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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-08 · 41 (8.10.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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^eite 832 Vr. Vloch's Wmtzrnfchrist. Nr 41 Allina als Lehrer an der öffentlichen Volksschule zu Schaffa angestellt und im Jahre 1881 aus Dienstesrücksichten nach Ungarisch- Ostrau versetzt, woselbst er zuerst als Lehrer, sodann als Oberlehrer Verwendung fand. Leider war die langjährige Lehrthätigkeit Allina's nicht spurlos an ihm vorübergegangen und hatte vielmehr deffen Nervensystem ernstlich zerrüttet. Nur auf diese Weise ist so manche Rede — und Handlungsweise Allina's, in dessen letzten Lebensjahren zu erklären; im normal psychischen Zustande wäre sicherlich so Manches unterblieben. Der Verstorbene interessirte sich mehr für den Elementarunterricht und dessen Methode. Dieser Umstand ist offenbar aus das gepflegte Taubstummenwesen zurückzuführen. Im Hinblick auf die menschlichen Seiten des Verblichenen kann sein echt jüdisches Herz, das nur in der Bethätigung der Humanität das Ziel des Menschen erblickte und stets edel empfand, nicht übersehen werden. Wilhelm Allina war ein Bruder des in Wien wirkenden Lehrers Gustav Allina und des verstorbenen Violinvirtuosen aus Zlabings, sowie ein weitläufiger Verwandter des Directors der berühmten Handelsschule Allina zu Wien. Leider genoß er die karge Pension erst kurze Zeit, als ihn ein tückisches Nervenleiden in Wien aufs Krankenlager warf. Um dessen Heimgang trauert eine gebildete, bescheidene und äußerst tactvolle Gattin, Kinder, Collegen und Freunde. Möge er für die ausgestandenen Widerwärtigkeiten im Erdenwallen im Jenseits reichlich entschädigt werden! Friede seiner Asche! S. Riesenfeld, Oberlehrer. Horazdiowitz. Vor Kurzem wurde Herr Jakob S itti g, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Strakonitz und Leiter der dortigen deutschen Volksschule, unter immenser Betheiligung der Gesammtbevölkerung zur ewigen Ruhe bestattet. Jacob Sittig stammte aus dem uahegelegeuen Orte Ckyn und war der einzige Sohn sehr armer, aber höchst ehrenwerther Eltern. Nach Absolvirung von vier Unterrealschulclasseu bezog er die Prager Lehrerbildungsanstalt, wo er wohl unter den größten Entbehrungen, jedoch mit umso größerem Fleiße und Eifer seinen Studien als Jugendbildner oblag und dieselben mit bestem Erfolge beendete. Er war der Stolz seiner Eltern, und ward die Stütze der ganzen Familie; seinen Eltern bereitete er ein schönes sorgenloses Alter und seine Schwestern verheiratete er an rechtschaffene, strebsame Männer. In Folge seiner glänzenden Eigenschaften, seiner wahrhaftn Frömmigkeit, seiner großen Herzensgute und Sanstmuth, Bescheidenheit und treuesten Pflichteifers, war Jacob Sittig die geeignetste Persönlichkeit für den Lehrberuf. den» er sich voll und ganz gewidmet hatte, in welchem er auch ganz und gar aufging. Mit väterlicher Liebe schloß er seine Zöglinge in sein treues Herz, blieb ihnen Freund nach ihrem Austritte aus der Schule intfr war ihr Berather auch in ihrem Lebensberufe. Im Jahre 1891 wurde er wider seinen Willen zum Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Strakonitz ernannt. Obwohl mit gediegenem hebräischen Wissen ausgestattet, sträubte er sich doch ganz energisch gegen diese Ernennung, bis er endlich dem allgemeinen Ansturm der ganzen Cultusgemeinde auf sein gutes Herz nachgab und seine bereits eingereichte Resignation zurücknahm. Schon seit einigen Jahren wagen- und leberleidend, trat im Mai l. I. noch eine acute Rippenfellentzündung hinzu, welche ihn derart schwächte, daß er seinem Berufe nicht mehr nachgehen konnte. Samstag Nachts ereilte ihn der unerbittliche Tod in seinem 53. Lebensjahre und bereitete seinem gottgeweihteu, edlen Leben und Wirken ein allzufrühes Ende. Montag Nachmittags um 3 Uhr wurden die sterblichen Reste des theueren Verblichenen vom Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde aus dem Trauerhause zum schwarz drapirten Tempel getragen, woselbst die städtische Feuerwehr und die israelitische Schuljugend unter Führung des nunmehrigen Oberlehrers Herrn Adolf P e r e l e s Aufstellung genommen und sich eine unübersehbare Menschenmenge versammelt hatte. Von den zahlreichen Honoratioren seien blos erwähnt: Se. Hochwürden der Herr Dechant, der Herr Bezirkshauptmann mit vielen Beamten, der Herr Bezirksschulinspector, Bürgerschuldirector und viele Lehrer; Abordnungen von israelitischen Cultusgemeinden und Collegen aus Pisek, Prestitz, Wollin und Horazdiowitz. Nach Absingung eines ergreifenden Chorals trat Se. Ehrwürden Herr Dr. Friedländer aus Pisek an die Bahre, um in meisterhafter Rede die hervorragenden Tugenden des Verblichenen gebührend zu beleuchten. Hierauf sang die israelitische Schuljugend das ergreifende Mendelssohn'sche Lied: „Es ist bestimmt in Gottes Rath". Nachdem die letzten Accorde verklungen waren, ergriff Herr Pereles das