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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-08 · 41 (8.10.1897) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 41 Br Vlortz's WochrnschrM Seite 835 Union-Kalender. Mit einer kleinen Verspätung zwar, aber doch noch rechtzeitig und nicht zu spät ist der uns Allen so lieb und nahezu unentbehrlich gewordene Kalender, herausgegeben vom Vereine „O e st e rreichisch - Israelitisch e Union in Wien" (Druck und Verlag von M. W a i z n e r L Sohn, Wien, 1897) am Vorabend des Neujahrsfestes zugekommen. Wir freuen uns seines ersichtlichen Gedeihens und nehmen mit Befriedigung wahr, daß er mit den Jahren i an Umfang zunimmt; denn während der II. Jahrgang 283 Octavseiten enthielt, repräsentirt sich der gegenwärtige VI. Jahrgang mit 502 Octavseiten. Es ist kaum glaublich, welcher Aufwand von Mühe, Arbeit und Geduld erforderlich war, um dieses handliche Buch, welches um den geringen Preis von E i n e r K r o n e-so viel Interessantes und Wissenswerthes bietet, zu redigiren und herzustellen, Nur die Energie und Willensstärke des gewesenen Präsidenten der „Union" überwand siegreich alle Schwierigkeiten und ließ sich von der faulen Indolenz so wenig wie von dem Unverstand Vieler, denen man eine bessere Einsicht zugemuthet hätte, abschrecken. Zur Illustration hier nur ein Beispiel : Von der Gemeinde B ö s z e r m e it ij in Ungarn kam auf das höfliche Ansuchen um Angabe der Daten, mit unleserlicher Unterschrift versehen, die alberne Antwort zurück: „K a n n nicht d e u c s! Magyarul tudunk!« . . . Der eigentliche kalendarische Theil ist auch diesmal von Dr. Mahler musterhaft ausgearbeitet worden. Die Rubrik: „Die israelitische Cultusgemeinde in Wien" läßt an Ausführlichkeit und Vollständigkeit nichts zu wünschen übrig. Hüigegen ist das Verzeichnis; unserer Gemeinden in den beiden Reichshälften, wie bereits angedeutet, noch immer lückenhaft, weil es noch immer Vorsteher gibt, die wie das Veilchen im Stillen und Verborgenen blühen und duften wollen und es daher verschmähen, öffentlich genannt und bekannt zu werden. — Es sei aber auch constatirt, daß die meisten Gemeinden recht prompt und coulant die erbetenen Bescheide gaben. Man findet hier so manches Interessante. So lesen wir auf Seite 320: B ö z ö d - U j f a l u. Diese Gemeinde, 35 Familien und 160 bis 170 Seelen zählend, besteht aus Proselyten an: bnp, welche im Jahre 1868 zum Judenthume übergetreten sind und von der „Alliance" und sonstigen Sammlungen unterstützt werden. Die Leute haben schon vor ihrer Conversion den Sabbath gehalten. Auch die „literarischen Beiträge" des Jahrbuches sind sehr gelungen. Zwei allerliebste Gedichte von Jenny Schnabl niit den Ueberschriften „Fri ed e" und „In Gottes Namen" eröffnen den Reigen. Hierauf folgt eine Abhandlung Professor Dr. A. B ü ch l e r's, „P lu t a r ch über d i e F e i e r d e s L a u b h ü t t e n f e st e s i m jerusalemischen T e m p e l". Der gelehrte Autor weist nach, wie sehr der griechische Schriftsteller geirrt hat, wenn er das Sukkothfest für ein Dionysos- oder Bacchusfest hielt. An diese treffliche Arbeit reihen sich „Naturwissenschaftliche Skizzen von D r. S. E h r m a n n", worin nachzuweisen gesucht wird, daß unser