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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-08 · 41 (8.10.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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©eiu 826 Vr. Kwm» MmtzrnptzrM- Nr. 41 Zession, ebenso wenig hat das Judenthum Ursache, sich -aus diesem Lande wegzuwünschen und in irgend ein anderes hineinzuträumen. Es ist nicht wahr, daß das Judenthum jemals etwas Anderes verlangt hat, als die volle Gleichberechtigung. Diese hat es in Ungarn erreicht. Mit welchem Rechte und zu welchem Zwecke sollte es sich anderswohin sehnen? Alles zu leisten, was sür Ungarns Blüthe nur möglich ist, um in den Stunden der Noth und Gefahr, die keinem Lande erspart bleiben, den Beweis zu erbringen, daß der jüdische Ungar ein echter Zionssohn ist, der sür die Ehre und den Ruhm des jüdischen Namens zu leben und zu sterben weiß, das ist ungarischer Zionismus, und von einem anderen kann in politischem Sinne in Ungarn absolut keine Rede sein. Aber eine andere Consequenz ist allerdings aus dem Zionismus zu ziehen. Ueberall, wo der Mensch sich niederlassen, sich behaglich und heimisch fühlen will, muß er sich vor Allem häuslich einrichten. Leider hat dies die ungarische Judenschaft noch immer nicht gethan. Es gibt wohl viele blühende Gemeinden in unserem schönen Vaterlande, aber es gibt keine ungarische Judenheit, es fehlt den Juden die einheitliche Organisation wie die übrigen Confessionen sie besitzen. Mit dieser geistvollen Wendung hat Dr. Kohn auch sür Ungarn die Consistorialidee des mährischen Landesrabbiuers auf die Tagesordnung gesetzt, jenen Zukunftsgedanken, den wir letzthin zur Discussion gestellt haben. Es war ein Tiefblick des besten Pester Redners, in dem Zionismus als Triebkraft das Gefühl der mangelnden Organisation hervorzuheben. So ist es. Selbst unter den unvernünftigen Thieren regt sich der Drang, sich aneinander zu stützen, sich näher aneinander zu stellen, zusammen zu stehen und zu einander zu stehen, wenn die Wüste vom Hungerschrei des Raubthieres erschauert oder der Raubvogel sich aus den Höhen herabsenkt. Wir wissen alle ganz genau, daß unsere bloße Existenz unsere Feinde zur Verfolgung reizt, wir wollen gut oder schlecht, geduldig oder ungeduldig, arm oder reich sein. Das Lamm ist es von jeher gewesen, welches dem Wolf das Wasser getrübt hat. Aber kein Lamm, sondern ein wohl ausgewachsener Schafskopf gehört dazu, um nach allen diesen Erfahrungen jeden Versuch einer Organisation zu Falle zu bringen. Die Gemeinden dürfen sich nicht vereinigen, die Seelsorger sollen sich nicht vereinigen. Was aber wären in gefahrvollen Zeiten die Seelsorger anderes als die Vertreter ihrer Gemeinden, von denen sie doch so sehr abhängen! Man wittert bei uns immer die Gefahr der Hierarchie. Größer vielleicht ist in Wirklichkeit die Gefahr eines unwissenden Laienregimentes. Unser Seelsorger hat bekanntlich keine andere Weihe oder Autorität als die des Wissens. Er ist Sachverständiger in Fragen der Religion und Geschichte des Judenthums. Sollte aus dieser viertausendjährigen Geschichte gar nichts mehr zu lernen sein? Die antihistorische Bewegung des Zionismus scheint das Gegentheil zu beweisen. Es ist ja noch ein großes Glück, daß der Ehrgeiz der führenden Zionisten ein ziemlich vereinzelter geblieben ist. Das Judenthum hat so viele geistvolle Journalisten hervorgebracht, daß, wenn geistsprühende Feuilletons ein Anrecht geben, in seinem Namen zu sprechen, uns in Pest, in London, in Paris, ja in Wien selbst noch eine ganze Menge von.Judenkönigen erstehen könnten, deren jeder uns mit einem anderen Programme beglücken würde. Warum z. B. ein Siebenstundentag im Judenthum? Der wahre Jude möchte am liebsten alle 24 Stunden sür Frau und Kinder arbeiten. U. s. f. Wäre es auch nur als Schiedsgericht für die verschiedenen Prätendenten dieser Art, so sollte doch immerhin irgend eine freiwillig geachtete Sachverständigen-Organisation für Fragen des Judenthums existiren, man nenne sie eine Synode, Consistorium, Congreß oder Sauhedrin. Der Name thut wenig zur Sache, merkwürdigerweise immer viel gegen die Sache. Man