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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-15 · 42 (15.10.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
42 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nc. 42 Vr. Vtoch's »osrrnptzrlfl Seite 847 „Wer bietet auf den Vorzug, das Oel zu füllen?" rufen die beiden Pedelle in dem gemischten Dialect von spanisch, arabisch und Hebräisch, das als Ladino bekannt ist. „Zwei Lire" ist die Antwort, die von vielen der Anwesenden nicht in Worten gegeben wird, sondern nach dem uralren Gebrauch des Volkes, indem sie die Hand hoch heben und zwei Finger aufzeigen. „Drei" offerirt Einer, dasselbe Zeichen benutzend, und sofort ist eine Hand mit fünf Fingern ansgestreckt, „sechs, sieben und zuletzt zehn Lire oder türkische Pfunde werden für das Privilegium offerirt, das „Oel aufzugießen", das dem Betreffenden zngeschlagen wird. - Der Mann, der sich das Vorrecht gesichert hat, geht zu dem nächsten Beamten, legt das Geld in die ausgestreckte Hand desselben und wird auf das Dach des „Schulhauses" geführt, wo er den flachen Kessel mit Oel, aus einem Topf, der für diesen Zweck dicht daneben steht, füllt, dann znrückkehrt und feinen Platz im Hofraum wieder einninimt. Jetzt wird das Privilegium des „Lichtauzündens" verkauft, in derselben stillen Form der Auction oder des Antrags und „geht" für die Summe von 15 türkischen Pfunden. Der Käufer dieses Privilegs bezahlt wieder Andere, und wird auf das Dach geführt, wo ein Haufen Werg gut mit Oel durchtränkt und von ihm angezündet, in den Kessel geworfen luti'D, der ans dem Dach befestigt ist, und sofort das ganze Dorf Meiron, wie den Hofraum und seine Bewohner bestrahlt und beleuchtet. Wenn dies geschehen, kommt das Privilegium „S'refa" oder „Verbrennen" an die Reihe, und hiefür.wird stark geboten, denn es ist der verdienstvollste Act, den ein gläubiger Kabbalist thnn kann, und sichert ihm Befreiung von allerlei Nebeln in den verschiedenen Seelenwanderungen, die, wie er glaubt, er nach diesem Leben durchwachen muß. Der Act ist ebenso einfach wie sonderbar, denn das Privilegium besteht in nichts mehr oder weniger als dem Verbrennen des schönsten Kleidungsstückes oder Shawls oder Schärpe, die der Pilgrim für diesen Zweck gekauft hat, in dem brennenden Oel. Außerordentlich reiche und kostbare Gewänder werden zu keinem anderen Zweck zu Meiron gebracht, als um verzehrt zu werden in dem brennenden Oel über dem Grabe bar Jochai's, und da das erste Stück, das hineingeworfen wird, auch das wirkungsvollste in Bezug auf das jenseitige Leben ist, so läßt sich das erregte Bieten auch erklären. Die Hände gehen dutzendweise in die Höhe und Finger fünf zu gleicher Zeit, bis zuletzt das „Verbrennen" für 25 Lire verkauft ist. Der Käufer der „S'refa" zahlt das Geld genau wie seine Vorgänger, und wird, während er einen wundervollen seidenen Shawl, der auf beiden Seiten gestickt ist, zeigt, zu den flammenden Kessel auf dem Dache geführt, wo er ihn mitten in die Flammen wirst. In einem Augenblick geht das Licht herunter und scheint fast aus zu sein, während ein dicker schwarzer Rauch auszusteigen beginnt, erst fast gerade zum Himmel, dann sich in dichten Massen in den Hofraum wälzend. Nach ein oder zwei Minuten fängt das Gewand, das in den Kessel geworfen, Feuer, das Licht blitzt mit größerer Kraft als vorher auf und die Wirkung auf die kabbalistischen Gläubigen elektrisirend. Die zwei dunkel gekleideten Beamten, die in der Mitte an jeder Seite des Hofraumes stehen, schwingen ihre Fahnen hoch in die Luft über ihren Köpfen und rufen so laut sie können: „Koola hada masham bsadig“ („All dieses zu Ehren des Heiligen.) Die Männer, die sie umgeben, springen auf und folgen dem Beispiel der Beamten und rufen womöglich noch lauter aus: „Hada w’hada meshum Zadig.“ („Dies und noch mehr geschieht zu Ehren des Heiligen".) Und dann folgt eine Scene, die der Beschreibung spottet. Die jüngeren und beweglicheren der Frommen ziehen die Kleidungsstücke, die sie für das Verbrennen mitgebracht haben, heraus, schwenken sie wild in der Luft, und tanzen und springen und hüpfen herum, indem sie ausrufen: »La Kar Jo cdm“ („Komm, o Sohn des Pochai",) fassen sich an den Händen und gehen wie tanzende Derwische in ihren verrückten Anfällen rund herum. Diejenigen, die von weit Herkommen und Waffen tragen, ziehen dieselben heraus und beginnen mimische Tänze, bis ihr Blut sich erhitzt hat und der Kampf gefahrvolle Wirklichkeit wird. Die älteren Männer seufzen und wehklagen abwechselnd, reißen an ihrem Haar und schlagen die Brust, wenn sie ausrufen, daß „der Sohn des Jochai" sein Licht unter ihnen strahlen lassen solle. In einer Ecke des Hofraumes hüpft ein Haufen der Feiernden herum und krähen wie Hähne, in einer anderen ahmt ein Kreis Frommer, die Fände an