Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 42 Vr. Vwür's Wvchrnsrtzrifl Seite 843 der ein ganzes Waisenhaus aus Eigenem geschenkt hat, des berühmten Fachs. Der Festsaal des Frauenwaisenhauses zeigt das Bild einer stattlichen, mit zwei Orden geschmückten Dame, in deren edlen Zügen sich Hoheit und Milde, Klugheit und Güte in seltener Weise vereinigen. Man erräth in ihr sofort die Seele dieses großartigen Frauenvereines, die lebenslängliche Präsidentin Frau von Bischitz, eine der edelsten Frauen _ in Israel, derzeit in ihrem 73. Jahre, hoffentlich noch berufen, lange Jahre unseren Lieben Frauen Allen voranzuleuchten. Aber hat denn dieses Institut nur eine Seele? Wer will sie alle nennen, die den Generalstab dieses weiblichen Moltke bilden, wie die Damen Körofi Joszefne, Deutsch Antalne, Gardonyi Nenmann Frigyesnö, Pfeiffer Jgnaczuo, Schreiber Morn«, Keppich Lipvtnä, Fleischl Samuelns, Heidlberg Morus, Frank Antalnä, Fürst Jakabnä, Weiß Manfridno, Reich Miklosnv mid die aubercu Edlen, deren Namen im Munde der hiesigen Armen lebt und deren Wirken unseren Lesern in künftigen Berichten vorgeführt werden wird. Der Budapester Frauenverein hat so viele Seelen als Ausschußdamen und Ehrenmitglieder, so viele Seelen und doch nur einen Gedanken: Liäcknsell sisroel! Plennr-Sihung des „Wiener israelitischen Cultusvnrstandes". Sonntag den 10. d. M., 12 Uhr Mittags, hielt der Wiener israelitische Cultusvorstand unter dem Vorsitz seines Präsidenten Herrn kaiserlichen Rath K l i n g e r eine öffentliche Sitzung ab, die sich äußerst interessant gestaltete. Zunächst wurde über den Stand der Finanzen referirt, über den Eingang der Cnltussteuern, und das Bild, welches da gezeigt wurde, ist leider kein erfreuliches. Die Bedürfnisse der Gemeinde steigern sich von Tag zu Tag, die Erhaltung der Gemeittde-Jnstittttionen erfordern immer größere Mitteln, die Notb unter den Gemeindegenossen, welche Hilfe heischen, wird immer größer und drückender und mit diesen gesteigerten Ansprüchen, hält die Opferwilligkeit unserer begüterten Glaubensbrüder leider nicht den gleichen Schritt! Von eingelanfenen Spenden wurden zur Kenntniß gebracht: von Frl. Emma Hamburger für eine Petentin der Rosalia Pollak'chen Blindenstiftung fl. 5.—, für denselben Zweck von Herrn Moritz Ritter von Borkenau fl. 5.—, Anonym fl. 45.— und fl. 40.—. von Hern Heinrich Gutmann, IX., Türkenstr. 29, für den Weisenverein fl. 5.—, für die Armenanstalt fl. 3.—, von Herrn Carl Cohn für Arme fl. 25.—. Den Spendern wird der Dank vorirt. Die Max Ritter von Pfeiffer'sche Stiftung (1 Platz fl. 205.—) wird nach Erstattung des Referates durch Herrn Dr. Steiner einem würdigen Studierenden der Rechte verliehen. Die Verleihung der Rosalia Pollak'schen Blinden-Stiftung (1 Platz -t fl. 38.—) durch Herrn Moritz Ritter von Borkenau wird zur Kenntniß genommen. Im Sinne des Vorschlages des Herrn Wilhelm Wertheim 'wird die Therese Wertheim'sche Ausstattungsstiftung (1 Platz ä fl. 160.—) einer würdrgen, verweisten Braut zuerkannt. Die Heinrich S. Reitlinger'sche Stiftung (1 Platz ä fl. 100.--) wird entsprechend dem Wunsche der Stifter, einer Witwe zugesprochen. Sodann erstattet Herr Salo K o h n als Obmann-Stellvertreter der III. (Wohlthätigkeits-) Sectiou den Bericht, betreffelid die Aufnahme v o n G r e i s e n i n's A l t e r s v e rs o r g u n g s h a u s der israelitischen Cultusgemeinde. Durch die Bemühungen des Herrn Baurathes Stiaßny sei erfreulicherweise das dritte Stockwerk fertiggestellt und dadurch für 50 alte Leute Unterkunft gewonnen worden. Seit dem Jahre 1890 habe sich nun eine große Zahl von Gesuchswerbern angesammelt. Wenngleich jedoch nach dem Statut des Altersversorgungshauses in erster Linie alte Mitglieder der Gemeinde, welche Cultussteuer gezahlt haben, Aufnahme finden sollen, haben derlei Greise fast gar nicht Anspruch erhoben, so daß nach gewissenhafter und mühevoller Sichtung des Gesuchsmateriales solche Leute in Vorschlag gebracht werden, welche seit vielen (30—50) Jahren in Wien sich aufhalten. Trotzdem die Anstalt auf humanster Basis beruhe, wurden dennoch nach gewissenhaftester Prüfung nur die würdigsten Petenten herausgesucht. Fast 75 Percent der Gesuche entsprechen den Bedingungen, jene Bewerber jedoch, welche noch nicht das vorgeschriebene