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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-08 · 41 (8.10.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 836 Vr. Nloch's WvchrnlchriN 'j - ■ ■ r|-; > i :> Nr 41 Mit Befriedigung können die hiesigen Israeliten auf ihr schönes Gotteshaus blicken, da es sich nicht nur als Heimstätte für Religionsübungen sehr würdig repräsentirt, sondern auch als Zierde der Stadt angesehen werden kann. Großer Dank und Anerkennung gebührt dem derzeitigen Vereinsobmann Herrn Josef Winkler, da es nur seinem unermüdlichen Eifer und seiner Opferwilligkeit zuzuschreiben ist, daß das Werk so schnell und überhaupt ausgeführt wurde. Desgleichen gebührt dem Tempelbaucomitä, insbesondere dem Comitäobmann Herrn Heinrich R e i ch s f e l d für die große Mühewaltung Dank und Anerkennung; Letzterem noch aus dem Grunde, weil n u r er als Schöpfer des Projectes, in Groß- Enzersdorf ein e-n israelitischen Tempel zu erbauen, betrachtet werden muß. Erwähnenswerth ist noch, daß auch Herr Leopold R o s e n b a u m in seiner Eigenschaft als Beirath wacker das Gelingen des.Unternehmens mitförderu half. Den Intentionen des Minjan-Vereines gemäß findet die feierliche Schlußsteinlegung dieses Gotteshauses im Jubiläumsjahre 1898 statt. Cffeg. Zu unserem vorwöchentlichen Berichte über die Installation des Oberrabbiners Dr. Armand K a m i n k a haben wir noch eine kurze Mittheilung über den glänzenden Verlauf des Banketts nachzutragen. Dasselbe wurde mit einem Toaste des Obergespans von Chavrak auf den König eröffnet, worauf Herr Vorsteher Dr. Spitzer ein Hoch auf den Banus Grafen Khuen-Hederväry ausbrachte. Die wichtigste und gediegenste Tischrede hielt Herr Handelskammerpräsident Julius Mi sk o l c z y auf den neuen Oberrabbiner, Landespräsident Vaso G Y u g y v i c s beglückwünschte Gemeinde und Land in geistreicher Weise zu der neuen Acquisition, worauf Herr Oberrabbiner Kaminka tief bewegt dankte und auf das friedliche Zusammenleben aller Bürgerkreise trank. Budapest. Die israelitische Landes-Lehrerpräparandie in Budapest begeht am 31. October d. I. den 40jährigen Bestand desselben, für welchen Tag große Feierlichkeiten vorbereitet werden. Gleichzeitig wird auch das Jubiläum des Professors Ludwig M e n d l stattfinden, welcher seit dem Bestehen der Landes-Lehrerpräparandie mit hingebungsvollem Eifer und Fleiße 40 Jahre hindurch unterrichtet. Au der Feier dieses Musterinstitutes, das erste im Lande, werden sich nicht nur die neologen, sondern auch die orthodoxen Gemeinden betheiligen und wird diese Feier für die Judenschaft in Ungarn ein Landesfest sein. Der jetzige Director des Institutes ist Herr Dr. Josef B a n o c z i, Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaften,, ein hervorragender Gelehrter, im In- und Auslande allgemein bekannt. G. Rumburg, 29. September. Laut Erlasses des hohen k. k. Landesschulrathes vom 19. September 1897, Zahl 28677, hat Seine Excellenz der Herr Statthalter die in der Sitzung des k. k. Bezirksschulrathes in Rumburg vom 11. August 1897 erfolgte Wahl des Herrn Ignaz Popper, Rabbiner in Rumburg, als Beirath des israelitischen Glaubensbekenntnisses im Bezirksschulrathe genehmigt. Olmütz. Wir lesen im „Mährischen Tagblatt": (Präsentirung der Recruten mosaischer Konfession.) Das k. und k. Corpscommando hat mit Rücksicht darauf, daß aus den 6. October l. I. ein israelitischer Feiertag (Bersöhnungsta^) fällt, bewilligt, daß die Recruten mosaischer Confeffion Heuer erst am 7. October präsentirt werden. Auspitz. Am gestrigeu Tage verließ der hiesige Volksschul- und Religionslehrer Sigmund L ö w y, nachdem er hier durch zwanzig Jahre in segensreicher Weise gewirkt hatte, unsere Stadt. Er begab sich nach Mißlitz, wohin er in seiner Eigenschaft als Oberlehrer an die dortige israelitische Volksschule berufen wurde. Der gesammte Lehrkörper der hiesigen Volks- und Bürgerschule und ein großer Theil der Schuljugend fand sich auf dem Bahnhofe ein, um von dem geliebten Collegen und Lehrer Abschied zu nehmen. Die zahlreichen Blumensträuße, die dem Hochverehrten überreicht wurden, die Thränen, die in Aller Augen standen, sowie das herzliche „Lebewohl", das ihm aus so vielen Kehlen entgegengerufen wurde, zeugten von der. großen Liebe und Verehrung, deren sich der Genannte hier erfreute. Als der Zug den trefflichen Mann hinwegführte, hatten Alle das Gefühl, daß die Stadt einen guten Bürger, die Schüler und Schülerinnen einen ausgezeichneten Lehrer, die Lehrer einen lieben Collegen, wir aber einen edlen Freund verloren haben. