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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-15 · 42 (15.10.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
42 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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®>eite 842 Vr. Vloch's Wochrnfchrist. Nr 42 mit einer halben Million Vermögen, reicher als die Pester Cultusgemeinde! Da aber die Wunder der göttlichen Liebe auf Erden die Form sehr natürlicher Ursachen annehmen, so sei gleich erwähnt, welchen Ursachen dieser großartige Aufschwung zuzuschreiben ist. Die eine liegt in der Centralisation; es gibt nur einen Frauenverein in Pest, jedoch einen so großartigen, daß die Borstandsdamen jeder Sectiou einen größeren Wirkungskreis und mehr Autorität haben als manche unabhängigkeitsstolze Präsidentin. Weil es aber nur einen Franenverein gibt, können seine Angelegenheiten unter der Oberleitung des größten organisatorischen Talents stehen, über das die Pester weibliche Wohlthätigkeit verfügt, eines wahren Moltke in dieser edelsten aller Strategien, der Frau v. Bischitz, eines Moltke freilich, der längst in Fr an v. Neumann, der erfindungsreichen Generalsparmeisterin des Instituts, seinen Waldersee gefunden hat, aber vorläufig und hoffentlich mindestens bis zu Moltke's Jahren selbst noch des Dienstes ewig gleich gestellter Uhrgetreu bleibt. Es ist ein in den Verwaltungsberichten von Wohlthätigkeitsvereinen seltenes Geständniß, welches der Secretär des Frauenvereines, Herr Gahor Forrai, im Jahresberichte für 1896 97 auch in deutscher Sprache (gelobt sei dafür sein Name!) ablegt: „Wir können uns wohl über entsprechende materielle Unterstützung nicht beklagen und müssen es dankend anerkennen, daß wir auch im abgelaufenen Jahre zahlreiche und glänzende Beweise der unseren Instituten entgegengebrachten Sympathien erhielten; nur diesem Umstand" ist es zuzuschreiben, daß trotz des bedeutenden Verwaltungsdeficites, das Vereinsvermögen dennoch abermals zugenommen hat! . . . Die Gesammtausgaben betrugen über 85.000 Gulden. Die Ausgaben weisen ein bei einem Wohlthätigkeitsverein nur zu begrüßendes Wachsthum ans, die Einnahmen auch, das Deficit freilich ebenfalls, jedoch mit Gottes Hilfe nur um rund 1200 fl, während die Ausgaben um etwa 4000 fl. gestiegen sind. „Nachdem aber, wie bereits erwähnt, Stiftungen, Legate und Gründungsbeiträge in überraschend großer Zahl wieder eingeflossen sind, ist nach Abschreibung des ausgewiesenen Berwaltungsdeficits und außerdem nach weiterer Tilgung von 10.000 fl. auf unserem bei der ungarischen allgemeinen Creditbank contrahirten Baudarlehen, sowie nach Begleichung der auf die restlichen 10.000 fl. entfallenden Zinsen das Vermögen UM 5775 fl. gewachsen. »Eljen a Pesti Izraelita Nöegylet!* Der Verein hat vier Sectionen, die Cassen-, Unterstützungs-, Waisen- und Volksküchensection. Die Cassensection hat die Casse nicht blos zu verwalten, sondern durch gelegentliche tief einschneidende Sectiou in die Casse leistungsfähiger Mitglieder zu steigern. Gegen 2500 Feenhände haben zunächst an die 13.500 fl. an Mitgliederbeiträgen gesammelt; ein Tanzkränzchen, ein Maskenball und 600 Sammelbüchsen ergaben 7000 fl.; besonders ergiebig gestalteten sich die in Wien noch viel zu wenig geübten Kranzablösungsspenden für Verstorbene, welche der „Pester Lloyd" zu vermitteln so liebenswürdig ist. Dasselbe Weltblatt veröffentlicht die Kol-Nidre-Zeit und die Pausen am Versöhnungstage mit derselben Regelmäßigkeit, wie die Kirchenmusik; man' denke sich diese Mittheilung in der „Neuen Freien Presse". Sie wäre ebenso unmöglich, wie etwa ein mit zwanglos lautem Organ öffentlich auf der Straße Schachris betender Dienstmann, den ich gesehen habe, oder der verschwenderische Luxus, den man hier mit öffentlich prangenden Quadratbuchstaben treibt. Ungarn ist heute das einzige Land nach dem Herzen Friedrichs des Großen; hier kann wirklich Jeder nach seiner Faoon selig werden. Die Unterstützungssection verausgabte über 31.000 fl., wovon 15.000 fl. auf momentane Unterstützungen, darunter wieder 1200 fl. auf Speisemarken. Das Deficit betrug 3000 fl., der Unterstützungsfond über 28.000 fl. Die Damen der Unterstützungssection besuchen persönlich die Heimstätten des Elends selbst während der epidemisch auftretenden Krankheiten, tout comme chez vous/ wie es ja überhaupt gewiß nicht meine Absicht ist, das goldene Herz von Wien herabzusetzen, wenn ich das von Pest preise. Aber preiswürdig ist das letztere. Daran ist gar kein Zweifel; wir werden gleich etwas über den Preis hören, den es werth ist. 507.486 fl. 96 kr., lies fünfhundertundsiebentausend Gulden rc. ist das Verniögen, das der Frauenverein der Munificenz seiner Spender und