Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-24 · 39 (24.9.1897) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
39 (24.9.1897)
Date
1897-09-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021208--07138-3031452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Seite 792 Vr. Vwch's Wochrnphrist. Nr. 39 Correspondenzen. Wien. (Leistungsfähigreit jüdischer Firmen.) Wir haben in unserer jüngsten Nummer über die Einweihung des herrlichen neuen Tempels in Debreczin berichtet, und zur Ehre der so viel verlästerten jüdischen Arbeit muß nachgerragen werden, daß sämmtliche Beleuchtungsobjecte in diesem Tempel, welche wegen ihrer stylgerechten und geschmackvollen Ausführung die allgemeine Bewunderung bei der Einweihung erregten, von der Broncewaaren- und Luster-Erzeugung für Gas und elektrische Beleuchtung der Firma Adolf Kelsen Wien, IV., Goldegggasse 20, geliefert wurden. Herr Kelsen ist Specialist in Tempeleinrichtungen von seiner Branche. Er hat! auch den im Vorjahre in Prag (kgl. Weinberge) erbauten großen Tempel ganz für elektrische Beleuchtung eingerichtet, lieferte ferner die sämmtlichen Beleuchtungsobjecte für den erst vor Kurzeni erbauten neuen Tempel in Troppau und ist gegenwärtig von der hiesigen Cultusgemeinde mit der Lieferung der Beleuchtungsobjecte für den Adaptirungsbau, Seitenstettengasse 2, sowie für das israelitische Blindeninstitut auf der „hohen Warte" betraut. — Ferner muß hervorgehoben werden, daß an dem prächtigen, neuen Tempel in Debreczin alle Steinmetzarbeiten von der Stadt-Steinmetzmeister-Firma Wulkan und Neubrunn, Wien, lll., außer der St. Marxer-Linie, ausgeführt wurden, und deren Arbeiten an Correctheit und Reinheit nichts zu wünschen übrig lassen. Wien. (Die Burschenschaften und der Antisemitismus.) Der alte Streit, welcher schon seit Jahresfrist innerhalb der deutschen Burschenschaften und innerhalb der Burschenschaft „Germania" in Breslau über die Nichtaufnahme jüdischer Mitglieder geführt wird, ist nunmehr zu einem theilweisen Abschluß gekommen. Die genannte Burschenschaft und nach ihr verschiedene andere hatten den Beschluß gefaßt, in Zukunft keine Israeliten mehr als Mitglieder aufzunehmen. Alsbald protestirten hingegen die „Alten Herren". Sie versammelten sich zu diesem Zwecke im November v. I. in G l e i w i tz und gaben dort ihrem Widerspruch in einer einstimmig angenommenen Resolution energisch Ausdruck. Es war darin unter Anderem gesagt: „Wir weisen den finsteren Geist der Unduldsamkeit, welcher den altgeheiligten Grundsätzen der deutschen Burschenschaften Hohn spricht und die Bande inniger Freundschaft unter den Bundesbrüdern verschiedener Confession zu zerreißen sucht, zurück. Dieser Geist mißachtet die Freiheit und Gleichberechtigung aller Bürger, verletzt die Ehre der Commilitonen und widerstreitet dem Vaterlandssinn. Ein Beharren auf jenem Beschlüsse muß zur Trennung „alter" und activer Burschenschafter führen. Das Ansehen und die Ehre der deutschen Burschenschaften verlangt daher, daß jener Beschluß alsbald beseitigt und die gefährdete Eintracht wiederhergestellt wird durch ein einmüthiges rückhaltloses Bekennen zu dem Geiste vorurtheilsloser Duldsamkeit, welcher immerdar der Stolz und die Zierde der deutschen Burschenschaften bleiben muß." — Diese Resolution hatte ein Rundschreiben der „Germania" an sämmtliche Burschenschaften zur Folge, worin sie mittheilte, „daß sie vielmehr stets das Recht wahren werde, über die Aufnahmefähigkeit neuer Mitglieder selbst zu entscheiden." Der Protest der „Alten" hatte also keinen Erfolg; dasselbe Schicksal theilten ihre späteren Vorstellungen und das Ende vom Liede ist nunmehr der in letzter Zeit erfolgte Austritt zahlreicher jüdischer und christlicher „alter Herren" aus der Burschenschaft. Hiervon hat die letztere ihren Commilitionen selbst durch Circular Kenntniß gegeben. Die Ausgeschiedenen werden, wie die „Frankfurter Zeitung" mittheilt, ihre Stellung zu der Streitfrage in einem Memorandum an alle Burschenschaften ausführlich darlegen. Budapest. Franz Pulszky.' Ehrenmitglied der Akademie der Wifienschaften, Generalinspector der königl. ungar. Museen in Ungarn, ehemaliger Reichstagsabgeordneter rc. rc., ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Der Verblichene war ein Philosemit erster Güte. Im Jahre 1848 wurde Pulszky von dem edlen Erzherzog Palatin Stefan zugleich mit den ehemaligen Ministern Klauzül und Szemere zum Regierungscommissär ernannt und in dieser Eigenschaft erwarb er sich das hohe Verdienst, in Stuhlweißenburg einen Judenkrawall unterdrückt zu haben, wodurch er zahlreichen Juden das Leben und das Eigenthum rettete Dr. Alexander Büchler, hervorragender