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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-08 · 41 (8.10.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Vwrtz'« Mochenptzrifl Seile 827 rückhaltlos ihaeil anschließt. Sie wissen, was fiir Mühlsteine die ungarische Nation an den Croaten und Rumänen um den Hals tragen muß und freuen sich des redlichen Strebens der Inden nach Assimilation. Die Deutschen Cisleithaniens, welche mit ihren 13 Millionen viel leichter herrschen könnten als die Magyaren mit ihren 6'/, Millionen, befehden einander gegenseitig und ihre Jahrhunderte hindurch bewährten Bundesgenossen, die Inden, mit viel niehr Erfolg als ihre Feinde; ein Deutscher präsidirt dem Kampfe gegen die deutsche Obstruction, und ein Mann. der als Feind der Dynastie gilt, darf das deutsche Volk führen, welcher taktische Mißgriff! Wann werden die Deutschen von den Ungarn lernen, in ihrem' deutschen Herrscher ihre Stütze zu suchen uitb dort nachzugeben, wo die Krone eine Staatsnothwendigkeit vertheidigt und absolut durchsetzen muß, wie jetzt den österreichisch-ungarischen Ausgleich. Das ist doch nicht der Moment, um sich auf etwas zu steifen, dessen Bewilligung wieder die Czechen in die Opposition treiben würde, so daß der Ausgleich erst recht nicht zustande käme. Es ist wirklich schwer, einen so völligen Mangel politischen Taktes so überzeugend an den Tag zu legen. Der politische Takt zeigt sich darin, daß man das Unvermeidliche nicht bekämpft und sich die Macht nicht zur Feindin macht. Der Mangel dieses politischen Sinnes treibt die Deutschen in zwecklose Kämpfe; das Vorhandensein desselben macht die Magyaren zu treuen Bundesgenossen der Juden, die sich ihrerseits völlig magyarisiren. Als Maßstab des Pester Gemeinsinnes möchte ich die Spenden des vorigen Jahres anführen. Sie belaufen sich auf mehr als 92.000 fl., wovon 5200 fl. für Tempel- und Synagogenfonds, 5100 fl. für die Armen, 11.210 fl. für das Krankenhaus, 42.500 fl. für das Waisenhaus, 6700 fl. für das Taubstummen-, 500 fl. für das Pensionsinstitut, 150 fl. für die Talmud-Thora-Schule, 5200 fl. für Bekleidung von Schulkindern, 16.000 fl. für das Adele Brody-Kinderspital. Daneben wirken völlig unabhängig von der Gemeinde die großartigen Organisationen der Chewra- Kadischa und des Frauenvereins. Den Pester wohlthätigen Frauen wollen wir uns vielleicht in einem besonderen Briefe ausführlicher widmen; in allen Predigten werden unsere Damen des Luxus und anfrerzenden Pompes angeklagt; warum sollte man sich nicht gelegentlich blos der angenehmen Aufgabe widmen, ihr goldenes Herz zu feiern? Für heute begnügen wir uns mit der Chewra-Kadischa. Jir welchen Dimensionen man sich dieselbe vorstellen muß, erhellt schon daraus, daß sie im Vorjahre eine Millenniumsstiftung von 50.000 Kronen gründen konnte; ihr Budget bewegt sich um 200.000 fl. an Ausgaben; auch besitzt sie ihr eigenes Haus. (Kaufpreis nebst Adaptirungskosten 125.000 fl., wovon die letzte Rate 1895 getilgt). Interessant ist, tote ihr Verwaltungsbericht Neuerungen motivirt; man glaubt, die Uebersetzung eines englischen Parlamentsberichtes zu lesen, wenn das Ziel gestellt wird, der conservativen Richtung unserer Vereinigung und den entwickelten Verhältnissen gleichmäßig zu entsprechen oder ausführlicher, „daß wir in jedem Zweige des.äußeren Dienstes der Chewra-Kadischa ohne Berührung der Religionsgesetze und unserer heiligen Traditionen, ja vielmehr im Interesse der Erstarkung ihres Geistes einige Neuerungen und zeitgemäße Veränderungen ins Leben rufen wollen." Die Chewra-Kadischa erhält ein Siechenhaus mit einem Jahresaufwand von mehr als 14.000 fl. (bei durchschnittlich 33 versorgten Personen); von dem Aufwands sind über 3000 fl. stiftungsmäßig gedeckt, den Rest bestreitet die Chewra-Kadischa. Eine Summe von 18.000 Gulden wurde zu den Kosten des israelitischen Spitals beigetragen, dazu eine Beitragsleistung, von 2000 fl. für das Kinderspital beantragt, „weil wir es als Bruderpflicht ansehen, daß wir unsere geliebte Gemeinde in dem Ertragen der großen Lasten, welche aus ihren edlen Bestrebungen zum Nutzen der Menschheit, zum Ruhme unserer Glaubensgenossen entstehen, soweit es uns möglich, unterstützen." Den größten Posten bilden natürlich die Bestattungskosten; sie betrugen 26.500 