Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 40 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 40 Vr. Vloch'» VochrnfttzrM Seite 811 Unterrichtsverwaltung wäre es, diesen beklagenswerthen Erscheinungen der Zeit mit aller Entschiedenheit entgegenzuwirken. Gewissenhafte Lehrer haben die Pflicht, auf die Schuljugend einzmvirkeil, daß Letztere vor Verrohung bewahrt bleibe. Die Schule hat nicht nur die Verstandeskraft ihrer Zöglinge zu schärfen, ihnen nicht nur einen Borrath an Wissen beiznbringen, sie soll auch die Herzen heranbilden und die Ideale der Menschlichkeit pflegen. Erfüllt sie die letztere Aufgabe nicht, daun hat sie ihren Zweck verfehlt, dann schade um jeden Steuerkreuzer, den sie kostet." Elbekosteletz. (Tempelweihe.) Am 23. September 1897 fand die feierliche Einweihung des israelitischen Gottesharrses, welches durch die Munificenz der allgemein hochgeachteten Familie Bloch zum Andenken an das verstorbene Haupt der Familie, den Großindustriellen Herrn David Bloch, neu errichtet und allen Anforderungen der Neuzeit entsprechend zu einem prachtvollen Gotteshause im wahren Sinne des Wortes ausgestattet wurde, unter zahlreicher Betheiligung eines distinguirten Pnblicums statt. Unter den Ehrengästen befanden sich die Herren: k. k. Statthaltereirath R e h a k aus Karolinenthal, k. k. Landesgerichtsrath M a u a k aus Brandeis a. E., k. k. Zuckersteuer-Controlor Schwär z. hochwürdiger Caplan G u t w i r t h, die Stadtvertretung, Herr Bürgerschuldirector Josef V e g e r mit dem Lehrkörper aus Elbekosteletz und die Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde Brandeis a. E. mit ihrem Rabbiner Weiß. Die erhebende Feier begann um 11 Uhr Vormittags. Der Vorsteher der hiesigen Cultnsgemeinde Herr Ferdinand O P l a t k a hielt an die erschienenen Festgäste eine herzliche Begrüßungsansprache und brachte den Erbauern der Synagoge den Dank der Gemeinde in warmen Worten zum Ausdruck. Nach Absingnng von Liedern und Psalmen durch den Obercautor des israelitischen Tempels in Weinberge Herrn G r u s ch k a mit seinem Chore zündete Herr Rabbiner Josef Kraus das ewige Licht mit einer Ansprache über die Bedeutung desselben an, worauf von ihm das Weihegebet bei offener Bundeslade gesprochen wurde. Nach feierlichem Umzüge mit den Thorarollen bestieg Herr Dr. Gustav W eine r, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde in Weinberge, die Kanzel zu einer feierlichen Ansprache. Er beleuchtete in formvollendeter Rede den Zweck des Gotteshauses als Stätte zur Erweckung des Gefühles der Gottesnähe, welches zum Segen der ganzen Menschheit gereicht, indem es dieselbe zur Wohlthätigkeit und Nächstenliebe führt. Nach Absingung des 150. Psalms Hielt Herr Rabbiner Josef Kraus die Festrede. Er begrüßte die erschienenen Festgäste, wies auf die hervorragenden Herrschertugenden unseres erlauchten Monarchen hin, indem er das väterliche Gefühl Sr. Majestät für alle seine Uuterthaneu ohne Unterschied, unter Aufforderung zur Festhaltung an der Loyalität zu unserem angestammten Kaiserhause betonte. Er beleuchtete den Zweck des Gotteshauses als Stätte des Gebetes, durch welches die ideale Verbindung mit unserem himmlischen Vater erhalten bleibell soll, und schloß mit dem Gebete für Kaiser und Reich, worauf die Volkshymne gesungen wurde. Ihrer Dankbarkeit gegen die Erbauer verlieh die Cultusgemeinde dadurch Ausdruck, daß sie tut Vestibüle eine Marmortafel mit der Aufschrift anbringen ließ, daß die Neuherstellnug des Gotteshauses zum Andenken an den verstorbenen Chef der Familie Bloch von dieser durchgeführt wurde. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde in der Fabrik ein Bankett abgehalten, an welchem sich säinmtliche geladenen fremden Gäste, die Honoratioren der Stadt und der Beamtenkörper betheiligten. Das Festmahl währte bei sehr animirter Stimmung bis in die späten Abendstunden. Wir schließen den Bericht nitt dem aufrichtigen Wunsche, daß die Eintracht beider Confessionen, welche hier in solenner Weise zu Tage trat, auch ferner erhalten bleibe. Esse«; (I nst a ll a ti o n d e s O b er r a b b i u er s D r. Armand K a m i n k a). Der 22. September l. I. bildet einen bedeutsameil Wendepunkt im Leben der hiesigen Cultusgemeinde, da die Installation des zum Nachfolger des seligen Dr. Samuel Spitzer gewählten Oberrabiners Herrn Dr. Armand K a m i n k a an deinselben stattfand. Seitens der Cultusgemeinde wurde auch alles Mögliche aufgeboten, um diesen Tag zu einem wahren Taum hasikoron, zu einem &ebeuftage in des Wortes wahrster Bedeutung, zu machen. Eine Abordnung des Cultusvorstandes unter der Führung des Vorsteher-Stellvertreters Herrn Adolf Krauß sen. fuhr dem neuen Seelsorger bis nach Moblok entgegen, von wo nach kurzer, jedoch