Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 39 (24.9.1897)
- Date
- 1897-09-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Klette 788 Dr. Vloch's Wochrnkchrifi. Nr 39 „Sendboten", er Hilst euch Allen! Besonders aber würde er Herrn v. Vergani geholfen haben, da er sich um das praktische (!) Christenthum besondere (!) Verdienste erworben hat, daher empfehlen wir ihm bei nächster Gelegenheit das Gelübde: die Veröffentlichung im „Sendboten".- Vom Stamme Dühriug's. Nach Eugen Dühring's Ansicht ist Heinrich Heine überhaupt kein Poet. Das ist Ansichtssache und wir hätten Herrn Dühring ruhig bei seinem kritischen Nonsens gelassen, wenn nicht Poesien seiner Angehörigen unsere Kritik herausgefordert hätten. Sein Sohn Ulrich Dühring, auch ein Judentödter, veröffentlicht im „Mod. Völkergeist" (Mitte August, S. 121) folgendes Gedicht: Das Allerneueste. Ein Jude hatte vor Jahren geheckt Eine wichtige, grauße Entdeckung; Von stemdem Ruhme plötzlich erschreckt, Entzog er sie rasch der Versteckung Er ließ nun kundthun, Knall und Fall, Das große Geheimniß allüberall. Urania sprang und tanzte wie toll Ob diesem Triumphe der Daitschen; Die Zeitungen nahmen den Mund so voll, Daß Minerva schon dachte an's Peitschen. Doch weil sie langmüthig war und ist, Läßt sie dem Rummel noch einige Frist. Und Frau Emilie Dühring fügt ein unendlich langes Poem hinzu „Im Zeitalter des Mikros", ein sinnloses Gewäsch, aus dem wir folgende Probe hersetzen: Doch nun ist schon da der Mikroben Zeit, Die Zeit der Atom' und Molekeln. Daran muß glauben ein Jeder heut, So sehr auch es ihn mag ekeln; Denn „Molekeln, Bacillen, Kokken, ringsum" Ertönt der Wisienskerfe Gesumm. Nun wiffen wir, daß Heinrich Heine ein elender Poet ist und wo wahre Poesie blüht. Heinrich Heine über den Antisemitismus. Ein noch ungedrucktes Gedicht H ein e's finden wir in einem Artikel des Professor C. M. Mül ln er in „Schorer's Familienblatt", der ein ganzes Buch mit ungedruckten Gedichten aus dem Nachlaß eines Autogrammensammlers in Aussicht stellt. Das Heine'sche Gedicht gibt so recht Zeugniß für die Wahrheit des Satzes, daß der echte Dichter für die Ewigkeit schreibt; angesichts heutiger Verhältnisse hätte Heine auch nichts Treffenderes schreiben können, als: Drei Dinge haben hier im Leben Macht: Der Neid, die Hoffart und die Niedertracht; Doch wenn sie Dich auch noch so schön bespucken Am Ende wirst Du sie zu Boden ducken! Verloren aber bist Du auf der Welt, Wenn sich die Dummheit Dir entgegenstellt; Sie setzt Spinoza hinter Löbel Pintus, Und hat die Weisheit aller Zeiten intus. Sie lacht wie ein Eretin Dir in's Gesicht Und lästert Alles, nur sich selber nicht; Und nichts bleibt übrig Dir von diesem Viehchen, Als sacht' Dich in Dich selber zu verkriechen. Anthropologisches über die Juden. In seinem Werke „Der Mensch" (zweite Auflage 1894, Bd. II) sagt Professor Dr. Johannes Ranke unter Anderem: „Die körperlichen Differenzen zwischen den Völkern sind geringer als die zwischen den verschiedenen Ständen; sie sind mehr von der Beschäftigung als von der Abstammung bedingt. . . Die Juden in den ruffischen Ostseeprovinzen stimmen in ihren Körperproportionen vollkommen mit den dortigen Ariern und Finnen überein, weil sie zum Theil Handwerker und Bauern sind und sich im Allgemeinen von der Bevölkerung weniger als in Oesterreich durch den Mangel körperlicher Beschäftigung unterscheiden ... Im südwestlichen Rußland entspricht die Körpergröße der Juden derjenigen der christlichen Bevölkerung, unter welcher sie leben; unter einer Bevölkerung von großem Wuchs sind auch die Juden groß. In ähnlicher Weise sind blonde Juden in Deutschland nicht fetten, noch häufiger in Polen und Rußland." Ein Gott als Geschäftsmann. Man berichtet der „Frankf.