Paradisiae°« zu sehen und zu Häupten des Redners der Titel seines Hauptwerkes »Trionfo della Morte«. Da stand er nun unter diesen Inschriften, ein siegreicher Held, der an den Wänden des Festsaales die Namen seiner Schlachten liest-." Beim Lesen dieses Feuilletons fiel mir ein, daß man doch bei uns, bei gewifien Parlamentariern nämlich, beinahe dasselbe thun könnte: dem Einen zum -Beispiel könnte man den Saal seiner Wählerversammlungen schmücken mit Riscontozetteln, Geldtascherln rc., dem Anderen mit Gemeinderechunngen, Obligationen u. s. w. und wieder einem Anderen mit Stampiglien u. dergl. Auch bei uns stünden also gewisse Herren ruhmreich inmitten ihrer eigenhändigen Thaten und Werke. Das Schönste bei der Sache ist, daß die Wähler des Annunzio durchgehends ärme Bauern in den abruzzischen Bergen sind, während die Wähler unserer Helden Bürger der Residenzstadt sind — der Stadt der höchsten Intelligenz l Wien 12. October 1897. Hochachtungsvoll Emil F . . . in. Wien. (Die jüdischen Ackerb anco lonien in Argentinien.) Die „Corr. Wilhelm" erhält folgende.Zuschrift: In einer Reihe in- und ausländischer Blätter begegnete man in den letzten Tagen der angeblich aus Rußland stammenden Nachricht, daß die von dem verstorbenen Baron Mvriz Hirsch ins Leben gerufene »fewistt Colonisation Association«f welche sich mit reichen Mitteln die Colonisation der ans Rußland verttiebenen Juden in Argentinien zur Aufgabegemacht hat, zu liquidiren gedenke, weil sich die Colonisationsbestrebungen als ganz resultatlos herausgestellt hätten. Mit Beziehung auf diese Gerüchte erhielten wir ans Paris von bestinformirter Seite die Mittheilung, daß an allen diesen Meldungen kein wahres Wort ist. Ein Vertrauensmann der Colonisationsgesellschaft hat erst vor Kurzem eine Jnspectionsreise nach den neuen jüdischen Colonien in Argentinien unternommen und nach seiner Rückkehr nach Europa einen Bericht an das Curatorium der Gesellschaft erstattet, dem zu entnehmen ist, daß die genannten Colonien sich einer großen Prosperität erfreuen. Während im vorigen Jahre in Folge der Heuschreckenplage der größte Theil der Ernte in Argentinien der Vernichtung anheimfiel, sind Heuer die Aussichten für die Ernte so glänzend, wie schon seit Jahren nicht. Speciell die jüdischen Colonisten, die in dem fernen Argentinien hauptsächlich Ackerbau treiben, haben aus mehr als 40.000 Hektaren Land herrliche Weizen- und Leinsaaten stehen und auf einem Areale von 10.000 Hektaren ist mit der Anpflanzung von Mais kürzlich begonnen worden. Wenn es gelingt, die Ernte glücklich einzuheimsen, so dürfte für jede Familie bei den gegenwärtigen hohen Getreidepreisen ein Erträgniß von 10- bis 12.000 Francs resultiren, respective nach Abzug aller Kosten 5- bis 6000 Francs, eine Summe also, die ganz respectabel genannt werden darf. In allen Colonien nehmen außer dem Feldbaue auch die Baum¬ und Gemüsepflanzungen dank dem ergiebigen Boden und der rationellen Behandlung und Bearbeitung, die unter Leitung von tüchtigen Fachmännern besorgt wird, den besten Aufschwung. Ebenso ist die Anpflanzung von Kleefeldern bereits eine sehr ausgedehnte, so daß die Viehzucht dadurch eine sichere Basis gewinnt. Die argentinische Regierung kommt allen Bestrebungen der Colonisationsgesellschaft mit der größten Bereitwilligkeit entgegen und die Entwicklung der Colonien läßt nach dem Berichte des erwähnten Vertrauensmannes das Allerbeste hoffen. Zum Antrag des Dr. Neumayer. Die Gemeinderäthe Dr. Stern, S t i a ß n y, Dr. Mittler, Zifferer, Dr. Gold mann, Tagleicht und R. v. Goldschmidt haben am 8. d. M. dem Bürgermeister eine Zuschrift an den Wiener Gemeinderath überreicht, die aber gestern nicht zur Verlesung kam; sie richtet sich gegen den Antrag, den Vicebürgermeister Dr. N e u m a y e r in der letzten Gemeinderathssitzung anläßlich der R i ch t e r e r n e n n u ng e n einbrachte, und hat folgenden Wortlaut: In der Sitzung des Gemeinderathes vom 1. October wurden im Wege eines seitens des Herrn Vicebürgermeisters Dr. Joseph Neumayer eingebrachten Antrages und der Begründung desselben B eleidigungen gegen unsere Religionsgenossen gerichtet, welche selbst im Vergleiche mit den sonst im Wiener Gemeinderathssaale seit Jahren üblichen Insulten unerreicht dastehen und allen Geboten von Recht und Sitte hohnsprechen. Diese Enunciation war umso peinlicher, als sie von einem Mitgliede des P r ä s i d i u m s des Wiener Gemeinderathes ausging und seitens des Vorsitzenden Herrn Bürgermeisters ungeachtet des erhobenen Widerspruches auf deren vollinhaltlicher Verlesung bestanden wurde; dies, ttotzdem klar zu Tage lag, daß die in Rede stehende Enunciation durch das Strafgesetz verpönte Angriffe gegen eine staatlich anerkannte Religionsgesellschaft enthalte und gegen die die Aemterfähigkeit aller Staatsbürger ohne Unterschied der Confession anssprechenden Staatsgrundgesetze verstoße. Wir erachten eine Bekämpfung oder Widerlegung des Antrages des Herrn Vicebürgerineisters Dr. Neumayer unter unserer