herzlicher Begrüßung die Fahrt nach Esseg fortgesetzt wurde. In Esseg selbst waren am Bahnhofe der Gesammtvorstand, viele hervorragende Gemeindemitglieder, sowie auch eine große Anzahl andersgläubiger Notabilitäten versammelt. Mit Spannung sah mau dem Augenblicke entgegen, wo die Lvcomotive aus der Budapester Richtung heraubrauste. Um 8 Uhr Morgens langte der Zug an, welchem Dr. Armand K a m i n k a mit seiner jungen Gemalin entstieg. Der Vorsteher der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Advocat Dr. Hugo Spitzer, ein Sohn des tiefbetrauerten Oberrabiners, begrüßte im Namen der Cultusgeilieiude in herzlichsten Worten das neue geistliche Oberhaupt, welches in warmen Worten dankte. Der Gattin des Oberrabiners wurde ein prachtvolles Bouquet mit nationalfarbener Schleife überreicht. Um 10 Uhr begann der Festgottesdienst. Noch lauge vor Beginn desselben, versammelten sich die geladenen Gäste, sowie ein überaus zahlreiches Publicum im Tempel, vor welchem die Lehrerschaft mit der Schuljugend, welche mit der Fahne ansgerückt war, Post» gefaßt hatte. Die höchsten civilen, geistlichen und militärischen Sommitäten der Stadt hatten sich hier eingefunden. Unter den zahlreichen Rabbinern bemerkten wir insbesondere die Herren Dr. Hosea Jakobi, Oberrabiuer aus Agram, Dr. D i a m a n t aus Vukokar, Dr. F l e s ch aus Mohacs, Dr. Kauf m a n n aus Veröcze, S. Winter ans Nasice,' die sämmtlich im geistlichen Ornate erschienen waren. Tr. Kaminka wurde durch eine Deputation in den Tempel geleitet, welcher geschmackvoll mit Blumen geschmückt war. An dessen Hauptpforte übergab Herr Dr. Hugo Spitzer an der Spitze des Gesammtvorstandes einen herrlichen, ornamental ausgeführteu silbernen Schlüssel dem neuen Oberrabbiner. Dr. Kaminka übernahm den Schlüssel, indem er dem Wunsche Ausdruck gab, daß dieser Schlüssel nicht nur das Innere des Gotteshauses öffne, sondern ihm auch die Herzen der Gemeindemitglieder erschließe. Hierauf begab sich Dr. Kaminka in das festlich beleuchtete Gotteshaus, wo er mit einem schönen „Boruch habo" empfangen wurde. Nach einer Ansprache des Agramer Oberrabbiners Dr. Jakobi hielt der neue Rabbiner eine großangelegte, geistvolle Antrittsrede, in welcher er sein Programm entwickelte. Mit einem Gebete für König und Vaterland schloß der Redner und unter den andachtsvollen Accorden der Volksbymne vor geöffneter Bundeslade schloß die Jnstallationsfeier. Um 2 Uhr Nachmittags fand zu Ehren des Oberrabbiners im großen Casinosaale ein Festbankett statt, deren Teilnehmer;ahl sich auf circa 120 belief und zu welchem die Spitzen der Militär- und Civilbehörden erschienen waren. Das Bankett verlief in animirtester Stimmung. Szigetvar (Ungarn). Unsere israelitische Cultusgemeinde hat einen sehr herben Verlust erlitten. Unser unvergeßlicher Rabbiner Dr. Armin K o h u s. A. hat nach qualvollem Leiden am 21. September seinen edlen Geist ausgehaucht. Der Verewigte, der in unserer Gemeinde acht Jahre das ehrenvolle Amt eines Rabbiners bekleidete, hat ein Alter von kaum 33 Jahren erreicht. Er war ein Zögling des Budapester Seminars, ein Lieblingsschüler der Professoren D. Kaufmann und Wilhelm Bacher. Seine Gelehrsamkeit hat ihm in Fachkreisen große Achtung verschafft; sein Wohlthätigkeits- und Biedersinn und seine Frömmigkeit waren weit bekannt. Gerade in letzter Zeit war der Verewigte von einem seltenen Schaffensdrang und von großer Thateulust beseelt. Er arbeitete nämlich mit rastlosem und unermüdlichem Eifer an einem Werke über „Eschatologie der Hebräer" und nur der grausame Tod, der dieses junge Leben so erbarmungslos geknickt, hat seiner Hand die Feder entrissen. Die Beerdigung hat am 23. September stattgefunden und gestaltete sich die diesbezügliche Trauerfeierlichkeit zu einer geradezu großartigen. Es betheiligten sich an derselben auswärtige Rabbinate und Cultusgemeinden, außerdem nahmen an derselben theil alle Beamten der Bezirksbehörde, des Bezirksgerichts, die römisch-katholische Geistlichkeit. Bon den College» des Verewigten waren bei dessen Leichenbegängniß anwesend : Dr. Armin Perles, Fünfkirchen, Dr. Herzog, Kaposvär, Dr. Kaufmann, Veröcze, Dr. Löwy, Nagy-Atad und Rabbiner Großmann, St. Lörincz. Sehr rührend sprach Dr. Perles. Auch die anderen Rabbiner hielten ihrem Heimgegangenen College» ergreifende Grabreden. Allein als der Schwiegervater des Verewigten, Herr Adolf Fuchs, ein Talmudist aus Bares, an die Bahre seines seligen Schwiegersohnes herantrat und mit vor Weinen erstickter Stimme dem Verewigten letzte Abschiedsgrüße ins Grab sendete, da blieb kein Auge thränenleer. Den frühen Heimgang des Verewigten beweinen eine gebrochene, greise; gramgebeugte Mutter, eine junge Witwe und drei unmündige Kinder. Friede seinem Andenken! Dr. K.