-Ztg." aus P a r i s: In der »Academie des inscriptions et des belles-lettres« Verlas Herr Oppert eine interessante Arbeit über die Handels- und finanziellen Operationen eines chaldäischen Gottes der Stadt Sippara am Euphrat, des Gottes S a m a s. das heißt des Sonnengottes. Die Priestergenossenschaft dieser Gottheit, die im Namen des Gottes selbst die Geschäfte betrieb, vermochte mindestens 3000 Jahre lang sich zu halten und ihre Operationen mit Glück durchzuführen, was ihr so leicht keine von einem einfachen Sterblichen geleitete Handelsgesellschaft nachmachen dürfte. Sie lieh Geld zu einem sehr hohen Proceutsatz, vielleicht zu 25 bis 33 Percent, aus. Der Gott war auch Großgrundbesitzer, und diese Thatsache hat zur Folge gehabt, daß man in Sippara keine Contracte über Terrainverkäufe aufzufinden vermochte, während Schriftstücke dieser Art im übrigen Mesopotamien sehr häufig sind. Um diese Terrains abzumessen, hatte der Gott seine eigenen Maße. Ein Horn oder eine Tonne bedeutete ein Grundstück von 50.000 Geviertellen in Sippara, während dieselbe Tonne in Babylon 54.000 Geviertellen faßte. Der Gott verpachtete seine Ländereien und erhielt für jede Tonne Gebiet eine gewisse Anzahl von Tonnen Getreide, die zwischen drei und dreißig schwankte. Man besitzt detaillirte Abrechnungen auf Denkmälern. Ein Generaltarif wurde alljährlich festgestellt. Der Gott vermiethete Häuser in der Stadt und man ist auch im Besitze von Rechnungsablegungen über den Verbrauch des von dem Gotte eincassirten Geldes. Er kaufte nur Sachen, die man ihm nicht als Geschenke verehrte, und verkaufte sie mit Nutzen wieder. Alle Handelszweige waren in den Operationen dieses prakttschen Gottes vertreten, mit Ausnahme eines einzigen, des Menschenhandels. Der Sonnengott hat nie Sclaven gekauft oder verkauft, denn er machte im Verkehr mit den Sclaven ebensogut Geschäfte, als mit den freien Männern und legte in dieser Hinsicht, so sehr er auch Gott war, menschliche Gesinnungen an den Tag. Nach fünsstg Jahren. Die Lemberger Tempelgemeinde beging am 9. Elul (7. September) den 50. Jahrzeittag ihres ersten Rabbiners Abraham Kohn, dessen unnatürlicher Tod ein so grelles Licht aus die religiösen Kämpfe innerhalb des Judenthums in der ersten Hälfte des zur Neige gehenden Jahrhunderts warf, Kämpfe, die zwar bis heute noch nicht beendigt sind, aber doch mit weniger Animosität geführt werden, weil die Gegensätze nicht mehr die frühere Schärfe haben, die Orthodoxen nicht mehr die Glanbensgluth von damals besitzen und auf der anderen Seite die Reformwuth in völligen Jndifferentismus übergegangen ist. Abr. Kohn war 1806 zu ZaluZan in Böhmen geboren. Sei» frühzeitig hervortretendes Talent bewog die Eltern, ihn in den rabbinischen Fächern ausbilden zu lassen, wie er überhaupt selbst für den geistlichen Stand Vorliebe zeigte. Insgeheim studirte er auch profane Fächer mit großem Fleiße, absolvirte dann in Pisek die Gymnasial- und in Prag die philosophischen Studien, und erhielt sich während dieser Zeit auf kärgliche Weise durch Lectionengeben. Im Jahre 1830 trat er zum ersten Male mit einer Predigt auf, mit der er einen großen Erfolg erzielte. Es war dies anläßlich der Eiitweihung der Synagoge in Pisek. Im Jahre 1833 erfolgte sodann seine Berufung nach Hohenems, und am 4. Mai 1844 trat er das Amt eines Religionsweisers und Predigers in Lemberg an. Nun begann für Abr. Kohn eine Periode harter Kämpfe. Er erachtete es zunächst als dringendes Bedürfnis, elementare Bildung tit die großen Massen zu tragen und ging 1845 an die Gründung der ersten israelitischen Normalschule, an deren Spitze er mehrere Jahre hindurch stand. Seine Predigten, die er vor Erbauung des Tempels in der alten Synagoge zu halten pstegte, führten ihm immer neue Anhänger zu. Ec wurde jedoch nur von einer geringen Schaar treuer Gesinnungsgenossen verstanden, während er von den damals übermächtigen Orthodoxen mit allerhand Chicanen verfolgt wurde, und ein Zelote wandte das äußerste, das gräßlichste Mittel an: -- Gift. Während Abr. Kohn mit der Vorbereitung zur Herausgabe einer jüdischen Monatsschrift beschäftigt war, ereilte ihn am 9. Elul 1848 der Tod. Den Samstag vorher hatte er über das Thema: „Du sollst nicht morden" gepredigt. Die Tempelgemeinde, hat das Möglichste gethan, um den 50. Todestag dieses Märtyrers würdig zu begehen. Im Tempel, von dessen Giebel eine Trauerfahne wehte, fand am Vorabende eine imposante Feier statt, der ein hundertköpfigcs Publicum, darunter auch zahlreiche Mitglieder der Cultusrepräsentanz, beiwohnten. Rabbiner Dr. Caro hielt eine ergreifende Rede, in