Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 794 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr 39 Doctor, Wien 5 fl.; Dr. Rosenfeld, Wien 3 fl.; Heinrich Klinger, Wien 10 fl.; Moritz Schlesinger, Wien, gesammelt durch Herrn N. Marcher, Groß-Enzersdorf 5 fl.; Adolf Grünwald, Floridsdorf 5 fl.; Wilhelm Grünwald, Floridsdorf 3, fl.; Ludwig Grünwald, Floridsdorf 5 fl.; Hermann Grünwald, Floridsdorf 5 fl.; Josef Winter, Floridsdorf 2 fl.; Julius Grünwald 5 fl.; Leopold Rosenbaum, Groß-Euzersdorf, Collecte im Eisenbahn-Coupe 2 fl.; JosefBernt, Groß-Euzersdorf 10 fl.; David Mandl, Oberhausen 10 fl.; Hermann Herbaczek, Wien 5 fl.; Hermann Schweinburg, Wien 10 fl.; Sam. Knoll, Wien 5 fl.; Mor. Fleischmann, Groß-Euzersdorf 5 fl.; Joh. Schrom, Groß-Enzersdvrs 10 fl.; Alois Friedman, Brünn 3 fl.; Dr. H., Brünn 2 fl.; Heinrich Kuhn, Brünn 5 fl.; E. S. S.. Brünn 2 fl.; Siegfried Köuigsharter, Brünn 2 fl.; Brüder Löwenthal, Brünn 1 fl.; Josef Brüll's Enkel, Brünn 2 fl.; Ignaz Jsakowitfch, Brünn 2 fl.; Schwarz und Keßler, Wien 5 fl. Summe 279 fl., hiezu die bereits ausgewiesenen 3574 fl. Zusammen 3853 fl. Weitere Spenden mögen entweder an den Minjan- Berein in Groß-Enzersdorf oder an den gefertigten Obmann des Tempelbaucomites gesendet werden. Heinrich Reichsseld Obmann des Tempelbau-Comites. Jassy. Am 16. September wurde einer der edelsten Persönlichkeiten der rumänischen Judenheit zu Grabe getragen. Es ist Herr Leon Daniel, Sohn des hochgeachteten hiesigen Bankiers Herrn Israel Chaim Daniel. Ein Mann von seltener Güte und Bescheidenheit, der trotz seiner hohen socialen Stellung niemals auf andere, vom Schicksal minder Begünstigte mit dem Gefühle der Ueberlegenheit herabgeschaut, eine Tugend, die bei uns leider sich unter viel niedrigeren gesellschaftlichen Kreisen nicht wiederfindet. Der edle Mann litt seit einer Zeit von einem bis zu Ende unerkannten Brustleiden, das er mit frischeni Heroismus ertrug, bis er endlich vor ungefähr 14 Tagen demselben in Jnterlaken (Schweiz) im Alter von 64 Jahren erlag. Zehn Tage war seine Leiche auf dem Wege von Jnterlaken nach Jassy. . Einige Tage wußte man nicht, wo sie sich befindet. Man denke sich den ängstlichen Gemüthszustand seines greisen Vaters, der schon den Tod so mancher erwachsener Kinder zu betrauern hat, und nun des ältesten Sohnes durch den Tod beraubt wurde. Am 15. d. M. Abends gelangte die Leiche auf dem Bahnhofe in Jassy an und am 16. Morgens fuhr der Leichenzug vom Bahnhofe aus zum Friedhof, unter Begleitung einer ungeheuren Menschenmenge. Schon einige Tage zuvor versammelte sich täglich am Bahnhofe eine bedeutende Menschenmasse zur Erwartung der Leiche. Am Friedhofe, in dem von seinem Vater aus eigenen Mitteln erbauten Ohel, sprachen an der Bahre der Rabbiner Feivel Paulos, Herr S. Reischer als Collega in mehreren wohlthätigen Anstalten (Spital, Waisenhaus rc.), darauf ich als Vertreter der Knabenschule und des Altersasyls der Handwerker und zugleich theilweise als Mittrauernder, der seinen Freund, Wohlthäter und Mechuton betrauert. Am Grabe sprachen Rabbiner Dr. Niemirower, Med. Dr. Rosenthal, Margulies und Horowitz. Dr. Lippe. Berlin, 12. September. Die Zahl der ordentlichen Hörer des hiesigen Rabbiner-Seminars beträgt 52, von denen 39 aus Deutschland, 11 aus Oesterreich-Ungarn, 2 aus Rußland stammen. Der Bericht macht auch noch zehn Studierende anderer Facultäten Mediciner, Juristen rc. namhaft, welche theils die talmudischen, theils die exegetischen Vorlesungen neben ihren Uit iversitäts-Fachstudien regelmäßig besucht haben. Die Treue der Freunde des Rabbiner-Seminars hat sich auch in den letzten beiden Jahren wohlthnend bewährt; aber der Tod riß tiefe Lücken, der Ernst der Geschäftslage zwang Manchen, die Beitragsleistung eiuzuschränken oder gar einzustellen. Andererseits legen die von Jahr zu Jahr steigenden Aufgaben auch gesteigerte Pflichten auf, so daß die Ausgaben wachsen (in den 2 Berichtsjahren bis auf zusammen 89.563 80 Mark) und — soll das Seminar in seiner stetigen Entwicklung ruhig fortschreiten — jene unvermeidlichen Lücken ansgefüllt, die Einnahmen zumindest auf gleicher Höhe erhalten werden müssen. Und gerade der diesmalige Bericht weist eine sehr namhafte Steigerung der Leistungspflichten auf. Die stark erhöhten Anforderungen, welche bei Promotionen an die akademischen Pflichten der Theologen gestellt werden, haben es nothwendig gemacht, die Norm der Studienzeit auf sechs Jahre zu erweitern. Die verlängerte Studiendauer legt aber auch weit größere Leistungen bei der