Schriftthum, namentlich „Das Buch der Bücher" mit der modernen Philosophie, d. i. dem Darwinismus, durchaus nicht in Widerspruch stehe. Der Grundgedanke dieses vorzüglichen Aufsatzes wäre werth und würdig, ausführlicher und eingehender behandelt zu werden. So gibt beispielsweise zu dem so oft mißverstandenen und falsch gedeuteten Ausspruch von der Schuld der Väter, die an den Kindern geahndet wird, das von Charles Darwin anfgestellte und begründete Gesetz der Vererbung einen recht guten Commentar nud eine naturgemäße Erklärung. Das Judenthum und seine Literatur können — der gütigen Vorsehung sei es gedankt! — sowohl das Licht der Wissenschaft als das der Oeffentlichkeit ganz gut vertragen! — In dem folgenden Aufsatz „Ein jüdischer Freund Jean Paul Friedrich Richte r's" zeichnet die gewandte Feder G. Engels mann's, wenn auch nur skizzenhaft, die ideale Gestalt des Emanuel Osmund, der uns lebhaft an den treuen Freund Lessing's erinnert. Wer war aber dieser Emanuel O s m u n d? Die jüdischen Geschichts- und Culturhistoriker geben keine Auskunft über ihn. Nun erfahren wir, daß er ein vielseitig gebildeter, sehr frommer Mann und edler Charakter war, der sich mehr als 30 Jahre der innigsten und intimsten Freundschaft Jean Paul's erfreute und dabei ganz wie R. Moses Dessau seinen Glauben hoch und heilig hielt. — Der bekannte Gelehrte und fleißige Schriftsteller Dr. Ai. Sx Friedlände r, Rabbiner in Pisek. schreibt „Zur Geschichte der Juden in Mähren", eigentlich eine kurze Uebersicht der Geschichte der Juden in Mähren und weiß an passenden Stellen recht interessante Episoden und Notizen einzustreuen. Wir bedauern, daß die populäre und fesselnde Darstellung, mit welcher die „literarischen Beiträge" schließen, nur bis zum Jahre 1789 reicht, und daß wir auf den Schluß, d. i. von Rabbi Marcus Benedict bis zur Gegenwart ein volles Jahr warten müssen. Mit dem Jnslebenrufen dieses Kalenders hat sich die Leitung der „Union" sehr verdient gemacht und ein Werk geschaffen von dauerndem Werthe und vielfachem Nutzen. Wien, 3. Tischri 5658. Ad. St. Briefkasten. Herrn Moriz Beamt in Firma A. Beamt & Söhne, Zwittau. Wir bestätigen Ihnen hiemit über Ihr Verlangen, daß die Redactionscorrespondenz in Nr. 37 unseres Blattes, betreffend Herrn Jankowsky nicht an Ihre Adresse gerichtet war, noch auch von Ihnen veranlaßt worden. S. in Preßburg. Auf Ihren Wunsch, zu wissen, wo man die correctesten Cultusgegenstände erhalten kann, empfehlen wir Ihnen die Firma Wolf Bandler, I., Am Bergl 2. G. R., Floridsdorf. Die auch von uns gemeldete Verurtheilung des antisemitischen Redacteurs Volkmar gibt Herrn V e r g a n i Veranlassung, schadenfroh von einem „Deutschvolklichen mit — langen Fingern" zn sprechen. Es gibt auch christlichsociale Langfinger, Herr Vergani! Theodor G—p> Budapest. Ter Banus mag nicht so Unrecht haben, wenn er die Unruhen in Croatien auf Hetzereien einer gewissen Partei diesseits der Leitha zurückführt. Unsere Christlich-Socialen und Clericalen würden am liebsten sehen, wenn Ungarn wieder die Schuhsohlen eines Jelaöiv küssen müßte. M. B—r, Wien. Die antisemitische Bewegung im Wiener Mannergesangverein tritt nur etwas vorsichtiger auf. Thatsächlich will man den wackeren N e u b e r nur wegen seines „Freisinnes