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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-10-01 · 40 (1.10.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 810 Vr. Vloch's Wochrnkchrift Nr. 40 Diejenigen zurückfiel, die den Handel ausübten, in diesem Falle also auf die Juden. Er sagt (Seite 319): „Die aristotelische Philosophie ward in den Occident übergebracht, wo sie bei spitzfindigen Köpfen, die in Zeiten der Unwissenheit für schöne Geister galten, vielen Beifall fand. Die Scholastiker berauschten sich gleichsam darin und nahmen von diesem Philosophen (Polit ]ib. I c. 10) viel Erklärungen über das Ausleihen von Zinsen, die sie im Evangelio am besten hätten finden können; kurz, sie verdammten es ohne Unterschied und in allen Fällen. Dadurch ward der Handel, der bisher nur eine Beschäftigung geringer Leute gewesen war, eine Hantirung ehrloser Betrüger: denn man kann eine au sich erlaubte oder nothwendige Sache nicht verbieten, ohne Diejenigen, die sie treiben, zu schlechten ehrlosen Leuten zu machen." Als die Juden den Handel ausübten, war er in der naiven Anschauung des Volkes „nicht mehr von entsetzlichstem Wucher, von Monopol, von der Hebung der Subsidieu und allen nur schlechten Mitteln, Geld zu bekommen, unterschieden." Montesquieu weiß sehr wohl, daß die Juden sich oft durch Erpressungen bereicherten, aber sein Gerechtigkeitsgefühl unterschlägt die historische Beobachtung nicht, daß sie andererseits von den Fürsten mit gleicher Unmenschlichkeit wieder ausgeplündert wurden, wodurch freilich, fügt er hinzu, das Volk um nichts gebessert wurde. Für die Unterdrückungen der Juden führt der Franzose eine Reihe Beispiele aus der englischen Geschichte an: „Der König Johann ließ die Juden in's Gefängniß werfen, um ihr Vermögen zu bekommen, und wenige kamen so davon, daß man ihnen nicht wenigstens ein Auge aus gestochen hätte. So erbaulich pflegte der König die Gerechtigkeit zu verwalten! Einer dieser Unglücklichen, dem man in sieben Tagen sieben Zähne ausgeriffen hatte, erlegte am achten Tage zehntausend Mark Silber. Heinrich der Dritte zog von Aaron, einem Juden von Jork, vierzehntausend Mark Silber für sich und zehntausend für die Königin . . . Weil die Könige nicht in die Chatouille ihrer Unterthanen greifen konnten, so suchten sie sich an den Juden zu,erholen, und glaubten sie ohne Scheu peinigen zu können, weil sie nicht Bürger waren. Endlich ward es zur Gewohnheit, alle Güter der Inden einzuziehen, welche die christliche Religion annahmen . . . man sagte, eben auf die Art müsse man diese Leute prüfen, ob es ihnen mit ihrer Bekehrung eilt rechter Ernst sei, und sie von der Herrschaft des Satan ganz los machen: aber wer sieht nicht, daß dieses ein Kunstgriff des Fürsten oder der Barone war, sich für den Verlust der Gefälle zu erholen, die sie dann verloren, wenn die Juden, die als Leibeigene gehalten wurden, zum christlichen Glauben übertraten . . . Wollten sie Christen werden, so zog mau ihre Güter ein, und bald darauf ließ man sie verbrennen, wenn sie es nicht werden wollten." Montesquieu ist der erste, der den Juden die Erfindung des Wechselbriefes zuschreibt. Weil die Juden eben den Händel von allen Gewaltthätigkeiten frei, ihre Capitalien im Falle einer Flucht oder einer Vertreibung möglichst mobil und leicht machen wollten, bedienten sie sich der Wechsel. „Nun mußten", sagt Montesquieu mit dem ganzen Spott seines rationalistischen Zeitalters, „die Gottesgelehrten etwas biegsamer werden; der Handel, den man gewaltsamer Weise mit der Betrügerei vergesellschaftet hatte, kehrte gleichsam wieder in den Schooß der Rechtschaffenheit zurück." Wie menschlich und tolerant Montesquieu dachte, beweisen die Schlußworte desselben Capitels: „Seitdem haben die Fürsten gelindere Maßregeln nehmen müssen, als sie vielleicht selbst geglaubt hätten. Sie haben gemeiniglich, wenn sie mit Machtsprüchen durchfahren wollten, so sehr das Ziel verfehlt, daß mau nunmehr überzeugt ist, daß nur eine milde Regierung den Wohlstand befördert. Man hat angefangen, sich von Machiavellismus los zu machen, und täglich wird man sich mehr davon befreien. Der Fürst und seine Räthe müssen mit mehr Ueberleguug zu Werke gehen; und was man ehedem als Staatsstreiche bewunderte, würde man in unseren Tagen auch ohne Rücksicht des Schändlichen, das darin liegt, als thörichte Uebereilungen verachten. Und wahrhaftig, die Menschen sind immer besser daran, wenn sie sich in einer Lage befinden, wo sie, wenn auch ihre Leidenschaften sie versuchen sollten, boshaft zu sein, sich dennoch