Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 41 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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mmamm Nr. 41 Vr Bloch'» WochenkchrM. Sette 831 ziele der Zionisten, vielmehr als den Ausdruck der innersten Herzenswünsche der gesammten Judenschaft und ihrer Hoffnungen darzustellen gewagt haben. Im Einklang mit vielfachen, aus der Mitte unserer Vereinigung wie auch aus den ihr zur Zeit noch fernstehenden Kreisen unserer Glaubensgenossen uns zugegangenen Meinungsäußerungen fühlen wir uns berufen und verpflichtet, den auf dem Zionistencongreß wiederholt hervorgetretenen Versuchen, auch den Deutschen israelitischen Glaubens die nationale Gemeinschaft mit ihren christlichen Mitbürgern abzuerkennen, in aller Entschiedenheit entgegenzntreten." Laurahütte (Oberschlesien), 29. September. Mit dem Bau der Synagoge soll im kommenden Frühjahre an der projectirten Richter-Schachtstraße begonnen werden. Ein Schulhaus nebst Lehrerwohnungen beabsichtigt die israelitische Gemeinde auf demselben Terrain gleichfalls zu errichten. Auch die umfangreichen baulichen Veränderungen, welche in den letzten Wochen in dem Synagogengebäude in K a t t o w i tz vorgenommeu wurden, sind in den letzten Tagen beendet worden, so daß der Gottesdienst während der hohen Festtage wieder in der \ Synagoge ab geh alten werden konnte. Das Synagogengebäude ist auch mit einer elektrischen Beleuchtungsanlage versehen worden, welche an die städtische Beleuchtungsanlage angeschlossen wird. London. Am 29. September fand wie alljährlich die Wahl des Lord-Mayors statt. Bei dieser Gelegenheit erstatteten die Wahlmänner dem ausscheidenden Lord-Mayor Sir Faudel Philipps den Dank der City für die ausgezeichnete Art und Weise, in der er sein Amt gerade in diesem durch mancherlei Verhältnisse sich besonders schwierig gestalteten Jahre verwaltet hat. Einmal durch das Diamantjubiläum der Königin Victoria, dann durch Krankheit und Hungersnoth in Indien wurden besonders große Anforderungen an die Thatkraft und Geschicklichkeit des Lord-Mayors gestellt. Es ist ein ehrendes Zeugniß für die Fähigkeiten Philipps', wenn ihm seitens der Aldermen attestirt wurde, daß er sowohl die ungemein schwierigen Repräsentationspflichten gelegentlich des Jubiläums zur allgemeinen Befriedigung erfüllt habe, als auch durch seine Thatkraft den indischen Hilfsfond zu einer für derartige Unternehmungen bisher unbekannten Höhe gesteigert habe. London. Gelegentlich der hohen Feiertage fand auch hier eine Reihe von Gottesdiensten statt, welche in für diesen Fall gemietheten Sälen veranstaltet waren. Der größte für diesen Zweck in Anspruch genommene Saal ist die Great Assembly Hall in West-End Road, welcher 5009 Personen faßt. Marokko. In der Nabe der Stadt Marokko ist abermals ein Jude ermordet gefunden worden. Es handelt sich diesmal um einen Jerusalemer, welcher als Sendbote zum Zwecke einer Sammlung von Geldern nach Marokko gekommen war. Warschau. (E r m o r d u ng eines K a u fm a nnes.) Ueber die Ermordung des Kaufmannes Schapirain Kielmy wird aus K o w n o gemeldet: Kaufmann Samuel S ch a p i r a, der als der Krösus des Bezirkes Kowno galt, fuhr vorgestern nach Kielniy, wo er in einem Finanzinstitute einen größeren Betrag eincassirte und sodann in einem Privathause übernachtete. Während des Schlafes wurde er von neun vermummten Männern überfallen und von einem derselben durch einen Revolverschuß getödtet. Dank den eifrigen Nachforschungen gelang es der Sicherheitsbehörde, die Missethäter, welche die Habseligkeiten und Kostbarkeiten des ermordeten Kaufmannes unter sich vertheilt hatten, festzunehmen. Die verhafteten Verbrecher gestanden, daß sie einer Räuberbande, die seit Jahren das Gouvernement Wilna unsicher machten, angehören. Die Räuberbande unternahm auch Raubanfälle in den Eisenbahnwaggons. Amersfoort (Holland). Herr N. Visier wurde einstimmig zum Vicebürgermeister gewählt, erklärte aber, auf die Ehre verzichten zu müssen, weil der Stadtrath seine Sitzungen am Samstag abhalte. Um es Herrn V i s s e r zu ermöglichen, dies Amt doch anzunehmen, bestimmte der Stadtrath, daß künftighin die Sitzungen am Montag stattzufinden haben. Rom. Es heißt, daß in allernächster Zeit Graj Hierschel de Minerbi, der gegenwärtig Secretär der italienischen Botschaft in London ist, zum Gesandten in Mexico ernannt werden wird. Ein anderer Glaubensgenosse, Signor Polacco, ist Secretär der italienischen Botschaft in Paris. