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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-01 · 40 (1.10.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 812 Dr. Vlmv's WochrnlchrM Nr. 40 Karansebes, 20. September. (Ein Festtag in Karansebes: Einweihung des neuen israelitischen Gotteshauses.) Die Karansebeser Bürger israelitischer Confession haben heute einen Ehrentag von besonderer Denkwürdigkeit gefeiert. Es war aber vor Allem ein Ehrentag der Judeuschaft, eine feierliche, vor der größtmöglichen Oeffeutlichkeit erfolgte Manifestation ihres Patriotismus und ihrer Gesinnungstüchtigkeit. Mit dem nach 10 Uhr Vormittags in Karansebes eiitlaufenden Personenzuge kamen Obergespan Emerich v. I ak a b f f y, Oberrabbiner Dr. Händler, die Abordnung der Lugoser Cultusgemeinde mit dem Gemeindevorstand Israel L ö w i u g e r an der Spitze, der Lugoser Tempelchor und zahlreiche Gäste. Auf dem Perron hatten sich die Spitzen der Localbehörden und die Repräsentanten der Cultusgemeinde eingefunden, in deren Namen Gemeindevorstand Ignaz Neuerer Herrn Obergespan v. I a k a b f f y in einer Ansprache, so auch die Gäste einzeln begrüßte. An der Schwelle der Tempelthüre übergab Gemeindevorstand Neuerer den Schlüssel des Gotteshauses dem Bürgermeister Conftantin B u r d i a, denselben in einer formvollendeten Ansprache bittend, das neue Gottesdaus in die Obhut der Stadtcommune zu übernehmen. Nach einer schwungvollen Antwort des Bürgermeisters wurden die Thüreu geöffnet und im Nu füllten sich die Bänke des vom Lichterglauz prunkvoll erstrahlenden Gotteshauses (die Damen füllten die Galerie). In den vordersten Bankreihen bemerkte man: Obergespan v. I a k a b f f y, Reichstagsabgeordneten Peter V u j a, Oberstlieutenant Schwere n f e l d, Oberstlieutenant T o m l i e n o v i c s, Major K r i e s ch e r an der Spitze zahlreicher Officiere, Präses der Bermögensgemeinde Elias K u r e ß k u, Bürgermeister Conftantin B u r d i a, Oberstuhlrichter Georg Rüde n, Gerichtsrath Dr. I u r k a, Bezirksrichter Bela K o v a t s, griechischorthodoxen Pfarrer Georg Bur n, Apotheker Müller, Feuerwehr-Obercommandant Carl D o m b y die Abordnung der Lugoser Cultusgemeinde mit Gemeindevorstand Löwinger an der Spitze, Senator B a r t h o l o m e i, Professor D r ag a l i n a. Schuldirector D o u ß k y u. A. Nun folgten die usuellen kirchlichen Ceremonien, wobei der Lugoser Tempelchor mit Obercantor Josef Bruder und Chormeister Schwach den gesanglichen Theil execntirte; dann folgte der weihevolle Act der Schlußstein-Hammerschläge die vom Oberrabbiner Dr. Händler, Obergespan v. I ak a b f f y, Bürgermeister B u r d i a, den Öberstlieutenants Schwere nfeld und Tomlienovics, Apotheker Müller, den Herren Neuerer und Löwinger vorgenommen wurden. Hierauf betrat Oberrabbiner Dr. Händler die Estrade, um die Festrede zu halten. Der eloquente Seelenhirt predigte ungarisch und machte seine oratorische Leistung einen geradezu überwältigenden Eindruck. — Dann sprach der Oberrabbiner vor der Bundeslade ein solennes Gebet für den König und das Herrscherhaus, für das Ministerium, für die Würdenträger des Krass o- Szörenyer Comitates und die Bürger der Stadt Karansebes. Nach Absingung des Schirhamalos Psalm 127 hielt der Oberrabbiner eine von den Festgästen mit Andacht angehörte deutsche Predigt, in welcher er das uns Alles spendende „Licht" mit packender Geistesschärfe in symbolischphilosophischer Weise zergliedert, in seiner wahren Größe versinnlicht erscheint. Obergespan Emerich v. Jakabffy und die Honoratioren sprachen sowohl denk Oberrabbiner Dr. Händler als auch dem Gemeindepräses Ignaz Neuerer ihre Anerkennung über den Verlauf der Tempelweihe aus und gratulirten der Gemeinde zu dem Prachtbau. Allseitige Anerkennung fand der herrliche Gesang des Lugoser Tempelchors, bestehend aus den Herren Obercantor Bruder, Chormeister Wilhelm Schwach, M. F i s ch l, Anton Weigand und Kürschner, ferner den Damen Adele Friedmann (Solistin), Mizzi Jonas, Jdus F i s ch l, Julcsa Weiß und Ella Deutsch. Nachmittags 1 Uhr fand in Lichtncckert's Saal das durch den Restaurateur Reiß servirte Bankett statt. Obergespan v. Jakabffy wurde bei seinem Eintreten mit Tusch empfangen. Ihm zur Seite saßen die Honoratioren, ferner waren um die Tafelrunde über hundert Bürger ohne Unterschied der Nationalität