unerläßlichen Stipendiendotirung der Hörer auf, damit diesen, so weit sie darauf angewiesen sind, wenigstens ein Theil ihrer Existeuzmittel gewährt werden kann. Hoffen wir, daß der Kreis der Gönner, wie bisher, freudig und opferbereit der Anstalt zur Seite stehen und daß es dieser selbst auch fernerhin gegönnt sein wird, zum Heile und Segen des Judeuthunks treue, gewissenhafte religiöse Leiter und Lehrer unserer Gemeinden heranzubilden, als eine Pflanz- und Pflegestätte wahrer Jir'as Schomajim, echter jüdischer Wissenschaft sich zu bewähren. Berlin. Zum Oberlehrer am Andreas-Realgymnasium ist vom Magistrat der bisherige wissenschaftliche Lehrer au der 8. Realschule, Gemeindelehrer Dr. Lasch, gewählt worden. — Die Erlaubniß zur Annahme der kaiserlich russischen goldenen Medaille am Bande des St. Wladimir-Ordens hat der Kaufmann Adolf S e g a l l erhalten. — Für das in Köln zu bauende Lehrlingsheim hat durch Berniittlung des Rabbiners Dr. Frank und der .Alliance Israelite Universelle Frau Baronin Hirsch 25.000 Mark bewilligt. — Dr. Ludwig R o s e n t h a l, seither Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft zu Mannheim, wurde zum zweiten Rabbiner in Köln gewählt. Hamburg, 14. September. Das Counts für jüdische Volkskunde hat seinen ersten Jahresbericht erscheinen lassen, dem wir einige Daten entnehmen: Das Comite eröffnete seine Thätigkeit im November 1896 mit dem Versenden seines Aufrufs und Fragebogens an die Logen des Bundes, an die Nedactiouen der zunächst in Betracht kommenden Zeitschriften und an Gelehrte. Am 1. März d. I. folgte ein Vortrag des Rabbiners Dr. Grünwald „zur Volkskunde der Juden" im hiesigen jüdischen Literatnrverein. Es wurde darin auf die hohe Bedeutung volksthümlicher Forschungen im Allgemeinen, sowie ganz besonders der jüdischen Volkskunde für die Wissenschaft im Großen und Ganzen, vor Allem für Israel selbst hingewiesen und zur Theilnahme an den Arbeiten des Comites eingeladen. Für das Museum sind bisher eingegangen je ein Exemplar Smyrnaer Ketuba (Ehecontract), Tunesische Rechtsurkunde. Preußischer Judenschutzbrief, Chaliza-Urkunde, Statut einer Chewra-Kadischa, sephardische Ketuba, jüdisch-deutsche Hochzeitsanzeige, Tanzordnung auf dem Purimball 1874 des New-Aorker Frauen-Bereins „Ceres" in Megillaform, sephardische und italienische Ketuba nebst Verlobungsurkunde, alte Chanuckalampe mit der Bestimmung, auf dem Kinderfeste der Loge benützt zu werden, alter geschnitzter Thora-Weiser (Jad) eine Auswahl jüdisch-deutscher Zeitungen und Theaterzettel aus New-Iork. Paris, 15. September. (Auf dem Orientalistenc o n g r e ß), der gegenwärtig in Paris tagt, ist es zu einer erregten Debatte zwischen den Bibelforschern aus der alten Schule (den Anhängern Wellhausen's) und den Assyriologen gekommen. Der berühmte Forscher Josef Halevy, der es bisher mit den ersteren gehalten und die Rehabilitation der Bibel bekämpft hatte, sah sich in der letzten Zeit genöthigt, in das gegnerische Lager überzugehen. Die Auffindung alter Handschriften hat nämlich den Beweis geliefert, daß die bisher als unumstößlich gegoltene Ansicht, nach welcher ein großer Theil des Buches Sacharja erst der makkabäischen Zeit angehöre, auf falscher Voraussetzung beruht. Der Orientalist Nöldecke war, als Halevy diese Meinung auf dem Congreß vortrug, ärgerlich, uitb warf den Assyriologen Sace, Hommel und Halevy vor, daß diese mit Hypothesen operirten, um die bibelkritische Wissenschaft zu discreditiren. Die genannten Gelehrten verwahrten sich jedoch entschieden gegen diesen Vorwurf, worauf es zu lebhaften Debatten kam. — Daß Halevy das Lager der Wellhausenanbeter verlassen, werden diese wohl schwerlich verschmerzen; er war bisher der geistvollste und kenntnißreichste dieser nunmehr dem Untergang geweihten Schule. — In der Section für hebräische Inschriften, gelangte ein Vortrag des Wiener Professors David Heinrich Müller zur Verhandlung, der sich mit den aus Südarabien von Dr. Glaser mitgebrachten himyarischen Inschriften befaßte. Ferner wurden reich illustrirte Handschriften einer aus Bosnien stammenden Haggada vorgelegt. Professor Guidi aus Rom sprach über amharische Studien und Mrs. Lewis aus England, die bekannte Verfasserin des Kataloges der syrischen Manuscripte des Sinaiklosters, über von ihr selbst entdeckte Fragmente der hebräischen Urschrift des Buches Sirach. In der letzten Sitzung wurde als bedeutendste und verdienstvollste Arbeit die von Professor G o l d z i h e r in Budapest vorgelegte muselmännische Encyklopädie anerkannt. Dieselbe behandelt' in