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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-24 · 39 (24.9.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
39 (24.9.1897)
Date
1897-09-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 790 Dr. NUnv s MoMenlrtzrtfr 'Jtx. 39 Wissen vor? Nicht das Geringste. Es soll damit nur festgestellt werden, daß Heine echt jüdischen Mutterwitz und sit venia verbo talmudische Satyre besessen habe, und daß das richtig ist, kann man in Heine's Werken auf Schritt und Tritt finden, notabene wenn man nicht in unglaublicher Verbohrtheit sich bemüht, aus einzelnen Fällen, die literarisch erklärbar sind, das Gegentheil herauszutüfteln. Nun aber gar die Vorsichtsklausel des Verfassers, die Kenntniß des Judenthums niedriger zu hängen, die aus den Werken Heine's hervorgeht. Der Satz beweist nur, daß der Verfasser keine Ahnung von literarischer Thätigkeit hat, keine Idee davon, daß der Zweck oft genug Veranlassung gibt, ja oft sogar gebieterisch fordert, weit auseinanderliegende Dinge zusammenzufaffen, historische Facten abzuändern oder historischen Persönlichkeiten andere Charaktere, Beweggründe rc. rc. unterzulegen. Ob dies nun geschieht, um neue Personen in die Handlung zu bringen oder die geschichtliche Handlung zu dem gewünschten Ziele zu führen, oder was wohl am häufigsten ist, um auf das Gefühl des Lesers zu wirken, ist gleichgiltig. Genug, es geschieht, und es hat sich bisher noch Niemand so bloßgestellt, daraus Schlüsse auf die respectiven Kenntnisse der Literaturgrößen zu ziehen. Ich will nun in das Meritorische des Artikels eingehen, muß aber vorher bemerken, daß es mir nicht im Geringsten einfällt, für Heine's jüdisches, respective talmndisches Wissen eine Lanze zu brechen, denn er selbst hat niemals darauf Anspruch gemacht und man hat es ihm auch nie zngemuthet. Nur der Verfasser des Artikels hat es bestritten. Ich will demselben nun nicht nachweifen, daß Heine es trotzdem besaß, was mir wohl auch unmöglich wäre, sondern daß Heine — wir wollen von feiner Taufe abseheu — es trotz des Gegenbeweises des Verfassers hätte haben können. Das heißt, daß alle diese Beweise nicht stichhältig sind und Heine ein ganz guter Jude hätte sein können, trotzdem er da oder dort, diesen oder jenen — der Verfasser nennt es Fehler — gemacht hat. Und das ist nicht einfach leere Sophisterei, sondern soll nur der Beweis meiner Behauptung sein: „Heine hat echt jüdischen Mutterwitz gehabt und wirklich jüdisch-talmndisches Gefühl." Der Verfasser selbst gibt zu, daß Heine Jbn Efra ganz zutreffend, ja sogar historisch richtig den „göttlichen Schlemihl" nennt. Nun sucht Heine das Wort Schlemihl zu erklären und thut dies an der Hand eines Gewährsmannes. Ich will auf das Ganze nicht näher eingehen, wen es interessirt, der lese die betreffende Stelle im Artikel in Nummer 36 nach. Daß Heine's Erklärung des Wortes Schlemihl eine unrichtige ist, mag ja sein, dann trifft aber eine Beschuldigung nicht ihn, sondern nur seinen Gewährsmann. Wenn sich da einer auf falscher Fährte befindet, so ist es eben der „Heilige Hitzig", und wenn der Verfasser dem jüdisches Wissen absprechen will, so habe ich absolut nichts dagegen, das interessirt mich nicht. Nun kommen wir zu der „Disputation", auf deren herrlichem Felde der Verfasser so besonders fröhlich sein Steckenpferd tummelt, dem er es so prächtige Bockssprünge machen läßt. Er schreibt: „Streift man den epigrammatischen Werth und den seinen Sarkasmus ab, so findet man lauter historische Unrichtigkeiten." „Ja, was soll denn das heißen? Die „Disputation" ist ein Werk, welches eben nur einen epigrammatischen und satyrischen Werth hat und haben soll, aber noch kein Geschichtswerk. Da wird einer nächstens den Faust hernehmen und sagen: Streift man den lyrischen, dramatischen und philosophischen Werth ab, so bleibt lauter Hexen und Teufelszeug, das nie existirt hat," und wird nun daraus deduciren, daß Goethe ein abergläubisches, altes Weib war. Aber es kommt noch schöner: „Sowohl Zeit als Ort und Personen sind fälschlich benannt; ja, der Dichter läßt Personen auf den Kampfplatz treten, bevor sie noch existirt haben." Und weiter: „Die handelnden Personen sind als Disputanten unbekannt und wahrscheinlich mit anderen Personen verwechselt worden". Das ist denn doch ein bischen stark, mein lieber Herr Anonymus! Mit genau demselben Rechte könnte man schreiben : „In Schiller's „Räuber" sind Zeit, Ort und Personen fälschlich benannt. Der Räuber Karl Moor ist unbekannt und wahrscheinlich mit dem Räuber Rozsa Sandor verwechselt worden. Der Schauplatz