Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 39 Vr. Bloch'« MochrnlchrifL Geile 795 gründlicher und eingehender Weise nicht blos die Gesammtheit der literarischen und wissenschaftlichen muselmännischen Kenntnisse, sondern gibt auch unzählige, auf tiefe Forschungen beruhende Daten über die Rechtsordnungen, Rechtsanschauungen und Rechtssätze, über alle Volkssitten und Religionsgebrüuche, über die Secten und ihre Lehren, sowie über die Geographie und Ethnographie der heute von den Anhängern Mohammeds bewohnten Länder. Petersburg. Wenn die russischen Blätter gut unterrichtet sind, so dürfte sich innerhalb der Jswish Colonisation Association in nächster Zeit eine Wandlung vollziehen, die wir mit aufrichtiger Geuugthuung begrüßen würden. — An die Thatsache der Berufung des Herrn D. Feinberg aus Paris knüpfen jene Blätter nämlich die Mittheilung, daß unter den russischen Juden selbst zwei verschiedene Richtungen bisher hervortreten, von denen die eine, durch Staatsrath Poljakoff in Petersburg vertreten, dahin ging, die Auswanderung nach Argentinienin der bisherigen Weise zu fördern, während die andere, von Herrn L. Brodsky in Kiew vertreten, verlangte, die Auswanderung zu sistiren und vielmehr statt dessen Handwerker- und Ackerbauschulen in Rußland selbst zu errichten. Wie es weiter heißt, soll es nun Herrn Brodsky bei seiner letzten Anwesenheit in Paris gelungen sein, Frau Baronin Hirsch 'von der Nothwendigkeit der Durchführung seines Projects zu überzeugen, und es sollen schon in nächster Zeit nach dem Vorbild der von der Gesellschaft Trud in Odessa begründeten mehrere jüdische Handwerker- und Ackerbauschule» in verschiedenen russischen Städten errichtet werden. Wir registiren diese Mittheilungen, ohne eine Gewähr für deren Richtigkeit zu übernehmen. Wir hoffen, daß von zuständiger Seite bald eine authentische und sachgemäße Aufklärung über diese wichtige Angelegenheit erfolgen wird. London. (D i e Iud en in Persien.) Die jüdischenglische Allianz (Anglo-Jewish-Association), welche sich in Angelegenheiten der verfolgten Juden in Lar in Persien au das Ministerium des Aeußern gewendet hatte, erhielt von diesem folgendes Antwortschreiben: Ministerium des Aeußern, 11. September 1897. Geehrter Herr! „Bezugnehmend auf den Brief vom 8. d. M., beauftragt mich der Marquis von Salisbury, Ihnen mitzutheilen, daß Mr. H a r d i n g e, der Bevollmächtigte Ihrer Majestät in Teheran, in einem Telegramm vom 9. d. M. berichtet, er habe der persischen Regierung bezüglich der Judenverfolgungen in Lar Vorstellungen gemacht und darauf vom Ministerpräsidenten die Versicherung erhalten, daß Seyyid Abdul Hussein bereits nach Shiraz berufen worden sei und nach Arabistan verbannt werde und daß in Lar die Ordnung wiederhergestellt sei. Seine Excellenz hat Mr. Hardinge die Versicherung gegeben, daß ähnliche Ereignisse in Zukunft nicht mehr Vorkommen werden. Ich zeichne, geehrter Herr, als Ihr gehorsamster Diener, ganz ergebenst Ihr T. H. Sanderson. Die jüdischen Colonien in Netv-Jersey. Attianee-Colonie. Diese Colonie liegt etwa 43 Meilen südlich von Philadelphia. 1882 kamen 43 Familien aus dem Süden von Rußland hieher und wurden in drei großen Gebäuden untergebracht. Jede Familie erhielt 15 Acker Landes. Es wurden Cigarren- und Wäschefabriken errichtet. Die Cvlonisten standen viel aus und mehrmals mußten ihre Glaubensgenossen in Philadelphia sie unterstützen. 1888 wurde die Synagoge gebaut, und schon ein Jahr später wurden 80 Cvlonisten Bürger der Vereinigten Staaten. Der gegenwärtige Stand der Colonie ist kein günstiger, Viele haben ihre Farm verlassen und sich in die Städte begeben. Die Ursache ist, daß die Wohnungen für die beständig im Wachsen begriffenen Familien nicht genügten, daß größere Neubauten aufgeführt werden mußten, daß aber die Cvlonisten den dadurch entstandenen Verbindlichkeiten nicht Nachkommen konnten. Doch befindet sich natürlich noch eine ganze Menge jüdischer Bauern in der Colonie, und die meisten hoffen zuversichtlich auf eine bessere Zukunft. Rosenhain-Colonie. Etwa fünf Meilen nordöstlich von Bridgeton gelegen, wurde diese Colonie 1882 von einer kleinen Anzahl russischer Familien gegründet, von denen aber viele schon nach kurzer Zeit ihre neue Heimat verließen. 