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise viel Glück und Freude finden! Temcsvar. (Tragischer Todesfall.) Durch das plötzliche Ableben des befugten Lloyd-Agenten Abraham A lk a l a y ward man an ein wahrhaft tragisches Moment er» innert, welches bei den Todesfällen in der Familie des Verblichenen nun schon zum dritten Male erscheint. Es ist eine eigenthümliche Fügung des Schicksals, daß sowohl der Vater, als auch der Schwager des so plötzlich verstorbenen Alkalay am Tage des jüdischen Neujahrsfestes verschieden und daß auch der Verstorbene, nachdem er tagsüber die Ehienfunction eines Vorbeters im sephardischen Cu ltu Stempel versehen, noch vor dem Ausgange des Neujahrstages entschlafen mußte. Alkalay, der seit dem Jahre 1881 befugter Agent der hiesigen Llovd-Gesellschaft war, erfreute sich nicht nur in kaufmännischen, sondern auch in weiteren Kreisen der hiesigen Gesellschaft einer großen Beliebtheit, die durch seinen Biedersinn, sein gefälliges Benehmen und eine gewisse natürliche, humoristische Ader, die er besaß, hervorgerufen wurde. Er entstammte einer seit langer Zeit hier ansäßigen sephardischen Famile: sein Vater war Cantor der hiesigen sephardischen Gemeinde, als dieselbe noch in ihrer Blüthezeit stand. An seiner Bahre trauern seine Gattin geborene B e r o n und seine Tochter Regina, die an den Secretär der „Riunione" Herrn Rosenwald verheiratet ist. Berlin, 26. September. In einem Artikel „Strebsamer Nachwuchs" schreibt eine süd-deutsche Tageszeitung folgende leider nur allzuwahre Sätze: „Die jungen Leute von heute, welche durch äußeres Gethue, durch Formencultus und gespreiztes Wesen ihre Zugehörigkeit zur „feinen Welt" beweisen wollen, haben auch die antisemitische Bewegung als Modesache mitgemacht. Und nicht blos der Mode wegen. Es ist ihnen nicht verborgen geblieben, daß in den Gesellschaftsschichten, die für sie den Gipfelpunkt aller Vornehmheit bilden, die Juden eine Heimstätte nicht erhalten haben. Es genügt für sie die Thatsache, daß die Armee keine activen Officiere jüdischen Bekenntnisses aufweist, um die Judenhetze oder die möglichst deutliche Nichtachtung der Juden ihnen als eine sehr „schneidige" Sache erscheinen zu lassen. Der Jude gilt ihnen nach wie vor als der Paria der Gesellschaft. Und dieser Geistesrichtung, diesen: Treiben der Streber, das einen Uesen Niedergang des inneren Werthes des nationalen Lebens anzeigt, erwächst neuerdings eine Hilfe auf einer Seite, vor: der sie am allerwenigsten sollte erwartet werden dürfen. Der große Reiz, dem eine wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zur feinsten Sahne der Gesellschaft auf die jungen Streber an sich ausübt, wirkt in verstärktem Maße auf einen Theil der studirten jungen Leute jüdischen Glaubens. Sie übersehen vollständig, daß ihnen ihre jüdische Abstammung von den vornehmen Mitstreblingen ja doch nie vergeben wird, und daß gerade sie sich doppelt und dreifach lächerlich machen, wenn sie ihre gesellschaftlichen Talente darin erschöpfen, es den „feudalen" Herren glücklich abzugucken, wie sie sich räuspern und wie sie spucken. Das Neueste auf diesem Gebiete ist eine merkwürdige Art der Armverrcnkung, die ein Handreichen nach berühmten Mustern darstellen soll. Es ist eine Kleinigkeit, aber es ist überaus bezeichnend. Wenn da der eine oder andere Jüngling von unverkennbarer Echtheit orientalischer Eigenschaften aus Nützlichkeitsgründen sich der Taufe unterzogen hat und nun glaubt, den antisemitischen Urdeutschen in serviler Gesinnung, womöglich noch um einige Pferdelängen vorauseilen zu sollen, so wird damit doch weiter nichts erreicht, als die Bestätigung der Nothwendigkeit, Ueberläufer mit einem geringen Maße der Achtung zu behandeln, und dieses Mindermaß der Achtung,» das von der vollsten Nichtachtung nicht gar weit entfernt ist, treffen diese Ueberläufer zuerst auf Seiten ihrer neuen Bundesbrüder an, für die der neu evangelisirte Herr Reservelieuteuant oder Referendar, dessen Bater ein ehrsamer jüdischer Kaufmann ist oder war, doch „der I u d e" bleibt, trotz alledem und alledem. Diese faden, eitlen Gecken, die gerade das jüdische Ueberläuferthum in reicher Zahl vorweist, sie bilden eine Spielart der Streblinge, die der Eulturgeschichtsschreiber umso weniger übersehen wird, da wir hier erst in den Anfängen einer Zeiterscheinung stehen, die bei einer längeren Dauer des gegenwärtigen Zustandes unseres öffentlichen Lebens uns noch mancherlei des Interessanten darbieten dürste." Ans Baden, 21. September. Die officiellen „Nachrichten der Bereinigung badischer Israeliten" bringen eine Erklärung gegen den Zionismus, folgenden Inhalts: „In der Zeit seit der Ausgabe der letzten und der heute vorliegenden Nummer der „Nachrichten" hat in Basel ein Zioniftencongreß getagt. Wir hätten kaum Anlaß, uns mit den höchst seltsamen Ergebnissen des Congresses zu beschäftigen, wenn dessen Wortführer sich darauf beschränkt hätten, ihre persönlichen Anschauungen und die der Anhänger der Zionisten-„Bewegung" zum Ausdruck zu bringen. Die in Basel versammelt gewesenen Herren sind aber über die ihren Berechtigungen naturgemäß gezogenen Grenzen hinausgegangen, indem sie ihre Bestrebungen nicht als Sonder-

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