beseitigen. Georg I— sch, Wien. In der Versammlung des christlichsocialen Arbeiter-Resormvereines sagte der Abgeordnete D r. Weißkirchner: „Den Lehrern können wir n u r d a n n Hochacht un g entg e g en b r i n ge n, wenn sie in unserem (d. h. christlich-socialem) Sinne wirke n." — Die Lehrer fangen schon an, diese Art von Hochachtung nach Gebühr zu würdigen. W. Th—g, Wien. Mit den Communalgeldern wird in der leichtfertigsten Weise gewirthschaftet. Tie Offertausschreibungen sind eine Eomödie. Tie theureren Offerte werden, wenn sie von Antisennten ausgehen, den billigeren vorgezogen, wenn letztere von jüdischen oder liberalen Firmen gestellt werden. Tie christlich-sociale Corruption steht in hellster Blüthe. Nervus rerum, Wien. Hinter dem Namen des Centraldirectors der „Blechunion", Wenzel R z i w n a tz, hat das „Deutsche Volksblatt" kein Ausrufungszeichen gesetzt. Dieser biedere Arier stand im Dienste jüdischer Brotgeber und hat diese in der schändlichsten Weise bestohlen. Grund genug, daß Ehren- Vergani ihn schont.' Rabbiner Dr. Grünn» Prag. Wir werden' die Angelegenheit in der von Ihnen gewünschten Weise unterstützen. M. F., Wien. Der 29. October 1884 war der 10. Cheschwan 5645. Ter 13. Geburtstag ist am 10. Cheschwan 5658, welcher auf Freitag den 5. November 1897 fällt. Am Samstag den 6. November wird derselbe Barmizwah. M. B. in Brünn. Ter 23. Tewes 5609 war am 17. Jänner 1849. Das Jahr 1848 hatte keinen 23. Tewes. Kundmaehung. Vorbereitungscurs für israelitische Religionslehrer. Die Wiener israelitische Cnltasgemeinde errichtet einen Vorbereitungscurs zur Heranbildung von israelitischen Religionslehrern. I. Die Aufnahme ist an folgende Bedingungen geknüpft: 1. An das zurückgelegte Mindestalter von 16 Jahren, 2. an eine Autnahmsprüfung. II. Prüfungsgegenstände sind: a) Correctes und geläufiges Hebräischlesen, b) Uebersetzung aller in den Volks- und Bürgerschulen und in den ersten 6 Gymnaslalclassen oder in den ersten 2 Clasaen der Lehrerbildungsanstalt in den Lehrplänen der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vorgeschriebenen Bibel- und Gebetstücke, c) Biblische Geschichte und Beligionslehre nach dem in der Wiener Cultusgemeinde bestehenden Lehrprogramme für Bürgerschulen, d) Aus den profanen Gegenständen das Mass jener allgemeinen Bildung, welche durch Absoivirnng von 6 Gymnasialclassen oder des 2. Jahrganges der Lehrerbildungsanstalt gegeben ist. Von dieser Prüfung sind jene Candidaten befreit, welche entweder die 6. Gymnasialclasse oder den 2. Jahrgang der Lehrerbildungsanstalt mit gutem Erfolge absolvirt haben. III. In dem Vorbereitungscurse werden folgende Gegenstände gelehrt werden: a', Pentateuch, vollständig mit stellenweiser Zuhilfenahme von Raschis Commentar. bj Liturgie (1 Stunde wöchentlich), c) Hebräische Grammatik, d) Jüdische Geschichte, e) Religionslehre und Ethik (1 Stunde wöchentlich). Der Unterricht wird in den Abendstunden und unentgeltlich ertheilt. Die mit entsprechenden Zeugnissen belegten Anmeldungen sind bis Ende October 1897 im Einreichungs-Protokolle der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, zu überreichen. Als Beginn des Unterrichtes wird der 15. November m Aussicht genommen.

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