Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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fl HRH Nr. 39 blicherie war ein Mann von seltener Ehrenhaftigkeit, Biederkeit, Wohlthätigkeit und wahrhafter altjüdischer Frömmigkeit. Bon der Verehrung und Hochachtung, deren sich der Hingeschiedene in allen Kreisen erfreute, lieferte die überaus zahlreiche Beiheiligung an seinem Leichenbegängnisse, welches Sonntag den 5. d. M. stattfand, den Beweis. An seiner Bahre sprach sein Sohn, Herr Rabbiner Dr.N. G r ü n aus Prag, schmerzvolle Worte der Trauer, in welchen er dem Verluste, welcher die Angehörigen durch das Hinscheiden des theuren Familienoberhauptes traf, beredten Ausdruck gab. Auch sein Enkel, Herr med. cand. I. D. G r ü n aus Prag, widmete seinem würdigen Großvater einen tiefempfundenen Nachruf. Von seinen Söhnen sind die Herren med. Dr. I. G r ü n in Neusohl und med. Dr. E. G r ü n in Temes-Vegvar in angesehener Stellung thätig. Paris. Herr D. L. LeLo L a g u n a, Gefängnißsecretär in Amsterdam, und M. Henriquez Pimentel, Rath im Ministerium des Innern, haben hohe niederländische Orden erhalten. — Auch der Großrabbiner von Belgien, A. Bloch in Brüssel, hat einen sehr energischen Protest gegen die Bestrebungen der Zionisten veröffentlicht. Paris. M. Eruest I a v a l, der ehemalige Prüftet des Departement Crense und Ehrenpräsident des Taubstummen-Jnstituts in Paris, ist im Alter von 53 Jahren gestorben. Er ist der Sohn von Leopold I a v a l, dem 'Deputirten aus Nonne unter dem Kaiserreich, und ein Bruder des berühmten Augenarztes Dr. I a v a l gewesen, der ebenfalls eine Zeit lang Parlamentsmitglied war. London. Die neue Synagoge in Great St. Helen's, welche fast drei Monate geschlossen war, ist Sonntag Nachmittags in.feierlicher Weise wieder geöffnet worden. Der Chief-Rabbi hielt die Einweihungsrede. Es ist elektrisches Licht neben dem Äas eingeführt, das Gebäude ist unter der Leitung des Architekten Mr. Lewis Solomon neu decorirt worden. Die Kosten belaufen sich auf 1100 Pfund (13.000 fl.). London. Die spanisch-portugiesische Gemeinde hat dem jüdischen Seminar (Jews' College) aus dem Fond des Judith Montefiore College in Ramsgate die Summe von tausend Pfund (12,000 Gulden) bewilligt und sich dadurch das Recht erworben, in den Vorstand des Jews' College zehn Mitglieder zu entsenden. Als solche wurden gewählt: Sir Joseph Sebay Mont ef i o r e, Mr. Abraham M o c a t t a. Sir Edward S a s s o o n, Manuel C a st e l l o, F. B. H a l f o r d, I. D. I s r a e l, Joshua M. L e v y, Arthur L i n d o, Eustace A. L i n d o und E. L. M o c u t t a. New-Iork. Mr. Emanuel B. Hart, der Präsident des Mount Sinai Hospital, ist gestorben. 1809 in New-Iork geboren, hat der Verstorbene in seiner Vaterstadt eine hervorragende Stelle eingenommen und viele öffentliche Ehrenämter bekleidet. 1845 wurde er Alderman, sechs Jahre später in den Congreß gewählt. Unter dem Präsidenten Buchanan wurde er Hafeninspector, später Commissär im Zollamt rc. rc. Feuilleton. Zum Abschied vom alten Jahre. Viel Arges haben wir im letztvergangenen Jahre erfahren. Als ob Gottes Zorn sich auftegte über die Unbill, die auf Erden geschieht, so haben Wetter und Wogen jüngst entsetzliche Verwüstung weithin über viele Länder gebracht und das vergangene Jahr wird vor Allem dadurch in der Erinnerung der Menschen haften, daß gewaltige Fluthen, mit Ungestüm aus den Bergen stürzend, unversehens die Häuser zerstörten, die Saaten vernichteten, den Wohlstand in Armuth verwandelten und Millionen Menschen aus behaglicher Ruhe aufschreckten. Dieses Zeitalter, das sich" stolz seiner Herrschaft über die Natur rühmt, stand ohnmächtig da gegenüber diesem Ansturm und erfuhr aufs Neue die Wahrheit des Dichterwortes, daß die Elemente das Gebild der Menschenhand hassen, daß die Natur, wenn sie die Fessel abgeworfen hat, die erbarmungslose Feindin der Cultur ist. Und wie denn ein Uebel selten allein kommt, so hat auf diesen Stätten der Zerstörung manch böser Krankheitskeim sich entwickelt; der Tod halt seine Ernte in oen Gefilden, auf welchen die Fluth die Ernte des Ackers verdorben hat. Sette 797 Ist dieses Elend nicht die harte aber gerechte Strafe der Völker, die untereinander Zwietracht und Feindschaft nähren, die so oft die Kraft der Faust an Stelle des Rechtes setzen, die, wenn sie auch nicht Krieg führen, so doch