Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 40 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 40 Vr. Tfclödi’* WochrnphrM. Sette 805 Schneider entdeckte Talmud-Vorschrift Lebensregel ist, daß man die | Gojim knechten, mißhandeln und ausbeuten müsse. Natürlich hat unsere Charlotte Lea den Talmud-Thoraverein bedacht oder die Chewra-Kadischa oder sonst eine jüdische Stiftung. Aber nein, der Gemeinderathsbericht vom 24. September meldet, daß Frau Charlotte Lea M e r o r e s „für die christlichen Armen Wiens 1000 fl." legirt habe . . . Ja, die Juden lernen zu. Von der heutigen Gemeindeverwaltung ist zu befürchten, daß sie ein früher bei Juden und n u r bei Juden so beliebtes Legat, wie etwa „ohne Unterschied der Consession" — mißverstehen könnte, und darum erspart man ihr die Oual der Wahl, wie dies die kluge Frau „Charlotte Lea" gethan hat. * Der Stadtrath hat sofort Veranlassung genommen, für diese s emitische Großmuth in der ihm eigenen Art zu danken. Der Stadtrathsbericht vom selben Tag verlautbart ohne weitere Motivirung einen Beschluß dieser hochansehnlichen Körperschaft, die „von Salo Stern gepachteten Bürgerspitalsgriinde in Meidling demselben sofort zu kündigen." Hier waren wieder Ausrufungszeichen am Platz. Tie jüdische Begehrlichkeit kennt eben keine Grenzen. 'Nicht genug, daß wir die Lea spenden lassen, will der Salo pachten! Dem Manne kann, dem Manne muß geholfen werden. Sofort! Schlennigst! Umgehend! * Und noch ein drittes pikantes Blatt, aus dem 'Wiener Stadtrath, aus demselben Sitzungsbericht. Dem Ansuchen der Genossenschaft der Fischhändler gemäß wurde gestattet, daß Sonntag den 26. September der Verkauf von Fischen ausnahmsweise bis 12 Uhr Mittags anstatt bis 10 Uhr ausgedehnt werde. Ausnahmsweise! Warum hat denn die ehreuwerthe Genossenschaft angesucht und warum hat der noch ehrenwerthere Stadtrath zugestimmt? Seit wann gibt es so leichthin gewährte Ausnahmen von der christlichen Sonntagsruhe, der zuliebe jeder kleine jüdische Hausirer strenge gestraft wird, wenn er seinen Kram eine Viertelstunde länger ausbreitet? Da wollen wir denn ein Geheimnis; verratheu. Ter Grund war nichts mehr und nichts weniger als edle — Toleranz. Tie Juden feierten Sonntag Abends Ro5ch haschana und die jüdischen Hausfrauen sollten also noch Sonntag Vormittags die Fische einkaufen dürfen. Ja, so ist es allen Ernstes! Die antisemitischen Fischhändler und die antisemitischen Stadträthe sind tolerant geworden, tolerant gegen den antisemitischen R e b a ch. Non ölet, es stinkt nicht, vielleicht mitunter die Fische der biederen antisemitischen Gewerbsleute, aber nicht das Geld der jüdischen Kunden, denen zuliebe die antisemitischen Fischhändler auf die geheiligte Sonntagsruhe verzichteten. Für diese Toleranz gegenüber dem antisemitischen Rebach und dem jüdischen Geldbeutel soll öffentlich der solenne Dank abgestattet werden. Weg mit den Hetzern! „Die Schule darf nicht die Stätte politischer Verhetzung sein!" Nur in einer Stadt, in der die Saat der Verlogenheit und der Gesinnungslumperei so prächtig aufgegangcn ist, wie bei uns in Wien, durfte ein Dr. Carl Lueger mit dem Brusttöne der Ueberzeugung dieses Wort den neubeeidigten Lehrern entgegenrufen, ohne daß der Chor ihm geantwortet hätte: Ina res agitur! D u bist es, der die Schule zum Tummelplatz niedrigster Leidenschaften gemacht, aus den Jugendbildnern einen Troß von Landsknechten der Pöbelwuth geschaffen hat. Wenn die jüdischen Kinder bereits in der Taferlclasse von der Verfolgungssucht und der grundlosen, kimstlich eingeimpften Feindschaft andersgläubiger Knirpse zu leiden haben und in ihrer Bedrängniß bei den Luegerwählern des zweiten Wahlkörpers, ihren Herren Lehrern, deren Halbbildung die Heilslehre des Wurstkessel-Antisemitismus gerade faßlich genug war, keinen Schutz finden, wenn sie weinend nach Hause kommen und die unschuldigen Kinderaugen fragen: „Vater, Mutter, warum gerade uns das?" dann pressen sich die Lippen der Eltern krampfhaft zusammen, sic unterdrücken den Fluch, der jenen Hetzern gilt, die