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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-09-17 · 38 (17.9.1897) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Vloch^s WochrnkchrM Sette 773 Berliner Reichstagswahlkreise einen gemächlichen Familienzank arrangirt: „Deutsch-sociale Reform-Partei" und „Germanischer Volksbund" waren es, die sich da freundschaftlich in die Haare geriethen. Am schlilnmsten kam dabei der gar nicht anwesende G Y m n a s i a l - P r o f e s s o r Dr. Förster weg, dem wegen seines Austrittes aus der antisemitischen Reichstagssraction nichts weniger als „Renegatenthum" vorgeworfen wurde. Auch verübelte man ihm, daß er für den „Germanischen Volksbund" als Mitarbeiter einer von Herrn v. Mos ch herausgegebeneu antisemitischen Zeitschrift thätig sei. Herr v. Mosch nahm sich des Freundes an und erklärte, „daß Professor Dr. Förster jetzt genau so wie er (v. Mosch) vom „Germanischen Volksbunde" a n g e st e l l t sei und pro Monat 100 Mark Geh alt für seine Agitation bekomme, da er mit seinem P r o f e s s o r e n g e h a l t e feine Familie nicht ernähren könne". Der Bericht eines hiesigen Antisemitenblattes verzeichnet hier: „Große Bewegung. Höhnisches Lachen! Pfuirufe und hört! hört!" Wir müssen es den Gesinnungsgenossen des Herrn Dr. Förster überlassen, die selbstlose Begeisterung, mit der er gegen 100 Mark Monatshonorar für die heilige Sache des Antisemitismus kämpft, nach Gebühr zu würdigen. Uns interessirt hier die ö f f e n t l i ch e S t e l l n n g, die Herr Professor Förster einnimmt. Es wird von Seiten der Gymnasiallehrer vielfach über Ueberbürdung geklagt — stellenweise gewiß mit Recht —, aber wie ist es möglich, daß einer von ihnen bei all' seiner amtlichen Thätigkeit noch so viel Zeit erübrigt, daß er ein fest besoldetes Nebenamt als Agitator auuehmen und ausfüllen kann? Wenn man weiß, wie peinlich die Aufsichtsbehörden darüber wachen, daß zum Beispiel die Bolksschullehrer keine Nebeneinnahmen nebst solchen Nebenverpftichtnngen haben, die ihre Amtsarbeit nachträglich beeinstussen könnten, so muß die Thatsache, daß hier eine politische Interessengruppe in d e r Pers o n ei n e s k ö n i g l i ch e|it Gymnasialle h rers einen Agitator besoldet, doppelt bemerkenswerth erscheinen. Sie wird nur erklärlich, wenn man annimmt, daß die Vorgesetzte Behörde Förster« von seiner nebenamtlichen „Anstellung" nichts weiß. Daß die Lage der Gymnasialprofessoren eine so traurige ist, daß sie ohne einen Zuschuß von 1200 Mark ihre Familie nicht ernähren können, darf schließlich stark bezweifelt werden. Danzig, Ende August. Bor circa 14 Tagen fand hier eine Versammlung des „D e u t s ch n a ti o n a l e u Handlungsgehilfen-Verbandes" statt, in welcher dieser für seine Institutionen, bei denen im Statut u. A. der Ausschluß der Juden gefordert wird, Propaganda machte. Der Verlaus dieser Versammlung, insbesondere die etwas eigenartige Handhabung der Abstimmung über eine Protestresolution gegen die antisemische Tendenz des Verbandes, hatte den Vorstand des kaufmännischen Vereines von 1870 veranlaßt, eine zweite öffentliche Versannnlung für gestern Abend in den „Kaiserhof" einzuberufen, die recht zahlreich besucht war und nahezu einstimmig eine Resolution annahm, welche den Antisemitismus als „m i t der Stellung undWürde eines deutschen Kaufmannes unvereinbar" entschieden verurtheilt. Nürnberg, 3. September. Eine hohe Auszeichnung ist unserer Gemeinde zu,Theil geworden: Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin haben, geleitet von Sr. königlichen Hoheit dem Prinzregenten und der Prinzessin Ludwig, gestern Nachmittag, wie die evangelische und katholische Kirche, auch die Synagoge mit ihrem Besuche beehrt. Im Vorhofe wurden die Fürstlichkeiten von Mitgliedern der Gemeindeverwaltung empfangen, während an der Pforte Herr Rabbiner Dr-. Ziemlich sie mit dem rituellen Segenssprnch begrüßte. Hierauf nahmen die erlauchten Besucher das Innere des Gotteshauses mit sichtlichem Interesse in Augenschein, wobei der Kaiser und der Prinzregent Fragen über die Verhältnisse der Gemeinde an die begleitenden Herren richteten. Nach kurzem Verweilen verließen die Herrschaften, in bereit Umgebung sich auch die Herren Bürgermeister Dr. v. S ch u h und Täubler befanden, nachdem der Kaiser und der Prinzregent sich von der Gemeindevertretung in huldvoller Weise verabschiedet und dem Herrn Rabbiner die Hand gereicht hatten, das Gotteshaus. Paris. (Die französischen Juden unb ber Bas eler Congreß.) In Frankreich hat zuerst Josef Reina ch, der bekannte Abgeordnete, im „Figaro" gegen den Zionismus pro testirt; erbezeichnet ihn als Anachronismus und behaisptet, kein französischer Israelit werde auswandern, alle seien französische Patrioten geworden. Der Zionismus sei ebenso wie der Antisemitismus den Grundsätzen der Revolution zuwider, er sei in jeder Beziehung gänzlich undurchführbar. Der hervorragende Pariser Advocat G o u d ch a u x sagt in einer Erklärung, jeder französische Israelit, der auswandern würde, mache sich eines Verbrechens gegen das Vaterland schuldig. Wir wollen übrigens bei dieser Gelegenheit noch nachtragen, daß das Dankschreiben, welches der Großrabbiuer von Frankreich, Z a d o k K a h n, aus die Einladung zum Zionistencougreß erlassen, keineswegs eine Billigung der zionistischen Utopien enthält, sondern nur den Wunsch ausspricht, daß die Beschlüsse „zum Segen für das ganze Judenthum und alle Glaubensgenossen in der ganzen Welt werden mögen." London. Die Bewegung, welche sich in neuester Zeit unter den . uden des Ostends zeigt und dieselben zur Uebersiedelung nach den ländlichen Districten in der Nähe von London zu ermnthigen sucht, hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Außer einem neuen Strom von Ansiedlern, welche nach Benfleet gegangen sind, ist auch nach Bitsea, 4'/? englische Meilen von Bensteet, aber näher von London, eine ganze- Anzahl von jüdischen Familien gezogen, welche sich dort kleine Stücke Landes gekauft haben. Sie beabsichtigen, Gemüsegärten anzulegen, und hoffen mit ihren Producten die Märkte in Romford, Gravesend und Tilbury zu versorgen, welche ganz uahe liegen, später vielleicht auch einmal nach London ihre Gemüse 2C. zu liefern. Es kann natürlich nur freudig begrüßt werden, wenn einige hundert jüdischer Schneider und Schuhmacher :c. sich entschließen, ihren Beruf zu wechseln und Gärtner zu werden. London. Eine ganze Anzahl Telegramme gleichen Inhaltes find hier eingegangen aus Buschir in Persien, in denen von neuen sehr schweren Verfolgungen gegen die Juden in Fars berichtet wird. Der Gouverneur von Fars hat die Juden versammelt und ihnen nur die Wahl gelassen, entweder zum Islam nberzutreteu oder zu sterben. Gleichzeitig verweigert man den Unglücklichen alle Nahrungsmittel, so daß die 250 Armen in größter Gefahr sind. Die Empfänger der Telegramme, angesehene Personen und Körperschaften, werden gebeten, um Gotteswillen die englische Regierung zum sofortigen Einschreiten zu veranlassen. Das „Foreign Office" hat auch bereitwilligst seine Hilfe zugesagt und dementsprechende Instructionen nach Persien an seine Beamten geschickt. Athen, August. Im Spitale hier befindet sich jetzt der jüdische Soldat Giuseppe M i s a n aus Corstl, der sich im jüngsten Kriege so ausgezeichnet hat, daß er leider dadurch zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist. Wie nämlich die Liste des Kriegsministeriums anführt, war Giuseppe M i s a u der erste verwundete Soldat, an deni eine Amputation vorgenommen werden mußte, da eine Kanonenkugel ihm einen Fuß zerschmettert hatte, der ihm dann gänzlich abgenommen wurde. Der Verwundete erfreute sich während seines Siechthums des besonderen Wohlwollens der Königin Olga und der Kronprinzessin Sophia, die oft an seinem Krankenlager erschienen, um ihm Erfrischungen zu bringen, wobei sie ihm zugleich Trost zusprachen. Giuseppe M i s a n wird nun nächstens, mit einer königlichen Pension versehen, nach seiner Heimatsinsel zurückkehren. Andere verwundete israelitische Soldaten befinden sich mehrere im griechischen Militärspitale zu Arta, da das Corfuer Regiment, dem rast die meisten griechischen Israeliten angehörteu, blos auf den Schlachtfeldern von Epirus in's Feuer kam, und wurden daher dessen Verwundete gleich einem dortigen Spitale übergeben. Toronto (Canada). Die neuerbaute Synagoge, die am 5. September unter großer Feierlichkeit eingeweiht worden ist, ist ein schöner großer Bau im maurischen Styl, welcher 800 Personen faßt. Sehr erfreulich und ein Zeichen für die hier herrschende Toleranz ist, daß die hiesigen Christen einen großen Theil der nöthigen Gelder beigesteuert haben. Dadurch allein ist ein so eleganter Bau möglich geworden, so daß die Synagoge jetzt ein Schmuck unserer Stadt ist. Die Juden allein hätten so große Mittel nicht aufbringen können. Aus Rumänien. B u k a r e st. Nichts ist unseren Feinden so ärgerlich, als die Thatsache, daß trotz anderthalbtausendjährigem Drucke, unter dem jede andere Gemeinschaft längst verthiert worden wäre, unser Geist wach geblieben ist und unsere Intelligenz selbst bei

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