seiner Thaten sind nicht Böhmens Wälder, sondern die Ebenen Ungarns rc. mit Grazie". Das ist denn doch zu naiv. Heine hat eben eine Disputation schreiben wollen, nichts weiter. Die Personen sind erfunden und nur um den Schein der Echtheit zu wahren, mit historischen Namen belegt worden, gleichgiltig, ob die Personen, denen die Namen zugehören, damals schon tobt ober noch nicht geboren waren. Dadurch wird aber auch alles daran Geknüpfte hinfällig. Aber etwas Anderes hat sich der Verfasser da entgehen lassen, was leichter aufzufinden und schwerer zu bestreiten wäre. Angenommen ist in der „Disputation", daß der Besiegle die Religion des Siegers annehme. Nun schwingen die Juden bei einer Rede von Rabbi Juda frohlockend die Beschneidungsmeffer, da sie glauben, der Franziskaner sei nun besiegt. Da wäre eventuell zu sagen, daß die Juden nie Proselyten gemacht haben, nie ihre Religion Andern aufgezwungen, sondern ihre culturhistorische Mission in etwas Anderem erblickt haben, und es sei bezeichnend, daß Heine das nicht wisse. Man sieht, ich bin gerecht und bringe auch Beweise herbei, die gegen mich sprechen könnten. Anzunehmen ist jedoch, daß Heine dies auch wußte, und es nur gebrauchte, um eine witzige Antithese für das Schwingen der Taufbecken der Franziskaner zu haben. Bon unglaublicher Naivetät zeigt aber der letzte Passus über „Der Rabbi von Bachrach". Gerade das ist so einfach und selbstverständlich, daß man kaum glauben könnte, es würde das Jemand mißverstehen. Das todte Kind wird dem Rabbiner am Passah-Abend vor die Thür gelegt, da es zu anderen Zeiten keinen Sinn hätte. Das Märchen vom Blutrituale beschuldigt eben die Juden, Blut zu Ostern zu verwenden. Nun flieht der Rabbi und kommt mit seiner Frau Sarah in eine Synagoge. Dort hört diese die Thorastelle: „Und Gott gedachte der Sarah ..." und schöpft neue Hoffnung. Nun ist wohl richtig, daß diese Stelle nur am Neujahrstage verlesen wird, aber Heine kann dies noch ganz gut gewußt haben. Er bedurfte ihrer, um einen Eindruck auf das Gemüth des Lesers hervorzurufen und nahm sie eben, ohne sich um die Zeit zu kümmern. Das ist kein Mangel an jüdischem Geist und talmudischem Wissen, das ist eine einfache poetica licentia. Ich hoffe, ich bin nicht mißverstanden worden. Ich wollte nicht das Gegentheil beweisen, ich wollte nur beweisen, daß des anonymen Verfassers Beweise keine Beweise sind, und ich hoffe, daß mir dies gelungen ist. Im Uebrigen ist es vollkommen gleichgiltig, ob Heine jüdisches Wissen besessen habe oder nicht, denn er gehört nicht zu uns, ein getaufter Jude hat teure Gemeinschaft mit uns mehr. Dem Verfasser aber, der uns bewies, daß er die jüdisch: Geschichte sehr gut, Heine aber gar nicht versteht, möchte ich die Worte Heine's zurufen: „Mit Wehmuth erfüllt mich jedesmal Dein Anblick, mein armer Vetter, Der Du die Welt erlösen gewollt; Du Narr! Du Menschheitsretter!" Max Buchbinder. Spanische luden in Bosnien. Während eines längeren Aufenthaltes in den occupirten Provinzen Bosnien und Herzegowina hatte ich häufig Gelegenheit, mit den Abkömmlingen jener aus Spanien exilirten Juden zusammenzutreffen, die im XV. Jahrhundert eine bemerkenswerthe Rolle in ihrer Heimat gespielt hatten. Durch die vollständige Abgeschiedenheit von der übrigen Culturwelt haben die Spaniolen Bosniens viele Charakterzüge gewahrt, welche bei den Anderen ihrer Stammesgenossen in Folge 'Einwirkung der Alles nivellirenden Cultur bereits gänzlich geschwunden sind. Aus diesem Grunde setze ich mir die Aufgabe, noch bei Zeiten einige Daten bezüglich der historischen, sprachlichen und religiösen Anschauungen dieser spanischen Juden zu sammeln, um dieselben vor der Vergessenheit zu retten. Dieses Völklein verdient unsere Beachtung in hohem Grade, weil aus seiner Mitte viele strahlende Größen der speciell jüdischen und allgemeinen Gelehrsamkeit hervorgegangen sind. Wenn der edle Chr. Fr. Schubart in seiner Vaterlandschronik schreibt: „Die wahre Aufklärung, die ihren strömenden Glanz in die Ewigkeit hinauswirst, haben wir — nicht den Griechen und den Römern, sondern den Juden zu verdanken," so dachte derselbe in erster Reihe an die Größen der spanischen Periode. Doch die Zeiten ändern sich. Dieser spanisch-jüdische Volksstamm, welcher unter der Sonne der Freiheit so Tüchtiges und Glänzendes hervorgebracht hat, ist in neuerer Zeit von dem hohen Piedestal, welches er einst eingenommen, tief, sehr tief herabgestiegen. Der Weinberg, welcher köstliche Trauben verheißen, hat nach den Worten des Propheten Jesaias blos kleine

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