ihrer Kinder Jugend vergiftet haben. llnd eben jene gewissenloseil Demagogen schwatzen jetzt von der Heiligkeit der Schule, von dem hehren Lehrerbernf, der sich auf den Irrwegen kleinlicher Tagespolitik nicht verrennen darf. Und das nur deshalb, Werl ihnen das „H eil!" und das „H e i t 6!" weniger sympathisch in's Obr klingt, wie das lieb gewordene „H epp, H e p p!" Gewiß, die Schule darf nicht die Stätte politischer Verhetzung sein, in diesem Sinne ist der Ausspruch der großen Kaiserin von der Schule, die ein Politicum sei, nicht aufzufassen! Aber das hätten Herr Dr. L u e g e r und die Seinen sich wahrlich früher überlegen müssen, und sonderbar klingt es, wenn der Großmeister des Hetzerthumes seine getreuen Aposteln verleugnet. Wir meinen Verhetzung bleibt Verhetzung, gleichgiltig gegen wen sie sich richtet und nach unserer Ansicht wiirdigt auch jener Lehrer die Schule herab, der, wie dieser Tage in einer socialdemokratischen Versammlung erzählt wurde, seinen Zöglingen die beherzigenswerrhe Lehre znrief: „Glaubr's an Gott, aber nicht an den Juden Dr. Adler!" Und auch jene Jugendbilduer, welche zum Boncorr jüdischer Geschäftsleute allfforderten und anreizten, entsprechen schiverlich jenem Lehrerideal das der Virtuos der Verdrehung und des Spiegelfechterthums im Raththaussaale kennzeichnete. Tie Lehrer sollen keine Hetzer sein! Auch die Gemeinderäthe nicht, und die Volksboten noch weniger! Weg mit den Hetzern! Gerne stimmen wir in diesen Nus des Tr. Lueger ein. Für diesen Mann kann es aber wahrlich nicht schwierig sein, einen praktischen Anfang zu machen. Cr braucht nicht allzuweit zu gehen! Indische Wissenschaft und Antisemitismus. Derjenige Jude, welcher das jüdische Schriftthuni genau kennt, eingeweiht ist in der Literatur des Judenthums und in dessen Geschichte, die 4000 Jahre alt ist, steht dem Antisemitismus, der sich an manchen Orten breit gemacht, aber seinen Höhepunkt bereits überschritten zu haben scheint, viel muthiger, zuversichtlicher gegenüber, als Derjenige, der diese Kenntnisse nicht besitzt. Dieser glaubt, daß das Judeuthum am Ende seiner Tage ist, und sieht zaghaft in die Zukunft. Bon diesem Standpunkte aus ist es sehr zu bedauern, daß die Jugend, namentlich in der Großstadt, gar kein oder gar so wenig jüdisches Wissen hat, wobei nicht verkannt werden darf, daß das Milieu, in welchem unsere Jugend aufwächst, dem ernsten Studium der schwierigen hebräischen Sprache und der Literatur durchaus nicht förderlich ist — der größte Theil unserer Jugend ist auf den Mittelschulunterricht in den Gymnasien und Realschulen angewiesen — die zwei Religionsstuuden sind so viel wie Nichts, da kann nichts geleistet werden und eine größere. Stundenzahl kann für diesen Unterricht nicht verlangt werden. Derjenige Jude also, dem es gegönnt war, festen Fuß in seiner Literatur zu fassen und diese als gebildeter Manu in reiferen Jahren mit dem Schriftthume anderer Völker zn vergleichen, der fühlt sich als Bekenner der jüdischen Religion gehoben und kommt zu der Ueberzeugung, daß eine Religion, die so Hervorragendes in der Literatur geleistet, wirklich die Lehrmeisterin ist, denn „Pracht und Glanz ist ihre Gewandung und daher wird diese Religion es sein, welche zuletzt lachen wird." (Sprüche Salomons.) Es ist notorisch, daß die anderen Culten sehr viel Anlehen bei dem jüdischen Schriftthume machen, ja, man kann es getrost sagen, wo diese Culte ein bedeutendes Wort, einen bedeutenden Satz haben, diese den jüdischen Schriften zumeist entlehnt sind und die Liturgie, namentlich bei den Protestanten, wäre eine sehr ärmliche, wenn sie nicht die Psalmen Davids ausgenommen hätte. Treffend sagt also Dr. H. Grätz in der Geschichte der Juden: „Dieselben, welche Schmach und Tod über Israel verhängten und es in den Straßenkoth schleiften, erkannten seinen hohen Ursprung an, verherrlichten ferne Vergangenheit, stellten seine Propheten und Gottesmänner neben ihre „Heiligen", sangen seine Lieder in ihren Gotteshäusern, schöpften aus seiner Lehre Erfrischung und Trost, eigneten sich aber alle