Spenderinnen verdankt! Den größten Posten bildet das Vermögen der armen elternlosen Töchter Zions. Da ist in Pest eine wunderschöne Sitte eingebürgert. Wer 1000 fl. spendet, dessen Name ist im Waisenhaus in goldenen Buchstabe:: eingegraben; alle Jahre versammeln sich die armen Waisenkinder, un: das Andenken der Spender zu betrauern und an ihrem Todestage wird für sie gebetet. Durch einen Beitrag von 3000 fl. erwirbt der Stifter für sich und seine Rechtsnachfolger das Recht, in dieser Anstalt eine Waise erziehen zu lassen. Und wie diese Kinder erzogen werden! Wie sie Alles lernen müssen, was eine gute Frau ausmacht, kochen und sauber machen, selbst ihr Geschirr waschen, ihre Kleider machen, aber auch Literatur und Musik betreiben, daneben denn doch auch das Bischen Religion insHerz schließen, dessen das arme Mädchen wohl noch auf seinem Lebenswege bedürfen wird, vor Allem aber i-ie größte aller weiblichen Künste, jene Kunst, durch welche das altjüdische Biederweib, (e8cbes chajil) sich vor Allem anszeichnete: Sparen, Sparen, Sparen! Ein ergötzlicher Vorfall, der Einfall eines herzigen Kindes, dem ein Besucher des Hauses 5 fl. geschenkt hatte, sich dafür seidene Handschuhe u. dgl. zu kaufen, hat ihre Excellenz die Frau Generalsparmeisterin zuerst aus die Idee gebracht, den Kindern das Sparen beiznbringen, ihnen zunächst die Werthsteigerung des Rohmateriales durch ihre oft sehr feinen Arbeiten zu Gute zu schreiben und überhaupt eine Sparkasse anzulegen, vermöge deren selbst das Mädchen, das nach dem 16. Lebensjahre mit einer Stelle versorgt worden ist, mit dem Institute stets im Zusammenhänge bleibt und mit 26 Jahren ihre 1000 fl. in der Sparkasse zu haben, pflegt; das Geld allein macht ja nicht glücklich, selbst wenn es ganze tausend Gulden sind, aber manches Mädchen würde vor Unglück und Schande bewahrt bleiben, wenn seine Eltern ebenso gewissenhaft und verständig für dasselbe gesorgt hätten, wie jenes Waisenhaus es thut. Heiratet sie, so bekommt sie 200 fl. Aussteuer; das Verzeichniß der ausgetretenen Schülerinnen zählt über 30 Verheiratete auf, gewiß keine „theueren Gattinnen". 57 Mädchen befinden sich derzeit unter der Obsorge des Institutes, wovon 33 auch im Hause unterrichtet werden, die anderen Handelsschulen rc. absolviren. Welche unvergleichliche Gelegenheit fürkinderlose Ehepaare, sich ohne die vielgefürchtete persönliche Behelligung dankbare Pflegekinder heranbilden zu lassen. Es wird auch wacker davon Gebrauch gemacht, natürlich nicht blos, vielleicht nicht einmal vorzugsweise von Kinderlosen. Ich finde im Verzeichnisse 102 Spenden zu 3000 fl. und darüber, z. B. zwei zu Ehren der ehrwürdigen Rabbiner Dr. Kohn und Dr. Kayserling, eine zu Ehren Jokai's; eine im Betrage von 67.000 fl.; von wem diese wohl herrühren mag? Wer es erräth, darf 1000 Gulden an die Adresse des Vereines senden. Mit dem Waisenhaus steht ein Waisenasyl in Verbindung, für welches Frau Baronin Clara von Hirsch jährlich 12.000 fl. spendet; dasselbe wird derzeit von 50 Schützlingen benützt. Außer den in beiden Instituten nntcrgebrachten Zöglingen wird noch für 53 externe Waisenmädchen gesorgt. Die jährlichen Kosten eines Kindes belaufen sich auf 180 fl. im Waisenhaus, respective 170 und 110 im Asyl und extern. Die vierte Section beschäftigt sich mit der Volksküche, wo ich eines meiner angenehmsten Budapester Diners eingenommen habe, da ich sehen konnte, wie viel dort für 10 Kreuzer per Person geleistet wird. Ein großes Brod von ausgezeichneter Qualität, eine nahrhafte Suppe, ein tüchtiges Stück Fleisch mit einer gewaltigen Schüssel Gemüse, wer das Alles gewissenhaft absolvirt (und ich versichere, dort wird nichts übersprungen!) wird für seine Jause wenig Geld ausgeben. Die Gäste haben im letzten Jahre über 148.000 Portionen consnmirt, wovon über 23.900 gratis. Gesegnete Mahlzeit! Die Volksküche arbeitet mit einem Deficit von 1300 fl., welches aber nicht tragisch zu nehmen ist; es ward von ihrem Fonds abgeschrieben. Unter den Quellen dieses Fonds ist besonders hervorzuheben, daß derselbe durch Allerhöchste Entschließung Seiner Majestät des Königs 1 Zwanzigstel des Ertrages der königl. ungarischen Wohlthätigkeitslotterie (über 7000 fl.) zugewiesen erhielt; die Summe wurde zur weiteren Tilgung der Restschuld des Volksküchenbaufonds verwendet. Hier bauen nämlich die gemeinnützigen Anstalten lustig darauf los; wem Gott eine Bauschuld gibt, den: gibt er auch Bauschuldtilgungsratenspcnder; höchstens dauert die Geschichte ein paar Decennien. Die Schuld vergeht und das Hans besteht. Mit ihm aber überlebt das Andenken der Spender. Im Festsaale i des Gemeindehauses erblickt man noch heute das Bild des Edlen,

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