1888 kamen dreißig Familien dazu. Die Colonie hat eine Ausdehnung von 1912 Morgen und besitzt eine öffentliche Schule, eine Bahnstation, ein Postgebäude und eine Droguerie. Doch hat sich in den letzten zwei Jahren auch der Zustand dieser Colonie verschlimmert; viele Colonisten sind Hausirer geworden. Carmel-Colonie. Dies ist die größte und bedeutendste von den drei Colonien; der Eindruck, den der Besucher empfängt, ist ein bei weitem günstigerer. 1882 wurde Carmel von 17 russischen Auswanderern gegründet; der verstorbene Philantrop Michael Heilprin unterstützte sie dabei. Die Colonie bedeckte 864 Morgen Landes. Eine Synagoge, eine Schule, eine Leihbibliothek, ein Postamt wurden errichtet. Die Schule ist stark besucht. Tie Colonisten bauen Korn, Roggen, Buchweizen, Gemüse. Vor etwa acht Jahren befanden sie sich in argen Nöthen und erhielten vom verstorbenen Baron Hirsch 5000 Dollars. Damals wurden 1500 Morgen Landes erstanden und eine große Anzahl netter, bequemer Häuschen gebaut. Die Colonie besteht jetzt aus 98 Familien, von denen 20 Ackerbau treiben; die anderen arbeiten in einer großen Wäschefabrik. Die 20 Bauernfamilien produriren genug, um die ganze Ansiedlung mit Milch, Butter, Eiern und Gemüse zu versorgen; einigen gelt es geradezu vortrefflich. Ein jüdischer Bauer, der vor einigen Jahren 30.000 Dollars in eine Farm steckte, besitzt einen der schönsten Bauernhöfe im ganzen Süden der Vereinigten Staaten; er bewirthschastet sein Gut selbst und besitzt 50 Kühe; er liefert täglich 1500 Quart Milch nach Melville. Zum Schluffe wollen wir noch Einiges über die Baron Hirsch-Colonie Lvoodbine sagen. Diese Colonie blüht und gedeiht, daß es eine Freude ist. Sie besitzt nun 1200 Colonisten. Zu den scholl bestehenden großen Fabriken sollen in kurzer Zeit einige neue hinzukommen. Der Besitzer der Ziegelei hat bereits so viele Bestellungen, als er in einem Jahre ausführen kann; die Ziegel sollen ausgezeichnet sein. In der Kleiderfabrik sind nun 300 Personen beschäftigt und es werden wöchentlich 3000 Kinderanzüge, 1000 Männer- und 12.000 Kniehosen erzeugt. 25 Häuser sind im Bau begriffen. In der Ackerbauschule werden 25 jmlge Leute unterrichtet. Biele Coloklisten haben schon hübsche Sümmchen erspart und bauen sich eigene Häuser. Am Samstag wird nicht gearbeitet. Vermilchles. Wien. In Folge des Inserates „Große Noth" über eine in den erbärmlichsten Verhältnissen lebende kränkliche blinde Witwe mit vier unmündigen Kindern, die dem Huugertode beinahe preisgegeben ist, sind uns von Herrn Fackas Biln, Czinkota, 1 fl. 50 kr.; Jacob Hahn, Budweis, 5 fl.; Schur, Wien, 2 fl. zugekommen, welche wir ihrer Bestimmung zuführten. Wien. (Ausweis über e i n g e g a n g e n e Spenden zum Bau eines Tempels in der Brigittenau.) Von den Herren: Leo Weiß 50 fl.; Heinrich Eger 30; M. Reiter 6 fl.; David Spitz 3 fl.; L. Müller 5 fl.; Summe 94 fl.; bereits ausgewiesen 13.105 fl.; im Ganzen 13.199 fl. Wien-Währ»ng. (E h r u n g.) Wie seinerzeit in dieser Wochenschrift berichtet wurde, beschloß der Bethausvorstand im Vereine mit dem Ausschüsse der „Chewra-Kadischa", ihren Obmann Herrn Emauuel H o f s m a n der großen Verdienste wegen, die er sich um die israelitische Gemeinde im 18. Bezirke erworben hat, sowie seine werthe Frau Gemalin, die in der Förderung der Wohlthätigkeitsacte ihm stets treu zur Seite stand, durch die Ueberreichung einer Adresse zu ehren. Es wurde ferner beschlossen, das Porträt des Jubilars als bleibendes Denkmal der Dankbarkeit im Sitzungssaals der Cultusgemeinde des 18. Bezirkes anzubringen. Während nun die Adresse bereits am 1. Juli l. I. in Anwesenheit sämmtlicher Mitglieder des Bethausvorstandes und des Ausschusses der Chewra-Kadischa überreicht wurde, konnte die Enthüllung des Bildes wegen längerer Abwesenheit des Herrn Hoffmann erst am 19. d. M. stattfinden. Zur selben hatten sich außer fast sümmtlichen Mitgliedern der engeren Gemeinde die Familie des Jubilars, Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner S o r, Vorstandsmitglied Herr Architekt Fleischer, der Secretär Herr Dr. Liebe n, sowie die Repräsentanten der Wohlthätigkeitsvereine des Bezirkes eingefunden. Herr Jacob F r ä n k l, Obmann-Stellvertreter des Bethausvorstaudes, begrüßte das Jubelpaar, sowie die Gäste in einer warm empfundenen Ansprache, übergab das Bild in das