Wort, um mit schwungvollen Worten und in wohlgesetzter Rede von seinem in Gott entschlafenen Vorgesetzten, Freunde, Collegen und Bruder mit vor Aufregung vibrirender Stimme Abschied zu nehmen. Nach Beendigung des stimmungsvollen Sulzer'schen Trauerpsalmes durch den stimmbegabten Obercantor Herrn Menkes und seinem wohlgeschulten Chor setzte sich der imposante Zug in Bewegung nach dein eine halbe Stunde entfernten Friedhof, woselbst Herr B e n i s ch, Senior der Chewra-Kadischa, sowohl im Namen dieses heiligen Vereines, dessen Ehrenmitglied der Verblichene war, als auch in Vertretung des abwesenden Cultusvorstehers, Herrn Josef Zucker, im Namen der Cultusgemeinde schlichte, aber zu Herzen dringende Worte des Lobes, der Anerkennung und des Abschiedes ins offene Grab zu rufen. Zum chlusse nahm ein gewesener Schüler — Herr Josef Stein — im Namen Aller rührenden Abschied vom geliebten Lehrer, dessen Andenken gesegnet bleiben wird. Holleschau» 5. October. Aus Anlaß des Allerhöchsten Namensfestes fand auch diesmal in der hierortigen deutschen Volksschule eine Feier statt, deren Verlauf ein überaus würdiger und erhebender war. Derselben wohnten bei: der Herr k. k. Bezirkshauptmann W a ch a, Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. F r e i m a n n sammt Frau Gemalin, die Mitglieder des Qrtsschulrathes mit dem Obmann Herrn Carl Beer an der Spitze, der Cultusvorsteher Herr Dr. Auspitz und viele andere Gäste. Zum Vortrage gelangten in patriotischem Geiste gehaltene Gedichte und Lieder, welche von den Kindern so gut ausgeführt wurden, daß der Herr Bezirkshauptmann nach jeder Nummer seiner Anerkennung Ausdruck gab. Zum Schlüsse hielt der Herr Oberlehrer Sigmund H ö n i g eine tief empfundene und erhebende Ansprache, in welcher er die Bedeutung dieses Festes hervorhob, an den Empfang Seiner Majestät am hiesigen Bahnhofe erinnerte und die Kinder in beredten Worten ermahnte, der Fürsorge und Leutseligkeit des Kaisers eingedenk zu sein; er gab der Erwartung Ausdruck, daß/ die unserer Schule auvertraute Jugend heranwachse zu tüchtigen Staatsbürgern. Sodann sprach der Herr Bezirkshauptmann dem Herrn Oberlehrer wie auch den anderen Mitgliedern des Lehrkörpers für die Veranstaltung dieser gelungenen Feier seinen Dank aus und betonte hiebei, daß ihm diese Stunde recht viel Genuß geboten habe. Bodenbach. Vor Schlußdes alten Jahres traf unsere Gemeinde unerwarteter Weise ein schwerer Verlust. Unserem allverehrten Cultusvorsteher, Herrn Knopffabrikauten Adolf Pächter, wurde seine Gattin Adele, geborene Hirsch, im 27. Lebensjahre und im sechsten Jahre einer überaus glücklichen Ehe, nach dreitägigem Krankenlager, von dem munerbittlichen Tode entrissen. Die Dahingeschiedene vereinigte in sich alle Eigenschaften einer trefflichen Gattin, hingebungsvollen Mutter, einer treuen Auhängerin unserer heiligen Religion. Die Theilnahme an dem Unglück unseres verdienten Herrn Vorstehers war eine allgemeine und aufrichtige und gab sich an den beiden Festtagen in der äußerst gedrückten Stimmung, welche die ganze Gemeinde beherrschte, auch äußerlich kund. Vor kaum 6 Monaten hat ihn der Tod seines Schwiegervaters, dem er in Liebe und Pietät zugethan gewesen, beraubt und nun scheint ein tragisches Geschick ihn demselben als beklagenswerthe Parallele zur Seite stellen zu wollen; denn auch der verstorbene Schwiegervater, Herr Hirsch, hatte das Ableben zweier jüngerer Gattinnen zu betrauern. Am zweiten Neujahrstage fand unter großer Theilnahme aller im Orte vertretenen Confessionen, unter massenhafter Betheiligung der Bevölkerung und Arbeiterschaft die Beisetzung der sterblichen Ueberreste in der Familiengruft statt. Von auswärts waren Abordnungen der Cultusgemeinden, sowie der Bnai- Brith-Logen aus Wien, Prag, Brüx, Teplitz, Aussig re. erschienen. Das Andenken der trefflichen Frau wird in den Herzen Aller, die sie kannten, ein bleibendes sein. Nürnberg. Herr Lazarus Schwarz, der vor Kurzem in Wildbad starb, hat für wohlthätige Anstalten große Summen hinterlassen. So spendete er 400.000 Mark zur Errichtung eines Asyls für altersschwache Juden und 124.000 Mark der jüdischen Gemeinde. Paris. Der Beamte im Ministerium des Innern Mr. H e n d l e ist zum General-Secretär der Präfectur von Calvados ernannt worden. Paris: Mr. Albert Levi Alvarös, Ingenieur und General-Secretär der Madrid-Saragossa- und Alicante-Eisenbahn, ist in Versailles gestorben. Er war der Bruder des Generals Alvares. London. Der Sohn Lord Rothschild's, Walter Rothschild, hat vergangenen Sonntag die neue South-Hackney -Synagoge eröffnet. Der Chief-Rabbi hielt die Festrede. Vor Beginn des Gottesdienstes überreichte Mr. Herbert B e n t w i ch im Namen des Comites, deffen Präsident Walter Rothschild war, diesem einen goldenen Schlüssel, mit welchem das Thor der Synagoge geöffnet wurde. Mit dem Gebete für die königliche Familie und Absingung der Psalmen schloß die erhebende Feier.

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