könnte ja diese Organisation aus Gutachten beschränken, als Basis für Actionen der Gemeinden. Es ist ein glücklicher Griff des ausgezeichneten Seelenhirten der großen Budapester Gemeinde gewesen, Zionismus und Organisationsdrang als identisch zu erkennen und zu beleuchten. Doch würden wir ein Unrecht gegen den geistvollen und liebenswürdigen Amtsgenossen Dr. Kohn's, den andern weithin in Israel berühmten Oberrabbiner Budapests begehen, wollten wir unerwähnt lassen, daß die herrliche Rede, in welcher Dr. Kayserling die Ehrung berühmter Ungarn durch Standbilder zum Anlaß nahm, um den Juden die Ehrung ihrer Ahnen einznschärfeu, ein ebenbürtiges Meisterwerk gewesen ist. War die Gedankenschärfe der hervorragendste Vorzug der ersten Predigt, so ist die hinreißende gemüthswarme Beredtsamkeit an der letzteren besonders eindrucksvoll gewesen. Uns freilich in Oesterreich geht das Thema Dr. Kohn's so nahe, daß wir im Interesse der Allgemeinheit unsere Aufmerksamkeit demselben gerne vorzugsweise zugewendet haben. Correspondenzen. Wien. Ueber das Jubiläum des General-Secretärs Leinkauf meldet die „Neue Freie Presse": Anläßlich des fünfundzwanzigjährigen Dienstjubiläums des General-Secretärs der Börse für landwirthschaftliche Producte, Eommercialrathes Leinkauf, erschien am 2. October eine Deputation der Mitglieder der Börsekammer in der Wohnung des Jubilars. Vicepräsident Weil beglückwünschte den Jubilar und gab der Freude Ausdruck, denselben nach längerem Unwohlsein so weit hergeftellt zu scheu, um ihm die Wünsche persönlich darbringen zu können. Redner hob hervor, daß die Leistungen Leinkauf's das Maß dessen, was man im Allgemeinen als Pflichterfüllung rühmt, weit überschritten. Die Kammer erfülle durch ihr heutiges Erscheinen keine blos conventionelle Pflicht, sondern ihre Glückwünsche kommen aus der Tiefe des Herzens. Die Worte des Redners fanden lebhafte Zustimmung der Anwesenden. Seitens der Börsekammer wurde dem Jubilar ein Ehrengeschenk zu Theil; von den Mitgliedern der Kammer wurde dem Herrn General-Secretär ein prachtvoller Tafelaufsatz überreicht. Der gleichfalls anwesende Hofrath Josef v. A n o e r L a n hob in Worten der wärmsten Anerkennung die Thätigkeit des Gefeierten hervor, indem er insbesondere bemerkte, daß der General-Secretär ihn in seiner Eigenschaft als Vertreter der Regierung und in seinem Bestreben nach strenger Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften stets bestens unterstützt habe. Die Deputation der Börsenmitglieder überreichte sodann dem Jubilar eine prachtvoll aus gestattete, aus dem Atelier Klein stammende Glückwunschadresse. Als Sprecher fungirte hier Herr Ludwig R o s e n b a ch, der den Gefühlen aller Mitglieder sür den Jubilar Ausdruck gab. General-Secretär Eommercialrath Leinkans sprach allen Erschienenen für die ihm dargebrachten Ovationen, durch die er sich sehr geehrt fühle, seinen wärmsten Dank aus. Unter den Gratulanten befanden sich auch der Präsident der Wiener- Handelskammer, Herr M a u t h n e r, und Kammerrath Vogel in Vertretung des Unterstützungsvereines der Börse für landwirthschaftliche Producte. Der Vorstand der israelitischen Eultusgemeinde überbrachte die Glückwünsche mit folgendem Schreiben: Euer Hochwohlgeboren! Hochgeehrter Herr Eommercialrath! Wie wir soeben vernehmen, begehen Euer Hochwohlgeboren Samstag den 2. October d. I. Ihr fünsundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Ihre zahlreichen Freunde und Verehrer ergreifen diesen Anlaß mit Freuden, um der Sympathie und der Hochachtung für Euer Hochwohlgeboren Ausdruck zu geben. Ihre öffentliche berufliche Thätigkeit hat Ihnen den Dank und die Anerkennung Ihrer Fachgenossen, ja eines ganzen Standes, der Handelswelt, gesichert. Ihre persönlichen Eigenschaften aber und Ihre hervorragende gemeinnützige Thätigkeit haben Ihnen weit über die genannten Kreise hinaus die aufrichtigsten Freunde und Verehrer erworben. Besonder» Dank schuldet Ihrem Wirken die Wiener israelitische Eultusgemeinde, deren Vorstande Sie in hervorragender Stellung durch eine Reihe von Jahren angehörten.

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