und Confession placirt. Beim Braten erhob sich Oberrabbiner Dr. Handle r, um sein Glas auf Se. Majestät den König zu erheben, was die Theilnebmer der Festtafel mit mehrmaligen Eljen erwiderten. Gemeindevorstand Ignaz Neuerer hielt nun einen bemerkenswerten Speech, in welchem er die liberale Gesinnung des Obergespans Emerich v. Jakabffy kennzeichnet. Dr. S z ö r e n y i toastirt auf den abwesenden Vicegespan v. L i t s e k und verliest ein Schreiben desselben, in welchem er bedauert, zufolge eines Unwohlseins am Erscheinen verhindert zu sein. Dr. H e g y e s s i läßt Bürgermeister B n r d i a hoch leben, indem er auf dessen ersprießliches Wirken einen Rückblick wirft. Em. B. K e P p i hält einen schwungvoll vorgetragenen Toast auf die bewaffnete Macht und sagt unter Anderem Folgendes: „Auf unsere tapfere Armee, welche den Stolz der Bürger, welche die Großmachtstellung unseres Vaterlandes auch nach Außen repräsentirt, sowie auf die würdigen Vertreter dieser Macht, die hier in unserer Mitte sind und an diesem Festmahle theilnehmen, erhebe ich mein Glas mit dem innigen Wunsche, daß das friedliche herzliche Einvernehmen zwischen Militär und Bürger, aus dessen Herzen und aus dessen Söhnen dieses entspringt, uns auch fernerhin erhalten bleibe. Gott erhalte unsere tapfere ruhmbedeckte Armee. Gott erhalte die hier anwesenden Herren Officiere als Vertreter derselben." Obergespan Emerich v. Jakabffy dankt dem Gemeindepräses Neuerer und der Gemeindevorstehung für die Einladung, der er willig Folge geleistet hat. Er nimmt Antheil an dem Freudentage der Bürger israelitischer Confession, will aber rathen, die eingeschlagene patriotische Richtung auch fernerhin einzuhalten. Oberstlieutenant S ch w e r e n f e l d erklärt, daß die Militärs israelitischer Confession ebenso dem ehrenvollen Rufe zur Fahne folgen, als die Andersgläubigen, und daß Christ und Jude gleich sein Blut für das Vaterland zu vergießen b e r e it i st. Redner glaubt deshalb, daß jeder c o n f e s s i o ne l l e U n t e r s ch i e d illusorisch ist und leert sein Glas ans das Trio: Gott, Vaterland und Kirche. ^Dr. Weiß toastirt auf den Oberrabbiner, als den Kämpen der Religion. Das Zustandekommen des Bauwerkes ist ein Verdienst des Gemeindevorstandes Ignaz Neuerer und der Gemeinderepräsentanten Em. B. KePP ich, Prof. S zö r enyi, Winternitz und Halle. — Mit der technischen Ausführung waren Karansebeser und Lugoser Gewerbetreibende betraut und haben sich besonders hervorgethan: die Karansebeser Tischler H a l m a g y und K w i a r k o w s k y, welche die Tischlerarbeiten lieferten, Klempnermeister K r a st l (Dacheindeckung), Lugoser Tischlerei Anton Schreiber (Altar und Fenster), Jacob Kaufmann in Lugos (Glasarbeiten), Jacob K l e i u in Lugos (Malerarbeiten) und die Zimmermanns arbeiten Josef Weber in Karansebes. Karlstadt (Croatien). „Es ist Pflicht, um einen verdienstvollen Mann zu trauern." Dieser talmudische Grundsatz veranlaßt mich, den Lesern Ihres Blattes, geehrter Herr Redacteur, in kurzen Worten das Leben eines Mannes zu schildern, in dem die israelitische Eultusgemeinde zu Sissek ihr langjähriges Haupt verloren hat, einen Vorsteher, der diese Ehrenstelle * nicht nur dem Namen nach, sondern mit Eifer und Begeisterung, mit jüdischem Gefühle bekleidet hat. Es war ein großer Schlag für die Gemeinde, als sie am ersten Augusttag das letzte Geleite geben mußte dem in der Blüthe seiner Manneskraft dahingegangenen Ludwig Rosenberg, und nur der Gedanke konnte sie trösten, daß sich in ihrem Verluste und in ihrer Trauer die ganze Stadt und unzählige aus der Ferne herbeigeeilte Freunde, Bekannte und Verehrer des Verstorbenen getheilt haben. Vor mehr als drei Decennien kam L. Rosenberg als junger Beamter zu der Filiale der Crcditanstalt nach Sissek und nahm sofort regen Antheil an den Angelegenheiten der damals noch ungeordneten Gemeinde. Als er sich nach einigen Jahren als Getreide-Großhändler etablirte, kam er in die Lage, auch materiell eine kräftige Stütze der Gemeinde zu werden, was er glänzend bei der Erbauung einer neuen, eine Zierde der Stadt bildenden, Synagoge bewies. Sowohl der Eifer, den er stets'für die Gemeindeangelegenheiten an den Tag legte, wie auch das Interesse, welches er für alles Jüdische bekundete, bezeichnet«:« ihn

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