Alter von 60 Jahren erreicht haben oder erst einige Jahre hier wohnen, oder endlich solche, welche wohlhabende Angehörige besitzen, die für die Versorgung aufzukommen die Pfllcht haben, können unbedingt nicht vorgeschlagen werden. Schließlich bittet der Referent noch, die weiteren Gesuche stets in Evidenz zu halten, damit je nach den freiwerdenden Plätzen auch die übrige» Petenten die Versorgung erlangen können. Herr H i e l d b u r g h ä n f s e r berichtet hierauf als Correferent, daß fünf Ehepaare, 28 Frauen und 12 Männer, zur Aufnahme vorgeschlagen werden, außerdem aber noch fünf Leute für die in den bereits bestehenden Ränmen freigewordenen Plätze. lieber Antrag des Herrn Dr. Steiner werden die Vorschläge e n b 1 o c a n geno m m e n und den beiden Berichterstartern auf Anregung des Herrn Dr. B e r g e r mit Rücksicht auf deren erfahrungsgemäß mühevolle und umsichtige Arbeit der wärmste Dank votirt. Nächster Gegenstand ist die Berathung über eine zu fassende Resolution gegen den vom zweiten V i ceb ü r g e r m e ist e r D r. N e um ay e r in der Gemeind er a t h s s i tz n n g vom 1. O c t o b e r 1897 e i n g e b r a csi t e n Antrag,' betreffend die Ernennungen im I u st i z d t e n st e. Präsident kaiserlicher Rath Klinge r theilt mit, daß er über Anregung des Herrn Bice-Präsidenten Dr. Gustav Kohn sofort das Vertretercollegium .zu einer Besprechung über diese Angelegenheit einberufen und die Herren Dr. St eg er, Dr. Stein und Dr. Berger als Juristen beigezogen habe. Das Ergebniß der Berathungen liege nunmehr vor und erstattet demgemäß Herr Vice-Präsident Dr. Stern den Bericht. Derselbe bringt zunächst den Tert des Antrages Neumayer aus dem o f f i c i e l l e n „Amtsblatte der Stadt Wien", dessen Erscheinen der Vorstand abwarten zu müssen glaubte, zur Verlesung und bemerkt sodann, der Antrag habe dadurch an Bedeutung gewonnen. daß er ans der Mitte des Gemeinderaths- Präsidiums hervorgegaugen sei. Der Referent verliest die vom Collegium beschlossene Resolution und bittet um deren Genehmigung. Herr Dr. Sieger führt aus, daß der Vorstaikd über die Nothivendigkeit, angesichts der jüngst vorgefalleuen Schmähungen eine Kundgebung zu beschließen und einen solchen Beschluß zu veröffentlichen, im Principe vollständig einig sei, und deshalb schon in den Vertreter-Sitzungen mit aller Energie betont wurde, daß gegenüber solchen Anwürfen der Cultusvorstand als das sichtbare Haupt der Gemeinde nicht schweigen dürfe. Ein praktischer Schritt hätte, abgesehen davon, daß er nicht im Wirkungskreise des Cultnsvorstandes liege, in dieser so traurigen Zeit keinen Erfolg, aber er müsse es auch jetzt mit großen Nachdruck betonen, daß die bedrängten Glaubensgenossen in allen Ländern des Reiches von dem Vorstande und jedem einzelnen Mitgliede desselben ein Zeichen des Interesses und Gefühles für das Judeuthnm, nicht aber eine Entrüstungs-Kundgebung blos innerhalb der vier Mauern erwarten; darum dürfe in diesem Momente der Vorstand nicht einen Augenblick zögern, sich öffentlich zu äußern. Durch die Veröffentlichung der zu beschließenden Resolution, durch diese offen mauifestirte Empörung werden nach seiner festen Ueberzeugung alle Glaubensbrüder, welche infolge der großen Bedrängniß selbstverständlich zaghaft sind und an einer Besserung in der Zukunft fast völlig verzweifeln, wieder Vertrauen und Muth gewinnen. Er habe sich dafür eingesetzt, daß der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde Alles daransetzen müsse,'um dem Kleiumuth der Glaubensangehörigen zu begegnen und ihre Zuversicht auf eine bessere Zukunft zu heben. Bon diesen Gesichtspunkten aus befürworte er die Annahme der Resolution, welche weder Phrasen noch überschwängliche Worte enthalte, sondern lediglich der Ausdruck der gerechten Entrüstlmg ist, aber auch Alles vermeide, was den Verdacht erwecken könnte, als hielte man die Zeit für gekommen, für das Judenthum Reclame zu machen. Herr kaiserlicher Rath Vogel wünscht, daß die Resolution auch an maßgebender Stelle durch eine Deputation zur Vorlegung gebracht werde, dies würde gewiß Eindruck hervorbringen. Darauf bemerkte der Präsident, daß diese Anregung bereits in der Vorberathung besprochen, jedoch mit Rücksicht auf die Jnopportunität und Zwecklosigkeit davon Abstand genommen wurde.