Historiker, Rabbiner von Keszthely, wurde am 31. August l. I. mit großer Feierlichkeit in seinem neuen Amte installirt. Tachau. Hier hat sich unter der Firma H a n s S t e i n e r L C o. ein antisemitisches Consortium zur Erzeugung von Perlmutterknöpfen gebildet. Die Inhaber der Firma : Hans Steiner, Adolf Lugner, Josef H e i m e r l und Anton „ Breinl predigen den reinsten Judenhaß und den Grundsatz: „Kauft nur bei Christen!", sie selbst aber wollen den jüdischen Exporteuren in Wien ihre Erzeugnisse anpreisen und den Nutzen, den sie von den Juden ziehen, dazu benützen um ihren Heiloalluren fröhnen zu können. Jüdische Exporteure und Perlmutterknopfhändler, merkt Euch dies und setzt dem Heilorufe: „Kaust nur bei Christen!" den Ruf entgegen: „Wir wollen mit unserem Gelde die Heilobrüder nicht unterstützen!" Bifenz. Am 14. d. M. ist der neugewählte Rabbiner Herr Dr. Josef Hoff aus Proßnitz in unserer Gemeinde eingetroffen. Zu seinem Empfange haben sich am Nordbahnhofe Bisenz- Pisek eingefunden: Herr Cultusvorsteher Eduard Fürst, Herr- Vorsteher - Stellvertreter S. K ö n i g st e i n, Herr Cultusrath Alex. Frankl und noch mehrere Herren des Cultusausschusses; Herr Bürgermeister Ignatz Frankl, der Präses der Chewra^ Kadischa Herr Hermann Frankl mit noch anderen Herren des Chewra-Kadischa-Vorstandes, der Herr Oberlehrer, sowie die Beamten der Cultusgemeinde. Aus dem naheliegenden Orte Poleschowitz erschienen drei Herren, welche dem verstärkten Cultusausschusse angehören. Der Herr Cultusvorsteher, der Herr Cultusvorsteher-Stellvertreter, der Herr Bürgermeister und der Herr Präses der Chewra-Kadischa begrüßten in warmen Worten unseren neuen Seelenhirten, gedachten des bereits vor kurzer Zeit nach Floridsdorf abgegangenen Rabbiners Herrn Dr. R o s e n m a n n und sprachen den Wunsch aus, daß es unserem neuen Herrn Rabbiner gelingen möge, die Eintracht und den Frieden in unserer Gemeinde zu fördern und zu erhalten und daß er sein Hauptaugenmerk unserer Jugend hinsichtlich des Religionsunterrichtes zuwende. In sichtlicher Rührung dankte Herr Rabbiner Dr. Hoff, für den ihm in solch' solenner Weise bereiteten Empfang, und versprach, sich jederzeit zu bestreben, das in ihn gesetzte Vertrauen nach Menschenkraft zu rechtfertigen, indem er sich hochgeehrt fühlt, in einer so altehrwürdigen Gemeinde wie Bisenz von so vielen Bewerbern aus der Wahl hervorgegangen zu sein, der berufen sein soll, in dieser hochehrsamen Gemeinde das Wort Gottes zu verkünden. Am Sonntag den 18. d. M. hat Herr Rabbiner Doctor Hoff seine Antrittsrede gehalten. Lemberg. Am 15. d. M. fand hier die Trauung der Tochter des Führers der strenggläubigen Partei, Fräulein ' Paula Rokech, mit Herrn Dr. Ml. Meier Munk, Sohn des greisen Rabbiners E. Munk aus Altona, statt. Zu dieser Feier waren die Mitgliedler der besten Kreise der hiesigen jüdischen Gesellschaft, aus Deutschland Angehörige des Bräutigams, unter ihnen sein Vetter, Dr. Hirsch Hildesheimer. Herausgeber der „Jüdischen Presse", Sohn Sr. Ehrwürden des Rabbiners Dr. Hildesheimer in Berlin, erschienen. Die Ceremonie wurde nach strenggläubigem Ritus im Garten des der Familie Rokech gehörigen Hauses von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Schmelkes vollzogen. Beim Hochzeitsdiner richteten der Vater des Bräutigams, der Bräutigam selbst, sein Bruder und Schwager, Beide Rabbiner von Deutschland, sowie Dr. Hirsch Hildesheimer und <Ie. Ehrwürden Rabbiner Schmelkes ernste Worte tief jüdisch-religiösen Inhalts an die Festgäste. Diese eheliche Verbindung gewinnt als Vereinigung polnisch- und deutsch-orthodoxer Kreise ein erhöhtes Interesse. Prag, 20. September. Ein Verein, der sowohl die Interessen des israelitischen Religionsunterrichtes, wie die des israelitischen Religionslehrerstandes zu fördern verspricht, hat sich hier gebildet, der „Verein der israelitischen Religionslehrer in Prag und dessen Vororten". Da dem Verein als außerordentliche Mitglieder auch Nichtlehrer beitreten können, verspricht man sich namentlich von den Bereinsabenden, an welchen auch Väter von Schülern ihre Wünsche und Anregungen zur Discussion bringen können und dadurch die oft von einseitigem persönlichen Standpunkte dictirten Angriffe aus der Oeffentlichkeit verschwinden machen werden, viel Nutzen. Der Verein ist in drei Sectionen getheilt (1. Mittel-, 2. Volks- und Bürger-, 3. Talmud-Thoraschulen), an deren Spitzen 1. Rabbiner Dr. Back, 2. W. Freund und 3. Rabbiner Dr. Grün stehen. Der Ausschuß hat sich derart constituirt, daß Rabbiner Dr. Kisch zum Obmann, Rabbiner Stark zu dessen Stellvertreter, Rabbiner Dr. Grün zum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.