dem Mund, das Schmettern der Trompete und das Schreien der Esel nach. Einige beginnen aramäische Hymnen, zu Ehren des Heiligen, während Andere den Gesang durch Händeklappen übertönen. So geht das Singen und Lachen und Schreien, das Tanzen und Hüpfen und Springen in dem Glanz des gelben Lichtes, das von oben, von dem brennenden Oel aus, strahlt, fort, und zeigt die verzerrten Formen und Züge der Feiernden und macht die Scene eher zu einer wirklichen Satnrnalia statt einer Versammlung von sonst nüchternen menschlichen Wesen, bis das Ganze damit endet, daß alle ohne Unterschied ihre dazu bestimmten Gewänder in dem flammenden Kessel verbrennen. Wenn die Stoffe in dem Oel zu sieden anfaugen, wird die Flamme ausgemacht und der Hofraum bleibt halb dunkel, denn die Wachskerzen der Männer sind längst heruntergebrannt. Dann, wenn über die Versammlung ein Schweigen herrscht, kommt von dem äußeren Ende, wo die Frauen in einem Kreis sitzen, der schrille und monotone Schrei der weiblichen Klagenden, dce um den Sohn des Jochai trauern. Indem sie ihre Hände an die Lippen bringen und die Finger sanft küssen, wiederholt der Haufe Frauen wieder und wieder die alte hebräische Trauerklage, „Oi, ben Jochai", („Weh um den Sohn des Jochai",) woraufhin die Männer regelmäßig mit „Weh um die Verdienste des Heiligen", antworten. Wenn das Licht von Oel auf dem Dache wieder glänzender wird, werden die Töne der Klagenden lauter, der Jammer steigt aufs Aeußerste und die Bewegungen der Frauen werden demonstrativer. Wenn sie auffchreien, schlagen sie sich Stirn und Brust, statt einfach die Finger küssen, sie zerreißen ihr Haar in wirklichem oder simulirtem Schmerz und schlagen die äußeren Gewänder über sich, wie's bei den Todten gebräuchlich ist. — Die Männer folgen ihren Beispiel, und die Töne der Trauerklage werden weit über das Land fortgetragen, bis nach Jaffa, wo es das Ohr von hunderten von Alten und Schwachen erreicht, von Frauen und Kindern, die sich auf den Dächern des jüdischen Viertels drängen, und aufmerksam den Ranch verfolgt haben, der von dem Thurm über ben Jochai's Grab aufgestiegen ist. Um Mitternacht hört das Klagen auf, Nahrung wird genommen, und erfrischt von dem Wein, der einen Theil der Mahlzeit bildet, nehmen die Feiernden die Haloalah zu Ehren des kabbalistischen Heiligen wieder auf. — Fröhliche Observanz ist jetzt die Nachtordnung, und das Recitiren von dem Leben des ben Jochai, seiner wunderbaren Thaten und Verdienste wird von Händeklappen, Füßestampfen, Hüpfen, Tanzen und Fröhlichsein, Schreien, Rufen und Heulen und Hähnekrähen begleitet, wie es gerade die Laune ihnen eingibt, bis der erste Schein der Morgendämmerung sich im Osten zeigt, und die ausgehende Sonne die letzten Flammen, die in dem Oelkesfel auf dem Thurm brennen, verschwinden läßt. — Correspondenzen. Wien. (Jüdische „V o l k s v e r t r e t e r".> Das österreichische Abgeordnetenhaus hat Heuer zum ersten Male auch am jüdischen Versöhnungstage eine Plenarsitzung abgehalten. In unserem Parlamente sitzen drei Bekenner des griechisch-orientalischen Glaubens und elf Juden. Das Präsidium nimmt aus die religiösen Empfindlingen der Ersteren stets die zarteste Rücksicht, indem es die Feiertage der griechisch-orientalischen Kirche beachtet und an denselben keine Sitzungen abhalten läßt. Ten elf jüdischen Abgeordneten, oder besser gesagt: dem Judenthnm gegenüber wurde diese Rücksicht nicht geübt. Das ist nicht nur charakteristisch für das derzeitige Präsidium, es ist auch bezeichnend für die Schwäche und Leisetreterei der elf jüdischen Abgeordneten, von denen Keiner den Muth fand, für das Judenthnm das gleiche Entgegenkommen zu fordern, das man den drei griechisch-orientalischen Abgeordneten erweist. Allerdings, eine Pflichtencollision ist den Herren, und namentlich den jüdischen Abgeordneten aus Galizien, hieraus kaum erwachsen, denn von Pflichten gegenüber ihren jüdischen Wählerschaften wissen selbe längst nichts mehr und sie betrachten Jedermann als einen nnbeguemen Störenfried, der sie daran erinnern will. Seit der von dem Prinzen Liechtenstein beim Polenclub erschacherten Mandatsniederlegung des Abgeordneten Tr. Bloch wären die jüdischen Interessen im österreichischen Abgeordnetenhaufe ohne jede Vertretung, wenn nicht zeitweilig die demokratische Zweimänner-Panei, bestehend ans den Abgeordneten Toctor Kronawetter und Tr. 2 t r a n ch e r, von dem allgemeinen Standpunkte der Gleichberechtigung ausgehend, gegen das an den Juden verübte Unrecht Stellung nehmen würde. Man erinnert sich an die bekannte Episode, die sich noch während der Eoalition, gelegentlich einer ungesetzlichen Eoncursausfchreibung der Lemberger Finanz-Landesdirection zur Besetzung einiger Stellen bei dieser Behörde zwischen den

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