fl., nur für die Selbstkosten der völlig gebührenfreien Fälle; es waren dies 1325 unter 2388, also die größere Hälfte, daneben 272 Fälle mit reducirten Gebühren. Zwei Drittel aller Gestorbenen waren also zu arm für die Bestreitung der ordnungsmäßigen Gebühren, ein interessanter Beleg zur Verlogenheit unserer Gegner, welche die Juden als ein Volk von Reichen hinstellen wollen. Wir citiren sie vor die Majestät des Todes, die nicht lügt! Bon dauernden Investitionen ist besonders der neue Friedhof zu erwähnen mit 123.000 fl. in der Vergangenheit und 18.000 fl. im nächsten Jahre. An Stiftungen und Legaten sind bei der Chewra-Kadischa im letzten Jahre 5600 fl. an Spenden ungefähr ebenso viel eingeflossen, in vergangenen Jahren erheblich mehr. (Fortsetzung folgt.) Dr. Rohn in Budapest gegen den Zionismus. Selten ist der tiefwnrzelnde Zusammenhang zwischen Zionismus und Organisationsstreben so klar erkannt und so energisch formulirt worden,, wie in der groß angelegten Rede des Budapester Oberrabbiners Dr. Samuel K o h n, der in seiner Roschhaschona-Predigt dem Zionismus eine scharfe Absage, ein schweres Verdammungsuriheil gesprochen. Die Juden Ungarns haben viel Großes, schwer Errungenes zu verlieren, daher der Zug von schroffer Energie, welcher nach den Berichten der Budapester Tagesblätter die vielbemerkte Emanation des dortigen Seelsorgers auszeichnet, der sich überdies ein hohes Verdienst uni die Sache erworben hat, indem er den berechtigten Untergrund des Zionismus bloßlegte, nämlich den mit Recht empfundenen Mangel einer Organisation der Judenheit. Auch in einer anderen Beziehung hat der Redner dem Zionismus sein volles Recht gewahrt. Nur als politisches Problem erscheint ihm der ganze Zionismus, als ein Absurdum» da er nicht blos gegen die Dogmen der jüdischen Religion, sondern auch gegen jedes patriotische Gefühl verstoße. Vom socialen Standpunkte dagegen, „als humanitäre Institution" und nur als solche hätte der Zionismus eine gewisse Berechtigung, um jenen Angehörigen der jüdischen Religion, welche keine ruhige, sichere Heimat haben, eine ehrliche Existenz, eine heimatliche Scholle zu bieten. Also als Colonisationsbestreben, als Eröffnung eines Ventils für den Abfluß der Ueberbevölkerung ist der Zionismus zu begrüßen. Allein auch in dieser Beziehung wird man wohl zwischen der Absicht und dem Erfolg zu unterscheiden haben. Wie in der Judenfrage überhaupt, so ist auch in der jüdischen Colonisationsfrage alle Ostentation schädlich. Wollte man die jüdischen Colonisationsbestrebungen fördern, so konnte man es am besten in der Stille thun, nach Art der Alliance Israelite, die jährlich Tausenden von rathlosen Proletariern Gelegenheit zu zweckmäßiger Auswanderung schafft, aber nicht nach Osten, sondern nach dem Westen, dem Lande der untergehenden Sonne und der ausgehenden Freiheit, mit englischen Sprachkenntnissen und vorbereitetem Erwerb wohl ausgerüstet, nicht in's Blaue hinein mittelst einer Art von Kinderkreuzzug. So schätzenswerth der Zionismus als sociales Heilmittel sein mag, so verfehlt ist auf diesem Gebiete seine Methode. Mit Reden und Congressen bringt man nicht einen einzigen Auswanderer zu Schiffe, wohl aber erfüllt man die Behörden des Ankunftslandes mit verhängnißvollem Mißtrauen. Den mächtigsten Schwung erreichte aber die Rede, als Dr. K o h n auf die ungarische Judenheit zu sprechen kam und ihr speciell an's Herz legte, sich von allen zionistischen Bestrebungen fernzuhalten. Nicht blos die Juden, sondern auch die Angehörigen anderer Religionen seien durch ihre heiligsten Traditionen mit Palästina verknüpft. Heilig jedoch wie die Mutter dem Kinde kann dem ungarischen Juden nur sein herrliches Vaterland, das freiheitsstolze und freiheitstreue Ungarn sein. Das ungarische Judenthum hat nur dieses Vaterland, für welches jeder gute Jude sein Herz und seine Seele, sein Gut und sein Blut mit Freude und Stolz einsetzt. Das ungarische Judenthum darf sich in seinem Vaterlande wie im Mutterhause fühlen, in welchem ihm neben den anderen Confessionen wie einem Kinde neben seinen Geschwistern sein Platz willig eingeräumt wird, so daß sich das Judenthum hier gerecht behandelt weiß und darum wohl und glücklich fühlt. So wenig wie irgend eine andere Con-

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