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 10. October Mittags halb 12 Uhr, findet im israelitischen Tempel,' VI., Schmalzhofgasse 3, die Trauung von Fräulein Bertha Ruzicka, Tochter des Herrn Adolf Ruzicka, mit Herrn I. U. Dr. Wilhelm Graf statt. Wien. (Vermählung.) Donnerstag am 7. October fand die Vermählung von Herrn H e i n r i ch B o n d y mit Fräulein Minna Bolkmann statt. Wien. Der Unterricht an der Cantoreu-Bildungsanstalt des Obercantors Bauer, Redacteur der „Oesterreichischungarischen Cantoren-Zeitung", Wien. II.,. Novaragasfe 27, beginnt am 25. October a. c. Anmeldungen sind an die Leitung der Anstalt rechtzeitig zu senden. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a".) Sonntag den 10. d. M. findet nach Ablauf der Ferien der erste Bortragsnachmittag im Wintersemester 1897—98 statt, zu dem Gäste (Damen) herzlich willkommen sind. Ort: Vereinslocal l., Schottenring Nr. 23. Zeit: 3 Uhr Nachmittags. Wien. In Folge des Inserates „Große Noth" über eine in den erbärmlichsten Verhältnissen lebende kränkliche blinde Witwe mit vier unmündigen Kindern, die dem Hungertode beinahe preisgegeben ist, sind uns von Herrn Jgn. Holzer, Wien, fl. 2; Abonnent Mödling, fl. 2; Anna Pick, Dornbach, fl. 2; Adolf Grünbaunk, Karlsbad, fl. 2; Theresia Feitl, Wien, fl. 1 zugekommen, welche wir ihrer Bestimmung zuführlen. Wien. (S p e n d e.) Für das Spital in Jerusalem erhielten wir von F. B. fl. 2. E. B. Wien. (Fünfundzwanzigjähriges B er u f s j u b i l ä n m.) Das am 5. d. M. stattgefundene fünfundzwanzigjührige Jubiläum des Herrn Ignaz G r ü n w a l d, Procuristen der Großindustriellen-Firma M. und I. Mandl in Wien und Proßnitz, gestaltete sich für den Jubilar zu einer ehrenden, schmeichelhaften Ovation. Die sämmtlichen Chefs und Collegen aus Wien und Proßnitz erschienen persönlich zur Beglückwünschung und gaben ihren Sympathien durch sinnige Souvenirs sprechenden Ausdruck. An Hunderten telegraphischer und brieflichere Gratulationen liefen ein und gaben Zeugniß von der Werthschätzung, welche der Jubilar in den verschiedensten Kreisen besitzt. Mährisch.Weiftkirchen. Am 21. Elul starb im Alter von 76 Jahren der Rabbinatsasfessor Hermann Reiniger, der zweite Sohn des vor 40 Jahren verstorbenen hiesigen Rabbiners Jesaias Reiniger. Nicht nur die Gemeinde, sondern die gesammte mährische Judenschaft erleidet dadurch einen schweren Verlust, da in unserer Zeit Niemand vorhanden ist, die klaffende Lücke auszufüllen. Der Dahingeschiedene, ein Schüler seines Vaters sowie des Rabbiners Salomon Quetsch in Leipnik und des Rabbiners Juda O s s a r d, war eine Erscheinung, wie sie die alten Juden als „wahre Schüler Hillel's" bezeichneten, ein Mann von immensem talmudischen Wissen, von unglaublicher Bedürfnißlosigkeit und Bescheidenheit, von geradezu asketischer Frömmigkeit und Friedfertigkeit, von beispiellosem Fleiß und Eifer im Thorastudium, dem er trotz der schweren Leiden, die ihn seit mehr als einem Jahre heimsuchten, sozusagen bis zum letzten Augenblicke oblag. Am Nachmittage vor seinem Heimgange setzte er seine Grabschrift auf und bezeichnet die Stelle, an welcher er begraben sein wolle. Der Verehrung und dem Wunsche der Gemeinde entsprechend wurden dem Verstorbenen besondere Ehren erwiesen. Es wurde Schofar geblasen und die Leiche in die Synagoge getragen. Die ganze Gemeinde nahm am Leichenbegängnisse theil und war vom ausgezeichneten "ison ergriffen, in dem der ehrwürdige Rabbiner Herr Dr. Rabbinowicz den Verblichenen charakterisirte und auch des Vaters desselben gedachte. Der Verblichene hinterläßt eine Wittwe, 3 Söhne und 1 Tochter. Schaff« (Bezirk Znaim), 4. October. (Todesfall.) Der pensionirte Oberlehrer Wilhelm A l l i n a wurde jüngst im Alter von 56 Jahren in ein besseres Jenseits abberufen. Derselbe wirkte anfänglich an Privatschulen zu Wien und Göding und am Taubstummeninstitute zu Wien unter der Leitung des ehemaligen Directors Joel Deutsch. 1869 wurde