Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 41 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Seite 929 Vr. Vloch's Vochrnfttzrift. Unter besonders schwierigen Verhältnissen haben Sie mit > Hintansetzung Ihrer Gesundheit Ihre Kräfte der Gemeinde gewidmet und insbesondere die Ordnung der Finanzlage derselben mit Umsicht und Energie kräftig angebahnt. So ist es erklärlich, daß wir den regsten Antheil an allen Vorkommnissen nehmen, die Ihre hochgeschätzte Person betreffen, und wir gerne den gegebenen Anlaß benützen, um die besten warmgefühlten Wünsche für Sie und Ihr Wohlbefinden zum Ausdrucke zu bringen. Wir bitten Sie nach wie vor, Ihre Sympathien unserer Gemeinde zu bewahren und versichern Sie unserer unbegrenzten Werthschätzung und Hochachtung. Wien, am 1. October 1897. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde: Dr. Theodor Lieben m. p., H. Klinger m. p., Secretär. Präsident. Wien. (Kaiserfest des „Ferienhei m".) Wie alljährlich veranstaltete der Verein „Ferienheim" auch Heuer am 4. October anläßlich des Namensfestes unseres Kaisers ein Kinderfest im Ballsaale Ronacher. Es waren alle Kinder gekommen, 380 an der Zahl, welche in den großen Colonien in R o s s i tz, S ch a t t m a n n s d o r f und Petra u, sowie kleinere Gruppen, die in Bad Hall, Jodbad Darkau und in Baden untergebracht waren. Die blühenden Gesichter der Kleinen und deren Nettigkeit und Strammheit zeugten für die günstige Wirkung des genossenen Ferialaufenthaltes. Die Vorträge der Kinder (Declamation und Gesang) machten besten Eindruck, ganz besonders gefielen die militärischen Exercitien der Knaben, welche in exacter Weise ausgeführt wurden, und als zum Schluß die Volkshymne von Hunderten Kinderftimmen erschallte, herrschte im. ganzen Auditorium feierlich gehobene Stimmung. Die Festjause bildete den Abschluß des schönen Abends, dem die Anwesenheit des S t a d t c o m m a n d a nt e n FML. Ritter v. Engel und der Bezirksausschüsse Herren Picker, Dr. Hein, Riedel, W a l d st e i n und vieler anderer Honoratioren ein besonderes Lustre verlieh. E. B. Bielitz. Die Leitung der fünsclassigen israelitischen Volksschule hier erstattet anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Bestandes dieser Unterrichtsanstalt einen eingehenden, mit Fleiß und Umsicht erstatteten Bericht. Demselben ist mit hoher Befriedigung zu entnehmen, daß sich der Besuch von durchschnittlich 319 Schülern in der ersten Decade auf 321 im letzten Schuljahre gehoben hat, was als ein sprechender Beweis des Vertrauens der Gemein de Mitglieder in die Schule und ihre Lehrer zu-betrachten ist, welch Letztere anch ihrerseits Alles aufbieten, sich dieses Vertrauens würdig zu erweisen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die verhältnißmäßig reiche Ausstattung der Lehrer- und Schülerbibliothek und der Lehrmittel. Wir wünschen der Anstalt nach wie vor eine gleiche Prosperität und dem Lehrkörper für seine ersprießliche Thätigkeit und Wirksamkeit den verdienten Lohn und den gebührenden Dank. Krakau, 4. October. Das Cultusministerium hat an die hiesige Cultusgemeinde einen Erlaß gerichtet, der für die weitere Entwicklung der österreichischen Cultusgemeinden von großer Tragweite ist. Wie bekannt, gehört die Krakauer Cultusgemeinde zu jenen wenigen Gemeinden Galiziens, die die Schlachtgebühr vom Fleische auf Grund der Bewilligung des Ministeriums einhebt. Nebstdem deckt eine Domefticalfteuer die Bedürfnisse der Gemeinde. Der erwähnte Erlaß bewilligt nun die weitere Einhebung der Schlachtgebühr, beauftragt jedoch die Cultusrepräsentanz, die Domesticalsteuer noch weiter, womöglich auf sämmtliche israelitische Bürger auszudehnen, um einmal die Schlachtgebühr aufheben zu können. Der hiesige Cultusvorstand wird neuerlich eine Vorstellung wegen Aufhebung der drückenden Domesticalsteuer überreichen, um von dieser Steuer die Bevölkerung zu befteien. Es wäre von Tragweite, wenn sich auch andere Cultusgemeinden diesem Schritte anschließen würden. Das Präsidium der hiesigen Cultusgemeinde wurde vor einigen Tagen vom hiesigen Corpscommandanten Sr. Excellenz FML. v. Albori in Audienz empfangen und trug demselben die Bitte wegen Dienstbefreiung der israelitischen Soldaten vom Dienste für den Versöhnungstag vor. Se. Excellenz v. A l b o r i versicherte, daß er die religiösen Gefühle Andersgläubiger schone und