fort und fort zum Kriege fchüreu, unter denen weltbürgerliche, d. h. allgemein menschliche Gesinnung fast zum Spotte geworden ist? Das ist ja auch einer der Vorwürfe, die man gegen die Juden erhebt; man nennt uns die Internationale, noch obendrein, die bittere Armuth der meisten Juden verhöhnend, die goldene Internationale; und wir können die Meinung, daß wir international denken und fühlen, nicht einmal eine irrige nennen. Am Neujahrstage feiern wir die Schöpfung der Welt, preisen wir den Gott, der den Menschen als sein Ebenbild erschaffen hat, und wir sollten einstimmen in den Lärm der Wahnsinnigen, welche die Völker wider einander Hetzen, und wir sollten der Friedellsmission vergessen, die gerade wir Juden unter den von nationalem Hader zerrissenen, von nationalem Hochmuth erhitzten Völkern zu erfüllen haben! Ueberdies, haben diejenigen, die verschont geblieben sind, gegen die Heimgefuchten vollauf ihre Schuldigkeit gethan? Wie geringfügig sind die Suurmen, welche von der Privatwohlthätigkeit aufgebracht worden find; der Staat und andere große Gemeinwesen, reiche Städte und Provinzen haben aus öffentlichen Mitteln stattliche Summen bewilligt und dadurch der dringendsten Noth abgeholfen. Aber die freien Gaben der Nächstenliebe waren unbedeutend, und es ist selten die Kunde gekommen, daß ein mit großen Reichthümern gesegneter Mann recht tief in die eigene Tasche gegriffen hat, nnl der Noth zu steuern. Diese Hartherzigkeit kann am wenigsten uns Israeliten Wunder nehmen, die wir täglich die Zielscheibe herzloser und roher Menschen fast in allen Ländern sind. Wir lassen unsern Blick über die Erde schweifen und finden nur wenige Oasen in der großen Wüste des Hasses und der unerbittlichen Fehde; während in Wirklichkeit die jüdische Bevölkerung unter bitterer Armuth seufzt und halb verhungert, wird fort und for: von jüdischem Reichthum geredet; der heiße Wissensdrang, der mitten in aller Noth sich erhält, sich Bahn bricht und der unsere Ehre ist, ist unsern Widersachern ein Dorn im Auge; in so vielen Gegenden werden die schwersten körperlichen Arbeiten fast nur von Inden geleistet; das hindert unsere Gegner nicht, weil hie und da die Juden sich mehr dem Kaufmannsstande widmen, uns der Trägheit anzuklagen; bald sind es Keulenschläge, bald sind es Nadelstiche, mit denen wir verletzt werden; die kalte Höflichkeit thut oft noch mehr weh als der heiße Haß, und mancher brave Mann hat die Hoffnung aufgegeben, jemals diese Gegner, denen auch die Lüge ein willkommenes Kampfmittel ist, niederzuzwingen und sehnt sich hinweg von diesen Stätten, an denen wir doch durch die mallnigfachsten Bande schier unauflöslich haften. Wir lesen in den Psalmen: „Viele sprechen, wer wird uns noch ein Glück schauen lassen, so erhebe Du o Gott über uns das Licht Deines Angesichts." Viele, die sich ein Leben ohne äußern Glanz, ohne äußere Ehren nicht denken können, meinen, es sei für uns nicht zu ertragen in dieser Welt, wo es geradezu ein Sport geworden ist, uns zu kränken, wo so viele Jünglinge, kaum der Schulbank entronnen, damit prahlen, sich von den jüdischen Genossen zu trennen; sie alle vergessen, daß unsere Väter unter viel härterer Noth ein stilles Glück in ihrem Hause gefunden haben. Der Orientale baut oft sein Haus kahl und ohne Fenster zur Straße zu, aber nach Innen entfaltet sich Licht und Leben. So war es in Israel Jahrhunderte hindurch; nach Außen war unser Dasein düster, aber im Innern dieser Häuser erbaute die Treue gegen Gott, die Treue gegen die Familie, der ilinige Zusammenhalt der Gemeinde ein wundersames Glück; nicht wie der Leibeigene fühlte der Jude gegenüber den Herren, die Beide quälten; der Bauer, an die Scholle gefesselt, sah in dem Herrn, in dem Dränger ein höheres Wesen; der. Jude verachtete als ein geistig Freier den rohen Gesellen, der ihm das Dasein verbitterte. Das ist, was der Sänger der Psalmen das Leuchten des Antlitzes Gottes nennt. Wir sollten von unseren Vätern lernen und nicht nach dem Verkehr und der Freundschaft derer buhlen, die uns kränken bald durch herablassende Freundlichkeit, bald durch ftechen Spott. Unsere Häuser seien unsere Burgen. Wie viel Glück und wie viel innerer Friede blüht aus dem trauten Familiensinn; und wir müssen Eintracht pflegen in den Gemeinden, wir müssen bei aller Treue gegen das Vaterland uns dessen bewußt Dr Vloch's Wochenschrift