ihres Vortheiles wegen diesem Hange nicht überlassen dürfen." Correspondenzen. Wie». Die antisemitischen Machthaber im Wiener Rathhanse schwingen ihre Peitsche gewaltig und in brutaler Weise über den Köpfen Derjenigen, welche nicht ihrer Ansicht und Gesinnung sind. Unter dieser Knute leiden vielfach zahlreiche jüdische Unterlehrer, welche bereits dreimal unter dieser grausamen Herrschaft bei Beförderungen übergangen worden sind, und zwar nur deswegen, weil sie den vererbten glorreichen Namen ihrer Väter tragen. Es sind dies Männer von 10, 11, 12 und mehr Dienstjahren und einer ausgezeichneten Qualification. Im antisemitischclericalen Stadtrathe gilt nur das veraltete inhumane Princip: „Der Jude muß verbrannt werden!" Bei uns ist nur für Jesuitenzöglinge, für Candidaten, lvelche aus dem katholischen Lehrerseminar hervorgehen und für solche Platz, welche keinen steifen Nacken haben und nach der Pfeife Lueger's tanzen können. Und so müssen verheiratete Männer mit ihrer oft zahlreichen Familie bei einem Hungerlohne von monatlich 40 fl. ihr trauriges Dasein fristen. Wir richten daher an alle jene jüdischen Eltern, welche für ihre Kinder einen Lehrer zum Zwecke der Ertheilung von Privatunterricht oder Nachhilfe suchen, die Bitte, sich der in großer Noth befindlichen Lehrpersonen anzunehmen. Wir sind diesbezüglich gerne bereit, Auskunft zu ertheilen und Anfragen zu beantworten. Floridsdorf. Wieder einer der antisemitischen Ehrenmänner weniger, oder ist es vielleicht richtiger, wenn man sagt : „einer mehr"? Johann V o l k m a r, der ehemalige Administrator und Reporter des „F l o r i d s d o r f e r Wochenblat t", das Prvtectionskind der Herren Dr. K n o tz e tutti quanti, wurde bekanntlich vor Wochen zufolge der Anzeige des „jetzigen" Herausgebers dieses Blattes, des Druckereibesitzers I ch a, verhaftet, da der dringende Verdacht vorlag, er habe eincassirte Abonnementsbeträge veruntreut. Bei der Polizei gestand auch V o l k m a r, der, nebstbei bemerkt, für die Mithilfe zur Rettung des „christlichen Volkes" einen Monatsgehalt von fl. 40 bezog, ein, daß er eincassirte Beträge in der Höhe von fl. 85 veruntreut habe. Er wurde damals dem Bezirksgerichte Floridsdorf als Untersuchungsgericht eingeliefert, welches Volkmar aus freien Fuß stellte und den Act nach abgeschlossener Untersuchung dem Kreisgerichte abtrat. Samstag den 18. d. M. hatte sich nun Johann Volkmar wegen Veruntreuung vor dem Kreisgerichte in Korneuburg zu verantworten und wurde, um mit Herrn V e r g a n i zu sprechen, von den Herren, welche „zufälligerweise" Richter waren, zu drei Monaten schwerem Kerker verurtheilt. Hoffentlich werden einige „Parteigrößen" Herrn Volkmar durch eine „Erklärung" seine verlorene Ehre wiedergeben. Der Verurtheilte I war bei den vergangenen Gemeinderaths-, Landtags- und Reichsrathswahlen der eifrigste Agitator unserer vereinigten antisemitischen Parteien. Sonderbar, daß in diesen Kreisen die dunklen Ehrenmänner so häufig zu finden sind. Tesche», 12. September. Die „S i l e s i a" bezeichnet es als „ein trauriges Zeichen der Zeit", daß im hiesigen Eugen-! saale ein „Schlußfest jüdischer Absolventen schlesischer j Mittelschulen" stattgefunden habe und fügt hinzu: „Der Anti- - semitismus ist bereits in die Mittelschulen gedrungen und wenn i es so weiter geht, so wird er sich auch in Volksschulen unter den j ABC-Schützen geltend machen. An einigen schlesischen Mittelj schulen haben sich die christlichen Maturanten von den jüdischen ) abgesondert, für sich allein Schlnßfeste veranstaltet und jüdische [ College» hierzu nicht eingeladen. Diese verletzten jüdischen Stu- \ beutelt hatten es nun für nöthig befunden, sich zu vereinigen und l ein gemeinsames Fest in Teschen zu veranstalten, welches gestern f stattfand. Als w i r Alten st u d i r t h a b e n, gab es unter Collegen keinen Unterschied der Confession oder Nationalität. Und wenn heute die Schulcollegen von damals, Juden und Christen, zusammenkommen, so freuen sie sich dessen von Herzen und bleiben die alten, guten Freunde. Was werden das aber für Menschen sein, die aus den heutigen Schulen hervorgehen, wenn sich dort auf der Schulb a n k d e r M e n s ch e n h a ß breit m a ch t, d e r zur sittlichen Verwilderung führt? Es ist nicht anzunehmen, daß dieser Menschenhaß von Lehrern gepflegt oder gefördert wird — das dürfte denn doch nur in seltensten Fällen Vorkommen — aber er dringt von Außen in die Schulen ein und vergiftet jugendliche Herzen. Aufgabe einer zielbewußteu

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