daß er womöglich diesem Wunsche Rechnung tragen werde. Rzeszow. Anläßlich der letzten bedauerlichen Vorfälle drückte der hiesige Cultusvorstand dem Ministerpräsidenten Sr. Excellenz dem Grafen B a d e n i die tiefste Ergebenheit aus. Hierauf erhielt der Cultusvorstand im Drahtwege folgende Antwort: „Kaiserlicher Rath Holzer, Rzeszow." Meinen verbindlichsten Dank B a d e n i. Gestern ist hier die erste Nummer des „Glos Rzeszowskie" erschienen, ein antisemitisches Blatt ü la „Glos Narodu", voll Haß und Zorn gegen Juden und Judenthum. Leider soll der Financier dieses Blattes ein Jude Namens Dr. Samuel Reich sein, traurig aber doch wahr! Damboritz. Am 19. September 1897 fand die feierliche Einweihung des vollständig renovirten Tempels in unserer Cultusgemeinde statt. Um 2 Uhr Nachmittags bewegte sich ein imposanter Zug vom Hause des Herrn Cul'tusvorstehers Moriz Huber in den Tempel. Voran ging die Schuljugend unter Führung des Schulleiters, dann folgten die erwachsenen Mädchen und die Frauen. Ihnen schloß sich eine Musikcapelle an, an welche sich die Ehrengäste, die Vertretung der Stadtgemeinde, der Gemeindearzt, der fürstlich Liechtenstein'sche Revierförster reihten. Hierauf folgte unter einem Baldachin Seine Ehrwürden der Herr Rabbiner und der Cultusausschuß, jeder eine Thorarolle tragend. Den Schluß bildeten die von der ganzen Umgebung herbeigekommenen Glaubensgenossen. Bor der Thüre des Tempels überreichte ein Schulmädchen dem Herrn Vorsteher mit einer kurzen Ansprache den goldenen Schlüssel. Beim Eintritt in den Tempel sang der Cantor den 24. Psalm, worauf die Thorarollen in die Bundeslade gestellt wurden. Hierauf entzündete Herr Rabbiner Samuel Hahn das ewige Licht mit einer kurzen Ansprache. Dann hielt Se. Ehrwnrden die Festrede. Mit bewegten Worten dankte er dem Cültusausschusse, welcher mit anerkennenswerther Muuificenz die Mittel zur Herstellung des prächtigen Gotteshauses bewilligte, und pries mit begeisterten Worten die Herrschertugenden unseres erhabenen Monarchen, insbesondere aber die väterliche Liebe, mit welcher er alle seine Unterthanen umfängt. Tie Rede, welche einen mächtigen Eindruck ans alle Anwesenden machte, schloß mit dem Gebete für Seine Majestät den Kaiser und das Allerhöchste Kaiserhaus vor offener Bundeslade, woraus die Schuljugend ^>ie Volkshymne intonirte. Hieraus sang der Cantor ebenfalls bei offener Bundeslade einen Psalm. Den Schluß der erhebenden Feier bildete das Absingen der Psalmen Cap. 84 und 100. Wir schließen den Bericht, indem wir nochmals dem Cultusavsschusse den Dank der ganzen Gemeinde für die Herstellung dieses würdigen Gotteshauses anssprechen und die Namen Derjenigen veröffentlichen, welche sich besonders während des Baues durch ihre rastlose Beaufsichtigung verdient gemacht haben. Es sind dies: die Herren Moriz Huber, Cultusvorsteher, Jacob K o l l e k, I. Rath und Moriz Z a i t s ch e k, Ausschuß- Mitglied. Der Bau wurde ausgeführt von Herrn Ottokar Z a p l e t a l, Baumeister in Butschowitz, die prächtige Malerei von Johann S ch i f t a r z, Decorationsmaler in Mährisch- Schönberg. Grotz-Enzersdorf. (Einweihung des u euer b a u t e n israelitischen Tempels.) Dienstag beit 26. v. M., am Vorabend des israelitischen Neujahrsfestes wurde der hiesige israelitische Tempel rituell eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Zu diesem Zwecke versammelten sich sämmtliche hier und in naher Umgebung wohnhaften Israeliten um halb 6 Uhr Abends in dem im Wohngebäude befindlichen Sitzungssaale, von wo im feierlichen Zuge die reichgeschmückten Thorarollen nach dem neuen Tempelgebäude übertragen wurden. In dem Tempel angelangt, trug der Cantor Herr S. Eigner mit klangvoller Stimme die vorgeschriebenen Psalmen und Gesänge vor. Nach dem Umzuge mit den Thorarollen um den Almemor wurden dieselben in die heilige Lade eingesetzt und bei noch offener Lade das Gebet für den Landesvater verrichtet. Hierauf wurde das ewige Licht durch Herrn Moriz Mandl angezündet, welcher auch den Segensspruch mit lauter Stimme vortrug. Die Bundeslade wurde sodann geschlossen und die Abendandacht in feierlicher Weise und weihevoller Stimmung verrichtet. Das Werk, dessen Vollführung so sehr angezweifelt wurde, ist nun, dank der Energie und Opferwilligkeit einer kleinen Schaar wackerer Personen, vollbracht und auch als vorzüglich gelungen zu betrachten.